Man muss zugeben, er hat das geschickt gemacht die letzten Wochen. Die modische Inszenierung als Barney-Stinson-Double ist Christian Lindner jedenfalls gelungen. Darüber, dass die FDP nur ein fünfseitiges Programm als Wahlempfehlung anbietet, redet aufgrund der Schwächen Norbert Röttgens und Philipp Röslers niemand. Lindner trifft eine oppositionelle Nische.
Er arbeitet bei seinen Auftritten gerne mit wiederkehrenden rhetorischen Mitteln. Beliebt dabei: die Insolvenz von Schlecker. In seinen Interviews scheint es, als komme er rein zufällig auf dieses Thema zu sprechen. Zum Beispiel hier: „Denken Sie an Schlecker …“ Oder hier: „Beispiel Schlecker: CDU, Grüne und SPD waren sich sofort einig …” Oder auch hier: „Bei der Schlecker-Entscheidung hat man zuletzt gesehen …”
Bei allem Wahlkampfgetöse: Ein bisschen weniger Instrumentalisierung wäre stilvoll gewesen, obwohl einigen enttäuschten Guttenberg-Fans Lindners Auftreten sicherlich gut gefallen hat. Ähnlich wie Philipp Rösler glaubte Christian Lindner, das FDP-„Nein“ zur Schlecker-Transfergesellschaft könnten die Gefeuerten durch engagierte Arbeitssuche in den Arbeitsämtern selbst kompensieren.
Erst 87 der 2494 gekündigten Bediensteten haben eine neue Stelle gefunden. Trotz unterschiedlicher ordnungspolitischer Vorstellungen täte ein bisschen mehr Demut vor Schicksalen der Debatte gut.