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Beim Wahlkampfauftakt in der Dortmunder Westfalenhalle blies die NRWSPD gestern zur Aufholjagd für die Landtagswahl am 22. Mai. Neben Ministerpräsident Peer Steinbrück und NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau kamen auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und SPD-Parteivorsitzender Franz Müntefering, um die ca. 8.000 Besucherinnen und Besucher für den Wahlkampf zu begeistern.

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Peer Steinbrück bei seiner Rede in Dortmund

Peer Steinbrück ging in seiner Rede vor allem auf die Unterschiede zum politischen Gegner ein: „CDU heißt: Einschränkung von Tarifautonomie, Kündigungsschutz und Mitbestimmung“. Die SPD wolle hingegen eine „friedvolle Gesellschaft mit sozialem Ausgleich“. Im Anschluß sprach er die Probleme am Arbeitsmarkt an. So seien die aktuellen, „bedrückenden“ Zahlen zwar „höher, aber auch ehrlicher“ als die Zahlen des vergangenen Jahres. Sie holten viele ehemalige Sozialhilfeempfänger vom „sozialem Abstellgleis“ der Gesellschaft. Die Reformen verschaffte laut Steinbrück Chancen und Anreize wieder in Arbeit vermittelt zu werden.
„Ich bin seit zweieinhalb Jahren Ministerpräsident und seit sechseinhalb Jahren Mitglied der Landesregierung und ich arbeite an nichts so intensiv, wie an dem Erhalt und der Schaffung neuer Arbeitsplätze.“
Anschließend wird er von den 8.000 mit stehenden Ovationen gefeiert.

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Begeisterte Anhänger von Peer Steinbrück

Bei der Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder ging es im Schwerpunkt um außenpolitische Themen.

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Gerhard Schröder: „Keine deutschen Soldaten im Irak.“

„Keine deutschen Soldaten im Irak“, wiederholt er sein Versprechen aus dem Bundestagswahlkampf 2002. „Nie mehr ein Jahrhundert wie das vergangene Jahrhundert“, sagte der Kanzler mit Blick auf den anstehenden 60. Jahrestag des Kriegsendes. Anschließend sprichte er über Hartz IV verteidigt und stichelt gegen die Wirtschaftsverbände: „Ich erwarte jetzt nicht die nächste Forderung von den Wirtschaftsverbänden. Ich erwarte, dass sie Menschen einstellen, nicht entlassen.“ Angesicht sinkender Umfragewerte verbreitete der Kanzler Zuversicht:: „Genauso wie wir es damals umgedreht haben, machen wir es diesmal auch“, sagte er und lächelte darüber, dass Edmund Stoiber schon vor der Bundestagswahl 2002 von manchem als Kanzler bezeichnet wurde.

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Franz Müntefering lässt sich nach seiner Rede feiern

„Stoiber denkt, Krippe hat etwas mit Weihnachten zu tun, mehr kennt der gar nicht“, beginnt Franz Müntefering seine Rede. Mit Blick auf den Herausforderer von Peer Steinbrück sagte er: „Nordrhein-Westfalen darf nicht von einem Weichei regiert werden.“ Auf die regelmäßigen Vergeiche zwischen Bayern und NRW geht er dann auch ein: „Verstecken muss sich Nordrhein-Westfalen nicht“, sagt er und verweist darauf, dass Bayern erst durch den Länderfinanzausgleich zu einem modernen Land geworden sei.
„Wir haben in Nordrhein-Westfalen 500.000 Studienplätze geschaffen. 100.000 mehr als wir brauchen. Aber auch in Zukunft laden wir junge Leute aus Baden-Württemberg und Bayern ein, bei uns zu studieren,“ sagt er mit Blick auf die Diskussion um die Einführung von Studiengebühren.

Mit erneut stehenden Ovationen der 8.000, vor allem für die Rede von Peer Steinbrück, geht die Veranstaltung zu Ende und der Wahlkampf für die Landtagswahl ist eröffnet.

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Harald Schartau schreibt Autogramme


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6 Kommentare

  1. Lars 10. April 2005 · 17:34 Uhr

    Harald Schartau ist nicht der Finanzminister sonder der Minister für Wirtschaft und Arbeit

  2. Der_praktikant 10. April 2005 · 19:08 Uhr

    Heute habe ich echt nen Lauf.
    Sorry und Danke.
    Manchmal kommt man bei diesen ganzen Ministern und Ministerinnen aber auch mal durcheinander.

  3. korfstroem 11. April 2005 · 8:43 Uhr

    Die Wahlbeobachter der Süddeutschen Zeitung waren offenbar bei einer anderen Veranstaltung oder haben den Ablauf etwas anders gesehen ;-)

    „In Scharen verlassen SPD-Mitglieder vorzeitig den Wahlkampf-Auftakt, während sich die CDU fröhlich selbst feiert.“

    http://www.sueddeutsche.de/,tt2m2/deutschland/artikel/998/50948/

    Und die WAZ sah nur 6.000 kommen. Wie konnten da 8.000 applaudieren?
    http://www.waz.de/waz/waz.politik.volltext.php?kennung=onh2wazPOLWelNational38450&zulieferer=waz&kategorie=HGR&rubrik=Welt&region=National&auftritt=WAZ&dbserver=1

    korfstroem
    http://korfstroem.blogg.de

    PS. Bevor ein falscher Eindruck entsteht, korfstroem arbeitet und berichtet parteiunabhängig.

  4. Der_Praktikant 11. April 2005 · 11:02 Uhr

    Die Zeit und der Spiegel sind mit meinen Schätzungen zwar einer Meinung, aber ob da jetzt 6.000 waren oder 8.000 ist nicht so wichtig. Wichtig ist, das die Veranstaltung gut war.Das war sie, zumindest nach meiner Meinung. Und das einige Besucher etwas früher gehen, um nicht in den Stau zu kommen oder um nicht in überfüllten U-Bahnen zu sitzen kennt man auch von Fußballspielen. Da gleich von „Scharen“ zu sprechen, da ist der gute Hans-Jörg Heims von der Süddeutschen vielleicht ein wenig über das Ziel hinaus geschossen.
    Und dass die Zuschauer bei der CDU brav bis zum Ende ausgehalten haben kann vielleicht auch daran liegen, dass ihre Busse zurück nach Thüringen und Bayern erst nach der Veranstaltung zurückgefahren sind.

  5. Oliver 11. April 2005 · 11:13 Uhr

    Ob’s nun 6.000 oder 8.000 waren (oder 7.576?); da kommts doch am Ende nicht drauf an. Die Zahlen sind immer Schätzungen von Sicherheitskräften oder vom Veranstalter. Für die CDU-Veranstaltung schwankt die berichtete Zahl auch um mehrere Tausend hoch und runter. Es war zwischenzeitlich in der Spitze von 10.000 die Rede. Kann gar nicht sein, soviele Sitze und Stehplätze gabs in der Arena Oberhausen gar nicht.

    Zur SZ: Franz Müntefering war als letzter Programmpunkt des Tages der vierte Redner, nach Harald Schartau, Peer Steinbrück und Gerhard Schröder. Davor gab es noch ein Kulturprogramm. Das also gegen Ende der Veranstaltung der ein oder andere bereits auf dem Heimweg war, erscheint logisch. Das Programm lief von ja insgesamt über einige Stunden.

    In der SZ entsteht aber der Eindruck, als wäre Franz Müntefering der erste Redner zu Beginn des Programms gewesen: „…, verließ das Publikum in Scharen die Dortmunder Westfalenhalle, ehe SPD-Chef Franz Müntefering zu reden begann.“

    Korfstroem: Bist du selbst zur Berichterstattung in Oberhausen oder Dortmund gewesen? Oder hast Du dir nur die Berichterstattung in den Medien angesehen, um „parteiunabhängig“ zu berichten?

    Jedenfalls war die Halle bei der Rede von Peer Steinbrück voll und es standen sogar noch zahlreiche Personen in den Gängen. Das ist auch der SZ aufgefallen – nur wesentlich weiter hinten im Artikel – nicht in der Überschrift. Das sind die feinen Unterschiede, die der ein oder andere Journalist sicher zu nutzen weiss. Warum auch immer.

    „Warum sollte das diesmal nicht wieder klappen?“, fragte Steinbrück in die zu diesem Zeitpunkt noch gut gefüllte Halle.

  6. korfstroem 11. April 2005 · 19:38 Uhr

    Nein, korfstroem war nicht in der Halle und ist diesbezüglich auf die Darstellung in den unabhängigen Medien angewiesen. Umso interessanter ist die Stellungnahme des Blogs.

    Ohne parteilich zu werden ist Euer Blog gut geeignet, eine neue Ära in der Wahlkampftechnik einzuläuten. Gute Bilder und eine schnelle Reaktion vermitteln dem Leser einen guten Eindruck. Daher ein überparteiliches Kompliment für die technische Ausgestaltung, wobei die Nähe zum Leser inbegriffen ist.

    Wenn die Politik eines Tages um konstruktive Diskussionen in der Blogosphäre erweitert wird, ist die Demokratisierung der Medien in den Weblogs nicht mehr aufzuhalten.

    korfstroem
    http://korfstroem.blogg.de

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