Beim mittäglichen Durchstöbern der Nachrichten sind mir ja die Gesichtszüge entglitten, als ich von folgendem ‚Ereignis‘ gelesen habe (mehr hier):

In der Rheinischen Post von heute konnte man lesen, dass Michael Wolffsohn, Historiker an der Universität der Bundeswehr in München, in einem Beitrag Parallelen zwischen der von Franz Müntefering angestoßenen Debatte um die Auswüchse des Kapitalismus und der antijüdischen Hetze der Nazis in den Dreißigern zog.

Besonders anstößig findet er den Heuschrecken-Vergleich und eine angeblich in der SPD kursierende Liste von Unternehmen, die sich besonders „hyperkapitalistisch“ verhalten. Müntefering hatte gesagt:
„Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplatz sie vernichten. Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschrecken über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“
Wolffsohn meint, dass sei verdächtig nahe an den Ratten-Vergleichen die Nazis, alte und neue, benutzen um Juden und andere Minderheiten herabzusetzen. Außerdem seien zwei der Unternehmen auf der ominösen Liste jüdisch bzw. trügen jüdische Namen.

Jetzt gibt es auf jeden Fall erst einmal ein heftiges Rascheln im Blätterwald.

Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, hält es für „absurd“ der SPD antisemitische Tendenzen zu unterstellen, seine Vizepräsidentin Knobloch wiederum nimmt Wolffsohn in Schutz. Sie kritisiert die unbedachte Wortwahl, mit der Müntefering Ressentiments heraufbeschwöre.

Verlass ist aber natürlich auf die CSU: Deren Fraktionschef im bayerischen Landtag Joachim Herrman äußerte Verständnis für den Wolffsohn-Vergleich. Die SPD brauche sich nicht zu wundern, wenn Leute im Ausland sich an die dumpfe Kritik früherer Jahre erinnert fühlten.
Nun ist die Unversität Wolffsohns, der schon früher durch provokante Thesen bspw. zur Folter aufgefallen war, wohl in München, ich würde aber ja nicht gleich von Ausland sprechen.

Wolffsohn kritisierte in seinem Essay mit Blick auf den sechzigsten Jahrestag des Kriegsendes das Wiederaufleben damaliger Denkmuster. Besonders scharf geißelte er den seiner Meinung nach aufflammenden Anti-Amerikanismus.
„60 Jahre ‚danach‘ ist es ein von der Bundesregierung inszenierter Volkssport, ‚die Amerikaner‘ zu kritisieren und zu attackieren, gegen sie zu polemisieren und zu intrigieren. […] Wer von ‚deutscher Scham‘ angesichts der NS-Diktatur spricht, sollte sich schämen, die Befreier so klischeehaft und undifferenziert zu behandeln […]“


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17 Kommentare

  1. Benno 3. Mai 2005 · 20:10 Uhr

    Jetzt wird diese ganze Debatte aber wirklich arg hysterisch. Ich hätte Franzens Worte zwar auch nicht gewählt (man kann Kritik schließlich auch konstruktiver rüberbringen), aber ich finde es gleichzeitig erschreckend, wie oft mittlerweile in unserem Staat die Nazi-Keule geschwungen wird. Ich habe das z.B. auch schon in politischen Diskussionsforen im Netz beobachten können – da werden dem Diskussionspartner im Zweifel ebenfalls antisemitische oder allgemein faschistische Züge vorgeworfen, wenn einem die Argumente ausgehen. Das ist ein reichlich taktloser Umgang mit unserer schwierigen Geschichte, und gerade von Herrn Wolffsohn, dessen jüdische Eltern vor dem Nationalsozialismus fliehen mussten, hätte ich mir mehr Taktgefühl und Augenmaß erwartet. Andererseits bin ich auch (leider) nicht mehr allzu sehr überrascht, denn Wolffsohn hat sich ja, wie erwähnt, bereits in der Vergangenheit durch ähnliche jeglichen Maßstab entbehrende Äußerungen hervorgetan.

  2. Herbert Oberdorfer 3. Mai 2005 · 21:34 Uhr

    Die „Heuschreckenvergleich“ von Herrn Müntefering
    zeigt Wirkung. Endlich. Ich kann im Zitat kein Wort einer Pauschalverurteilung von Unternehmern oder gar eine Nazi-Hetze erkennen. Das mir bekannte Zitat in Einzelteile zerlegt:

    Zitat: Manche Finanzinvestoren…

    „Manche“ Private-Equity-Firmen und Hedgefonds, und nur von den aggressivsten sprach Herr Müntefering, sind keine „normalen“ Unternehmungen.

    Zitat: ..verschwenden keinen Gedanken an Menschen, deren Arbeitsplatz sie vernichten…

    Die Investoren sitzen meist in den USA. Sie kennen keinen einzigen Mitarbeiter der Zielfirmen persönlich. Auf soziale Kompetenz echten Deutschen Unternehmertums kommt es hier nicht an. Sie haben
    nur Renditeziele.

    Zitat: ..sie bleiben anonym, haben kein Gesicht…

    In der Regel wird die Geschäftsleitung gegen harte Sanierer ausgetauscht. Die Geldgeber bleiben im Hintergrund.

    Zitat: ..fallen wie Heuschrecken über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter….

    Logischer Weise gibt es keinerlei langfristige Interessen. Der Firmenwert muss für den von vornherein geplanten Verkauf so schnell wie möglich und ohne Tabus in die Höhe. Die Kosten müssen rasch runter. Wodurch? Der Abbau von Arbeitsplätzen zu Lasten der Allgemeinheit wirkt am schnellsten. Der geschockte Rest der Mannschaft schultert nun bei meist geringerem Lohn ein größeres Arbeitspensum, als die ursprüngliche Belegschaft unter zivilisierten Bedingungen jemals schaffen konnte. Die Leute kennen die eigene Firma nicht mehr. Das Betriebsklima wird gespenstisch.
    Längst werden mögliche Käufer ausgespäht. Zu welchem Konzern könnte das Unternehmen passen ? Wie viel bringt ein IPO ? Die Investmentbanker treten auf den Plan. Nun wird satt Kasse gemacht. Und wenn man satt ist kann man sich auch gut vermehren und nach den nächsten Weidegründen Ausschau halten. Und die Vermehrung an PE- und Hedgefondsunternehmen in den letzten Jahren spricht für reichlich Nahrung. Es scheint die letzte echte Wachstumsbranche zu sein.

    Dies beunruhigt nicht nur Herrn Müntefehring.
    Was ist an seiner Feststellung pauschal, unrichtig oder gar antisemitisch ?

  3. Daniel Heise 4. Mai 2005 · 13:34 Uhr

    meistens beschweren sich die über einen Vergleich, die ihn nicht verstehen und desshalb die beiden Vergleichsobjekte gleichsetzen.
    Ich will das hier zwar eigentlich niemandem unterstellen, aber es scheint doch als würdet ihr die Kritik an der PAuschalierung ( sei es persönlich oder durch die Medien ) und an der Schuldzuweisung nicht verstehen oder ignorieren.
    Da ich, denke ich, schon früher klar gemacht habe, dass ich die Diskussion selber positiv finde und verstehe, dass die Wortwahl dem aufrüttelnden Charakter unterstützen sollte, kann ich doch auch kritisieren, dass man diesen Vergleich überhaupt gezogen hat. Wäre das in einem ( informellen ) Interview oder so gewesen sähe die Sache noch anders aus, aber eine Rede des Genossen Müntefering geht doch durch dutzende Hände.
    Meine Befürchtung war schon von Anfang an, dass hier wieder eine Schulddiskussion begonnen wird ( Wer ist Schuld an unserem Niedergang ). Es ist zwar gut, dass man die alten Vorstellungen ( Die Sozialschmarotzer sind Schuld ) ablegt ( seit Hartz IV ist hier, selbst für die Dümmsten ersichtlich, nicht mehr viel zu holen ), aber nun „die Industrie“ oder „die Wirtschaft“ zu attackieren, auch wenn es wenige Firmen sind ( deren Aktivitäten so vielfältig sind, dass nur ein Einfaltsoinsel sie als „böse“ o.ä. bezeichnen könnte; Außerdem sind nicht die Schuldig oder Böse, die die Spielregeln voll ausnutzen, das ist nur die Dummheit der Anderen ).
    Natürlich wollte Franz nicht alle Firmen verunglimpfen und auch die wenigen Hedge-Fonds nicht an den Pranger stellen, sondern nur die Idee und Konzeption unseres Wirtschaftssystems.
    In diesem Sinne wäre die Debatte aber, denke ich, fruchtbarer gewesen, wenn sie diplomatischer und von mehreren vorgetragen gewesen wäre. Die GEschichte ( nur die letzten Jahre ;-) zeigt uns doch, dass wir in unserer politischen Kultur nunmal gewisse Regeln haben. Da man diese nicht in Frage gestellt hat, muss man sich die Kritik gefallen lassen, sonst darf man sie selber nicht äußern.

    Also, ein Plädoyer für eine intelligentere Betrachtung von Vergleichen, indem man die Unterschiede nicht ausblendet.

    DH

  4. Fredson 4. Mai 2005 · 13:49 Uhr

    Also, der Vergleich zwischen der Vorgehensweise großer Privat-Equity-Fonds (so heißt das glaube ich) und den Ernährungsgewohnheiten der, von mir persönlich durchaus geschätzten Heuschrecke, so sie in großen Verbänden auftritt, scheint mir ja nun so abwegig auch nicht. Ich finde, Wolffsohn selbst hat diesen erst dadurch hoch gehängt, in dem er diese Parallele zwischen den Nazimetaphern und der Münte-kritik zieht. Mich persönlich stören aber seine Äußerungen zu Insekten und anderen Tieren weniger. Mehr Anstoß erregt bei mir, was er zum Thema Antiamerikanismus zu sagen hat. Bei ihm wird jede von deutschen geäußerte Kritik an den USA zu Antiamerikanismus und Undankbarkeit. Er selbst überträgt, glaube ich, seine eigene Neigung zur Undifferenziertheit zu sehr auf andere.
    Es ist doch wahrscheinlich auch so, dass ein US-Präsident Bush (ob zu Recht oder nicht) in Deutschland mit wenig Begeisterung, möglicherweise auch mit handfestem Protest empfangen wird, während ein Ex-Präsident Clinton vermutlich Hände schüttelnd durch Deutschlands Fußgängerzonen ziehen könnte. Das ist doch durchaus differenziert. (Unabhängig davon, ob es auch richtig ist.)

  5. Nase 4. Mai 2005 · 15:26 Uhr

    Der Herr Wolffsohn der zuletzt durch seine Rechtfertigungsversuche für Foltermethoden auffiel, der von Herrn Struck (zuständig für die Herrn Wolffsohn heimgebende Universität) nicht weiter dafür belangt wurde, macht auf einen richtigen und wichtigen Punkt aufmerksam.
    Die Wortwahl Müntefehrings und somit die Form die Er für den von Ihm angestossenen Diskurs gewählt hat. Diese ist, insbesondere der herabwürdigende Vergleich von Menschen mit Tieren, in diesem Lande schon mal vorgekommen.
    Neige sonst nicht dazu Wolffsohn zuzustimmen, aber hier hat er recht mit seinem Vergleichsmuster.

    Deshalb ist Müntefehring noch nicht automatisch ein Nazi, jedoch wird die mangelnde Aufrichtigkeit seiner Aüsserungen noch deutlicher !

    P.S.: Kuscheln mit den Bossen schadet den Genossen & Bussi mit Revisionisten hat kein Wert für Sozialisten !

  6. Fredson 4. Mai 2005 · 15:39 Uhr

    Ich finde, Kurt Gerhard vom WDR hat die Sache gut und zutreffend kommentiert (findet man hier: http://www.wdr5.de/sendungen/morgenecho/480664.phtml).

    Jeder Vergleich hinkt. Der zwischen Heuschrecken und Fonds-Managern natürlich auch. Trotzdem hat wohl jeder verstanden, dass Münte nicht die Sprungkraft der Insekten oder deren Farbe meinte. Auch nicht das man Investoren wie Insekten mit Pestiziden ausrotten solle (was die Nazis ganz offensichtlich meinten, wenn sie Juden und Ratten gleich setzten, Heuschrecken übertragen im Übrigen auch keine Krankheiten, sie sind allerdings sehr fruchtbar, was Fondsmanager ja durchaus als Kompliment auffassen dürfen). Sondern er meinte ihre Ernährungsgewohnheiten im Schwarm, mit den Implikationen für die betroffenen Flora und Fauna.
    Wenn man jede derartige Metapher in Zukunft weglässt oder jedem der sie benutzt gleich Menschenverachtung unterstellt, dann ist das hysterisch und lässt auch schlimme Sprachverarmung befürchten.

  7. Fredson 4. Mai 2005 · 15:42 Uhr

    Im Übrigen ist Herr Struck nicht für Herrn Wolffsohn „zuständig“, denn die Universitäten der Bundeswehr unterliegen auch dem Gebot der Freiheit von Forschung und Lehre.

  8. Student 7. Mai 2005 · 17:42 Uhr

    @ Fredson
    Ist Herr Wolffsohn nicht an einer Bundeswehrhochschhule tätig ?
    Soweit ich mich errinere ist Herr Wolffsohn nach seinem peinlichen Interview in dem er versucht hatt Folter in bestimmten Fällen zu rechtfertigen sogar zu Herrn Struck (der ja soweit ich weiß, der oberste Dienstherr der Bundeswehr ist) zitiert worden, jedoch ohne Konsequenz.
    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es für solche Fälle kein Disziplinarrecht geben soll.

    @ ebenso
    Wenn Du Menschenunwürdige Vergleiche dieser Art brauchst um nicht in Deiner Sprache zu verarmen tut mir das schon nicht mal mehr Leid. Solltest Dir dann vielleicht eher n´ Job bei den Anderen besorgen.

    @ jeden, wo´s interessiert
    Die Versuche über die Technokratiesierung des Diskurses vom Kern der misslungenen Aussage Müntefehrings abzulenken und den menscheverachtenden Charakter seiner Wortwahl zu verniedlichen, zwingen einem den Vergleich zu den von Alt- und Jungnazis ebenso betriebenen technokratisierten, revisionistischen Leugnungsdiskurs geradezu auf.

    Ich denke hier wird ein generelles Problem der Deutschen Sozialdemokratie deutlich.
    Man hat es in einer Art Versicherung bei den Verfolgten gewesen zu sein, jahrzentelang vermieden sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Jetzt rächt sich das Karrieristen (Schroeder und Co.) anscheinend wenig Zeit hatten sich, wie in der Nachgeborenengeneration üblich, mit den Verbrechen der Elterngeneration auch inhaltlich und wissenschaftlich theoretiosch auseinanderzusetzen.

    Symbolhaft wird dies auch dann deutlich, wenn sich zum Beispiel (wie bereits geschehen) Schroeder auf einer Veranstaltung zum Thema mausgerechnet mit dem „Lasst uns das jetzt endlich mal Vergessen“-Aktivist Martin Walser öffentlich, zumindest feundlich zugeneigt, zeigt.

    Oder aber auch die Stadt Halle unter massgeblicher Beteiligung der dortigen SPD-Oberbürgermeisterin dem Herrn Walser für seine unsägliche Rede auch noch einen Preis „für das offene Wort“ zugibt.

    Tatsache scheint doch zu sein das in einer höchstautoritär geführten Partei („Basta!“) abweichende Meinungen ja kaum noch zu Worte kommen dürfen bzw. Diskurse regelrecht unterbunden werden (wenns nicht gerade dem schonungslosen und geheuchelten Einfangen von Wählerstimmen dient) .
    Wer solches tut muss sich nicht wundern wenn Er/Sie am Ende nur noch von unkreativen, meinungslosen Mitläufern umgeben ist.

    Im Übrigen, sollten die Damen und Herren aus der abgehobenen Berliner SPD-Créme sich, was die Abzockermentalität angeht, erst mal an die eigene Nase greifen. Wenns um Arbeitsplatzabbau (1Euro-Jobs, Deform des Arbeitsamts, etc.), Arbzocker- und sogenannte Erstmalmentalität geht (wie war das noch? Ach ja, erst fordern dann (vielleicht) fördern!) gilt gleiches.

    Ich denke mal um Zukunft, Bildung, Gesundheit und Kindersegen in dieser Profiteursklasse brauchen wir nicht zu fürchten.

    Herrn Ackermann möchte ich hier zumindest insoweit in Schutz nehmen, als das einige SPD Vertreter offensichtlich den Unterschied zwischen den Aufgaben eines Vorstandschefs der Deutschen Bank und denen einer Bundesregierung nicht mehr kennen.
    Herr Ackermann führt erfolgreich ein Unternehmen das nicht nur eine Menge Arbeitsplätze bietet (was einigen SPD-Granden die indirekt zum Boykott der DB aufrufen zu missfallen scheint) sondern ettliches an sozialen, kulturellen und gemeinützigen Projekten mitfinanziert.
    Klar Kommunikationstechnisch war die Parralelmeldung zu den 5 Mio Erwerbslosen nicht allzu Geschickt. Aber da gabs schon ganz andere Schnitzer. Zum Beispiel Ulla Schmidt die am 2. Januar die erfolgreiche Umsetzung einer Gesundheitsdeform verkündete von der mein Hausarzt, die verschuldeten Krankenhäuser und die hiervon mit zunehmenden Krankheits- und Armutsrisiko belasteten Patienten heute noch ein etwas anders klingendes Lied singen (Anm.: Fr.Schmidt meinte wohl sich, die Krankenkassen und die Pharmalobby !).

    Herr Müntefehring hingegen, bisher Erfolglos, steht für eine SPD, die den Sozialabbau meines Erachtens nach so brutal wie nicht zuvor in der Geschichte der BRD, betreibt und offensichtlich ein Gesellschaftsbild das ich etwa in den Anfängen der 60er Jahre des letzten Jahhunderts ansiedeln würde, anstrebt.

    Wer ist jetzt der Heuchler der Versucht von seinem eigenen Versagen abzulenken ?

  9. Fredson 8. Mai 2005 · 18:26 Uhr

    zu Hochschulen der Bundeswehr:
    Wie alle anderen Universitäten sind die Hochschulen der Bundeswehr in ihrer Personalbesetzung hochgradig autonom.D.h. u.a.: Der Verteidigungsminister kann, um dem Grundsatz der Freiheit von Wissenschaft und Forschung genüge zu tun, keinen Lehrstuhlinhaber sanktionieren (ausgenommen dienstrechtlich relevante Vergehen). Genauso wenig wie das Landesminister mit ProfessorInnen regulärer Hochschulen können.

  10. Fredson 8. Mai 2005 · 18:28 Uhr

    P.S.: Für solche Fälle „gibt“ es kein Disziplinarrecht.

  11. Student 9. Mai 2005 · 16:52 Uhr

    @ Fredson

    Ok, habs verstanden.
    Scheine mich in diesem, meines Erachtens nach nicht allzu relevanten, Punkt geirrt zu haben.

  12. Fredson 9. Mai 2005 · 17:26 Uhr

    Dein (langer) Beitrag überzeugt mich, wie du dir denken kannst, nicht.
    Erstens ist es geradezu boshaft, zu unterstellen, die Sozialdemokratie habe sich nicht intensiv mit der Aufarbeitung des Holocaust beschäftigt. Das ist m.E. ganz knapp vor infam, außerdem schlicht falsch.

    Zweitens ist der Vergleich, ob gelungen oder nicht, reichlich abstrakt. Niemand wird, dass ist ja auch ein wenig das Dilemma bei der ganzen Debatte, persönlich diffamiert, da die kritisierten Phänomene des Kapitalismus anonym verlaufen.

    Drittens ist die SPD keine hochgradig autoritäre Partei (ich hoffe einfach mal du meintest damit autoritär für eine Partei in der Demokratie und nicht autoritär wie die KP in China oder gar die NSDAP). Dabei handelt es sich um eine gern benutzte Diffamierung, u.a. aus dem Sprachgebrauch des Konrad Adenauer. In Zeiten des Kalten Krieges unterstellte man der SPD damit eine autoritäre Moskauer-Fernsteuerung. Gute Organisation hingegen war schon eine Eigenschaft der SPD, seit ihren Anfängen: Von der Wiege bis zur Bahre. Das hat im Übrigen so manchen Genossen im Dritten Reich, aber auch in der Kaiserzeit und in der Weimarer Republik vor Schaden bewahrt, was man ihnen ja wohl kaum vorwerfen kann.

    Will man keinen Roman schreiben, kann man gar nicht jeden Einzelnen deiner Einwände ausreichend kritisch kommentieren.
    Aber das die Sozialdemokratie das Gesellschaftsbild der 1960er verkörpert, da schwillt mir nun doch die Halskrause an! Wer hat den maßgeblich und, zugegebenermaßen mit wechselndem Erfolg, die Modernisierung der Familienpolitik, der Bildungspolitik, auch der Wirtschaftspolitik vorangetrieben? Betriebsverfassungsgesetz? Expansion der Hochschulen?…

  13. Student 11. Mai 2005 · 17:15 Uhr

    @Fredson
    Wenn man unter Familienpolitik diese Weichspüler-*@#! versteht wie Sie mittlerweile parteiübergreifend sei es von Frau Reiche oder Frau Schmidt unter dem Stichwort „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ oder (hihi!) „Gender Mainstreaming“ verzapft wird.
    Jedenfalls wurde mit Hartz IV bspw. gerade auch die Stellung der Frau in der Gesellschaft in ebendieses vorzeitliche Stadium zurückgeworfen.

    Der mit Hartz IV einhergehende Bürokratismus der zur bisher andauernden Lähmung der Arbeitsämter führte (Umbenennung ist eben nicht gleich Strukturwandel !) sowie die Entsolidarisierung im Gesundheitswesen (ja, ich weiß schon da musste sich die Regierung von der Opposition einen vormachen lassen !)sind, meiner bescheidenen Meinung nach, weit mehr wert auf der Waage als die angeblich positiven Entwicklungen im Hochschulwesen.
    Ich bin übrigens Student. Gemerkt habe ich von alledem, was hier erfolgt sein soll, eigentlich nicht viel. Das was wohl „mit Hochdruck“ betrieben wird, ist die Förderung von Eliteunis zur angeblichen Innovationsförderung.

    Dafür haben wir unter Kohl nicht gestreikt !

    Ich möchte der SPD und Ihren Anhängern keinesfalls pauschal unterstellen sie habe sich überhaupt nicht befasst mit der Zeit des Nationalsozialismus, jedoch (so denke ich) haben sich gerade seit den Umwälzungen der 68er (damit meine ich nicht gerade die derzeitige SPD-Spitze, die zählen für mich nicht dazu) ettliche Gruppen und Institutionen ausserhalb der Parteipolitik wesentlich intensiver, genauer und programmatischer damit auseinandergesetzt.

    Der SPD und scheinbar vor allem Herrn Müntefehring täte es wohl ganz gut eine ähnlich intensive Form der Ausseinandersetzung mit dem Thema anzugehen, so dass solche deplatziertemn Aussagen im Nazijargon nicht zur Regel werden.
    Das macht solches Verhalten nämlich erst Salonfähig ( und mir ists übrigens egal ob´s von Rechts oder Scheinlinks kommt!).

    Dein Verweiß darauf, die Debatte laufe anonym führe ich auf schlechte Informationslage deinerseits zurück, so oft wie allein in diesem Blog die sog. Lex Ackermann zitiert wurde.

    Dem gesamten Wust an Themen den Du am Ende Deines Posts aufmachst, kann und will ich nicht mit einem Lexikon an Gegenbeweisen antworten (will Dich als Leser auch nicht schon wieder überstrapaziern).

    Die Millionen Kranken, Alten und Erwerbslosen in diesem Land glauben dieser Spezialdemokratischen-Vorwahl-Show so wie es aussieht und zum Glück nicht mehr !

    Man kanns halt jetzt, nach der zweiten Berliner Amtszeit, zum Glück besser wissen.

  14. Fredson 11. Mai 2005 · 17:32 Uhr

    Ich hab‘ nach wie vor Probleme, herauszulesen, über was du dich eigentlich aufregst.
    die unreflektierten 68er? HartzIV? Was ist Familien-Weichspülerpolitik? usw. Aber all das wäre wohl, wie man so schön sagt, off topic.

    Insofern spar‘ ich mir all das, weise ein letztes Mal darauf hin, dass ich nicht finde, Müntefering (ohne h) habe sich eines nazistischen Vokabulars bedient, auch nicht glaube er habe sich, weder bewusst noch unterschwellig, antisemitisch geäußert und wäre dann auch mit dem Thema durch.

  15. Student 14. Mai 2005 · 11:22 Uhr

    Überfordern Dich Texte dieser länge tatsächlich dermaßen ?

    Ich habe Dir lediglich auf die Töpfe die Du am Ende Deines letzten Beitrages aufmachtest um mir zu belegen, dass in der heutigen SPD-Politik nicht das Gesellschaftsbild der 1960er vorherrsche, geantwortet.

    Das Müntefering im Jargon der Gestrigen gesprochen hatt, ist mittllerweile übrigens auch von Daniel Cohn-Bendit im Spiegelinterview (nachzulesen in SpOn) bestätigt worden.

    Tja, wenns um Wahlkampf geht scheint Ihm halt dann doch kaum ain Tabubruch zu schade.

    Mit Hass auf 68er hat das was ich geschrieben habe rein gar nichts zu tun. Du versuchst es blos ins Lächerliche zu ziehen da Dir scheinbar die Argumente ausgehen.

    Im Gegenteil, hätte die derzeitige SPD-Haute-Volaute mehr Zeit in der politischen/wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust verbracht (das fand hierzulande nunmal um 68 zum ersten mal ernstzunehmrnd öffentlich statt), so meine These, wären solche Vergleiche aus dem Munde eines polemisierenden und offenbar geschichtsvergessenen SPDlers undenkbar.

    Wenn Du kein Bock mehr hast diesen, wie ich finde, Kern des Themas zu diskutieren, so brauchst Du das nur sein zu lassen und fertig.

    Dazu ein antiautoritäres: BASTA !

    Empfehlen möchte ich in diesem Kontext dann wenigstens noch einen Literaturtip:
    Den Autoritären Charakter von Theodor W. Adorno.

    Vielleicht hilft´s !?

  16. Fredson 14. Mai 2005 · 15:29 Uhr

    Also Student, dann halt doch noch mal. Ist ja Wochenende…

    1. Du hast Recht, ich spiele mit dem Gedanken die Diskussion einfach stickum zu verlassen. Aber, dass ist wie auf einer schlechten Geburtstagsparty, auf der man als letzter Gast hängen geblieben ist, während alle anderen sich schon davon gestohlen haben. Man kann jetzt nicht einfach gehen, man würde nämlich sofort als unhöflich auffallen.

    2. Im Übrigen wäre das kein autoritäres Basta, wenn ich den Vorwurf richtig verstehe. Der Kommentar dieses Threads bleibt offen, einzig: Ausser uns beiden ist hier keiner mehr…Hörst du die Stille?!

    3. Stimmt, deine Beiträge sind mir zu lang. Allerdings nicht auf Grund der Anzahl der Worte. Ich finde sie nicht stringent. Mal schreibst du von den 68er, dann wirfst du der SPD in Berlin vor, Reformvorhaben zeigten ihre Abzockermentalität und das alles hängt irgendwie mit dem mangelhaften wissenschaftlichen Verständnis des Holocaust zusammen, wie du es bei und in der Sozialdemokratie, die du unzutreffender weise mit ‚den‘ 68ern gleichsetzt, diagnostizierst.

    4. Müntefering war kein 68er. Selbst wenn deine Vorwürfe also wahr sind, dass die 68er irgendwie faschistoid oder zumindest antisemitisch oder autoritär ideologisch geprägt seien, dann muss man doch zur Kenntnis nehmen, dass weder der Kanzler, noch der SPD-Vorsitzende ernsthaft als 68er bezeichnet werden können. Die weltanschaulichen Grundlagen des Franz Müntefering stammen, da lehne ich mich jetzt mal ein wenig aus dem Fenster, aus den frühen Jahren der Sozialdemokratie.

    5. Prominente Sozialdemokraten gelten als besonders engagierte Kämpfer gegen den Antisemitismus. Johannes Rau bspw.. Und dann bekommt auch noch der Vorzeige-68er Joschka Fischer den Leo-Baeck-Preis verliehen. Sieht sich deine Grundthese dadurch nicht ein ganz klein wenig empirisch unter Druck gesetzt?

    6. Es besteht kein Zweifel, dass es in der Linken eine spezielle Form, sowohl des Antisemitismus als auch des Anti-Amerikanismus, das hatte ich in dem Thread ja gesondert angesprochen, gibt. Aber meine wiederholt geäußerte Meinung ist: Dieser wird durch Münteferings Kapitalimuskritik im Allgemeinen und seine Heuschrecken-Parabel im Speziellen nicht bedient, da er nicht auf israelische, jüdische, amerikanische Personen gemünzt war und auch nicht in einem nationalen oder religiösen Kontext stand. Gerade die Hedge-Fonds und das ist ja ein Teil des Problems sind weder irgenwie national oder transnational (bspw. europäisch), sie stehen auf einer Ebene über allen Regulierungsregimen.

    7. Deine Kritik, es gäbe keine sozialdemokratische Aufarbeitung des Holocaust die nicht von der eigenen Opferperspektive dominiert wird, ich hoffe ich habe diesen Vorwurf auch richtig verstanden, ist m.E. übertrieben kritisch. Wie die ‚gründliche‘ Aufarbeitung der NS-Geschichte vor allem durch die Historiker der frühen Bundesrepublik gelaufen ist kann man in einer umfangreichen Studie von Nicolas Berg nachlesen. Es waren die Wissenschaftler der Nazi-Zeit, die die von dir so gelobte wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Geschichte, die der Sozialdemokratie deiner Meinung nach abgegangen ist, geprägt haben.

    8. Selbst wenn deine Kritik zutrifft, an der Aufarbeitung des Holocaust habe sich die Sozialdemokratie in den ersten Jahrzehnten nicht beteiligt, was ich schlicht nicht überblicken kann, für die Zeit seit den Siebzigern ist das ein vollkommen aus der Luft gegriffener Vorwurf. Die deutsche Antisemitismsforschung, als Teil der Soziologie, genauso wie der Geschichtswissenschaft oder Politologie existiert und wird ja wohl kaum nur von Konservativen betrieben.

    Mein Vorschlag wäre, so sich außer uns keiner mehr beteiligt, diese Diskussion, wenn schon nicht zu einem Ende zu führen, dann doch auf dem E-Mail-Wege fortzusetzen. Wenn gleich ich denke, es ist alles gesagt.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.