Nachdem der SPD-Parteivorsitzende am Wochenende harsche Kritik an deutschen Unternehmen geübt hatte, bekommt er von weiten Teilen der SPD und von den Medien Lob und Anerkennung für seine Worte.

Der Spiegel schreibt:

Von allen Seiten seiner Partei bekam Müntefering heute Beifall für seine harsche Kritik an deutschen Unternehmern. In den vergangenen Tagen hatte er mehrfach eine „wachsende Macht des Kapitals“ kritisiert. Der Staat müsse Rahmen setzen können gegen Unternehmen, die rücksichtslos „rausholen, was rauszuholen ist“, hatte er verlangt. Manche Finanzinvestoren „fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter“.

Das Handelsblatt befasst sich ebenfalls mit dem Thema:

Auch andere Vertreter der SPD-Linken begrüßten den Vorstoß Münteferings und forderten, den Worten auch Taten folgen zu lassen. „Das Schlimmste wäre, wenn die Debatte nach der Nordrhein-Westfalen-Wahl am 22. Mai wieder in der Versenkung verschwinden würde“, sagte SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles dem Handelsblatt: „Es muss Folgeschritte zur Einführung einer europaweiten Mindestbesteuerung für Unternehmen und zur internationalen Regulierung von Devisentransaktionen geben.“ Ähnlich äußerte sich Nahles nach Teilnehmerangaben im SPD-Präsidium. Dort seien Münteferings Vorwürfe gegen Teile der Wirtschaft ohne Vorbehalt unterstützt worden.


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10 Kommentare

  1. chris 19. April 2005 · 14:54 Uhr

    Ich finde, dass Herr Müntefering recht damit hat.
    Wir Konsumenten können oder müssen auch drauf reagieren,denn Unternehmen, die hier in Deutschland oder Europa immer mehr Arbeitsplätze abschaffen, aber ihre Produkte weiter hier – und oft noch überteuert- verkaufen wollen, verstehen nach meiner Meinung, nicht viel von sozialer Marktwirtschaft.

  2. Benno 19. April 2005 · 16:49 Uhr

    Nein, Franz hat mit seinen Äußerungen natürlich nicht ganz Unrecht. Teile der Wirtschaftswelt sind wirklich zutiefst menschenverachtend – wie auch schon mein Vater, der bei seiner Arbeit als Geschäftsführer nie die Menschen aus den Augen verloren hat, auch schon angesichts diverser skrupelloser Investoren und Aufsichtsratsmitglieder erleben musste. Und auch ich werde das Gefühl nicht los, dass etlichen Unternehmern es schnurzpiepegal ist, wie stark die Steuern für sie hierzulande noch gesenkt werden – dass sie nämlich trotzdem ihre Arbeitsplätze ins Ausland verlagern oder hier in Deutschland zumindest keine neuen schaffen werden.

    Aber richtig ist auch, was der Kanzler heute gesagt hat: Diese Kritik muss natürlich diejenigen Unternehmer ausnehmen, die sich redliche Mühe geben, Arbeitsplätze zu schaffen und generell für ihre Angestellten Sorge zu tragen. Wie so vieles hat halt auch die Wirtschaftswelt zwei Gesichter. Und das darf man bei aller Kritik nie vergessen.

  3. Klaus 20. April 2005 · 8:31 Uhr

    Leider geht die Kernaussage in der öffentlichen Diskussion unter. Es entsteht der Eindruck, wir wollten keinen Wettbewerb und keine Kapitalmehrung. Franz wollte nur klar machen, dass Wirtschaftslobbyisten immer neue Forderungen zum Sozialabbau stellen, aber ihre Versprechen, neue Arbeitsplätze zu schaffen nicht nachkommen. Sie drohen lieber mit Personalabbau. Der Staat lässt sich von niemanden erpressen auch nicht von Kapitalisten und Neoliberalisten dieser Welt.

  4. nightrider 20. April 2005 · 16:08 Uhr

    Heute bei Spiegel online gefunden:

    Die ganze Wahrheit im Ortsverein

    ….Aber der Star des Abends ist der Parteichef, er schwebt über allem. Für heute Abend könnte das große Willy-Brandt-Porträt im Awo-Saal getrost gegen eines des Sauerländers ausgetauscht werden. Der SPD-Boss hat hier kein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn er Unternehmer als Demokratieschädlinge angreift und die Regierung gleichzeitig die Körperschaftsteuer für Unternehmen senken will. Hier glaubt man nicht an bloße Wahlkampfrhetorik, sondern an eine Wiederauferstehung sozialdemokratischer Grundwerte, die sich auch langfristig auswirken wird…..
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,352384,00.html

  5. bazinho 21. April 2005 · 11:55 Uhr

    Franz hat schon vollkommen recht wenn er so spricht. Wir müssen unser Land zwar weiter reformieren und es wetterfest machen, aber so ganz ohne guten WIllen der Unternehmer geht es einfach nicht.

    So lange diese immer den Standtort bevorzugen mit den geringsten Löhnen, den niedrigsten Umwelt und Verbraucher- und Mitarbeiterschutzauflagen, den niedrigsten Steuern etc. so lange werden wir Arbeitsplätze an die Länder Osteuropas und Asiens verlieren.
    Mittlerweile verlagern große Versicherungsunternhemen ihre Buchhaltung ins Ausland.

    Der Standort ist für die Unternehmer schon um ein vielfaches besser geworden, als er dies in den 90’ern war. Nur solange die Unternehmer ihre Gier nicht zügeln, d.h. einfach kleine Gewinnabstriche machen, man könnte sie ja z.B. bei den eigenen Gehältern auffangen die sich im letzten Jahrzehnt mehr als verzehnfacht haben.

    Das die Kritik negative Folgen haben könnte halte ich indes für ein Gerücht, eine Tabuisierung der Kritik an einem der wesentlichen Elemente unserer Gesellschaft. Sinnvoll der Kommentar von Thomas Steinfeld in der SZ vom 20.04. :

    „Das Kapital wird darüber hinwegkommen, dass der Standort einmal so schlecht über die Unternehmer redet, wie Unternehmer über den Standort zu reden pflegen.“

  6. WerNos 22. April 2005 · 14:37 Uhr

    Diese vom Franz angestoßene Diskussion kommt meiner Meinung nach wenigstens 2-3 Jahre zu spät – und passend zur NRW Wahl. Erst habt ihr die CDU locker rechts überholt und viele Menschen in die Politikverdrossenheit gedrängelt, jetzt – vor der Wahl – hält Münte eine rote Socke aus dem Fenster und alle klatschen Beifall.
    Solange unser Genosse der Bosse in Berlin weiterhin das Zepter schwingt, werde ich lieber die aus den frustierten SPD Wählern hervorgegangene WASG unterstützen. Daran kann auch Müntes Sinneswandel nichts mehr ändern.

  7. Eistert, Th. 24. April 2005 · 20:59 Uhr

    Gewinn ist nie stabil wenn man hier und da dem Schwächsten immer weiter noch etwas aus der Tasche zieht, lieber Kapitalist! Stabiler Gewinn entsteht immer aus Innovation (Neuheit der Produkte) und gerechter Verteilung der Arbeit (soziale Marktwirtschaft).Ein Kluger wird immer mehr denken als schuften.
    Was man sonst noch so hört ist Kleinkrämerei wie in vergangenen Zeiten und hat mit Wirtschaftspolitik höchsten am Rande noch etwas zu tun. Dringt ruhig mal zum Kern vor!

  8. marc diening 3. Mai 2005 · 14:31 Uhr

    wenn franz müntefering heile durch sundern kommen will,muß er im panzer sitzen!was nutzt denn dieses gerede?wenn ich an all die zuzahlungen der letzten jahre denke,an die ökosteuer,an all die kartellmauscheleien…ob öl,gas&strom…und wieviel politiker,auch der spd,sitzen da in den aufsichtsräten?!!für mich ist die spd nichts anderes,als eine krimminelle organistaion!“schaden vom deutschen volk abzuhalten…“ das ich nicht lache…aber mit diesem meineid fängts ja immer an!
    ja ja…man soll ja immer schön sachlich bleiben….auf welcher rationalen sachebene die politik der spd begründet ist,ist mir völlig schleierhaft!polemik,schuldzuweisungen,verbalangriffe…
    das ist alles,was bleibt!
    das fazit daraus ist für mich,daß „herr“ müntefering sich geschlossen an die reihe jener politiker anstellen kann,die durch dummes geschwätz und rückradlosigkeit glänzen und da haben wir gerade eine ganze regierung voll von!

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.