11312v1.jpgAuf den 38. Mainzer Tagen der Fernseh-Kritik sprach auch Gesine Schwan. Was sie sagte möchte ich Euch nicht vorenthalten und es hier mal zur Diskussion stellen.

Die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, Gesine Schwan, hat in ihrem Vortrag zur Eröffnung der Tagung kritisiert, dass im Fernsehen zu viele Sendungen anscheinend nur dazu da seien, die Geschmacksgrenzen der Zuschauer auszutesten. Die Spaltung des Medienpublikums in Info-Eliten und in unkritische „Couch-Potatoes“ („Sofa-Kartoffeln“) sei äußerst problematisch, sagte Schwan weiter.

Schwan appellierte an die Verantwortung der Medien für das Gelingen der öffentlichen Kommunikation. Sie seien dazu angehalten, den Zuschauern ein so wahrheitsgetreues Bild der Wirklichkeit wie irgend möglich zu liefern. Die Politikwissenschaftlerin kritisierte den Hang der Medien zum Negativismus. In der journalistischen Logik hätten gute Nachrichten keinen Platz. Das mache die Medien aber anfällig für politische Inszenierungen.

In der Politik führe dies dazu, dass das politische Personal mehr und mehr aufgrund seiner Medientauglichkeit ausgewählt werde oder dass gar politische Ereignisse im Hinblick auf die zu erwartende Medienberichterstattung geplant würden. Da nur das relevant sei, was in den Medien auftauche, sei die Versuchung für Medienmacher groß, ihre eigene Agenda zu setzen und damit den Diskurs zu bestimmen.

Mit kampagnehaften Aktionen werde die demokratisch nicht legitimierte Medienmacht missbraucht, kritisierte Schwan die Medienmacher. Es wäre nach ihrer Ansicht wünschenswert, wenn die Gesellschaft das Thema Medienpolitik wieder stärker als einen zentralen Bereich der politischen Auseinandersetzung auffassen würde.

Das allgemeine Desinteresse an der ordnungspolitischen Regulierung und der inhaltlichen Ausgestaltung der Medien sei ein großes Defizit in der öffentlichen Auseinandersetzung, sagte Schwan.


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Ein Kommentar

  1. bazinho 26. April 2005 · 15:10 Uhr

    Dass was Frau Schwan hier anspricht ist gemeinhin unter Begriffen wie Medialisierung der Politik, Mediendemokratie oder Mediokratie bekannt.

    Die angesprochene Spaltung in die Informationseliten und den Rest ist problematischer, als eine Spaltung an sich schon ist. Denn der Rest ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung. Der Rest umfasst nämlich auch jene, die sich mit dem SPIEGEL und Sabine Christiansen auf der sicheren Seite wähnen. Sie sind wohl informierter als die Masse, jedoch ist der SPIEGEL bekennenderweise ein Meinungsmedium, welches nicht nur die Agenda zu setzen sucht, sondern dieses auch tut.

    Und Sabine Christiansen ist Politainment in Reinkultur. Wobei Politainment jene Form von Politik ist, die gezielt zur Herstellung von Öffentlichkeit inszeniert ist, ohne zwanghaft einen wirklichen Kern zu haben.

    Der Bürger steht in einer Medienwelt, in der der Quotendruck die Medien zur Skandalisierung treibt und die politischen Akteure versuchen sich die Selektionslogik der Medien bei der Nachrichtenauswahl zu nutze zu machen und dementsprechend zu inszenieren.

    Die Folgen sind deutlich an der abnehmenden Wahlbeteiligung und der sinkenden Bereitschaft, am demokratischen System zu partizipieren, zu erkennen.

    Dieses wachsende Desinteresse jedoch erhöht noch einmal den Druck auf die Akteure mit immer wuchtigeren Inszenierungen und Skandalisierungen die Quote zu halten, bzw. Aufmerksamkeit zu erzeugen.

    Ein Dilemma

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