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Frank Baranowski (SPD-Oberbürgermeister von Gelsenkirchen)

Da sich heute Schalke 04 und der FC Bayern in der Arena „Auf Schalke“ um die Tabellenführung in der Bundesliga streiten hat die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) interviewt. Es ging um Fußball sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Gelsenkirchen und München.
Ein Auszug:

Süddeutsche Zeitung: Herr Baranowski, wie schlimm lebt es sich in Gelsenkirchen?

Frank Baranowski: Ich lebe gerne hier.

SZ: Ach?

Baranowski: Wir haben einen der geilsten Fußballvereine Deutschlands, zu dem die Menschen mit ehrlichen Gefühlen stehen. Die Münchener sollten da ruhig mal überprüfen, ob ihr Verhältnis zum FC Bayern genauso tief und aufrichtig ist.

SZ: Schalkes Brasilianer Ailton hat die Stadt einmal als „Katastrophe“ bezeichnet, jetzt hat er in dieser Woche auch noch Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge gelästert. Warum glauben so viele Menschen, Gelsenkirchen sei eine Art Strafkolonie?

Baranowski:Gelsenkirchen wird in der Öffentlichkeit oft so dargestellt, und wir haben auch durchaus unsere Probleme mit Strukturwandel und Arbeitslosigkeit. Aber es ist und bleibt trotz allem eine liebenswerte Stadt. Wir sind kein Luftkurort, sondern eine Industriestadt, aber wir sind keine Geisterstadt. Die Außenansicht ist eine ganz andere als das Gefühl derer, die hier leben.

(…)
SZ: Schalke wächst, aber die Stadt schrumpft. Seit 1975 ist die Einwohnerzahl von 330000 auf 270000 gesunken, in einigen Stadtteilen gibt es 30 Prozent Arbeitslosigkeit. Dennoch ist die Arena jedes Mal mit 60000 Zuschauern ausverkauft. Erfüllt der Fußball in Gelsenkirchen eine therapeutische Funktion?

Baranowski: Natürlich ist Schalke ein großer Hoffnungsträger unserer Stadt und auch ein Jobmotor. In und um die Arena herum entstehen viele Arbeitsplätze. Der Verein und die Stadt sind miteinander verwurzelt, und wenn man die Geschichte der Stadt ansieht, dann ist sie ganz eng verbunden mit der Geschichte des Vereins. Das zeigt Wirkung.

SZ: Die WM im nächsten Jahr bringt viele Menschen und auch viel Geld nach Gelsenkirchen, an der Arena entstehen derzeit ein Hotel und ein Reha-Zentrum. Wie wichtig sind Schalke und der Fußball in Gelsenkirchen als Wirtschaftsfaktor?

Baranowski: Schalke ist vielleicht nicht der wichtigste Faktor, aber doch einer, auf den wir bauen im Bereich Freizeit und Gesundheit. Wir wollen einen Schwerpunkt der Gesundheitswirtschaft werden, am neuen Reha-Zentrum neben der Arena haben wir Freitag Richtfest gefeiert, das ist ein elementarer Bestandteil dieses Vorhabens.
(…)

SZ: Sie waren schon in München?

Baranowski: Sicherlich.

SZ: Welche Stadt ist schöner?

Baranowski: Ach, München ist schon schön, aber ich bin jedes Mal froh, wenn ich wieder zu hause bin.


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Ein Kommentar

  1. ulysses 13. März 2005 · 2:51 Uhr

    .. wer sonst keine Sorgen hat ..

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.