Endlich mal klare Worte von Peer zu den Empörungen der CDU über die neuen Arbeitslosenzahlen.

Heute in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau. Ein Ausschnitt:

Ministerpräsident Steinbrück über ausgewogene Reformen und seine Skepsis gegenüber Konjunkturprogrammen.

Frankfurter Rundschau: Herr Ministerpräsident, stimmt es, dass Sie nach dem Studium der Volkswirtschaft zunächst arbeitslos waren?

Peer Steinbrück: Ja, drei, vier Monate. Das muss 1976 gewesen sein, nach einem beendeten Werkvertrag mit einem Bundesministerium und vor einer festen Anstellung bei einem anderen Ministerium. Ich habe damals aus lauter Nervosität und Unsicherheit nicht eine Zeile zu Papier gebracht. Ökonomisch haben wir uns über Wasser gehalten, weil meine Frau eine Assistentenstelle an der Uni Bonn hatte. Viel war das nicht, außerdem war unser erstes Kind unterwegs. Das Gefühl der Verunsicherung und Lähmung habe ich nicht vergessen.

Frankfurter Rundschau: Können Sie dann auch verstehen, dass die Betroffenen angesichts der Rekordzahl von 5,2 Millionen Arbeitslosen einen Rochus auf die Politik haben?

Peer Steinbrück: Ich kann die Verzweiflung von Arbeitslosen verstehen. Ich kann aber nicht die Empörung der Opposition verstehen, die so tut, als habe die Arbeitslosigkeit seit Ende des Jahres dramatisch zugenommen. Tatsächlich sind etwa 360 000 erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger, die bisher in der Sackgasse der Sozialhilfe belassen worden sind, erstmals als arbeitslos registriert worden. Dass dieser statistische Zuwachs durch Hartz IV kommen würde, wussten alle. Hätte man zu Zeiten der Kohl-Regierung Anfang 1998, als wir 4,82 Millionen Arbeitslose hatten, so gezählt wie heute, dann hätte man die gleichen Zahlen gehabt.


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Ein Kommentar

  1. CKoehler 8. März 2005 · 8:30 Uhr

    Die ganze Heuchelei, die die CDU im Moment betreibt, soll lediglich davon ablenken, daß ihre eigenen Zahlen am Ende der era Kohl geschönt waren. Die Satistik enthielt keine Arbeitslosen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen mehr, etc. Das Schröder sich jetzt redlich und ehrlich zeigt, ist gut. Die Satistik erfaßt wieder alle. Allerdings hätte ich mit der Redlichkeit bis nach der NRW-Wahl gewartet. Traurig sich von diesen Unfähigen ne Blase ans Ohr labern lassen zu müssen.

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