Was hat die Bild für einen Skandal aus den angeblichen „Massenbeförderung bei Rot-Grün“ gemacht. Zwar finden sich die Vorwürfe nicht mehr online – aber ihr werdet sie sicher ebenso wie ich vernommen haben.

Im Handelsblatt hört sich das dann schon wieder etwas anders an:

„Nach Angaben des für die Personalplanung zuständigen Mitarbeiters entfallen 80 Prozent der Höhergruppierungen auf untere Einkommen, also Sekretärinnen, Pförtner, Boten und Sachbearbeiter. Im Durchschnitt seien die Monatseinkommen um rund 60 Euro im Monat gestiegen.“


Und die Financial Times Deutschland bespricht den Sachverhalt sogar in der Rubrik „Dichtung und Wahrheit„:

Die FTD überprüft Wahlkampf-Getöse – heute: „Rot-grüne Massen-Beförderung: Clement-Vertraute kriegt 1700 Euro mehr! Muss das wirklich sein?“ (Schlagzeile in der „Bild“-Zeitung vom 7. Juni)

Dichtung: Union und FDP werfen der rot-grünen Regierung seit Tagen vor, im Angesicht der bevorstehenden Abwahl mehr oder minder verdiente Mitarbeiter noch rasch zu befördern. An der Seite der Opposition: die „Bild“-Zeitung. Als besonders krasses Beispiel nennt das Blatt auf Seite eins der Ausgabe vom Dienstag die Sprecherin von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, Andrea Weinert. In dem Artikel wird die 46-Jährige nicht nur als „blond“ beschrieben. „Bild“ suggeriert vielmehr auch, dass der Beschluss, sie zu befördern, erst nach dem Beschluss des Kanzlers gefallen ist, eine Neuwahl anzustreben. Originalton „Bild“: „In rot-grünen Ministerien wird 103 Tage vor der geplanten Neuwahl noch mal richtig befördert (Bild berichtete).“

Wahrheit: Weinerts Beförderung stand seit über einem Jahr fest. Die Pressesprecherin hatte ihren Posten Ende 2002 angetreten. Sie begann als Angestellte im öffentlichen Dienst in Besoldungsstufe A 16 (ca. 5500 Euro monatlich brutto). Nach drei Monaten Probezeit wurde sie auf B 6 (7206 Euro) hochgestuft. Das entsprach ihrem Rang als Leiterin der Unterabteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Im Sommer 2004 entschied sich Weinert für eine Verbeamtung. Da der Einstieg in den Beamtendienst formal nur in Stufe A 16 möglich war, verzichtete sie zunächst auf das höhere Gehalt. Mit dem Personalrat wurde Mitte 2004 vereinbart, dass Weinert zum 1. August 2005 in ihre „alte“ Gehaltsstufe B 6 zurückkehrt.

Die große Koalition aus CDU, FDP und ASV (Axel-Springer-Verlag) macht Wahlkampf oder war es einfach nur schlecht recherchiert?


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9 Kommentare

  1. Jens - poitikinside.blogg.de 10. Juni 2005 · 16:52 Uhr

    Naja seit wann wird bei der Blöd richtig recherchiert? Hauptsache die Auflage stimmt, und die ist doch schon seit Jahren am sinken und da muss man der rot-grünen Bundesregierung doch noch schnell einen reinwürgen. Da wird schnell ein angeblicher Skandal zusammengetextes und unters Volk gebracht. Ich lese die Blöd schon lange net mehr, eigenet sich aber besonders gut im Winter für den Kamin ;-)

  2. Bürger 10. Juni 2005 · 23:22 Uhr

    Dass die Frau soviel bekommt, ist der eigentliche Skandal.

    So eine unkompetente (Vorsprech-)Quasseltante ist die € 7206 nicht wert.

  3. John 11. Juni 2005 · 3:12 Uhr

    Hmm.. ist das Handelsblatt nicht ein böses böses kapitalistenmedium? DAS wird als seriöse Quelle von SPD-Anhängern zitiert? Ich bin erstaunt!

  4. Jens - politikinside-Team 11. Juni 2005 · 16:53 Uhr

    @Bürger Ihr steht das Geld zu, welches sie ihrem Status entsprechend zusteht, wir könnten hier ja jetzt auch noch um das Beamtentum allgemein diskutieren

    @John Na Ausnahmen bestimmen die Regel ;-)

  5. Bürger 11. Juni 2005 · 22:38 Uhr

    Wird Zeit, dass Rot-Grün abgewählt werden.

    Steht der Termin für die Bundestagswahlen nicht schon?

    Rot-Grün ist unerträglich, lächerlich und gescheitert.

  6. Sozialdemokrat für Oskar 11. Juni 2005 · 23:29 Uhr

    @ John

    Das Handelsblatt ist eine für die SPD zeitgemäße, ideologische Quelle. Für eine Partei, die sich von den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft verabschiedet hat, ist dies jedoch nicht verwunderlich. Die SPD hat sich wie die anderen etablierten Parteien auf den Kurs des Raubtierkapitalismus eingeschworen.
    Das Motto lautet nun: Leiste, produziere und konsumiere! Wer dazu nicht in der Lage ist, gilt als nutzloser Fresser und Störfaktor, der keinerlei menschliche Würde besitzen soll.

  7. Jens - politikinside.blogg.de 12. Juni 2005 · 2:08 Uhr

    @Bürger Achja und Schwarz-Geld auch schon! Also wenn ich mir die Giftliste von Merkel und Edi anschaue, wird mir jetzt schon schlecht.

  8. Sozialdemokrat für Oskar 12. Juni 2005 · 10:19 Uhr

    @ Jens

    Worin unterscheidet sich denn bitteschön die Giftliste Merkel/Stoiber von der Giftliste Schröder???

  9. klausalfred.twoday.net 15. September 2005 · 13:22 Uhr

    Hier ist sie – Eichels Giftliste

    Dem LESER AM HAKEN ist ein sensationeller Rechercheerfolg gelungen, ein richtiger Scoop, wie deutsche Medienmacher sagen w

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.