Ich lese sie ja gern, die „Süddeutsche Zeitung“ . Nicht nur, weil sie als überregionales Qualitätsblatt gilt, sondern auch, weil mich persönliche Beziehungen mit dem Freistaat Bayern verbinden und ich durch die SZ Nachrichten aus den südlichen Gefilden unserer Republik rezipieren kann.
So geschehen auch gestern, da hatte nämlich die SZ die regelmäßig erscheinende Beilage „Bayern entdecken“ dazugelegt. Gewöhnlich wird hier der Freistaat Bayern gelobt – doch nun hagelt es auch Kritik: unter der Überschrift „Spitzenwerte“ wurden sämtliche Spitzenleistungen des Freistaates aufgezählt. Darunter auch äußerst fragwürdige…

„Jeder weiß: Bayern hat in den PISA-Studien zusammen mit Baden-Württemberg deutschlandweit immer am besten abgeschnitten. Vorbildlich! Was nicht jeder weiß: Das hat nicht viel zu sagen. Denn im Freistaat bleiben bundesweit die meisten Realschüler sitzen: 21.776 bekamen im Jahr 2003 einen blauen Brief vom Oberschulamt und durften 2004 dieselben Mathe-Formeln gleich noch mal pauken.“

Aber die Jugend hat in Bayern nicht nur Probleme mit der Bildung, sondern auch, einen Arbeitsplatz zu erhalten: „14.042 Menschen unter zwanzig hatten 2004 in Bayern keinen Job. Bundesrekord! Im Arbeitsministerium war diese Zahl unbekannt. Der Pressesprecher Bernhard Seidenath sagt: „Wir erfassen nur die unter 25-jährigen.“ Und weiter: „Wir hatten absolut gesehen zwar die meisten Arbeitslosen unter zwanzig, aber in relation zur Bevölkerungsdichte lag Bayern klar unter dem Bundesdurchschnitt.“ Bravo Bayern, möchte man da fast sagen. Wermutstropfen: In Nordrhein-Westfalen leben mehr Menschen als in Bayern. Dort hatten 2004 nur 11.000 Menschen unter zwanzig keinen Job.“

Wer sich jetzt noch wundert, warum das „Musterland“ Bayern diese Zahlen immer gerne bedeckt hält und dass die Mehrheit der Bayern zufrieden zu sein scheint, dem wird folgende Erkenntnis vielleicht eine Antwort liefern: „Die meisten Verkehrsunfälle mit Todesfolge ereignen sich in Bayern. 1269 Menschen verloren im Jahr 2003 auf Bayerns Straßen ihr Leben (Baden Württemberg 775) [pers. Anmerkung: NRW 936 Verkehrstote, d.h. 52/eine Million Einwohner, in Bayern 102/eine Million Einwohner]. Oft spielt der Alkohol die traurige Hauptrolle. Und da führt der Freistaat die bundesweite Liste an: 189 Menschen starben 2003 in Bayern bei einem so genannten Alkoholunfall (Baden-Württemberg: 126).“

Wir sehen also wieder, dass in Bayern nicht alles so glatt läuft, wie gerne behauptet wird. Vor allem die von der Union immer wieder hervorgehobene Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik zeigt auch in Bayern ihre Schwächen.


Du kannst die Kommentare zu diesen Artikel durch den Kommentar-Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

4 Kommentare

  1. Carsten - NRWSPD Blog 21. April 2005 · 13:04 Uhr

    Tja – es gibt halt keine einfachen Lösungen. Und wenn Jürgen ‚Nogger Dir einen‘ Rüttgers zum Jahreswechsel, und der damit einhergehenden Änderungen der Arbeitslosenstatistik, 1.000.000 neue Arbeitsplätze in NRW verspricht, dann fühlt man sich schon ein wenig dumm verkauft – denn oberflächlich betrachtet (und so sehen es sicher viele Menschen) sieht das doch verdächtig nach Vollbeschäftigung aus. Ist es natürlich nicht – aber der Eindruck ist sicher nicht ganz ungewollt…

  2. bazinho 21. April 2005 · 13:35 Uhr

    Interessant wird die Zahl zu den jungen Arbeitslosen vor allem dann, wenn man die bei der Union so bliebte „Verbiege Zahlen so lange bis sie gut für dich sind“ Technik anwendet, welche man auf den Plakaten der Schwarzmaler bestaunen kann.

    Also man rechne wie folgt: In NRW leben ja nicht nur ein paar sondern fast 6 Millionen Menschen mehr. Bayern 12,4 und in NRW 18,1 (Zahlen gerundet). SO jetzt rechnen wir Bayern auf die Einwohnerzahl von NRW um.

    Geht wie folgt: man teile die 14042 bayrischen Arbeitslosen unter 20 durch zwei und multipliziere sie mit drei. Und schwups, schon hat man satte 21000 Betroffene. Das sind dann immerhin fast doppelt soviele wie in NRW.

    An dieser Stelle eine Frage an den Weißwurst Liebhaber Rüttgers: Na, wo bleibt ihr Vergleich mit Bayern an diesem Punkt? Oder wollen sie sich an dieser Stelle nicht im Lichte ihrer bayrischen Vorbilder sonnen?

    Noch ne kleine Anmerkung zu dem Zählverhalten der Bayern:Junge Arbeitslose? Zählen wir nicht. Interessante Taktik. Funktioniert übrigens auch beim Unterrichtsausfall: einfach mal nicht zählen, dann stehen diejenigen, welche ehrlich sind und dies tun, allein dumm da.

  3. paul 2. Mai 2005 · 19:04 Uhr

    Wenn in NRW jeder Halbdepp das Abi nachgeschmissen bekommt, ist es wohl logisch, dass keiner sitzen bleibt…

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.