Peer_Steinbrueck_Bochum.jpg

Gestern und heute bin ich in Bochum auf dem Landesparteitag und der Landesdelegiertenkonferenz im RuhrCongress. Allen Nicht- und Neu-SPD-lern (so wie mir) wird man erklären müssen, wo der Unterschied zwischen den Veranstaltungen liegt, und wieso man das trotzdem hintereinander abhält.
Die Landesdelegiertenkonferenz ist ein im Wahlgesetz festgeschriebener demokratischer Vorgang, zu dem die Parteien verpflichtet sind. In den Untereinheiten der Partei (z.B. Unterbezirke) werden Delegierte gewählt, die dann das Stimmrecht der jeweiligen Einheit repräsentieren. Diese kommen dann zusammen und wählen die Kandidaten für die Landesliste der SPD für die Landtagswahl im Mai.
Auf Platz eins der Liste, der gestern gewählt wurde, steht jetzt Peer Steinbrück (übrigens gewählt mit überragenden 96,6%). Heute werden die Plätze 2-129 gewählt. Das wird für den Ottonormal-Gast (und auch für den Ottonormal-Praktikanten) wahrscheinlich eher mühsam, ist aber ein nötiger demokratischer Vorgang. Und wer hat gesagt, dass Demokratie einen in jedem Augenblick vom Hocker reißen muss?

Lange_Schlangen.jpg
Lange Schlangen: Delegierte, Journalisten und Gäste

Ach ja, der Parteitag. Der ist heute im Anschluss an die Landesdelegiertenkonferenz und eine SPD-Veranstaltung, auf der das Wahlprogramm verabschiedet wird. In diesem Programm steht mal konkret und mal schwammig, was die Partei vorhat, wenn sie für die nächste Wahlperiode gewählt wird. In diesem Programm ist die Bildungspolitik ein großes Thema, aber auch die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die sogenannte „Friedfertige Gesellschaft“. Das Ganze Programm könnt ihr hier nachlesen. Und warum das alles bei einer Veranstaltung stattfindet? Weil es günstiger ist und man die Leute eh zusammen hat.

Meine Aufgabe gestern war übrigens die Vorstellung von www.nrwspd.net. Speziell ging es dabei um Kandidatenhomepages. Die NRWSPD bietet da individuelle Vorlagen an, die Kandidaten dann selbst mit Inhalt füllen müssen. Das weiß ich jetzt. Denn als ich morgens in Bochum aufgelaufen bin, hatte ich davon noch keinen Schimmer. Bei der morgendlichen Aufgabenverteilung war die Frage, wer das machen soll. Die Wahl fiel auf Martin und mich, weil wir uns doch „so gut mit dem Internet auskennen“ würden. Gut, nachdem ich dann 6 Stunden unter dem SPD-Sonnenschirm in der Vorhalle des RuhrCongress gestanden hatte und den potentiellen Landtagskandidaten die Vorzüge von nrwspd.net erklärt hatte, war ich dann auch im Plan. Soll heißen, alle Landtagskandidaten können sich jetzt vertrauensvoll an Martin oder mich wenden.

Martin_und_ich.jpg
Martin und Der_Praktikant: Profis in NRWSPD.net

Die Delegiertenkonferenz selber war dann beeindruckend. Nach den Begrüßungsworten von NRWSPD-Generalsekretär Mike Groschek („Wir setzen in diesem Wahlkampf auf Sieg und nicht auf Platz“; „Dieses Land muss geschützt werden vor Jürgen Rüttgers und seinem Club“) erteilte NRWSPD-Landesvorsitzender Harald Schartau eine „klare Absage gegen Rechts“ in NRW und leitete dann zu Ministerpräsident Peer Steinbrück über: „Wenn er eine Linie hat, wird da keine Schlangenlinie draus.“ Er bezeichnete ihn als Mann, der nicht das „Jein liebt, wie Jürgen Rüttgers.“

Bevor der jedoch auf das Podium ging, kam noch ein Film über NRW. In dem haben wir z.B. erfahren, dass NRW ein größeres Bruttoinlandprodukt hat, als Australien und das wir schon toll waren, als man in Bayern noch von unseren Transferzahlungen gelebt hat. Schöner Film von der Agentur Butter.

Dann erschien auf den beiden Videowänden (von vier Beamern projeziert) der Name Peer Steinbrück, und das Heimspiel begann. Er erinnerte an die Erfolge der SPD in diesem Land, die in den vergangenen 40 Jahren erreicht worden sind. Er rief die Partei auf, die verbleibenden 100 Tage zu nutzen und bis zum 22. Mai um 18.00 Uhr um jede einzelne Stimme zu kämpfen. In Hinblick auf seinen „Konkurrenten“ um das Amt des Ministerpräsidenten und die CDU sagte er: „Sie fahren rechts neben uns, aber bei denen sitzt einer am Steuer, der nicht geradeaus fahren kann.“ Und: „Die CDU tritt mit dem ehemaligen Zukunftsminister des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl an. Mehr Vergangenheit war nie. Außerdem empfahl er Stoiber, im Hinblick auf Weimarvergleiche und NPD-Diskussionen, seine Zunge zu hüten und friedlich mit dem „Konsens der Demokratie“ umzugehen. Dann war eine Stunde um, ohne dass es mir großartig aufgefallen war. Bei der anschließenden Wahl bekam Peer Steinbrück 96,6 % der Stimmen. (Ich hatte gehofft, dass er 90% kriegt, aber das es 96,6% waren hat mich sehr überrascht)
Ich muss sagen, ich freue mich darauf, am 22. Mai nach der dritten Hochrechnung einen alten und neuen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück zu sehen.

Ovationen.jpg
Stehende Ovationen für Peer Steinbrück: 96,6%

Was ich gelernt habe:
NRW ist richtig toll; man kann jemandem etwas erklären, ohne selbst die geringste Ahnung von der Sache zu haben und später selbst Ahnung von der Sache haben; Praktikanten können aussehen, wie Security-Beamte; es ist unglaublich, wie glücklich man Menschen mit einer Tasse Kaffee machen kann

Security.jpg
Die Presse-Akkreditierung mit Security (Praktikant Marc-Andre)

Hier findet ihr das vollständige Wahlkampf-Weblog von Der_Praktikant


Du kannst die Kommentare zu diesen Artikel durch den Kommentar-Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

3 Kommentare

  1. Carsten 12. Februar 2005 · 12:29 Uhr

    toller beitrag! obwohl ich das internet-team im büro unterstütze fühle ich mich, als ob ich nah dabei wäre ;-) gruß nach bochum!

  2. Nobbi 12. Februar 2005 · 12:32 Uhr

    Hi Carsten,
    viele Grüße zurück, so soll es ja auch sein. Live ist live ;-)

  3. Andres 12. Februar 2005 · 13:05 Uhr

    > NRW ist richtig toll; man kann jemandem etwas erklären, ohne selbst die geringste Ahnung von der Sache zu haben

    Du scheinst auch Niederrheiner zu sein. ;)
    Wie Hans Dieter Hüsch bereits sagte: „Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären.“

    Und Gruß aus Bochum nach Düsseldorf an Carsten!

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.