Journalistische Berichterstattung zu Wahlzeiten ist immer eine Gradwanderung. Alle Parteien wollen gute Berichte über sich und ihre KandidatInnen. Die Aufgabe von JournalistInnen ist es, eine gewisse Distanz zu den Botschaften der verschiedenen Parteien zu wahren, und ihren LeserInnen ein ausgewogenes Bild zu vermitteln.
Aufmerksamen LeserInnen des Düsseldorfer Lokalteils der Rheinischen Post dürfte bereits seit längerem aufgefallen sein, dass die Berichterstattung über den Düsseldorfer Kommunalwahlkampf sich häufig liest, als sei sie direkt im Wahlkampfbüro von CDU-OB Erwin geschrieben worden. Nicht enden wollende Lobhudeleien über CDU-Erwin, kein kritisches Wort (schon gar nicht über seine Steuerhinterziehungsaffäre).
Im Gegenzug lässt die Rheinische Post kein gutes Haar an der SPD-Kandidatin Gudrun Hock. Den Propaganda-Vogel hat heute jedoch der Lokalredakteur Ludolf Schulte abgeschossen. Unter der Überschrift „Vom Muttchen zum Prediger“ bewertet er heute die lokalen Wahlplakate. Niemanden überrascht es, dass CDU-Erwin trotz biederer Plakate wohlwollend behandelt wird. Um Gudrun Hock im möglichst schlechten Licht dazustellen, scheut Herr Schulte nicht vor falschen Behauptungen und billiger Polemik zurück. Dort heißt es:
“Eine große Volkspartei duckt sich, als würde sie sich schämen. Die Konkurrenz müsste eigentlich Lupen unters Volk bringen, damit das versteckt angebrachte Parteilogo auf Wahlplakaten überhaupt erkennbar wird. Gudrun Hock, die Oberbürgermeisterkandidatin, bestimmt die SPD-Bildszene. Dass sie in der Fotobearbeitung um 20 Jahre verjüngt wurde, mag ihr gefallen. Vielleicht war’s ja auch eine Auflage von Sponsoren aus der Beauty-Branche oder eines Dental-Labors.“

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Logosuche mit Lupe?

Nehmen wir also einmal die Lupe und schauen uns diesen Text genau an.

Zunächst ist da die Behauptung, man müsse das SPD-Logo mit der Lupe suchen. Hm, ich bin jeden Tag in Düsseldorf unterwegs, komme jeden Tag an den Plakaten vorbei, und ich sehe das Logo klar und deutlich. Das Rot hebt sich gut im farblichen Kontrast zum Orange des Bildhintergrundes ab, das Logo steht an der richtigen Stelle und hat auch nach der offiziellen CI (Corperate Identity der SPD) die richtige Größe. Das konnte auch Herrn Schulte nicht entgehen, und so bedient man sich bei der Illustration des Artikels einfach eines fiesen Tricks: das Logo wurde einfach fast komplett abgeschnitten.

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Schnippschnapp. Weg ist das Logo. Illustration der RP.

Kommen wir nun zur Behauptung, Gudrun Hock sei um 20 Jahre verjüngt worden. Gudrun Hock ist 46, sähe also aus wie 26. Ein tolles Kompliment für eine Frau. Und Gudrun Hock sieht tatsächlich gut aus, viele würden sie nicht auf 46 schätzen. Sie ist gut und sehr professionell fotografiert. Aber 26? Hat frau mit 26 schon diese sympathischen Augenfalten?

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Sympathiefalten einer 26-jährigen?

Und der Rest („Vielleicht war’s ja auch eine Auflage von Sponsoren aus der Beauty-Branche oder eines Dental-Labors.“) ist nur noch billige Polemik.

Es soll ja Männer geben, die vor gut aussehenden Frauen Angst haben. Es soll Männer geben, für die gibt es bei Frauen nur die Kategorien „schön und dumm“ oder „hässlich und klug“. „Schön und klug“ gibt es nicht. Darf es nicht geben. Schon gar nicht bei einer Politikerin.
Solche Männer gibt es aber bestimmt nicht in der Lokalredaktion der Rheinischen Post, oder?

Wir werden weiter einen Blick auf die Wahlberichterstattung in Düsseldorf haben.


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3 Kommentare

  1. Oliver Demmert 20. August 2004 · 12:25 Uhr

    Wer erinnert sich eigentlich noch an die Kommunalwahl 1999? Die RP scheinbar nicht.
    Damals hatte Herr Erwin noch seine Zahnlücke zwischen den oberen Schneidezähnen, aber auf seinen Plakaten hatte man die später erfolgte Korrektur schon vollzogen! Einige wahrheitsliebende Mitbürger machten sich einen Spass daraus mit schwarzer Farbe den Originalzustand wiederherzustellen.

  2. Volker Münchow 24. August 2004 · 22:16 Uhr

    Nur bitter für uns, dass der Chefredakteur der RP demnächst wechselt. Die WAZ wird dann auf Geheiß des „Genossen“ Hombach, der mit dem Schw***bau, zum Kampfblatt der CDU ausgebaut. Prost Mahlzeiz´t im Revier

  3. Otto 28. Oktober 2004 · 20:27 Uhr

    Es muss schließlich ein gewisses gegengewicht zum SPD Parteiorgan, dem WDR geben.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.