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Ich habe in letzter Zeit einen Haufen Veranstaltungen der SPD gesehen. Ich brauchte einfach mal einen Vergleichsmaßstab und so war ich gestern dabei, als Angela Merkel zu Gast auf dem Domplatz in Münster war.

Wenn die Chefin der Anderen schon mal in meine Wahlheimat Münster kommt, kann ich auch mal einen halben Abend opfern und mir anhören, was sie zu sagen hat. Doch nach Marschmusik und zugehöriger Blaskapelle hatte zunächst einmal eine der „Geheimwaffen“ der CDU das Wort. Karl-Josef Laumann. Seines Zeichens Mitglied des Bundestages und Angehöriger des Schattenkabinetts von Jürgen Rüttgers trat ans Rednerpult. Und dann brach der Sturm los. Zwar hatte ich schon ein paar Jusos in T-Shirts gesehen und auch ein paar Studenten mit Plakaten, aber das Pfeifkonzert, das begann als Laumann sprechen wollte, hatte ich so noch nicht erlebt. Zwar waren 1500 Zuschauer auf den Domplatz gekommen. Aber die Hälfte davon, um zu demonstrieren. Es begann ein Lautstärkewettkampf. während Laumann langatmig jeden Hinz und Kuntz der CDU in und um Münster herum vorstellte. Abwechselnd hörte man Pfeifen und Laumann. Das Pfeifen erreichte seinen Höhepunkt, als Laumann einen der Anwesenden für sein christliches Menschenbild lobte. Als Laumann fertig war und eine (wie ich hoffe) Schulband passend das Lied „She´s a maniac“ intonierte, war ich froh über die Pfeifpause.

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Demonstrierende Jusos auf dem Domplatz in Münster

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Der Veranstaltungsort: Der Domplatz in Münster

Für mich war Platzwechsel geboten, weil ich ja schließlich hören wollte, was die Merkel so zu sagen hatte. Also machte ich den Fehler mich in die Nähe eines der Lautsprechertürme zu stellen. Denn plötzlich brach hinter mir Tumult aus. Angela Merkel ließ es sich nämlich nicht nehmen, da Feld von hinten zu betreten. Selbstbewusst ging sie durch die Menge nach vorne zur Bühne. Wie volksnah, könnte man jetzt glauben. Hätte auch gestimmt, wäre sie nicht dabei von 12 (!!!) Polizisten und Sicherheitsleuten und dazu noch von einigen Mitarbeitern begleitet worden. Drei Meter entfernt ging sie an mir vorbei, aber ich habe sie mit meiner Handykamera leider nur von hinten erwischt.

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Angela Merkel: „Deutsche Hennen legen in Polen Eier“

Als Angela Merkel zum Podium tritt, bricht der Sturm wieder los. Das Pfeifkonzert ist unerträglich laut. Aus einigen Richtungen hört man immer wieder „Hau ab, hau ab“-Sprechchöre, was ich unfair finde, schließlich sollte man sie erst mal reden lassen, bevor man sie beurteilt.
Bereits im ersten Satz beleidigt sie mich und alle anderen Studenten hier auf dem Platz. Die bisherige Schulpolitik sei schlecht gewesen und sie fordert „eine ander Schulpolitik für unser Land“. Wenn man das böswillig auslegen will, kann man sagen, dass also alle die hier ausgebildet wurden, an mangelnder Bildung leiden würden. Diese Unterstellung verbitte ich mir dann aber doch. In diese Kerbe schlug sie weiter. Die Bildung „müsse besser sein als bei denen, die da pfeifen.“ Anschließend machte sie etwas, was ich mal als „Milchmädchenrechnung“ bezeichnen möchte. Ohne eine Antwort darauf zu geben stellte sie die Frage warum eine Krankenschwester oder Facharbeiter „einem Studenten im 30. Semester“ das Studium bezahlen müssen. Es gibt Applaus von den anwesenden Rentnern, die das Wort „Langzeitstudiengebühr“ wohl noch nie gehört haben. Weiter sprach sie von deutschen Hennen, die jetzt in Polen ihre Eier legen würden und dann hatte ich auch schon genug von der Sache. Durch den Pfeifkonzert-und-Angela-Merkel-Lautstärke-Mix bahnte ich mir meinen Weg nach draußen. Mit einem leichten Pfeifen auf dem Ohr machte ich mich auf den Weg nach Hause. Und das Ganze in der Gewissheit, mich für die richtige Partei entschieden zu haben.

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Demonstranten des Aktionsbündisses gegen Studiengebühren

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Einer der Demonstranten mit seinem „Pro-CDU“-Plakat

Randnotizen:
Als ich ein Foto von demonstrierenden Studenten machen wollte, versuchte mich ein Rentner am vorbeigehen zu hindern. Als ich ihm dann sagte, ich sei von der CDU und ich wolle „die Störenfriede“ da fotografieren, weil die „von der CDU wissen wollen, wer das ist“, hat er mich ohne Probleme durchgelassen.

Direkt vor der Bühne waren die ersten 8 Meter als VIP-Bereich für verdiente CDU-Gäste abgesperrt. Hier konnte man sich die Bundesvorsitzende in aller Ruhe und ohne den Pöbel anschauen. Das hatte ich so auch noch nicht gesehen.

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Abgesperrter VIP-Bereich für die CDU

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Allein mit der Pfeife im CDU-Block

Was ich heute gelernt habe:
Deutsche Hennen werden in Polen diskriminiert; Es gibt Leute, die stellen sich alleine mit einer Pfeife in einen CDU-Rentner-Block; Ältere Menschen sehen ziemlich albern aus, wenn sie versuchen, einem Studenten die Pfeife zu klauen und ihm Prügel androhen; Angela Merkel ist aus der Nähe gar nicht so unsympathisch, wie sie im Fernsehen immer rüberkommt (Sie hat sogar gelächelt)

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20 Kommentare

  1. Leser 4. Mai 2005 · 13:48 Uhr

    Das ist ja wohl ziemlich dumpfe Propaganda! Wer wählt schon SPD…

  2. Carsten - NRWSPD Blog 4. Mai 2005 · 14:04 Uhr

    hi,

    > Ohne eine Antwort darauf zu
    > geben stellte sie die Frage
    > warum eine Krankenschwester
    > oder Facharbeiter „einem Studenten
    > im 30. Semester“ das Studium
    > bezahlen müssen.

    was ähnliches hat Oliver Wittke doch auch auf „Night of the Champs“ gesagt. Da frage ich mich ja, ob es hier wirklich um eine bessere Bildungspolitik oder um tumbe Polemik geht…

  3. Carsten - NRWSPD Blog 4. Mai 2005 · 14:06 Uhr

    @Leser: Hm. Ich. Und ne ganze Menge andere kenn ich auch. Und es soll (angeblich) noch ne Menge SPD-Wähler geben, die ich nicht kenne. Und bis zum Wahltag werden sich sicher auch noch eine Menge Menschen für die SPD entscheiden. Beantwortet das deine Frage? ;-)

  4. bazinho 4. Mai 2005 · 14:16 Uhr

    Ich weis nicht, ist es jetzt berühgend, dass die CDU auch die Hölle heiß gemacht kriegt wenn sie auf die Straße geht, so wie manchmal auch bei uns?
    Ich persönlich fänds eigentlich besser, wenn der Protest, den es geben muss, die Veranstaltung selbst nicht stört. Das gilt bei uns als auch bei denen.

    Im ersten Moment war ich dann ehrlich gesagt aber doch erleichtert. Ich hab mir bislang die Besuche bei der CDU weitgehend gespart und aus der Medienfront hört man nichts über Proteste bei denen. Während die immer so tun, als würden die Leute uns hassen und unsere Veranstaltungen sprengen, herrscht in der Medienöffentlichkeit bei CDU Veranstaltungen immer Friede, Freude Eierkuchen.
    Aber dem ist ja wohl nicht so. Genauso wenig wie es einen Volkszorn gegen die SPD gibt. Obwohl einige schlichte Gemüter doch deutlich aufgehetzt sind.

  5. Der_Praktikant - blog.nrwspd.de 4. Mai 2005 · 14:55 Uhr

    Ich will hier nicht falsch verstanden werden. Die Veranstaltung war in Ordnung, es waren viele da, die sich sehr wohl über den Besuch von Angela Merkel gefreut haben. Aber: Wenn man die Partei ist, die Studiengebühren einführen will und in eine Studentenstadt eine Veranstaltung macht, muss man wohl mit Protesten rechnen. Und die waren in einer 40.000 Studenten-Stadt dann auch dementsprechend. Man darf dann auch nicht Vergleiche benutzen, die realitätsfern und dumm sind. Mir da Propaganda zu unterstellen, finde ich zwar albern, aber von mir aus.
    Freut mich, dass auch nicht-SPD-Wähler sich hierhin verlaufen.

  6. Fredson 4. Mai 2005 · 14:59 Uhr

    Ein ordentliches Pfeifkonzert ist doch eine Bestätigung, dass man wahrgenommen wird. Wer pfeift schon auf’ner Veranstaltung der FDP?! Oder bewirft einen von der WASG mit Eiern…

  7. Benno 4. Mai 2005 · 15:19 Uhr

    Also, Rumgepfeife auf ’ner Wahlveranstaltung (von welcher Partei auch immer) finde ich aber auch unter aller Kanone. Bei CDU-Veranstaltungen ärgert es mich sogar noch ein wenig mehr, denn so haben einige in der CDU wieder einen Aufhänger, über den „linken Pöbel“, mit dem die SPD angeblich unter einer Decke stecke, herzuziehen.

    Ich verstehe zwar die Beweggründe, aus denen die Demonstranten da gepfiffen haben. Aber trotzdem: Lasst diese lärmenden Dinger in Zukunft bitte zuhause, Leute. Erstens sind die kein Zeichen dafür, dass man eine KONSTRUKTIVE Debatte führen will, sondern einfach nur platt und doof. Und zweitens sind sie auch noch geradezu schmerzhaft für diejenigen, die direkt neben so einem vor sich her trillernden Protestler stehen müssen.

  8. OhneGeldKeineBildung 4. Mai 2005 · 15:30 Uhr

    Mehr Geld für Bildung !
    =
    Mehr Innovation durch Elitenbildung !
    =
    Mehr Studiengebühren !

    = SPD wählen !

    Tut doch nicht so als währen dies alles nur CDU-Positionen.
    Was hat die SPD dagegen zu setzen ?

  9. Roter Baron 5. Mai 2005 · 1:44 Uhr

    @ OhneGeld… – CDU-Heini

    Die SPD spricht sich nach wie vor gegen Studiengebühren aus. Das nehme ich ihr auch ab – genau so, wie die Rentner aus dem CDU-Lager Rüttgers die „wir pflanzen 100 Alleen“-Vorhaben glauben.
    Was gestern auf dem Münsteraner Domplatz passiert ist, war ein ziemliche Bestätigung dafür, dass die CDU-Politik bei den besser gebildeten Menschen nicht ankommt. Der westfälische Durchschnitts-CDU-Wähler scheint sich hingegen mittlerweile militant zu äußern. Auch wenn das Pfeiff-Konzert einiger Studenten ein eher undemokratischer und nicht besonders intellektueller Protest ist, so sind die tätlichen Übergriffe der „ich-bin-noch-für-Deutschland-in-den-Krieg- gezogen“-Fraktion der CDU unter aller Sau. CDU-Rentner, die auf Demonstranten mit Regenschirmen losgehen sind ein Armutszeugnis – nicht nur für die CDU, sondern auch für unsere Demokratie.

  10. korfstroem 5. Mai 2005 · 15:22 Uhr

    Korfstroem gehört nicht zum Angela-Merkel-Fanclub. Aber Studenten, die sich nur mit einer Trillerpfeife zu artikulieren wissen, haben keinen Studienplatz verdient. Sie haben die demokratischen Spielregeln unseres Landes nicht begriffen und geben einen bedenklichen Einblick in den Bildungsnotstand unseres Landes. „Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden“ (Rosa Luxemburg) Jedes die Freiheit zur Meinungsäußerung beeinträchtigende Verhalten kaschiert nur den Willen zur Gesinnungsdiktatur.

    korfstroem
    http://korfstroem.blogg.de

  11. korfstroem 5. Mai 2005 · 15:24 Uhr

    Korfstroem gehört nicht zum Angela-Merkel-Fanclub. Aber Studenten, die sich nur mit einer Trillerpfeife zu artikulieren wissen, haben keinen Studienplatz verdient. Sie haben die demokratischen Spielregeln unseres Landes nicht begriffen und geben einen bedenklichen Einblick in den Bildungsnotstand unseres Landes. „Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden“ (Rosa Luxemburg) Jedes die Freiheit zur Meinungsäußerung beeinträchtigende Verhalten kaschiert nur den Willen zur Gesinnungsdiktatur.

    korfstroem

  12. Benno 5. Mai 2005 · 16:20 Uhr

    @Korfstroem

    Na ja, das ist ja doch jetzt reichlich über das Ziel hinausgeschossen. Ich finde es auch alles andere als in Ordnung, wenn jemand (und das ist ganz unabhängig von dessen jeweiliger politischer Gesinnung!) Veranstaltungen stört – und dann auch noch mit solchem infernalischem Lärm. Aber dennoch müssen wir solche Leute ja nicht gleich mit einem Fluch zu belegen. Und da jetzt mit dem Bildungsniveau anzukommen, finde ich reichlich an den Haaren herbeigezogen.

  13. Der_Praktikant - blog.nrwspd.de 5. Mai 2005 · 16:20 Uhr

    @ korfstroem

    Sehe ich ähnlich, wenn auch nicht ganz genau so.
    Protest ist wichtig und nötig. Wenn man aber einen anderen nicht einmal zu WOrt kommen lässt, ist das nicht gerade fair. Zugegeben.
    Aber die CDU-Schergen wussten sich ja durchaus zu helfen. Sie haben einfach die Lautsprecher so laut gedreht, dass mir die gute Angela genauso in den Ohren weh getan hat, wie die Pfeifer.
    Also ist in der Demokratie derjenige der demokratischte, der am lautesten ist? Das kann ja wohl auch nicht der Weg sein.

  14. Paule 5. Mai 2005 · 16:55 Uhr

    03.05.2005 | Generalsekretär Hans-Joachim Reck
    SPD-Lügenwahlkampf enttarnt: Steinbrück dankt Linssen für Konsens bei Novellierung des Sparkassengesetzes

    Auf dem Tag der Wirtschaft in Düsseldorf dankte der noch amtierende Ministerpräsident Steinbrück vor den mittelständischen Unternehmern heute Helmut Linssen, Mitglied im CDU-Kompetenzteam von Spitzenkandidat
    Jürgen Rüttgers, ausdrücklich für die im Jahr 2004 im Konsens erfolgte Novellierung des Sparkassengesetzes und damit zum Erhalt des 3-Säulen-Systems und dem Erhalt der Sparkassen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft.
    Das kommentierte Reck: „Generalsekretär Groschek zettelt eine auf Lügen basierende Sparkassenkampagne unter Einbeziehung von Verdi gegen die CDU an. Indessen bedankt sich Steinbrück bei eben jener CDU für die konstruktive Zusammenarbeit. Damit entlarvt die SPD ihren chaotischen Lügenwahlkampf selbst.“

  15. Fredson 5. Mai 2005 · 21:42 Uhr

    Paule, die CDU stellt ihre Pressemitteilungen, wie Du ja offensichtlich weißt, auf http://www.cdunrw.de/489.php ins Internet. Wir haben leider keine Möglichkeit gefunden, unsere bei der CDU einzustellen.
    Ich bitte deshalb darum, in Zukunft darauf zu verzichten.
    Vor allem frag‘ ich mich ja, was das mit dem Thema des Praktikanten-Berichts zu tun hat. Der ist immer ganz traurig, wenn man seine Arbeit derart herabwürdigt…

  16. Roter Baron 6. Mai 2005 · 1:05 Uhr

    Und das zu Recht!
    Schließlich macht der doch einen dollen Job (so ziemlich zumindest ;-) ) und findet das dann verständlicher Weise doof, wenn CDU-U-Boote seine Einträge nicht einmal verstehen und stattdessen nur ihre Propaganda umherschicken.
    Aber Paule: was sagst Du denn zur Angela in Münster? Oder gehörst Du auch zu den Prügel-Opas?

  17. Jürgen 12. Mai 2005 · 18:19 Uhr

    @Roter Baron….also ich würde mal sagen das dieser linke Pöbel, der kein Benehmen und keine Umgangsformen kennt generell von solchen Veranstaltungen ausgeschlossen werden sollte.
    Auf solche Leute kann man gut verzichten, und wer nur in der Lage ist seine Meinung durch Pfeifen und Lärm machen kundzutun hat irgendwas im demokratischen System nicht verastanden.
    Kurzum die Jusos rücken sich selbst in ein schlechtes Licht und brauchen sich nicht wundern wenn man sie für asozial hält.

  18. Fredson 13. Mai 2005 · 10:54 Uhr

    Jetzt wär‘ ich aber schon mal interessiert, wie das gehen soll. Auf dem Marktplatz reden, aber nur vor Anhängern?!

  19. Timo 18. Mai 2005 · 1:09 Uhr

    Das sich einige Studies mit ner Trillerpeiffe bemerkbar machen find ich nur verständlich. Schließlich wird ja über deren kopf hinweg entschieden…

    Ausserdem was nütz Protest wenn er still und schweigend von statten geht und niemand etwas merkt. ich glaube hier haben einige nicht kapiert was es heißt zu demonstrieren.

    bisher hat nur lautstarker protest was bewegt.

    ich stell mir gerade die montagsdemos in der ddr vor ohne ein geräuch und ohne plakate…

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.