CSU-Generalsekretär Markus Söder schlägt heute morgen im ZDF-Morgenmagazin vor, daß man „schlechten Eltern“ Kindergeld und Sozialhilfe kürzen solle. Eltern, die sich «erkennbar nicht um ihre Kinder kümmern», obwohl sie von Lehrern oder Erziehern dazu aufgefordert werden, müssten Kürzungen hinnehmen.

Laut Söder plant Bayerns Landesregierung eine Initiative zur Kindererziehung, zu der dieser Vorschlag gehört.

Was sollen wir denn jetzt davon halten? Schon heute leben 90.000 Kinder in Deutschland in Armut – sollen wir mit solch einem Vorschlag etwa noch mehr Kinder in die Armut treiben? Ich denke zum Beispiel an alleinerziehende Mütter, die ihr möglichstes tun um sich und ihre Kinder zu ernähren und daran eben trotzdem manchmal scheitern. Ist es richtig hier zu verallgemeinern und im Zweifelsfall die zu treffen, die eben am wenigsten dafür können: die Kinder? Und das wo der Präsident des deutschen Kinderschutzbundes Heinz Hilgers zum 50-jährigen Jubiläums desselben vor den Gefahren der Kinderarmut gewarnt hat?

Sind finanzielle Sanktionen wirklich ein Weg um das Leben von Kindern (ich denke darum geht es der CSU im Grunde doch) zu verbessern? Wäre es stattdessen nicht besser die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu forcieren? Was denkt Ihr dazu, Eure Meinung würde mich interessieren.


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3 Kommentare

  1. Oliver 8. Juli 2004 · 17:20 Uhr

    Grad gesehen: Heute abend im Fernsehen bei Phoenix „Berliner PHOENIX Runde“ 21 Uhr. Titel: „Regierung im Dauertief – Ist Rot-Grün noch zu retten?! Das alleine wird sicher interessant, die letzten PHOENIX Runden zu dem Thema fand ich auch recht aufschlussreich.

    Aber viel spannender: Rudert Markus Söder – er nimmt an der Diskussion heute Abend teil – direkt wieder zurück? Das sollte man mal genau verfolgen.

    Auch dabei: Ludwig Stiegler von der SPD und Hans-Christian Ströbele von Bündnis 90/Die Grünen, beide stellvertrende Fraktionsvorsitzende im Bundestag.

    Sendung wird wiederholt: Donnerstagnacht, 00.00, 02.30 und 05.00 Uhr

  2. Mocki 8. Juli 2004 · 18:47 Uhr

    Söders Vorschlag ist entlarvend für das verstaubte Familienbild der Union: Kindergeld und Sozialhilfe sieht die Union offenbar als Honorierung für die Eltern an. Dass dies aber Unterhaltsleistungen sind, die den Kindern zustehen, blendet er aus. Deshalb ist es so wichtig, dass dafür gesorgt wird, dass nicht nur Transferleistungen wie das Kindergeld den Familien zugute kommen, sondern dass die Kinder und Jugendlichen unmittelbar von Angeboten und Einrichtungen profitieren können. Also mehr Kindertageseinrichtungen, mehr Ganztagsschulen zum Beispiel. Da haben Kinder ganz unmittelbar was von. Und das kann auch kein noch so „schlechter“ Elternteil „versaufen“. Aber Söders schräge Sicht auf Familien und Kinder erkennt man auch beim Merz’schen Steuermodell. Klingt zwar gut, dass für jedes Kind der vorgesehene Freibetrag genau so hoch ist wie für einen Erwachsenen. Aufgrund der Steuerprogression – egal ob jetzt linear oder gestuft- bedeutet das aber nichts anderes, als dass Vater Staat Kinder von reichen Eltern mehr wert sind als die von Eltern mit geringerem Einkommen.

    Eigentlich sollte es doch möglich sein, für alle Kinder die Möglichkeiten vorzuhalten, dass es seine Lebenschancen wahrnehmen kann. Stattdessen Eltern in einer Weise zu bestrafen, dass für die Kinder weniger Geld übrig bleibt ist schon ein tolles Stück.

  3. Lilli Marleen 8. Juli 2004 · 23:23 Uhr

    Das ist doch ein typischer CSU-Vorschlag.
    Die gesparten Leistungen werden dann benötigt um ein Eltern-Qualitäts-Prüfungsamt zu gründen? Amtsleitung macht dann irgendein Vorsitzender eines oberbayerischen Heimatvereines, nur mal um mein Klischee zu bedienen?
    Peinlich, peinlich, entlarvt es doch das Frauen- und Familienbild der CSU.

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