Was für ein Abend. Da wartet man am Fernseher bis 22:45 um Onkel Jürgen „von der Zeh Deh Uh“ Rüttgers in der neuen ZDF-Dokusoap „3 Tage leben“ auszulachen. Prinzip der Sendung ist („Gottschalk zieht ein“ lässt grüssen) die Übernahme der Pflichten einer alleinerziehenden Mutter mit 5 Kindern. Neben Spülen, Kochen, Einkaufen und Gassi gehen mit dem Hund musste Onkel Jürgen „Die Rolle“ Rüttgers auch die Lehrtätigkeit des Familienoberhauptes an einer Essener Hauptschule übernehmen. Gesehen wurde die Sendung auch von der FAZ, von der TAZ und auch von der Frankfurter Runschdschau.

Was sich jetzt nicht gerade spannend anhört, wurde auch nicht viel besser. Ok, Jürgen „der Schweigsame“ Rüttgers spricht nicht viel. Meist sogar gar nicht. So wenig, daß eines der Mädchen ihrem Videotagebuch anvertraut, daß „man gar nicht merkt, daß er da ist“. Und wenn er denn mal was sagt, dann setzt er sich damit nicht so richtig durch. Nachdem Jürgen „The Chefkoch“ Rüttgers nach der Lektüre mehrerer Kochbücher einen Masterplan zur Produktion von Pfannkuchen entwickelt hat, fragt er die Kinder „Wer deckt denn nun den Tisch?“. Die Kinder geben ihm den Tipp, daß er bestimmen müsse wer es macht – doch bevor Jürgen „der Macher“ Rüttgers hier eine Entscheidung fällt macht er es lieber selbst.

Wie so jemand Ministerpräsident spielen soll ist mir unklar…

Am nächsten Morgen steht Jürgen „so steif wie ich wirke bin ich gar nicht“ Rüttgers pünktlich um kurz vor 6 in Hemd und Sakko in der Küche um Frühstück zu machen und die Teflonbeschichtung des Brotbackautomaten der Familie mit einem Messer zu zerstören (ok, nicht jeder weiß, daß man das Brot dort eher nicht mit einem scharfen Gegenstand rausholen sollte). Nach der morgendlichen Versorgung der Kinder gehts in die erwähnte Essener Hauptschule – doch am ersten Tag wollte man den prominenten Besucher anscheinend nicht überfordern und beschränkt sich auf einen lustigen Gesprächskreis mit den Fünftklässlern. Jürgen „ich hab sogar schon mal den Bundeskanzler getroffen“ Rüttgers war offensichtlich betroffen aufgrund der Tatsache, daß die Mädels und Jungs aus Essen eher am Bundeskanzler („Können Sie mir ein Autogramm von Herrn Schröder besorgen?“) als an ihm interessiert waren – dies würde er den Kindern aber erst am nächsten Tag heimzahlen.

Am Nachmittag steht der Großeinkauf mit der Familie an und Jürgen „wir müssen sparen, sparen, sparen“ Rüttgers kauft frischen Gouda von der Käsetheke, statt den abgepackten aus der Kühltheke. Auch die Tatsache, daß die günstigen Produkte eher nicht auf Augenhöhe zu finden sind scheint Jürgen „Reklame schau ich gerne, um bei den Preisen auf dem neusten Stand zu bleiben“ Rüttgers neu zu sein. Nachdem der Großeinkauf beendet ist, schätzt der Protagonist: „Ich denke das wird bis Donnerstag reichen“. Dies stimmt zwar nicht, wie sich im weiteren Verlauf der Sendung zeigt – aber da kann Jürgen „Die Rolle“ Rüttgers ja einfach später wieder zurückrollen. Auch scheint insgesamt nicht gut eingekauft worden zu sein, denn der Sohnemann schreibt dem CDU-Spitzenkandidaten zum Ende der Sendung „Die Portionen hätten größer sein können“ ins Zeugnis.

Am Abend muß sich Jürgen „die Visa-Affäre führte zu den größten Menschenrechtsverletzungen in Deutschland seit 1945“ Rüttgers auf seinen Geschichtsunterricht in einer neunten Klasse vorbereiten – wie passend. Aber „Imperialismus in Afrika“ scheint nicht allzu spannend gewesen zu sein – denn irgendwie konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß über den Unterlagen eingeschlafen wurde…

Aber gut – ein neuer Morgen – ein neuer Anzug. Als erstes steht Biologie-Unterricht bei einer fünften Klasse an. Hierzu aus der Rede auf dem CDU-Landesparteitag am Samstag:

Jetzt gibt der Chemielehrer Sexualkunde und der Physiklehrer redet über die Bienen.

Hm, und der Jürgen gibt Biologie – schon klar…

In den Nachmittagsstunden verliert Jürgen „Klarer Wackel-Dackel-Kurs“ Rüttgers aber langsam die Kontrolle über die Situation in seinem Unterricht. Hat dem guten Mann denn niemand gesagt, daß Kinder klare Ansagen brauchen? Daß ein „Ja, das könnte so sein“ einem Kind nicht richtig weiterhilft? Mensch Jürgen… Kinder wollen vorrangehen, nicht rollen! Stattdessen bricht in den Klasse das Chaos aus, die Kinder kabbeln sich und Jürgen „ich wirke zwar nach 4 Stunden Unterricht überfordert, aber dafür habe ich immer einen Anzug an“ Rüttgers wirkt sichtlich erleichtert als die Schulglocke ertönt und er wieder heim darf.

Abends gibt es Kotlett mit Karftoffeln und Gurkensalat. Daß es nicht so wirklich gut klappt, liegt natürlich an allen – nur nicht an Jürgen „Ich kann nichts dafür“ Rüttgers: „Ich kann nichts dafür. Die Karftoffeln werden nicht gar, weil das Wasser nicht heiß wird“. Ok – Memo an Jürgen: „Rücktritt von Kartoffeln und Wasser fordern“.

Am Ende des letzten Tages wird noch gegrillt und Jürgen „Wie die D-Mark ist abgeschafft?“ Rüttgers möchte sein Fleisch beim Metzger gerne in Pfennigen bezahlen, bildet dann aber zusammen mit dem halben Supermarktpersonal eine „günstige-Bratwurst-Findungskommission“. Offensichtlich hat es Jürgen „alleine find ich keine Wurst“ Rüttgers es dann aber mit der tatkräftigen Hilfe des Essener Supermarktpersonals tatsächlich geschafft eine Wurst aufzutun…

Es ist schön, wenn Menschen viel ausprobieren. Sonst merkt man ja gar nicht was man alles nicht kann. Und gestern konnte man sehen, daß Jürgen „Kinder statt Inder“ Rüttgers eine ganze Menge nicht kann. Aber bei der Wahl am 22.Mai sollten wir alle daran denken: Es geht nicht um 3 Tage sondern um fünf Jahre – und das ist ein verdammt langer Zeitraum, nur damit unsere „Pulheimer Rolle vom Dienst“ erkennt, daß er es eben nicht kann.


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Ein Kommentar

  1. Jörg Wirtz 22. März 2005 · 19:38 Uhr

    muß gerade an unser – verfassungswidrig – gestrichenes weihnachtsgeld denken.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.