Ganz frisch 20:05 Uhr: E-Card mit dem Rüttgers-Zitat
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Nach Wochen des selbst auferlegten Schweigens hat sich gestern Abend Jürgen Rüttgers zurück gemeldet. Bei Studio Friedmann staunte auch Gastgeber Michel Friedmann, seines Zeichens jüdischen Glaubens und von 2000-2003 stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, nicht schlecht darüber, was sein Gast Jürgen Rüttgers da vor sich hinschwadronierte. „Ich glaube, dass die Katholische Kirche und ihr Menschenbild das richtige ist und anderen Religionen überlegen ist“, sagte der CDU-Oppositionsführer in NRW und schaffte damit endlich das erwartete gleichwertige Gegenstück zu „Kinder statt Inder“ aus seinem letzten gescheiterten Versuch (Landtagswahl 2000) Ministerpräsident für Nordrhein-Westfalen zu werden.
Auch der Spiegel wundert sich:

Die Einlassungen Rüttgers dürften bei seiner Parteichefin Angela Merkel einige Verwunderung auslösen. Immerhin ist sie die Tochter eines protestantischen Pastors.
Die Evangelische Kirche im Rheinland äußerte ihr Unverständnis über die Aussage des CDU-Politikers. „Wir können uns nicht vorstellen, dass Jürgen Rüttgers das Menschenbild von mehr als sechs Millionen Protestanten in NRW für unterlegen hält“, sagte ein Sprecher der Landeskirche. Mehr sei „zum gegenwärtigen Zeitpunkt dazu nicht zu erklären“.

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Foto via http://wirres.net

Update 21:45 Uhr:
NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück äußerte sich am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Ibbenbüren:

„Ich fände es ziemlich schrecklich, wenn man eine Art erster und zweiter Klasse zwischen den Christen haben würde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir gut beraten sind, eine Religion über die andere zu erheben. Das gilt nicht nur im Verhältnis der beiden christlichen Kirchen, sondern das gilt auch und gerade mit Blick auf den notwendigen Dialog mit anderen Glaubensrichtungen und anderen Religionen, – ob es nun Juden oder Anhänger islamischer Glaubensgemeinschaften bei uns oder anderswo sind.
Ich habe gedacht, ich habe gehofft, dass dies die allgemeine Überzeugung mindestens der beiden großen Volksparteien und der anderen demokratischen Parteien ist. Und deshalb mutet es mir mehr als seltsam, – um nicht zu sagen merkwürdig – an, was gestern in diesem Interview bei einem privaten Nachrichtensender ausgesprochen worden ist .“


„Nach wochenlangem Schweigegelübde ist Jürgen Rüttgers wieder aufgetaucht und bläst gleich zum Heiligen Krieg“, bemerkten die beiden NRW-Landesvorsitzenden der Grünen, Britta Haßelmann und Frithjof Schmidt. Sie nannten die Äußerungen einen „Schlag ins Gesicht für die überwältigende Mehrheit der deutschen Katholiken, die sich seit Jahren für die Ökumene und den interreligiösen Dialog etwa mit dem Islam einsetzten“.
Darüber hinaus habe der CDU-Spitzenkandidat „klar gestellt“, dass er die Spaltung des christlichen Glaubens für richtig halte und damit die Protestanten in Deutschland „zutiefst beleidigt“.

Die Freie Presse und die Südwest Presse sehen Jürgen Rüttgers als einen Nacheiferer des neuen Papstes Benedikt XVI.:

Rüttgers stellte sich damit auf die Seite des neuen Papstes Benedikt XVI. und früheren Joseph Kardinal Ratzinger, der vor seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt auf der Überlegenheit der katholischen Kirche gegenüber anderen Religionen beharrt hatte. Vor diesem Hintergund hatte Ratzinger auch der ökumenischen Zusammenarbeit klare Grenzen gesetzt und gemeinsame Abendmahlsfeiern mit evangelischen Christen abgelehnt. In seiner ersten Predigt am vergangenen Mittwoch bekannte sich der Papst indes zu Ökumene und theologischem Dialog.

Nicht zu Unrecht hatte sich Rüttgers in den letzten Wochen still verhalten. Denn: Wenn jedes Mal, wenn der ehemalige Zukunftsminister der Regierung Kohl den Mund aufmacht, so ein Satz rauskommt, dann können wir uns auf die Rededuelle gegen den NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück freuen. Da kommt endlich mal eine klare Aussage von Rüttgers und dann gleich so eine. Aber: Ich wette, wir können uns in dieser Sache jetzt auf eine weitere „Rolle Rüttgers“ freuen, indem er morgen verkünden wird, dass er das nicht so gemeint hat und das Gegenteil behauptet.

Update 15:10 Uhr:
Reaktionen aus dem Web: Jürgen vor, Eigentor!

Auch im Netz gibt es erste Reaktion auf den neuesten Ausrutscher von Jürgen Rüttgers.
So erklärt shice den Oppositionsführer kurzerhand zur „Pfeife des Tages“.

In „Music was my first Blog“ lesen wir:

Jürgen vor, Eigentor!
In NRW gibt es eine Menge Katholiken.
Von allen Christen dort vielleicht etwa die Hälfte.
Jürgen Rüttgers (CDU) will dort im Mai Landesmutti werden. Ob man daß schafft, in dem man den Katholizismus als die einzig wahre Religion ausruft? Und nebenbei auch die CDU-wählenden Protestanten vergrault? (Atheisten, Agnostiker, Moslems, etc. mal ausgeklammert.)
Das ist fast so schön wie die „Kinder statt Inder“-Kampagne vor ein paar Jahren. War das nicht vor der letzten NRW-Wahl? Jürgen vor, Eigentor.

Rochus Wolff schreibt in seinem Blog:
super-schachzug im nrw-wahlkampf: auch rüttgers ist papst!

Und bei Blog´n`roll liest man:
Es war ja zu befürchten, daß nachdem ein Bayer katholischer Obermuffti wurde, so etwas wie eine „religiöse Rückbesinnung“ gewisse Teile der abergläubischen Bevölkerung befällt, aber daß es einer schafft, nach nur so kurzer Zeit, schon einen solchen Haufen Scheiße ans Tageslicht zu befördern… Alle Achtung Herr Rüttgers.

Update 15:28 Uhr:

Ich hatte es zwar erst für morgen erwartet, aber die Pressestelle der CDU in NRW rudert schon jetzt zurück. In einer angeblich von N24 korrigierten Fassung, die auf Spiegel.de veröffentlicht wurde, wird nun behauptet, Rüttgers habe sich nicht auf die katholische Kirche, sondern auf das christliche Menschenbild bezogen.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert im Folgenden den Wortlaut des Gesprächs:

Friedman: Zum gleichberechtigten Respekt aller Kirchen sagt Benedikt XVI: „Die katholische Kirche ist allen anderen Kirchen überlegen.“ Hat er Recht?

Rüttgers: Er sagt, dass das, was er glaubt, und das, was seine Kirche glaubt, das Richtige ist. Und ich finde, das darf er auch.

Friedman: Ich sage noch einmal: Die katholische Kirche sei allen anderen Kirchen überlegen.

Rüttgers: Ich hab das schon verstanden. Er sagt, das ist das Richtige, und wenn’s das Richtige ist, dann muss er zwangsläufig sagen, dass das andere nicht richtig ist.

Friedman: Und was sagen Sie?

Rüttgers: Ich glaube, dass wir wieder lernen müssen, dazu zu stehen, dass wir wieder etwas für wahr und etwas für unwahr halten. Ich bin Katholik und ich glaube, dass unser christliches Menschenbild das Richtige ist und nicht vergleichbar ist mit den anderen Menschenbildern, die es anderswo auf der Welt gibt.

Friedman: Aber wir sprechen von dem Begriff „überlegen“. Ist die katholische Kirche und ihr Menschenbild anderen Religionen überlegen?

Rüttgers: Ich glaube, dass es das Richtige ist, wenn Sie wollen auch „überlegen“.

Friedman: Was bedeutet das denn eigentlich für einen Protestanten, einen Juden oder einen Moslem, wenn Sie sagen, die katholische Religion ist den anderen überlegen?

Rüttgers: Das bedeutet, dass er von seiner genauso überzeugt sein kann und dass man auf der Basis dann anfängt miteinander zu reden.

Urteilt selbst, was Rüttgers meint. So verquer, wie der sich ausdrückt, kann das alles mögliche heißen.

Update 15:43 Uhr:

Kurt Beck sagt dazu:

Die christlichen Kirchen arbeiten seit Jahren an einer Verständigung der Konfessionen und Religionen. Das interreligiöse Gespräch ist ein unersetzlicher Beitrag für den Frieden in der Welt. Viele gläubige Christen engagieren sich für die Ökumene. Sie suchen die Gemeinsamkeiten und das Miteinander. Dabei halten sie am eigenen Glauben fest, ohne den anderen zu diskreditieren. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl. Denn wer versöhnen will, kann nicht gleichzeitig spalten. Das hat Jürgen Rüttgers offenbar nicht verstanden.

In Hugos House of Weblog Horrer heißt es:

Einfach nur noch krank was der Typ so von sich gibt. Und sowas droht damit neuer Ministerpräsident von NRW zu werden. Selbst Bruder Johannes – der ja nun wirklich seine Religiösität mehr als für Atheisten erträglich rausgestellt hat – hat sich solche saublöden Sprüche verkniffen …

Und im Rabenhorst heißt es:

So Kinder-statt-Inder Rüttgers in der N24 Sendung Studio Friedman, nachzulesen im Tagesspiegel Artikel Rüttgers: „Christliches Menschenbild ist das Richtige“. Und so einen [ ] (gewünschten Begriff eintragen) werden die Nordrhein-Westfahlen im Mai an der Wahlurne ihren Tribut zollen, wenn es ganz, ganz schlimm wird. Nicht zu fassen, in welchem Irrenhaus ich einsitzen muss.

@Rabenhorst: Aber es wird nicht ganz, ganz schlimm ;-)

Update 16:00 Uhr:
Soeben hab ich auch ein Statement von Harald Schartau gefunden:

Mit seinen Äußerungen zur „Überlegenheit“ des Katholizismus verletzt Jürgen Rüttgers die Gefühle vieler gläubiger Menschen. Sie zeugen von einem intoleranten und verengten Weltbild.

Die Mehrheit der Katholiken setzt sich für eine Stärkung der Ökumene ein. Auch Papst Benedikt XVI. hat zu Beginn seines Pontifikats klargestellt, er sei bereit, „alles in seiner Macht stehende zu tun, um das Grundanliegen der Ökumene voranzubringen.“

100% agree, Herr Wirtschaftsminister.

Update 16:44 Uhr:

Noch ein schöner neuer Kommentar von Omid Nouripour, Mitglied des Bundesvorstands von Bündnis 90/Die Grünen:

Das Amt des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, um das Rüttgers sich bewirbt, ist doch keine Missionarsstellung.


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38 Kommentare

  1. Carsten 22. April 2005 · 14:21 Uhr

    Das ist echt unglaublich. Der gute Mann ist tatsächlich „nicht regierungsfähig“. Es ist mir unvorstellbar wie dieser Mann NRW vertreten soll. Eine Bewertung von Glauben verbietet sich – vor allen Dingen in der Politik!

    Folgende Blogs haben das Thema auch schon aufgegriffen:
    http://www.shice.biz/000958.php
    http://www.rochuswolff.de/weblog/archiv/2005/04/22/13.44.47/index.shtml
    http://www.blognroll.com/entry.php?id=01456

  2. Benno 22. April 2005 · 14:23 Uhr

    Wir haben ja lange drauf warten müssen – aber da ist es ja wieder: Das klassische Rüttgersche Fettnäpfchen. Vielleicht sollte Rüttgers mal zur Abwechselung ein bisschen für Substanz sorgen (z.B. ein Schattenkabinett vorstellen) und seine Zeit nicht mit solchem verbalen Dünnpfiff verschwenden.

  3. Carsten 22. April 2005 · 14:28 Uhr

    Und noch was von Music was my first Blog:

    ‚Jürgen vor – Eigentor‘
    http://blog.mernum.net/blog/archives/231-Juergen-vor,-Eigentor!.html

    Jürgen Rüttgers (CDU) will dort im Mai Landesmutti werden. Ob man daß schafft, in dem man den Katholizismus als die einzig wahre Religion ausruft? Und nebenbei auch die CDU-wählenden Protestanten vergrault? (Atheisten, Agnostiker, Moslems, etc. mal ausgeklammert.)

  4. Roter Baron 22. April 2005 · 14:32 Uhr

    Rüttgers hat wieder seine „Kinder statt Inder“-Geschichte ausgegraben. Diesmal geht es nicht gegen Ausländer, sondern gegen Andersgläubige.
    Jürgen zeigt sein wahres Gesicht – aber nach der Sendung freue ich mich richtig auf die Fernsehduelle: da wird der Jürgen zusammengefaltet.

  5. Sven 22. April 2005 · 14:33 Uhr

    Da hat wohl jemand die Bild-Schlagzeile von gestern („Wir sind Papst“) etwas zu ernst genommen ;-)

  6. ExFreund 22. April 2005 · 14:38 Uhr

    Schon krass,
    allerdings zeigt uns das doch umso krasser die Unglaubwürdigkeit der SPD-Politik wenn diese Leute dann trotzdem gewählt werden.

    (Ehemalige-) SPD Wähler lesen halt doch mehr Zeitung weshalb höchstwarscheinlich der Unterschied zwischen Schein und Sein hier bei den Wählerstimmen mehr ins Gewicht fällt.

    Án die „erstmal fordern, dann (vielleicht) fördern Mentalität“ der SPD hätte vor der Schröder, Clement, Münte-Gang auch keiner geglaubt.

  7. oliver 22. April 2005 · 14:42 Uhr

    Hier aktuell was der WDR berichtet:

    Rüttgers-Äußerung löst Religions-Streit aus:
    Überlegenheit des katholischen Menschenbildes behauptet

    http://www.wdr.de/themen/politik/personen/ruettgers_juergen/index.jhtml?rubrikenstyle=politik

  8. rrho 22. April 2005 · 15:10 Uhr

    och, isset denn so schwer, meinen namen richtig zu schreiben? wenn ich schon auf ’nem parteiblog auftauche, mit dem ich nix zu tun hab, dann bitte auch recht geschrieben. danke.

  9. Thorsten 22. April 2005 · 15:15 Uhr

    @ rrho
    Mea culpa,
    habs geändert.

  10. bazinho 22. April 2005 · 16:02 Uhr

    Tja jetzt wissen wir auch warum Rüttgers „Ich Katholik, ich anderen Überlegen sein“ Rüttgers sich seine „Rolle Rüttgers“ zu gelegt hat. Ein Mensch dem Stänig seine etwas befremdlichen Gesinnungen rausrutschen, der muss halt glaubwürdig verkaufen können, dass er das alles nicht so meint.
    Und wie geht das besser, als wenn man alle zwei Tage seine Meinung ändert.
    Wenn der jetzt Morgen erklärt ich hab das doch gar nicht so gemeint, eigentlich sind die Hindus die besten Menschen und mir lieber als Kinder. Dann fragt doch keiner mehr nach seiner Gesinnung.

    Obwohl sich genau an dieser Stelle zeigt warum man Menschen wie ihn mit aller Kraft die man hat verhindern muss.

  11. Zeedorf 22. April 2005 · 16:03 Uhr

    Als Katholik muss ich sagen: Der Jürgen hat recht. Wir sind nun mal die Besseren. Und die SPD soll sich mal nicht so anstellen – mit solchen Atheisten verliert man eh nur die Wahl. Zuerst ein deutscher Papst, dann ein katholischer Ministerpräsident und nächstes Jahr ein katholischer Kanzler!

  12. Carsten 22. April 2005 · 16:08 Uhr

    @zeedorf: du bist also jetzt mir überlegen? und dabei bin ich noch nichtmal christ. bin ich damit vieleicht auch dem gesamten christentum unterlegen?

    ach weisste – mir egal. glaub ruhig weiter dran – bei dir juckts mich nicht, denn du möchtest ja nicht das bundesland, in dem ich lebe, führen. daher kann ich den kopf schütteln und weitergehen.

    aber eben nur bei dir.

  13. bazinho 22. April 2005 · 16:15 Uhr

    Tja jetzt wissen wir auch warum Rüttgers „Ich Katholik, ich anderen Überlegen sein“ Rüttgers sich seine „Rolle Rüttgers“ zu gelegt hat. Ein Mensch dem Stänig seine etwas befremdlichen Gesinnungen rausrutschen, der muss halt glaubwürdig verkaufen können, dass er das alles nicht so meint.
    Und wie geht das besser, als wenn man alle zwei Tage seine Meinung ändert.
    Wenn der jetzt Morgen erklärt ich hab das doch gar nicht so gemeint, eigentlich sind die Hindus die besten Menschen und mir lieber als Kinder. Dann fragt doch keiner mehr nach seiner Gesinnung.

    Obwohl sich genau an dieser Stelle zeigt warum man Menschen wie ihn mit aller Kraft die man hat verhindern muss.

  14. Bad Days 22. April 2005 · 16:19 Uhr

    … wenn er einmal losgelassen…
    Nicht schlecht, was Klein-Jürgen da wieder von sich gegeben hat. Es wird einem seit früher Kindheit eingetrichtert: Erst denken, dann reden! Bei ihm scheinen jegliche Erziehungsmassnahmen misslungen zu sein.
    Er greift mit seiner Äusserung nicht nur die Andersdenkenden an, sondern effektiv alle Nicht-Katholiken. Atheisten & Co. mal mit eingeschlossen.
    Setzen 6! Das ging wie damals wieder nach hinten los! In so einem Fall bin ich mit dem Recht der „freien Meinungsäusserung“ wirklich am hadern.

  15. Thorsten 22. April 2005 · 16:20 Uhr

    @ zeedorf
    Dir ist schon klar, dass die Parteivorsitzende der CDU auch Protestantin ist, oder?

  16. bazinho 22. April 2005 · 16:20 Uhr

    @zeedorf

    Wenn ich mir dein Posting so anschaue, hat das nur einen kleinen schönheitsfehler. Wenn der nächste Kanzler katholisch und männlich wird, dann die CDU wohl nicht in NRW, denn siegt Rüttgers wird Merkel Kandidatin und die ist bekanntlich weiblich und evangelisch. Nur bei einer Niederlage von Rüttgers darf der katholische Kandidat Stoiber auf eine Kandidatur hoffen.

    Aber von mir aus kann das so kommen.

  17. Klaus 22. April 2005 · 16:28 Uhr

    Sollte das der Versuch sein, Politik und Glauben wieder aneinander zu knüpfen? Diese Polemik erinnert doch sehr an George W. Bush. In der Kirche hilft der Glaube, im Parlament bedarf es des Wissens.

  18. Patrizia 22. April 2005 · 19:16 Uhr

    Also ich kann da nur zu sagen, der Jürgen soll mal so weiter machen, weil desto einfach wird die Wahl für uns! Soll er doch sagen was er will und wann er will nur bitte alles vor der Wahl vielleicht „wachen “ viele Menschen auf.

  19. Bert Hohlweg 22. April 2005 · 19:18 Uhr

    Rüttgers hat nun mit dieser unsäglichen Äußerung „Gott sei Dank“ rechtzeitig vor der Landtagswahl am 22.05. Einblick in seine wahre Gesinnung gewährt. Pikanterweise im Fernsehstudio vor Michel Friedmann. Ausgerechnet vor und bei Friedmann! Offenbar steckt dieser unselige Geist immer noch in den Köpfen mancher konservativer Politiker. Dieser Mann kann und darf nicht Ministerpräsident in NRW werden.

  20. Benno 22. April 2005 · 19:59 Uhr

    Jetzt hat Jürgen Rüttgers ja richtiggestellt, er habe von der christlichen Religion insgesamt gesprochen. Das macht’s aber auch nicht besser, denn damit schneidet er weiterhin den Islam, das Judentum, den Buddhismus, den Hinduismus und alle weiteren Religionen. Dass Rüttgers zwar die Protestanten von seiner Äußerung ausnimmt, ihm dabei aber nicht auffällt, dass die Aussage nach wie vor unglücklich – mehr noch: unverschämt – ist, zeugt einmal mehr von seinem fehlenden politischen (und menschlichen) Instinkt. Pfui Spinne.

  21. Oliver 22. April 2005 · 20:39 Uhr

    Ich war heute den ganzen Tag mit Peer Steinbrück auf Tour. Wir haben zwar zwischendurch mal von der ganzen Rüttgers Geschichte gehört, aber jetzt wo ich das hier lese – das ist ja der Hammer! Peer hat dazu auch unterwegs was gesagt, das legen wir dann hier nachher mal nach.

  22. Bernd Grah 22. April 2005 · 21:08 Uhr

    Diese Äußerungen finde ich ja auch nicht toll, aber ich denke, das man sich nicht daran beteiligen sollte, daraus ein Wahlkampfthema zu machen.
    Herr Rüttgers wird seitens der Presse da schon noch einiges zu tun bekommen.
    Konzentriert euch auf die wichtigen Themen —-
    Bildung , Kommunale Verantwortung , Bürokratieabbau und die Schaffung neuer Arbeitsplätze ……..
    Öffentlich möchte ich auch mal gerne hören, das es zu viel Missbrauch seitens der Kommunen bezüglich der 1 € Jobs gibt………
    Traut euch endlich mal was zu und werdet in den Vorstellungen eurer Ziele offensiver . Nicht immer erst auf einen Fehler der anderen warten……….
    Wollte ich nur mal los werden

  23. Dirk 22. April 2005 · 22:18 Uhr

    Das Statement von Peer Steinbrück habe ich oben im Text eingefügt. Es ist direkt von einer Pressekonferenz in Ibbenbüren anläßlich eines Wahlkampftermins bei der DSK Anthrazit Ibbenbüren.
    Die Wahlkampfveranstaltung war übrigens großartig.

  24. Klaus 23. April 2005 · 12:59 Uhr

    Wer die Sendung nicht gesehen hat: morgen, Sonntag der 24.04. wird die Sendung um 9.05 Uhr (vor dem Gottesdienst) wiederholt.

  25. music was my first blog 23. April 2005 · 17:27 Uhr

    Wirr überlegen

    (gefunden bei wirres.net via blog.nrwspd; als !Nachtrag zu dem hier.)

  26. Jens 23. April 2005 · 21:06 Uhr

    Was ein Glück, endlich sagt Rüttgers mal was, was man ihm um die Ohren hauen kann. An der aufgeblasenen Diskussion sieht man, wie nötig das gewisse Leute haben und davon haben die mit 100%iger Sicherheit noch nicht mal die Sendung gesehen. Ich bin beim Zappen zufällig darauf gestoßen und kann nur sagen, in der agressiven Art, wie Friedmann Rüttgers immer wieder Worte in den Mund gelegt und suggestive Fragen gestellt hat, kann man das, was dabei herausgekommen ist, nicht ernst nehmen. Da kenne ich zu Hauf Rüttgers Aussagen, die von „überlegenem Menschbild“ nicht die Spur aufweisen. So isser überhaupt nicht. Wer die Sendung gesehen hat, wird mir recht geben, die andern solln halt noch ein bissel schimpfen. Damit disqualifizieren sie sich doch nur selbst!

  27. Benno 24. April 2005 · 11:47 Uhr

    @jens: Natürlich, jetzt ist wieder der „böse Herr Friedmann“ Schuld. Das ist nun einmal sein Interviewstil, und der ist doch allgemein bekannt. Insofern muss jeder, der zu Friedmann in die Sendung geht, auch schon von vornherein damit rechnen, rhetorisch in die Zange genommen zu werden. Da kann man sich dann hinterher auch nicht beklagen. Herr Rüttgers war ja schließlich nicht gezwungen, zu Friedmann zu gehen. Und wenn sogar die alles andere als SPD-nahe „Rheinische Post“ schreibt, „Auf glattem Parkett hat Rüttgers damit, nicht zum ersten Mal, Trittsicherheit vermissen lassen“, hätte Rüttgers seinen Besuch bei Friedmann lieber gleich bleiben lassen sollen.

  28. Jens 24. April 2005 · 20:27 Uhr

    Dann lies das mal…

    Kommentar aus Welt am Sonntag: „Gedankenpolizist“
    Welt am Sonntag, 24. April 2005

    Volker Beck, Grünen-Geschäftsführer, über Jürgen Rüttgers: „Als pharisäerhaft und bigott geoutet.“

    Gedankenpolizist

    Warum denkt ein Grüner, wenn er es einem Katholiken stecken will, gleich an Juden? Die Pharisäer waren rechtgläubige Menschen. Sie hofften, durch peinliche Erfüllung der Gebote Gottes Israel zu erlösen. Jesus ging das nicht weit genug. Er forderte nicht nur die Beschneidung, also das äußere Zeichen der Gesetzestreue, sondern die „Beschneidung der Herzen“: Liebe und Mitgefühl. „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“
    Da ist also der Fall eines gläubigen katholischen Politikers. Der wird von einem TV-Interviewer rhetorisch in die Ecke gedrängt und verletzt ein ehernes Gesetz der politischen Korrektheit: Du sollst nie sagen, dass du deine Religion für besser hältst als irgendeine andere. Statt dessen bekennt Jürgen Rüttgers – statt lächelnd zu sagen, „Lieber Michel Friedman, in diese Falle locken Sie mich nicht, mein Glaube ist Privatsache“ – Ja, er finde das Menschenbild seiner Kirche richtig. Und damit, logischerweise, anderen Menschenbildern überlegen. Nun trifft ihn die volle Wut der unduldsamen Hüter des Gesetzes, der Gedankenpolizei der politischen Korrektheit. Wer ist hier Pharisäer?
    Bigott ist nicht, wer sich zu seinen Überzeugungen bekennt. Bigott ist, wer andere nicht anders denken lässt. Wer ist hier bigott? Toleranz heißt nicht Diktatur der Beliebigkeit, sondern Freiheit der Andersdenkenden. Beck setzt sich dafür ein, im Antidiskriminierungsgesetz das Verbot der Diskriminierung aufgrund der Religion festzuschreiben. Gut. Gilt das nur, solange man sich nicht zu ihr bekennt?

    Alan Posener

  29. Klaus 24. April 2005 · 20:35 Uhr

    Nicht verpassen! Heute 21.45 Uhr bei Sabine Christiansen geht Jürgen Rüttgers Schlechtreden anderer Religionen weiter. Diesmal mit Franz Müntefering als Gegenspieler. Thema: Der Deutsche Papst, die SPD und das „böse“ Kapital. Da kann sich der Möchtegern-Ministerpräsident warm anziehen.

  30. Anja 24. April 2005 · 20:49 Uhr

    Du sagt es ja selbst Praktikant, die Rüttgers Kritik ist schon Hysterie. Da haltet es doch einfach mit, Jens Peter Iven, Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland:

    „Der Fernsehsender N 24 hat der Evangelischen Kirche im Rheinland gegenüber klargestellt, dass das von ihm verbreitete Rüttgers-Zitat zur katholischen Kirche und dem Menschenbild nicht korrekt ist. Der Sender hat sich dafür bei uns entschuldigt. Damit erübrigt sich aus unserer Sicht die weitere Diskussion darüber – und auch unsere Stellungnahme vom heutigen Vormittag.“

  31. Klaus 24. April 2005 · 21:50 Uhr

    @Anja: der Sender muss sich bei der Evangelischen Kirche nicht entschuldigen, Jürgen Rüttgers ist für seine Äußerungen ganz allein verantwortlich. Das wäre das gleiche, als würde sich das Papier dafür entschuldigen, was auf ihm gedruckt wurde.

  32. Roter Baron 25. April 2005 · 1:22 Uhr

    @ jens
    Ich habe die Sendung auch gesehen.
    Dann habe ich sie mir später noch einmal angeschaut, weil ich es einfach nicht glauben konnte. Jürgen Rüttgers hat aber auf wiederholte Nachfrage seinen Glauben als „überlegen“ bezeichnet.
    Friedmann hat mehrfach gefragt „aber wir sprechen hier von „überlegen““.
    Hätte Rüttgers etwas Anstand besessen, hätte er gesagt „Ich halte meinen Glauben für den Richtigen. Aber er ist anderen Glaubensrichtungen ebenbürtig. Für mich als Politiker spielt die Konfession und Religion keine Rolle.“
    Das hat er aber nicht gesagt. Rüttgers hat mehrfach bewußt das „überlegen“ angewandt bzw. akzeptiert, als Friedmann danach gefragt hat.

    Rüttgers hat sich die letzten sechs Wochen ganz vergraben. Er hat gar nichts gesagt – logischer Weise auch nichts falsches. Getreu dem Prinzip des Kabinett Kohls: Wer nichts tut, macht auch nichts falsch.
    Nun hat er sich nach langer Zeit das erste mal öffentlich geäußert – und bringt sowas. Das ist auch nicht durch Friedmanns – zugegeben sehr barschen – Interviewstil zu entschuldigen: Jemand, der Spitzenpolitiker (und sowas ist man als Ministerpräsident) werden will, darf sich auch von einem Friedmann nicht aus der Fassung bringen lassen. Wer es dennoch tut, der muß damit rechnen, dass ihm seine öffentlich vorgebrachten Fehler angekreidet werden.

  33. Tilman Kluge 25. April 2005 · 8:27 Uhr

    Wenn man schon zitiert, sollte man nicht auf ein und derselben Internet-Seite zwei verschiedene Texte veröffentlichen! Denn nur einer (oder keiner) von beiden kann der richtige sein.

    Friedmans Frage nach der Überlegenheit einer Kirche über eine Religion war natürlich auch kein Meisterstück.

    Tilman Kluge

  34. nightrider 25. April 2005 · 11:10 Uhr

    Bischof Huber nennt Rüttgers-Äußerung «nicht gelungen» =
    Berlin (dpa) – Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche
    Deutschlands, Bischof Wolfgang Huber, hat die Äußerungen des CDU-
    Politikers Jürgen Rüttgers zur Überlegenheit der christlichen
    Religion kritisiert. «Man muss ein bisschen sorgfältiger
    unterscheiden, als das in dieser – unter Druck zustande gekommenen –
    Äußerung von Jürgen Rüttgers der Fall gewesen ist», sagte Huber am
    Montag im ZDF.

  35. bazinho 25. April 2005 · 11:23 Uhr

    Letztlich ist es doch vollkommen egal wie schlimm Friedmann den Jürgen „Wo ist Jürgen“ Rüttgers gelockt hat. Grundsätzlich zeigt sich hier nämlich ein Weltbild, dass entweder auf geistiger Verwahrlosung oder aber auf vollkommener historischer Ahnungslosigkeit fusst.

    Denn entweder ist für Rüttgers die katholische Kirche den anderen überlegen, einfach weil sie die katholische Kirche ist, welch geistige Schlichtheit; oder aber bezieht sich dabei auf eine von ihm bereits häufiger geäußerte Überlegenheit der Werte und des Menschenbildes des christlichen Abendlandes, wobei er unterschlägt, dass die Werte und das Menschenbild Europas und anderer aufgeklärter Länder aus der philosophischen Rückbesinnung auf die Erkenntisse der heidnischen, weil vorchristlichen
    griechischen Philosophie während der Renaisance entstanden und später in der Aufklärung verdichtet worden sind.

    Die katholische Kirche jedoch war bis in die Mitte des 20.Jhd. hinein überzeugt in ihrem Kampf gegen die Werte des Humanismus und der Aufklärung.

  36. chris 25. April 2005 · 13:16 Uhr

    Jesus hätte den Herrn Rüttgers wie die Marktschreier aus dem Tempel des Herrn vertrieben.

  37. AL 28. April 2005 · 22:40 Uhr

    Rüttgers hat nur eine Selbstverständlichkeit ausgesprochen

    Rüttgers Äußerung ist nicht nur vollkommen in Ordnung, sonder eigentlich das Mindeste, was man von einem Gläubigen – egal welcher Religion – erwarten kann. Man kann doch schlecht sich einer Religion zugehörig fühlen, wenn man eigentlich alle Religionen gleichermaßen wahr findet.
    Im Gegenteil: Genau dieser Relativismus ist ein Grundübel dieser Zeit, welcher für Werteverfall und Orientierungslosigkeit insbesondere in der jungen Generation verantwortlich ist; ich selber bin Jugendlicher und kann das aus eigenen Erfahrungen beurteilen; nichtreligiöse Menschen sind in der Regel oberflächlicher und unmotivierter als Gläubige. Insofern blicken wir in eine düstere Zukunft, wenn das Bekenntnis zu einer Glaubenswahrheit „rückwärtsgewandt“ ist.
    Wer alle Religionen gleichermaßen gültig (also gleichgültig) findet, der ist vielleicht megatolerant, kann daraus aber keine sinnstiftende Erfüllung des Lebens oder eine sittlich-moralische Richtschnur für sein Handeln finden.
    Das ist auch genau der Grund, warum Papst Benedikt XVI die Bekämpfung des Relativismus als eine seiner Hauptaufgaben versteht; unter Ökumene versteht er offenbar etwas anderes als die empörten „Jede Religion ist gleich“-Gutmenschen

    Wer der Meinung ist, daß ein Katholik im Interesse der Ökumene den absoluten Wahrheitsanspruch seiner Religion relativieren müßte, der hat von Ökumene nichts verstanden. Nur wer eine eigene Meinung und eine eigene Wahrheit hat, kann sich auch auf gleicher Ebene mit anderen Konfessionen oder Religionen unterhalten. Wer selber keine Wahrheit hat – und Wahrheit ist immer absolut und nicht relativ -, dem fehlt die Basis für den Dialog.

    Es entspricht überhaupt nicht dem christlichen Selbstverständnis, jede Religion als abenso wahr wie die eigene darzustellen. Christus sagt im Evangelium über sich „Ich bin der Weg, die Wahrheit und des Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Also ist aus christlicher Sicht (nicht nur aus katholischer, die Bibel gilt zum Glück auch für Protestanten) eben das Christentum die einzig wahre und alleinseligmachende Religion, denn dementsprechend führen Islam, Buddhismus, Judentum usw. eben nicht „zum Vater“.

    Außerdem muß sich auch ein Nichtchrist die Frage stellen, ob wirklich alle Religionen gleichgut sind. Klar, die einen beten einen allmächtigen Schöpfer an, die anderen Kühe, Katzen oder alte Bäume. Die eine Religion sagt: Liebe deine Feinde, die andere: Mach Hackfleisch aus ihnen! – Meinen Sie wirklich, eine Religion sei so gut wie die andere?

    Mit freundliche Grüßen

    AL

  38. Pottblog 28. Mai 2005 · 13:36 Uhr

    Die Ãœberlegenheit der katholischen Kirche

    Nee, nee… da denkt man sich, dass Jürgen Rüttgers aus dem Wahlkampf vor fünf Jahren gelernt hätte. Denn nicht nur Kinder, sondern auch Inder, bescheinigten ihm, dass man lieber nicht mit Intoleranz einen Wahlkampf führt.
    Nichtsdestotrotz ma…

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.