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Das Dänische wird im Moment kontrovers diskutiert. Schließlich wird der Südschleswigsche Wählerverband Heide Simonis aller Wahrscheinlichkeit nach helfen, an der Regierung in Schleswig-Holstein zu bleiben. Und plötzlich ist das Dänische fremd und andersartig und scheint den Menschen Angst zu machen. Wie sonst ist es zu erklären, dass CDU-Anhänger in Schleswig-Holstein den Südschleswigschen Verein telefonisch terrorisieren? Dieser ist ein Kulturverein und steht dem SSW nahe. „Sie beschimpfen uns massiv“, sagte der Sprecher der Berliner Zeitung. Zum Beispiel habe eine Segelzeitschrift gedroht, von Reisen nach Dänemark abzuraten.

Das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung griff das Thema dann heute auch auf:
„Aber das Dänische soll sich jetzt mal warm anziehen, denn wer so klein ist und hier dermaßen frivol auf Zünglein an der Waage macht, könnte sehr schnell die Wut der Deutschen auf sich ziehen, sagt der bräsig-allgegenwärtige Parteienforscher Jürgen Falter. Die Theorie hat einen verrückten Charme. Sie ist flach wie eine Matratze im dänischen Bettenlager und rührt gefährlich an die tief im deutschen Volk schlummernde Dänenangst.“

Die Dänenangst greift also um sich. Was wenn die dänische Minderheit tatsächlich versucht, ihren politischen Einfluss zu ihrem Vorteil zu nutzen und über die Schulpolitik des Landes Schleswig-Holstein mitbestimmen will. Wie gemein von der Minderheit. Wohin soll das nur noch führen?

„Die Mandate des SSW sind vollwertig. Wenn die FDP in der Lage wäre, über die Regierung zu entscheiden, würde niemand an der Rechtmäßigkeit zweifeln“, wird der Sprecher dann auch zitiert.

Ich habe dann mal recherchiert und herausgefunden, dass diese Dänenangst tatsächlich begründet ist. Schon einmal hatte es ein dänischer Regierungschef geschafft, auch der Regierungschef eines anderen Landes zu werden. Im Jahre 1016 besiegte der Däne Knut der Große den damaligen König von England Edmund II. bei London. Drei Jahre später folgte er dann seinem Bruder Harald II. auf dem dänischen Thron. Sollte uns das nicht allen zu Denken geben? Ich sehe schon vor meinem geistigen Auge, wie demnächst auf Stammtischen und CDU-Parteitagen über dänische Parallelgesellschaften diskutiert wird.

Vorsicht übrigens an alle CDU-Anhänger, die sich aus Versehen auf diese Seite verirrt haben: Dieser Text enthält teilweise Ironie!

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Ein Kommentar

  1. Jürgen Oetting 24. Februar 2005 · 19:16 Uhr

    Zur Soziologie „politischen Bandenwesens“

    Warum machen die eigentlich einfach immer so weiter, auch wenn sie
    Wahlen verlieren? Und warum reden die bei Christiansen immer alle
    dasselbe? Warum ändern die nichts? – Das sind Fragen, die in meinem
    Bekanntenkreis immer häufiger höre. – Als Soziologe müßte man ja
    eigentlich ’ne Antwort wissen. Aber eine Soziologie der Politischen
    Verblödung ist mir nicht bekannt. Dafür weiß ich ein paar Theorien,
    mit denen man „Abweichendes Verhalten“ im Allgemeinen und
    Kriminalität im Speziellen erklären möchte. Vielleicht helfen die ja
    weiter.

    Robert Merton geht in seinem berühmten Aufsatz „Sozialstruktur und
    Anomie“ (in: Sack/König: Kriminalsoziologie, Frankfurt 1968) davon
    aus, daß Menschen immer irgendwie unter Spannung stehen, weil sie die
    Ziele, die angesagt sind (zum Beipsiel Wohlstand und Anerkennung) fast
    nie mit den ihnen zur Verfügung stehenden legalen Mitteln und
    Möglichkeiten erreichen können. Das ist in einer Gesellschaft, in der
    der Wachstumswahn regiert, besonders eindeutig. Eine unendliche
    Geschichte: Immer mehr materielle oder ideelle Statussymbole, immer
    mehr, da kommt man legal gar nicht hinterher. Merton hat für die
    Situation der anomischen Spannung fünf Lösungsstrategien ermittelt.
    Die der „Konformität“ – aber dann kann der Anomiedruck nicht sehr
    zwacken. Die der „Innovation“ – man versucht also was Anderes, auch
    wenn es nicht den Regeln entspricht. Die des „Ritualismus“ – man hält
    sich stur an die Regeln, auch wenn absolut nichts Vernünftiges dabei
    rauskommt. Die des „Rückzuges“ – man steigt aus der Gesellschaft aus
    und schert sich weder um Ziele noch Regeln. Die der „Rebellion“ – man
    möchte zwar Regeln, aber andere, und man möchte auch Ziele, aber nicht
    diese.

    In der Kriminalsoziologie gilt die Variante „Innovation“ als
    kriminell abweichend. Mit dieser Strategie wird schließlich versucht,
    Wohlstand und Anerkennung mit Mitteln zu erlangen, die aus dem Rahmen
    der Normalität fallen. Aber man muß ja als Innovationsstratege nicht
    gleich Gangster werden, Politiker reicht auch. Und plötzlich wird
    einem bewußt, daß diese Strategie überhaupt nicht funktioniert. Ist
    man erst Politiker, ist es mit der Anerkennung in der Bevölkerung
    restlos vorbei. Kein Mensch nimmt einen mehr für voll. Da aber sogar
    Politiker nicht ohne Zuwendung leben können, rotten sie sich zusammen
    und bilden eine Subkultur. Womit wir bei Albert K. Cohen wären, der
    einen kriminalsoziologischen Klassiker geschrieben hat: „Kriminelle
    Jugend. Zur Soziologie jugendlichen Bandenwesens“ (Reinbek 1961,
    amerikanisches Original 1955).

    Cohen erklärt, daß gewissen Menschen (hier: Politikern) in der
    „angesehenen“ Gesellschaft (also Handwerker, kaufm. Angestellte und
    so – vielleicht auch noch Realschullehrer) Status verwehrt wird. Und
    dann wörtlich: „Die Kultur der Bande löst dieses Problem.“ Und das
    funktioniert so:“ Der junge Verwahrloste (hier: Politiker) verhält
    sich, an den Katgeorien seiner Gruppenkultur gemessen, ‚richtig‘, und
    zwar gerade deshalb, weil er sich nach den Normen der Gesamtkultur
    ‚falsch‘ verhält.“ Das läßt sich Sonntagsabends bei Christiansen gut
    beobachten, wenn mal irgendein (fahrlässig eingeladener) Normalo was
    Verständliches und Eindeutiges sagt. Der wird danach „geschnitten“,
    denn so einer gehört nicht dazu.

    Cohen schreibt weiter: „Ein weiteres Kennzeichen der Lebensweise
    solcher Banden ist ihre auf unmittelbare Erfüllung gerichtete
    Vergnügungssucht. Es besteht wenig Interesse an langfristigen
    Zielsetzungen, an planvoller Betätigung und Zeiteinteilung oder an
    Unternehmungen, die Wissen oder Fähigkeiten erforden.“ Visionär,
    nicht wahr? Herr Cohen konnte doch Frau Schröder und Herrn Merkel gar
    nicht kennen.

    Cohen zählt noch allerlei auf, was auf Politikerbanden (denen es
    stets nur um Revierkämpfe geht – also um Wählerstimmen) mit
    jugendlichen Gangs gemeinsam haben, zum Beispiel: „Die bandenhafte
    Verwahrlosung von der wir gesprochen haben, ist zum überwiegenden
    Teil männlich.“

    Leider haben aber weder Anomietheorie noch Subkulturtheorie viel zum
    Begreifen des Phänomens „Kriminalität“ beigetragen – obwohl sie vor
    Jahrzehnten ganz flott daher kamen. Mertons Modell gibt keine Antwort
    darauf, wieso unter identischem Anomiedruck der eine kriminell wird
    und der andere sich zurückzieht. Und Cohens Subkulturheorie eignet
    sich gut zur Beschreibung des Bandenswesens, Kriminalität kommt aber
    auch anderswo vor.

    Da muß es dann ja vielleicht doch am Charakter liegen.

    Die Lieblingsdiagnose der Psychiater, die zum Zwecke der Prognose auf
    Strafgefangene losgelassen werden, lautet: „dissoziale
    Persönlichkeitsstörung“ (ICD 10 – F. 60.2). Die zeigt sich laut
    Diagnosemanual durch:

    „Dickfelliges Unbeteiligtsein gegenüber den Gefühlen anderer…“,

    „Deutliche und andauerne Verantwortungslosigkeit und Mißachtung
    sozaler Normen, Regeln und Verpflichtungen“,

    „Unvermögen zur Beibehaltung längerfristiger Beziehungen“,

    und (wir hatten ja gerade Staatsbesuch)

    „Sehr geringe Frustratinstoleranz und niedrige Schwelle für
    agressives, auch gewalttätiges Verhalten“,

    „Unfähigkeit zum Erleben von Schuldbewußtsein und zum Lernen aus
    Erfahrung“,

    „Neigung andere zu beschuldigen…“.

    Von wem war noch die Rede?

    Jürgen Oetting

    Den ganzen Artikel findest du hier:
    http://oet.blogg.de/eintrag.php?id=34

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