Da hat sich CDU-NRW Generalsekretär Hans-Joachim Reck diesmal weit aus dem Fenster gelehnt. In einer Pressemitteilung wirft er der NRWSPD und Forsa vor, einen „Lügenwahlkampf“ zu führen und Umfragezahlen „zurechtzulügen“.
Was ihn so empört, ist die aktuelle von der NRWSPD in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage, in der Ministerpräsident Peer Steinbrück mit 40% vor Jürgen Rüttgers (29%) liegt.

Michael Groschek, Generalsekretär der NRWSPD, erklärt dazu:

(…) „Richtig ist: Die Forsa-Umfrage ist von der SPD in Auftrag gegeben worden. Die SPD macht aus ihrer Zusammenarbeit mit Forsa keinen Hehl. Denn das Institut ist überaus anerkannt und arbeitet mit Konzernen, namhaften Verlagen sowie Fernsehsendern und Rundfunkstationen zusammen. Dass die aktuellen Daten von der SPD und Forsa „zurechtgelogen“ worden sind – wie Reck behauptet -, ist eine infame Unterstellung.

Wenn Herr Reck sich schon derart intensiv mit der Meinungsforschung befasst, dann sollte er lieber der Frage nachgehen, wieso das Institut Emnid seit einiger Zeit Zahlen zur NRW-Wahl verbreitet, ohne den Auftraggeber zu nennen.

Sicher ein lohnender Job für den in den eigenen Reihen umstrittenen CDU-Mann. Und sicher auch von großem Interesse für die Öffentlichkeit. Oder kennt Reck den Emnid-Auftraggeber schon längst und will ihn nur nicht verraten?“

Zum Hintergrund: Bereits seit 2004 veröffentlicht TNS Emnid regelmäßig Umfragen aus NRW. Auftraggeber: Na, was denkt ihr?
Interessant an den Emnid-Zahlen ist, dass dort lange Zeit keine Ministerpräsidentpräferenz-Zahlen veröffentlicht wurden. Den auch der CDU-NRW ist bekannt, dass Rüttgers der größte Schwachpunkt der CDU ist, und die Werte für Rüttgers immer deutlich hinter Peer Steinbrück liegen.

Selbstverständlich beauftragen Parteien Meinungsforschungsinstitute um aktuelle Zahlen zu Stimmung und Themen zu haben. Das kein Meinungsforschungsinstitut es sich leisten kann, Zahlen zu fälschen, versteht sich von selbst, schließlich haben sie auch andere Kunden (Zeitungen, Fernsehsender etc.) und können es sich nicht leisten, Umfragen zu „fälschen“.

Warum also diese Entgleisung von Herrn Reck? Wo ist die christliche Überlegenheit geblieben? Die NRWSPD verschweigt zumindest nicht, bei Forsa Umfragen in Auftrag zu geben.

Und bei TNS Emnid? Bisher gibt es dazu keine Angaben zum Auftraggeber. Aber wahrscheinlich machen die Emnid-Mitarbeiter diese Umfragen in ihrer Freizeit und ganz ohne Auftrag.
Stimmt doch Herr Reck, oder?


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4 Kommentare

  1. kpitz 24. April 2005 · 14:21 Uhr

    Ich liebe die CDU! Erst laädt deren Jugendorganisation Neonazis zu sich ein und deren Spitzenkandidat bezeichnet das als dumme Jungen-Geschichte, dann beleidigt Herr Rüttgers alle nicht-Katholiken und jetzt wirft man uns Umfragenfälschung vor…Die machen sich es schwerer als sie müssten- für ihren Wahlkampf würde es reichen, wenn man selbst schweigen würde und die BILD-Zeitung alles sagen lassen würde…

  2. Klaus 24. April 2005 · 15:41 Uhr

    Vielleicht sollte sich die CDU mal auf der Straße umhören, statt nur auf Umfragen zu zielen. Gestern konnte ich den Stand der CDU von meinem Fenster aus beobachten. Die meisten Leute wollten von denen einfch nichts wissen. Ich glaube, die meisten, die da stehen blieben, gehörten eh der Partei an.

  3. bazinho 25. April 2005 · 10:51 Uhr

    Interessant an TNS Emnid und der CDU ist auch wie aktuell die aktuellen Zahlen sind.
    Dort geht man damit hausieren, dass die CDU stabil vor der SPD liegt und spricht gerne von „aktuellen“ Umfrageerbegnissen.
    Die aktuellsten Zahlen von TNS Emnid beziehen sich laut SZ aber auf einem Erhebungszeitraum der am 29.März begonnen hat. Zum Vergleich die Forsa Umfrage stammt vom 13.-19.April.
    Angeblich endete die Emnid Erhebung erst am 18.April. Hier stellt sich folgende Frag, wie aktuell und aussagekräftig ist eine Umfrage, wenn ich bei der Flexiblität der heutigen Wähler Daten aus drei Wochen in einen Topf schmeiße und kräftig schüttel?
    Wohl eher weniger, aber wahrscheinlich misst auch TNS Emnid einen Trend zur SPD und muss um ihrem Auftraggebber zu entsprechen alte und noch günstige Zahlen neu verpacken.

    Aber wie sagt man so schön: wichtig is aufm Platz. Und da begegnen mir immer mehr Menschen die noch vor Wochen mit der Politik im allgemeinen und wie üblich vor allem mit der Regierung gehardert haben, nun aber angesichts der Alternativen SPD wählen wollen.

  4. MHD 4. Mai 2005 · 12:58 Uhr

    Umfragen hin, Umfragen her. Am 22.05. wissen wir ob NRW sich die inzwischen 39 Jahre alte politische Struktur weiter gefallen lassen will!

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.