Über das TV-Duell und die beiden Kontrahenten ist in den letzten Tagen viel geredet und geschreiben worden. Einen völlig anderen Blick darauf wirft die taz. Die beschäftigt sich nämlich mal nicht mit der Frage, wer das Duell gewonnen hat, sondern mit der Art und Weise, wie die Sender ZDF und WDR das Ganze inszeniert und garniert haben.
Ein Auszug:

Eine Kommunikationstrainerin plauderte im WDR über die jeweilige Kleiderfarbe der Gesprächspartner und wusste auch manch anderes zu erzählen, was dem Publikum die Wahlentscheidung gewiss erleichtern wird: dass nämlich Rüttgers mit dem Körper wippt und Steinbrück die Lippen zusammenpresst, wenn sie sich angegriffen fühlen. Ach. Im ZDF durften die Zuschauer unterdessen verfolgen, welch verblüffende Ergebnisse investigativer Journalismus zutage fördern kann. Die harte Recherche vor Ort ergab: CDU-Anhänger waren mehrheitlich der Meinung, Jürgen Rüttgers habe sich besser geschlagen. SPD-Wähler sahen hingegen Peer Steinbrück als Sieger. Wer hätte das gedacht?



Um im hart umkämpften Nachrichtengeschäft bestehen zu können, muss man schneller sein als die Konkurrenz. Aber wie soll das zu schaffen sein, wenn man selbst gemeinsam das Ereignis inszeniert hat, über das es zu berichten gilt? Die WDR-Verantwortlichen hatten eine gute Idee: eine Meinungsumfrage, deren Ergebnisse eine halbe Stunde nach Gesprächsende vorlagen. Toll. Wie sollte sich das noch toppen lassen? Das ZDF hat es geschafft. Im Videotext des Senders wurde über das „TV-Duell“ in der Vergangenheitsform berichtet, während es noch lief. Kein Wunder: es handelte sich um eine Aufzeichnung. Das ist Spannung, das ist Tempo.

Und was ist herausgekommen? Nichts, wovon sich nicht auch das Gegenteil behaupten lässt. War die Sendung also überflüssig? Nicht doch. Wer sich für Politik interessiert, fand sie aufschlussreich. Nur das Rahmenprogramm war verzichtbar.


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6 Kommentare

  1. korfstroem 19. Mai 2005 · 11:07 Uhr

    Vielen Dank für den Link zur TAZ. Da wollen wir den aufmerksamen Lesern die aufschlußreiche Einleitung des Artikels doch nicht vorenthalten oder?

    „Vielleicht hätten Trommelwirbel geholfen, aber vermutlich nicht viel. Peer Steinbrück und Jürgen Rüttgers waren in den Augen der Regisseure ganz einfach Fehlbesetzungen für den großen Showdown.“

    Schon in den ersten zwei Sätzen bestätigt die Kommentatorin die These: „Und verloren hat (Trommelwirbel) der Zurschauer. Und verlieren wird (Zweiter Trommelwirbel) der Wähler. Egal wie die Wahl ausgeht.

    korfstroem
    http://korfstroem.blogg.de

  2. korfstroem 19. Mai 2005 · 11:09 Uhr

    Vielen Dank für den Link zur TAZ. Da wollen wir den aufmerksamen Lesern die aufschlußreiche Einleitung des Artikels doch nicht vorenthalten oder?

    „Vielleicht hätten Trommelwirbel geholfen, aber vermutlich nicht viel. Peer Steinbrück und Jürgen Rüttgers waren in den Augen der Regisseure ganz einfach Fehlbesetzungen für den großen Showdown.“

    Schon in den ersten zwei Sätzen bestätigt die Kommentatorin die These: „Und verloren hat (Trommelwirbel) der Zurschauer. Und verlieren wird (Zweiter Trommelwirbel) der Wähler. Egal wie die Wahl ausgeht.

    korfstroem

  3. Roter Baron 19. Mai 2005 · 11:48 Uhr

    Naja, die Hysterie um die TV-Duelle ist genau so sinnig oder überflüssig, wie die zehn Umfragen pro Woche. Wer einmal selber Sozialforschung gemacht hat und sich mit empirischen Daten auseinandersetzt, stellt schnell fest, wie a)ungenau und b)leicht manipulierbar diese sind.
    Allerdings werden die Umfragen oft genug zur „self-fullfilling prophecy“: Sie bewahrheiten sich selbst, indem sie die Menschen beeinflussen, die gerne zu den Siegern gehören müssen. Deswegen ist es an sich ja auch strategisch nicht schlecht, wenn man vor der Wahl zu der Partei mit den besseren Zahlen gehört (womit ja die Konservativen einen Vorteil hätten) – wobei auch hier die Tendenz eine große Rolle spielt (und damit wieder ein Vorteil für das Lager der Reformer existiert).
    ich bin einmal gespannt, ob sich das alles auswirken wird.
    Eines glaube ich allerdings: Wenn die Wahlbeteiligung steigt, steigen auch die Chancen der SPD.

  4. Thorsten - Blog.nrwspd.de 19. Mai 2005 · 12:15 Uhr

    @ korfstroem
    Ich kann hier beim besten willen nicht immer ganze Artikel von den Zeitungen posten, sondern immer nur die Passagen, die zum jeweiligen Thema passen. Deshalb ja der Link zu den jeweiligen Artikeln. Aber dann von mir aus auch der vollständigkeit halber das Statement „Meinungsverschiedenheiten über Steinkohlesubventionen sind weniger aufregend als der Kampf um eine schöne Frau.“ aus dem Artikel. Passt nur nicht zum Thema.

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