Über unsere Wahlkampfauftaktveranstaltung in Dortmund am Samstag ist in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel erschienen, der die Lage meiner Meinung nach nicht so ganz trifft. So schreibt der Autor zum Beispiel:

„In Scharen verlassen SPD-Mitglieder vorzeitig den Wahlkampf-Auftakt, während sich die CDU fröhlich selbst feiert.“

Sicher sind ein paar gegangen, unter anderem auch ich. (Zu meiner unnötigen Entschuldigung: Ich hatte noch 1,5 Stunden Zugfahrt und zwei Stunden vor dem Computer vor mir und bereits einen 10-Stunden-Arbeitstag hinter mir.) Schließlich hatten die Zuschauer zu dem Zeitpunkt als Franz Müntefering geredet hat schon 5 Stunden Programm (Kulturprogramm plus drei Vorredner) hinter sich. Ich glaube nicht, dass man es SPD-Anhängern verübeln kann, wenn sie den Stau auf der Autobahn und überfüllte U-Bahnen umgehen wollen. Da gleich wieder von „Scharen“ zu schreiben, die das „Hauptproblem“ der Partei symbolisieren, finde ich etwas einseitig.

„Der Vorgang symbolisiert das Hauptproblem der SPD in diesem Wahlkampf: die mangelnde Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft. Nicht ohne Grund sagte Ministerpräsident Peer Steinbrück in seiner Rede, diese Wahl werde ein sehr harter Test für die Entschlossenheit und den Kampfeswillen der SPD.

1,1 Millionen Wähler, rechnete er vor, gelte es in den noch verbleibenden sechs Wochen bis zur Wahl zu mobilisieren. Ein Kraftakt, den die Partei im vergangenen Jahr schon einmal bewältigte, als auf das Debakel bei der Europawahl eine erfolgreiche Kommunalwahl folgte.“

Wer zuhört, ist klar im Vorteil. Peer Steinbrück hat vorgerechnet, dass zwischen Europawahl und Kommunalwahl 1,1 Millionen mehr Menschen die NRWSPD gewählt haben und dass noch 900.000 bis zur Landtagswahl hinzukommen müssen, wenn man gewinnen will.

Und das, wo ich die Süddeutsche Zeitung so gerne lese.


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3 Kommentare

  1. Charlotte 12. April 2005 · 15:20 Uhr

    …dieselbe Süddeutsche hatte vor Tagen eine Zahl von 800.000 angegeben. Die Sofa-Partei. Schöner Begriff immerhin. (Und auf einem guten Sofa ist ja immer auch noch Platz für ein paar mehr…)

  2. derteaser 13. April 2005 · 8:39 Uhr

    Es ist tatsächlich nicht verwunderlich, wenn eine Wahlkampfveranstaltung nach 5 Stunden Reden nicht mehr allzu gut besucht ist. Dann liegt der Fehler aber bei den Strategen, die diese Veranstaltung geplant haben! Bei der CDU war das ganze Spiel zwischen 10 und kurz nach 1 erledigt. Übrigens: Die bessere Uhrzeit, denn wer ist heute noch bereit, seinen Samstagabend seiner Partei zu opfern?

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