Ich komme gerade vom Parteitag der Bochumer SPD. Bochum ist ja inzwischen die heimliche Hauptstadt der SPD. In der neuen Halle des RuhrCongress haben ja schon der Bundesparteitag und mehrere Landesparteitage stattgefunden. Heute haben die Bochumer Genossen mal selbst ihre neue Halle genossen.

Prof. Bernd Faulenbach, der Vorsitzende in Bochum, hat natürlich erstmal auch die Europawahl verarbeiten müssen. Die Bochumer sind ja noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Mit 34,4% knapp vor der CDU mit 32,7% bei der Europawahl. Das war vor fünf Jahren noch deutlich anders. Aber ich hatte den Eindruck, die Bochumer haben verstanden. Mit Kritik haben die ja in der Vergangenheit nicht gespart. Heute war der Blick aber ganz nach vorn gerichtet. Nicht abgrenzen von der Bundespolitik ist die Devise. Den Eindruck konnte man ja am Wochenende bei so manch anderem SPD-Parteitag gewinnen. Konzentrieren auf das, was vor Ort wichtig ist und was in Bochum gestaltbar ist. Und so haben die Bochumer Genossen engagiert an einem Programm für die Kommunalwahl am 26. September gearbeitet.

Und das Interesse ist groß wie selten: Normal sind bei den Bochumern Parteitage mit 150 Delegierten. Heute waren mehr als 300 Delegierte und weitere interessierte Parteimitglieder und Gäste gekommen. Klar, die Bochumer SPD kann auch selbstbewusst in die Wahlauseinandersetzung gehen. Mit Ottilie Scholz hat Bochum eine spitzen Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin. Die Frau ist bisher Kämmerin in Bochum und hat die in diesen Zeiten nicht selbstverständliche Leistung erbracht, einen genehmigten Haushalt aufzustellen, der auch tatsächlich hält. Hinter ihr stehen die Bochumer Genossinnen und Genossen, von ihrer Tatkraft scheinen viele angesteckt zu werden. Da kann einem der glücklose Kandidat der CDU fast leid tun.

Strukturwandel ist in Bochum nicht nur ein Stichwort. Das ist gelebte Realität seit vielen Jahren. Die Stahlindustrie hat vor gar nicht all zu langer Zeit hier noch Zehntausende beschäftigt. Viele Arbeitsplätze sind da verloren gegangen, in vielen Bereichen sind aber auch neue entstanden. Ein bisschen Glück war natürlich auch dabei, aber ebenso Weitsicht und Durchhaltevermögen: Seit den 60er Jahren haben die Automobilindustrie mit Zulieferern, die Universität und mehrere Fachhochschulen nicht nur tausende neue Jobs gebracht, sondern auch neue Kompetenzfelder erschlossen. Und diese Kompetenzfelder will die SPD in Bochum weiter stärken.

Wichtig und ebenso beruhigend fand ich das klare Bekenntnis, dass die Bochumer SPD nicht das „Tafelsilber“ verscherbeln will. Der Auftrag, die Infrastruktur für die öffentliche Daseinsvorsorge vorzuhalten, soll auch weiterhin öffentlich gewährleistet werden. Unterm Strich hat sich die Strategie bewährt: Bochum hat kein Müllproblem und keine Müllskandale. Zusammen mit anderen Städten aus dem Ruhrgebiet haben die einen Verbund öffentlicher Entsorger gebildet, in dem die Städte einander helfen und unterschiedliche Kapazitäten vorhalten. Und das Engagement der Bochumer Stadtwerke zusammen mit den Dortmundern bei Gelsenwasser, dem größten deutschen Wasserversorger, wird vermutlich in 30 Jahren als ähnlich weitsichtig gelobt werden, wie aus heutiger Sicht der Ausbau des Wissenschafts- und Forschungsstandortes.

Eine Woche nach der Schlappe bei der Europawahl hat sich offenbar die Enttäuschung gelegt und es wird wieder in die Hände gespuckt. Das finde ich so sympathisch: Im Ruhrgebiet wissen die noch ganz genau, dass vom Wundenlecken allein nichts besser wird. Dazu muss man sich schon selbst aufraffen. Und das tut die SPD in Bochum.

Von mir ein „Glück auf“ dazu.

Mocki


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