Beim Handelsblatt hat man auch das Thema Wikipedia-Eintrag von Rüttgers und Steinbrück entdeckt. Und macht daraus, was es ist: Eine Farce.
Ein Auszug:

„Sag mal, kannst Du mir mal Hilfe bei einem Text geben?“ Julia verdreht die Augen nach oben, was auch Sabine am Nebentisch auffällt. Julias Lippen formen die Worte „Mein Ex“, Sabine versteht.

„Ja, klar“, versucht Julia zu flöten. „Worum geht’s denn?“

Guido erklärt: Es sei doch jetzt Wahlkampf in NRW und jede Stimme zähle. Denn irgendwie sei die Situation wie bei einem Pferderennen. Jockey Steinbrück ziehe sein Pferd SPD mit aller Macht hinter sich her, während der Rappe CDU seinen Reiter Rüttgers hinter sich herschleife. „Und deshalb versuchen wir alle, aber auch wirklich alles, um die Menschen für uns zu gewinnen“, sagt Guido.

Ihm seien die Einträge im kostenlosen Online-Lexikon Wikipedia aufgefallen. „Die Sozen sind ja technisch weiter als wir, die schalten sogar schon Internet-Werbung“, erklärt er. Die seien doch eher Pro-SPD, und vielleicht könne man das ja ändern. Schließlich könne jeder bei Wikipedia mitschreiben. Sie solle sich doch die Einträge mal anschauen.



Tut Julia. Und macht Vorschläge: „Du könntest zum Beispiel bei Steinbrück aus den ehrenamtlichen Nebentätigkeiten einfach Nebentätigkeiten machen. Dann glauben alle, Steinbrück würde dafür bezahlt.“ Guido jubelt: „GENIAL!“

Julia spürt: Ja, das ist der Grund, warum sie PR machen will. Es ist die kleine Veränderung, die große Wirkung hat. Eine Wortänderung im Internet, die den Machtwechsel in NRW bewirken wird. Es durchströmt sie die wohlige Wärme der Macht. „Diese Stelle da mit dem Zitat bei Rüttgers – kann man die streichen? Kommt irgendwie nicht gut“ Guido setzt zum Löschen an; die Passage „Ich bin Katholik und glaube, dass unser christliches Menschenbild das richtige ist und nicht vergleichbar mit den anderen Menschenbildern, die es anderswo auf der Welt gibt“ verschwindet.

„Suuuuuper“, ruft Guido aus, „Du hast mir wahnsinnig geholfen! Schönen Tag noch!“

Julia sitzt da, den Hörer noch am Ohr. Wie kann er es wagen? Einfach so aufzulegen? Unverschämt! Zumindest ein kleiner Blumenstrauß per Fleurop wäre doch wohl drin.

Danke Handelsblatt. Und damit ist das Thema jetzt auch für uns beendet.


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2 Kommentare

  1. Mathias Schindler 20. Mai 2005 · 13:04 Uhr

    Hey Thorsten, da ist aber jemand mit dem UrhG perdu :)

  2. Edelstrauß 21. Mai 2005 · 14:55 Uhr

    Tja, auch das hat der CDU nichts genützt. Die Wahl wird sie wohl nicht gewinnen…

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.