Wie gesagt, ich lese die Süddeutsche Zeitung ja sehr gerne.
Gestern war auf der Seite „Wissen“ ein interessanter Artikel von Hans-Jörg Heims zumunter der Überschrift „Rüttgers kleine Schulwelt“ zu lesen.

Es geht darin um die Pläne der Opposition zur NRW-Bildungspolitik, insbesondere um das Vorhaben von Jürgen Rüttgers und seiner CDU, die Gesamtschulen abzuschaffen. Rüttgers begründet diesen Schritt mit einer „notwendigen individuellen Förderung“ – obwohl die Pisa-Ergebnisse zeigen, dass Länder mit den viel zitierten und von der Opposition konsequent abgelehnten „Gemeinschaftsschule“ wesentlich besseren Ergebnisse erzielen.

Zu Rüttgers Verteufelung eines anderen Schulsystems liest man im Artikel folgendes: „Nicht alle Kinder können wie die Söhne des Oppositionsführers morgens zusammen mit dem Vater frühstücken, um sich anschließend mit dem Dienstwagen in den Kindergarten oder die Schule fahren zu lassen.“

Das erinnerte mich sehr stark an Jürgens Argumentation zum Thema Studiengebühren – denn da sagt er ja immer:“Früher war ich auch gegen Studiengebühren. Ich komme aus kleinen Verhältnissen – mein Vater war Elektriker. Da war das Geld oft knapp. Ich konnte dennoch studieren. Später, als ich dann im Landtag saß, habe ich gesehen, wo das Geld hingeht. Da war ich dann für Studiengebühren.“ (Zu Deutsch: Als ich arm war, war ich gegen Gebühren, sonst hätte ich nicht studieren können. Jetzt, wo ich Geld habe, bin ich für Gebühren).

Das gleiche kommt für mich auch bei seiner Schulpolitik rüber „Kinder müssen individuell gefördert werden, auch schon im Elternhaus“ – das geht aber auch nur dann, wenn die Eltern genügend Zeit und Geld haben. Auch hier ist Jürgen sehr egoistisch.

Aber zurück zum Artikel: Was die Bildungspolitik im Wahlprogramm der CDU betrifft, so bemerkt Heims zutreffend: „Andererseits ist der Opposition nicht viel Neues eingefallen […]. Bisher hat Rüttgers in seinem Kompetenzteam nicht einmal jemanden für die Bildungspolitik benannt.

Auch da fällt mir wieder auf, dass Jürgen am besten ein Ballonflugunternehmen aufmachen könnte: Das ganze Bildungsprogramm ist nur heiße Luft und enthält keinen einzigen realistischen Vorschlag. Das wenige, was dann noch von der Opposition kommt, ist schon lange umgesetzt.

Das Ende lautet dann: „Wer in der Schule abschreibt, bekommt eine Sechs. In der Politik kann man damit Wahlen gewinnen.“ – und hier muss ich Hans-Jörg Heims ausnahmsweise mal widersprechen: Wahlen gewinnt man so nicht. Zumindest nicht in NRW. Jürgen wird das am 22. Mai merken.


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5 Kommentare

  1. Hagen 9. Mai 2005 · 23:03 Uhr

    Ähnliches ist mir auch bei dem TV-Duell aufgefallen. Stichwort Unterrichtsausfall: Das Problem ist gebannt, trotzdem inszeniert die CDU eine Hysterie und versucht sich dadurch Stimmen zu ermogeln.

    Zur Süddeutschen Zeitung: Ich hätte auch lieber die abonniert. Bei mir gibt’s jeden Morgen die WAZ, und die einzigen Argumente dafür sind der Wochendteil und Dankwart Bumskopp.

  2. Edelstrauß 10. Mai 2005 · 22:33 Uhr

    Die CDU versucht krampfhaft, ein Schulsystem aus dem vorletzten Jahrhundert durchzusetzen und nur noch den Wohlhabenden ermöglichen, Bildung zu erfahren. Das hat natürlich auch einen Grund: Dumme Menschen kann man leichter regieren. Die passen sich dann leichter der debilen Politik der CDU-Führung an.
    Sowas brauchen wir in NRW aber nicht. Jürgen soll mit seinen Verdummungsaktionen nach Bayern verschwinden.

  3. Rose 11. Mai 2005 · 11:11 Uhr

    Die SPD hat es doch in den 39 Jahren vorbildlich geschafft, die Menschen dumm zu halten.

    Kein Wunder also, dass sie sich so lange halten konnte.

    Rose

  4. Roter Baron 11. Mai 2005 · 11:48 Uhr

    @ Rose
    Das scheint vielleicht bei Dir funktioniert zu haben – der Durschnitts-NRW’ler ist aber ganz bestimmt nicht dumm. NRW hat eine ordentliche Bildungspolitik . Klar muss da noch viel gemacht werden – aber ich bin der Überzeugung, unsere jetzige Landesregierung ist auf dem besten Weg dahin.
    Was die CDU da versucht, geht genau ins Gegenteil: Schulsystem aus der Vergangenheit, Studiengebühren einführen, soziale Selektion verstärken.
    Ich habe ja hier schon öfter über die zum Teil katastrophalen Zustände in Bayern berichtet. Leider wird der Mythos des „Klassenprimus“ von Union und Bild-Zeitung immer noch gerne aufrecht erhalten, obwohl er gerade bei der Bildungspolitik nicht zutrifft.

  5. Schüler 15. Mai 2005 · 18:19 Uhr

    @Roter Baron:
    „Ich habe ja hier schon öfter über die zum Teil katastrophalen Zustände in Bayern berichtet.“

    Ich finde es ätzend, hier andere Bundesländer, die bei allen Leistungsprüfungen/Leistungstests besser abschneiden als NRW, schlecht zu reden. Natürlich wird in kaum einem Bundesland jede Schule in einem perfekten Zustand sein, aber bevor man über die anderen Bundesländer redet, sollte man sich mal die Schulen in NRW angucken, was die Politiker der SPD nicht zu machen scheinen.

    Es fängt beim baulichen Zustand der Schulen an: Viele Schulgebäude sind in einem miserablen baulichen Zustand, Stühle und Tische sind über 50 Jahre alt, Heizungen funktionieren im Winter nicht, Toiletten kann man eigentlich gar nicht mehr benutzen, ….

    Es geht bei der Lehrmittelausstattung weiter: Wenn Lehrer einen Film zeigen wollen, müssen Sie Wochen vorher probieren, einen Raum dafür zu finden, da es nur zwei funktionierende Fernseher + Videorecorder gibt; die Bücher sind fast alle veraltet, Fakten stimmen quasi nie, in Mathe rechnet man nach dem Buch noch mit D-Mark, das Poltikbuch wurde kurz nach dem Mauerfall geschrieben, …; es gibt nur zwei kleine Computerräume für über 800 Schüler, ….

    Dann die Klassenstärke:
    In vielen Klassen sind ÜBER 35 SCHÜLER/INNEN! In einer solchen Klasse KANN MAN NICHT individuell fördern!

    Stundenausfall:
    Ob es jetzt 6, 5 oder 4 Millionen Stunden sind, die ausfallen, ist doch relativ egal. Solche Zahlen sagen sowieso nichts aus. Aussagekräftiger sind wohl Zahlen, dass bei einer 10.Klasse quasi noch nie eine Woche ohne Stundenausfall gab und jede Woche im Schnitt 4 Stunden ausfallen (oft mehr!)

    Und da wir nunmal 39 Jahre von der SPD regiert worden sind, ist ganz klar die SPD dafür verantwortlich.
    Bildung(spolitik) ist – meiner Ansicht nach – das wichtigste Thema überhaupt: Wer in der Schule nichts lernt bzw. zu wenig lernt, braucht danach gar nicht erst einen Job zu suchen.
    Die Bedingungen fürs Lernen (Gebäude, Lehrer, Unterrichtsgarantie, …) sollten nicht gut, sondern sehr gut sein und jedes Kind sollte individuell gefördert werden!!

    Fazit:
    Es muss dringend mehr Geld für Bildung ausgegeben werden!!

    (Die SPD hatte 39 Jahre Zeit, die Schulen zu verbessern und ich kann nur sagen, dass ich viele Beispiele für SCHLECHTE Schulen IN NRW nennen kann!! Und neben dem Zustand der Schulgebäude (usw.) sind natürlich auch die Ergebnisse wichtig: Und alle Studien zeigen auch hier: die Ergebnisse von Schülern aus NRW sind schlecht, das muss sich ändern, denn die Schüler aus NRW sind nicht dumm!!)

    Sorry, dass mein Kommentar etwas lang wird und sich manche Sachen wiederholen, aber @Hagen:

    „Ähnliches ist mir auch bei dem TV-Duell aufgefallen. Stichwort Unterrichtsausfall: Das Problem ist gebannt, trotzdem inszeniert die CDU eine Hysterie und versucht sich dadurch Stimmen zu ermogeln.“

    Das Problem ist gebannt?!?!!? Wann warst du das letzte Mal in einer Schule in NRW?!?! Ich bin Schüler und kann dir eins sagen: Das Problem ist riesengroß (nicht nur an meiner Schule, ich weiß von vielen anderen auch, dass dort mindestens die gleichen Probleme sind).
    Und wir wollen nicht über ein paar Stunden mehr oder weniger streiten, die ausfallen oder vertreten werden, aber es fallen einfach massig Stunden aus und das muss sich ändern!!!

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.