Auf Spiegel Online steht heute:

Bei der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen am 26. September muss die SPD eine herbe Niederlage fürchten. Deshalb koppeln sich offenbar etliche Kandidaten in ihrem Wahlkampf bewusst von der Schröder-Partei ab.

So fehle auf den Plakaten von Bärbel Dieckmann das rote SPD-Logo – stattdessen prangt auf einem gelben Herz „Bonn“. Aber verleugnet Bärbel Dieckmann (oder eben die anderen angesprochenen Kandidaten) damit die eigene Partei?

Ich denke nein, denn schließlich handelt es sich in diesen Fällen um Personenwahlen – Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister, der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und der Landrätinnen und Landräte in den nordrhein-westfälischen Städten, Gemeinden und Kreisen werden von den Bürgern direkt gewählt.

Mit der Kandidatur für eine weitere Legislaturperiode als Oberbürgermeisterin in Bonn bewirbt sich Bärbel Dieckmann eben (neben den repräsentativen Funktionen des Amtes) auch um den Vorsitz in Rat und städtischer Verwaltung – diese herausgehobene Stellung macht einen solchen Wahlkampf in meinen Augen sinnvoll und hat insoweit auch gar nichts mit einem Verleugnen der politischen Heimat zu tun.

Aber mein kennt es ja: „Ob Kettenbrief oder Bonner Herz – im Sommerloch wird halt wirklich nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird“ ;-)

Was denkt Ihr dazu?


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10 Kommentare

  1. Manjo 8. August 2004 · 8:47 Uhr

    Wenn dem so ist (das sie ihre Partei nicht verleugnet), warum verzichtet sie dann auf das SPD-Logo? Das muß doch einen Grund haben. Wie war das denn bei ihrer letzten Wahl – auch ohne Logo?

  2. Wolfgang Heidemann 8. August 2004 · 10:28 Uhr

    Da im Artikel auch Sankt Augustin augeführt ist und ich ein der Layouter dieses Plakates bin, muss ich feststellen, daß der Spiegel-Bericht falsch ist. Bewußt haben wir links oben das uns allen bekannte SPD-Logo (rotes Viereck) im Plakat integriert, um zu zeigen das natürlich der Kandidat und die SPD ein Team sind. Jedoch haben wir aus gestalterischen Gründen auf den Schriftzug „SPD Sankt Augustin“ verzichtet – und dies in voller Abstimmung mit dem Ortsverein. Das Plakat kann auf unserer Website „spd-sankt-augustin.de“ betrachtet werden.

    Eine kleine Anmerkung sei mir jedoch noch erlaubt: Halten wir alle unser Logo hoch (wenn das so wichtig ist) und gehen wie 1999 baden – mal schauen wie die Partei ohne Basis auf der kommunalen Ebene klar kommt! Aber wir haben ja unser Logo ;-)

  3. Besserwisser 8. August 2004 · 18:23 Uhr

    >> …Kandidatur für eine weitere Legislaturperiode… <<
    das stimmt nicht ganz, denn die Kommunalparlamente gehören nicht zur Legislative sondern zur Exekutive. Die korrekte Bezeichnung ist IMHO Wahlperiode.
    ;-)

  4. Carsten 9. August 2004 · 8:59 Uhr

    @Besserwisser: Ups, hast Du natürlich vollkommen recht mit. Ein beliebeter gedanklicher Fehler im übrigen – nur normalerweise weise ich darauf hin, daß in Kommunalräten keine Legislative beheimatet ist. Deshalb ja auch Rat und nicht Parlament glaub ich… Jetzt bin ich selbst mal in der Stolperfalle hängengeblieben ;-)

  5. TheBonner 9. August 2004 · 17:46 Uhr

    Im Süddeutschen werden seit Jahrzehnten Persönlichkeitswahlkämpfe geführt – weil es dort die OB-Direktwahl eben schon lange gibt. Das hat der Demokratie und der Kommunalpolitik nicht geschadet, im Gegenteil. Wenn alles nur streng „nach Partei“ passiert, wozu dann diese Trennung überhaupt noch?! Dies hat – was NRW angeht – auch (Wehner würde sagen „Herr“) Moron mit beschlossen, dem wir diese Diskussion verdanken. Genau, gute Idee, wir hatten in ein paar Städten ja auch noch Spitzenkandidaten über SPD-Ergebnis. Da muss man doch auf solidarisches Verhalten auf niedrigstem Niveau achten! Super!

    Was Dieckmann angeht: 1999 war jede zweite Stimme für sie eine, die nicht von einem SPD-Wähler kam. Und wenn man nicht völlig verkalkt ist, versucht man das gerade jetzt wieder zu halten. Falls das nicht bekannt ist: ´Bonn ist oder war strukturelles „Schwarzland“ – und die OB regiert hier gegen ein absolute Mehrheit der CDU. Die hat nun einige Skandale produziert und wenig Politik. Eigentlich stehen die Chancen gut, ein dickes Plus auch für die SPD als Partei kommunal einzufahren – aber das heißt in Bonn irgendwas um 33, 34 %. Bekäme Dieckmann nicht mehr Stimmen, wäre es um die renommierte rote OB (was sie nie leugnet) geschehen. Nun die Quizfrage: Wo sollen mehr Stimmen zur Zeit herkommen? Aus der Liebe der Wähler zur SPD oder weil sie Dieckmann wieder als Stadtoberhaupt wollen?!

    Aufgeregt über diese Linie haben sich bisher nur immer die, die sowieso nie Dieckmann und schon gar nicht SPD wählen. Wenn interessiert das! Alle anderen fanden und finden es einfach gut, das die OB die Stimme und das Herz Bonns sein will, nicht nur der SPD. Frau Heckes, die CDU-Gegenkandidatin, hat das Problem erst gar nicht -sie liegt fast 20 Prozent hinter Ihrer superschlechten Partei in Bonn zurück (CDU verlor selbst bei der Euro-Wahl hier 9 %!).

    Also, werte Genossen aus irgendwo, behaltet die tollen Tipps zum Wahlkampf einfach für euch. Oder wendet sie mit Erfolg erstmal in den eigenen Bereichen an.

  6. Volker Münchow 9. August 2004 · 18:15 Uhr

    Der SPD vor Ort steht die Entscheidung zu, wie geworben wird ob mit SPD-Quadrat, mit SPD-Logo oder mit eigenem Logo. Die Spitzenkandidaten treten in manchen Fällen sogar als unabhängige Kandidaten an. Wo ist das Problem. Nach der Riesensauerei 99, müssen wir vor Ort unser eigenes Profil stärken, das kommunalpolitische Profil der SPD. Wir wollen bei uns nicht nochmals für die Fehler der Chaotentruppe bestraft werden. Deshalb kann man ohne oder mit Logo werben. Nur nicht mit Berlin!

  7. Markus Breuer 11. August 2004 · 8:58 Uhr

    Carsten: Bonn ist ja kein Einzelfall. Und auch bei einer „Personalwahl“ gibt es Fälle, wo die Kandidaten ihre Parteizugehörigkeit eher betonen (oder auf Fotos sich neben andere Parteiprominenz stellen) oder solche, bei denen die Parteizugehörigkeit „nicht betont“ (wenn auch nicht „geleugnet“, wie der Spiegel schreibt) wird. Und Letzteres passiert sicherlich vor allem dann eher (um es vorsichtig zu sagen), wenn die Stimmungslage auf Bundesebene für die Partei insgesamt „nicht so günstig“ ist. Das ist im Moment zweifelsohne der Fall und braucht man auch nicht schön zu reden. Es ist nicht ehrenrührig, sonderm menschlich verständlich und taktisch klug, wenn in dieser Situation das Parteilogo nicht ganz so groß auf die Plakate kommt.

    Dass der SPD auf Bundesebene momentan ein steifer Wind entgegenbläst, weil die Bundestregierung (ein bisschen von dem) tut, was im Moment einfach getan werden MUSS (und wogegen sich mit populistischen Argumenten leider sehr einfach Gegenmeinung aufbauen läßt) steht auf einem anderen Blatt. Einfacher wird es dadurch für die „Personen“ und lokalen Gruppierungen der Partei nicht. „Denen in Berlin“ vorzuwerfen, dass sie sich nicht geschmeidig genug geben, um den Wahlkämpfern auf lokaler Ebene das Leben (und den Wahlkampf) leichter zu machen, zeugt aber auch von einem merkwürdigen (leicht „egozentrischen“) Politikverständnis.

  8. Frank Eßers 12. August 2004 · 14:19 Uhr

    …dass es genau so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Selbstverständlich verleugnen die Kandidaten ihre eigene Partei – einer gibt es sogar zu: „Friedhelm Julius Beucher (…) will nun in Bergneustadt im Oberbergischen Bürgermeister werden. Seinen Verzicht auf den Parteihinweis erklärt der prominente Genosse so: „Ich muss mich vom Negativtrend der SPD abkoppeln.“ (Quelle: Yahoo! Nachrichten vom 7.8.04 >> http://de.news.yahoo.com/040807/336/45lx2.html)
    Da hilft kein Leugnen: der Kürzungskamarilla geht der A.. auf Grundeis: Montagsdemos, Wahlalternative, Kettenbrief. Die nächsten Bundestagswahlen hat die SPD meiner Meinung nach schon verloren. Wenn NRW verloren geht, dann ist die Regierung schon vorher am Ende. Übrigens zu Recht. Wer neoliberale Politik kopiert, muss sich nicht wundern, wenn irgendwann das Original gewählt wird. Schröder macht die SPD kaputt. Entweder geht der Kanzler und die Partei ändert den Kurs Richtung wirklich soziale Politik – oder sie geht unter.

  9. Bert Hohlweg 12. August 2004 · 17:50 Uhr

    Ich kann diese Heuchelei aus Bonn, Sankt Augustin oder auch Oberhausen nicht mehr ertragen. Ist Bärbel Dieckmann etwa 1999 auch als „parteilose“ Kandidatin ins Rennen gegangen?
    Wenn Dieckmann jetzt angeblich so weit vorn vor ihrer CDU-Gegenspielerin liegt, warum soll dann die Partei in Bonn nicht von ihrem Sympathie-Bonus auch profitieren?

    Die Befürworter eines „neutralen“ Kandidaten-Wahlkampfes argumentieren mit einer Art Beliebigkeit. So nach dem Motto, ist die Partei mit den Umfragewerten im Keller, machen wir unser eigenes Ding, wenn dann mal wieder über den Umfragewerten die Sonne aufgehen sollte, hängen wir uns ganz einfach wieder rein in den Trend.

    Wenn das Kleben an Amtssesseln mit einer Entsolidarisierung zur eigenen Partei einhergeht, dann ist das nicht nur unsolidarisch, sondern in höchstem Maße feige.

    Bert Hohlweg, Webmaster im Wahlkampfteam Reinhard Paß – Oberbürgermeister für Essen
    http://www.reinhard-pass.de

  10. The Bonner 28. September 2004 · 16:54 Uhr

    Bärbel Dieckmann 56,7 Prozent. SPD Bonn Plus 2 gegenüber 1999 auf knapp 30%(Europawahl 19,7 %) 6 SPD-Direktmandate, Scharze Mehrheit geknackt, Schwarz-Geld nicht drin. NOCH FRAGEN, die von Herzen kommen?

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.