bz00016.gif wie Praktikum

Hier mal ein Eintrag in eigener Sache. Auf Sueddeutsche.de habe ich heute einen Artikel Äż˝ber meine Generation gefunden. Die Generation P. Das P steht dabei fÄż˝r Praktikum.
Ein Auszug:
„Es gibt immer mehr spÄż˝te BerufsanfÄż˝nger und ewig unbezahlte Praktikanten, Legionen von sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagenden kinderlosen Akademiker-Desperados, die zwar oft verzweifelt sind, sich dafÄż˝r aber in den guten Momenten wie Bohemiens fÄż˝hlen dÄż˝rfen.“

Und weiter:
„SchlieÄż˝lich sind die Probleme der Generation Praktikum nicht existenziell: Unbezahlte Praktika muss man sich ja erstmal leisten kÄż˝nnen Äż˝ wirklich dreckig geht es erst dem, der jeden Job annehmen muss.“

Schuld an der Misere ist ein PhÄż˝nomen, das Physikprofessor Robert W. Fuller „Rankism“ nennt. Fuller zeigt in seinem Buch, wie Menschen, die schwach sind, weil sie keinen offiziellen Rang innehaben, von ranghÄż˝heren Personen zwecks eigenen Machterhalts diskriminiert werden.

In Zeiten, wo Pflichtpraktika sogar in PrÄż˝fungsordnungen festgeschrieben werden, kann man nicht unbedingt den Unternehmen die Schuld dafÄż˝r geben, dass sie sich dieser gÄż˝nstigen bis kostenfreien ArbeitskrÄż˝fte bedienen. Vielmehr muss man sich fragen, warum die Menschen, die eine solche Studienordnung fabrizieren, nicht hinter den Satz: „Der Student hat ein 3-monatiges Pflichpraktikum zu absolvieren“ nicht noch mit einem Komma den Nebensatz:“, welches mit mindestens 400,- Euro vergÄż˝tet werden muss.“ Das wÄż˝rde den Studenten Argumente bieten und die Unternehmen fordern


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5 Kommentare

  1. Klaus 13. April 2005 · 16:15 Uhr

    Ich gehe mal davon aus, dass sich das Mindestlohngesetz auch die Praktikanten berücksichtigen soll. Kein Wunder, dass es von der gesamten Wirtschaftsmeute abgelehnt wird.

  2. Thomas 13. April 2005 · 21:54 Uhr

    Ich kann das Gejammer nicht mehr hören … wer sich ein Praktikum ohne wenigstens eine Aufwandsvergütung andrehen läßt, der ist es selbst schuld.

    Wie immer im Wirtschaftsleben gleichen sich Angebot und Nachfrage aus … wenn es keine Leute mehr geben würde, die Null-Euro-Praktika annehmen, dann werden die Unternehmen auch keine mehr anbieten. Und man erzähle mir nicht, daß es nicht genug bezahlte Praktika gibt. Es gibt genügend, aber natürlich wird bei bezahlten Praktika ein bißchen mehr gefordert … Absitzpraktika, bei denen man um 10 kommt und um 4 geht und am besten bloß nicht zuviel tun muß und schnell wieder bei Mami am Herd ist, wird es dann nicht mehr geben.

  3. bazinho 14. April 2005 · 11:33 Uhr

    @ Thomas

    so einfach ist das nicht. Sicherlich gibt es Bereiche, in denen werden Praktikas gegen Bezahlung angeboten. Die Masse der Praktikas sind es jedoch nicht. Und auch bei Bezahlung hat das zu meist eher etwas mit einem symbolischen Akt, denn mit einer Existenzsichernden Maßnahme geschweige denn eines echten Lohnes zu tun.

    Natürlich hast du recht, wenn nicht die Nachfrage bestünde, würden die Unternehmen aus Not die Praktikas überhaupt und besser bezahlen. (Falls dann überhaupt noch Interesse an Praktikanten besteht) Aber die Nachfrage schaffen die Studenten und frisch Studierten ja nicht aus Jux und Dollerei. Vielmehr sind es die Arbeitgeber die zu einem abgeschlossenen Hochschulstudium, schneller als die Regelstudienzeit, mindestens einem Auslandssemester auch zahlreiche Praktika als Nachweis beruflicher Erfahrungen fordern.
    Ohne diesen Nachweis keinen Job, bzw. deutliche Nachteile gegenüber jenen, welche die Bedingungen erfüllen. Halt Angebot und Nachfrage. So gilt für die vielen Studenten ohne ausreichend Vitamin B: Praktika, Praktika, Praktika, immer in der Hoffnung irgendwann gibts was festes.

    Interessant ist hierzu übrigens auch ein Abschnitt in Naomi Kleins Buch „No Logo“, Seitenzahl schlag mich tot, dort zeigt sie jedoch, dass der faktische Praktikumszwang ein versteckter sozialer Schließungsmechanismus ist. Denn wer in den Semesterferien seinen Lebensunterhalt verdienen muss, der kann kein Praktikum für lau abreißen. Auch nach dem Studium sind die, welche direkt einen Job existenzsichernder Entlohnung brauchen, gegenüber denen, die mit Papas Money über die Runden kommen, im Nachteil beim Kampf um die tolleren Praktika und damit letztlich beim Kampf um die Jobs.

  4. Benjamin Gesing 1. Juni 2005 · 20:43 Uhr

    In den Medien wird überwiegend ein negatives Bild der heutigen „Jugendgeneration“ gezeichnet. Ihre Schulleistungen seien im internationalen Vergleich miserabel (Pisa), sie sei unpolitisch (karriere- statt protestorientierte Studenten) und konsumgeil (besonders werberelevante Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen).
    Dieses Bild ist unserer Meinung nach stark verzerrt und trügerisch. Wie die Shell-Studie gezeigt hat, engagieren sich viele Jugendliche sehr wohl, allerdings nicht mehr gebunden an starre Strukturen, sondern projektorientiert. Und sie wollen nicht nur Aufgaben vorgesetzt bekommen, sondern selbst Ideen und Arbeitsfelder entwickeln können. Sind diese Bedingungen gegeben, entstehen bemerkenswerte Jugendprojekte.
    Die Initiatoren dieses Buches kennen aus ihrem Umfeld genügend positive Beispiele, die diese These untermauern. Sie wollen deshalb dem negativen Image etwas entgegensetzen. Das war der Auslöser für eine Buchidee. Wir geben ein Buch heraus mit dem Titel „PROFILE! – Ansichten der Generation P“
    Interessant ist, dass wir uns zwischen Party und Politik, zwischen Porno und Partizipation verwenden wieder Begriffe wie Praktikum, Pragmatik, positiv, Pessimistisch, privat, persönlich, … ,…

    Um zu dieser Generation zu „gehören“ muss man gar nichts tun: Jeder kann sein eigenes persönliches P finden! Und ich meine das nicht egotaktisch sondern produtiv für die Gemeinschaft.

    Eine Generation Praktikum gibt es nicht. Die Generation P, der nicht mehr alles egal ist aber schon!

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.