Jetz geht es also los, das endgültige Sterben des Musik-TVs. Nach dem Kauf von Viva durch Viacom wird der erste der vier Musikkanäle von Vaicom eingestellt und in den Kinderkanal Nickelodeon umgewandelt.

Dazu „Der Spiegel“ in seiner neuen Ausgabe:

„Der Medienriese Viacom verwandelt mit MTV2 Pop einen seiner inzwischen vier deutschen Musikkanäle (MTV, Viva, Viva plus) von September an in den Kindersender Nickelodeon, mit dem Viacom in den USA und weiteren 148 Fernsehmärkten aktiv ist. In Deutschland, wo vor allem Super RTL und der Kinderkanal um die jüngsten Zuschauer werben, war Nickelodeon von 1995 bis 1998 schon einmal auf Sendung, wurde aber wegen Erfolglosigkeit eingestellt.“


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3 Kommentare

  1. Piranhase 2. April 2005 · 13:36 Uhr

    Gehts hier nicht um die Vermarktung von Klingeltönewerbezeiten für die Kindergartenzielgruppe?

  2. Giles 2. April 2005 · 14:16 Uhr

    Ist Nickelodeon nicht gescheitert, weil plötzlich eine gebührenfinanzierte, öffentlich-rechtliche Konkurrenz da war?

  3. Dirk 3. April 2005 · 10:58 Uhr

    Nickelodeon ist aber sicher nicht gescheitert, weil der Kinderkanal plötzlich Klingeltöne verkauft hätte. ..

    Aber im Ernst: eine gute Analyse des Scheiterns von Nickelodeon findet sich in dem Artikel „Die Nickel sind aus. Der TV-Markt ohne Wetterkanal und Nickelodeon / Von Volker Lilienthal“ in der epd medien, Nr. 43, 6. Juni 1998.
    http://www.epd.de/medien/1998/43leiter.htm

    Ziat daraus:
    „Die Gründe des Scheiterns
    Als Faktorenanalyse des Scheiterns von Nickelodeon, das knapp drei Jahre auf Sendung war, bleibt festzuhalten:

    * Der sechste Platz in der Zuschauergunst der 3- bis 13jährigen (6,6 Prozent Marktanteil im Mai, gerechnet rund um die Uhr) genügte nicht.

    * Die relativ geringe Akzeptanz wurde auch durch mangelnde Verbreitung im Kabel verursacht. Ausgerechnet Schneiders LfR war wider Willen rechtlich gezwungen, den ARD/ZDF-Kinderkanal auf einen Kabelplatz zu lassen, den Nickelodeon zuvor angewärmt hatte (epd 51/97). Immerhin: die Abdeckung in Kabel- und Satellitenhaushalten betrug zuletzt 80 Prozent.

    * Zuwächse bei den jüngsten Zuschauern zu erringen wurde immer schwerer, seit auch der werbefreie Kinderkanal die Zielgruppe versorgte. Auch er kam im Mai nur auf 6,6 Prozent (gerechnet auf 24 Stunden, denn am Hauptabend, wenn der Kinderkanal schon nicht mehr sendet, erreichen auch andere Sender Kinder als Zuschauer, Super RTL ist hier Marktführer, vgl. Meldung in dieser Ausgabe).

    * Zwischen 6 und 19 Uhr allerdings, der eigentlichen Kinderfernsehzeit, differenziert sich das Bild: In den Kabel- und Satellitenhaushalten (nur dort können die beiden bislang konkurrierenden Kinderprogramme gesehen werden) erreichte Nickelodeon in den ersten fünf Monaten dieses Jahres den fünften Platz mit einem Marktanteil von 9,1 Prozent bei den 3- bis 13jährigen; im gesamten Vorjahr waren es erst 6 Prozent gewesen. Eine Verbesserung also, doch der öffentlich-rechtliche Kinderkanal liegt deutlich in Führung: Bis Ende Mai kam er auf 12 Prozent Marktanteil und hatte schon im Vorjahr 9,4 erreicht.

    * Die Buchungen der Werbewirtschaft trugen nicht annähernd zur Kostendeckung bei, auch wenn wenigstens die Einbuchungen für 1998 den (unteren) zweistelligen Millionenbereich erreicht haben sollen und sich die Schaltungen im vergangenen Jahr gegenüber 1996 verfünffacht hatten.

    * Die Probleme von Nickelodeon Deutschland waren aber auch hausgemacht: Der letzte Geschäftsführer Bernd Fronhoff (früher bei RTL und WDR) regierte ohne Fortune, blockte manche Motivation ab.

    * Marketing wurde seit einem Jahr kaum noch betrieben. Auf die Chance einer zusätzlichen terrestrischen Frequenz in Thüringen verzichtete Nickelodeon von sich aus – der dortige regionale Fensterveranstalter fühlt sich im Stich gelassen und klagt auf Erstattung seiner Investitionen.

    * Die wesentlich vom US-Hauptgesellschafter Viacom angelieferte Programmischung galt selbst dem Einstiegsinteressenten Pro Sieben als so standardisiert und wenig inspiriert, daß die Münchner Mediengruppe auf ein Engagement in Düsseldorf dann doch verzichtete (epd 64/97). Mit Nickelodeon sei kein Blumentopf zu gewinnen, so verlautete hinter vorgehaltener Hand aus München. Auch NBC war als Geldgeber letztlich nicht zu gewinnen.

    * Das Nickelodeon-Team wirkte nach außen verschanzt und machte zuletzt nur noch durch eine Telefonaffäre von sich reden: Als im März im 3sat-Videotext gefragt wurde: „Welchen Kinderkanal seht Ihr bzw. sehen Ihre Kinder am liebsten?“, da wurden vom telefonischen Zählcomputer auffallend viele Anrufe mit der Düsseldorfer ISDN-Kennung 0211/9121-xxx registriert. Das wurde im Videotext ironisch kommentiert: „Wir bedanken uns besonders für die rege Beteiligung der Anrufer mit der ISDN-Kennung 0211/9121xxx (Firma Nickelodeon Deutschland). Wir haben das Ergebnis auf Leitung 1 um 610 Anrufer reduziert.““

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.