Auf einer Pressekonferenz hat Peer Steinbrück heute seine Gründe erläutert, warum er nicht für den Deutschen Bundestag kandidieren wird.

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Wir dokumentieren seine Erklärung:

„Der Bundeskanzler hat sich unmittelbar nach der Wahlniederlage meiner Partei in Nordrhein-Westfalen entschieden, den von der Verfassung vorgezeichneten Weg für Neuwahlen zu beschreiten. Er hat damit seine Verantwortung für Deutschland über seinen Verbleib im Amt gestellt. Für diesen Schritt hat er meinen Respekt und meine volle Unterstützung.

Zu Gerhard Schröder und der von ihm durchgesetzten Reformpolitik sehe ich keine überzeugende Alternative. Ich werde den Bundeskanzler deshalb auch im bevorstehenden Bundestagswahlkampf nach Kräften unterstützen und mit meiner Partei für eine Fortsetzung seiner Politik werben.

Nordrhein-Westfalen wird auch in diesem Wahlkampf eine Schlüsselrolle spielen. Ich bin stolz darauf, dass ich in der Landtagswahl am 22. Mai mit einem guten Ergebnis erneut meinen Wahlkreis direkt gewonnen habe. Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit spielen in meinem Politikverständnis eine entscheidende Rolle. Ich werde deshalb den Wählerinnen und Wählern im Kreis Unna und in Hamm nicht den Rücken kehren und mich nicht andernorts um ein Bundestagsmandat bewerben.

Es ehrt mich, dass mich viele Menschen innerhalb und außerhalb meiner Partei zur Übernahme einer herausgehobenen Funktion in der zukünftigen Bundestagsfraktion ermuntert haben. Ich hoffe dennoch auf deren Verständnis, wenn ich diesem Ruf und den Angeboten, in einem Bundestagswahlkreis zu kandidieren, nicht folge. Fliegende Wechsel schätze ich im Sport mehr als in der Politik. Ich will zumindest versuchen, mein politisches, berufliches und privates Leben besser miteinander in Einklang zu bringen, als mir das – frag- und klaglos – in den vergangenen Jahrzehnten möglich war.

Ich werde stets Verantwortung dort übernehmen, wo ich den Interessen Nordrhein-Westfalens am besten dienen kann. Dieses Versprechen habe ich den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes im Landtagswahlkampf gegeben und ich werde es einlösen. Deshalb stelle ich mich von Düsseldorf aus als Wahlkämpfer an die Seite der deutschen Sozialdemokratie, die für die Wiederwahl von Gerhard Schröder und die Fortsetzung seiner Reformpolitik kämpfen muss.“


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12 Kommentare

  1. lautgeben.de 13. Juni 2005 · 22:04 Uhr

    Connection reset by Peer

    Steinbrück bleibt in Düsseldorf

  2. Student aus NRW 14. Juni 2005 · 15:45 Uhr

    Peer wer? Hmmm … komisch, SuPeer scheint es nicht mehr zu geben, zumindest interessiert sich keiner von Euch mehr für euren tollen Kandidaten. Seltsam, seltsam …

  3. Jens - politikinside.blogg.de 14. Juni 2005 · 17:21 Uhr

    Was heißt es interessiert sich keiner mehr für Peer! Also das glaube ich kaum, viele hätten sich Peer sicherlich in Berlin vorgestelt. Jetzt bleibt er leider nur einfacher Abgeordneter in Düsseldorf.

  4. Student aus NRW 14. Juni 2005 · 17:27 Uhr

    @Jens: Das wäre ja das typische Vorgehen der SPD gewesen. Alle Verlierer nach Berlin holen ;) Nur das Beste für Deutschland … lol

  5. Benno 14. Juni 2005 · 17:52 Uhr

    @Student: Erstens ist das mal wieder so eine saudämliche Verallgemeinerung und zweitens treibt’s die CDU noch doller: Die lässt nämlich in Berlin jetzt mit Eberhard Diepgen und Frank Steffel zwei Männer für den Bundestag kandidieren, die den Karren in ihrem Bundesland SO RICHTIG an die Wand gefahren (ich sage nur: minus 17,0 %) und vor allem ihre Zukunft schon längst hinter sich haben. Ziemlich peinlich, finde ich.

    Ich habe jedenfalls auch schon von Unions-Anhängern Lob gehört, dass Peer Steinbrück so ehrlich und konsequent geblieben ist und sich (wie auch am Wahlabend angekündigt) mit dem Landtagsmandat in NRW begnügt. Die menschliche Größe, dies ebenfalls anzuerkennen, scheint von dir ja zu viel verlangt zu sein.

  6. Student aus NRW 14. Juni 2005 · 17:57 Uhr

    @Benno: Ich habe mich nur gewundert, wie still es um Peer geworden ist hier im blog ;) Und wenn du von menschlicher Größe redest, wenn jemand Wort hält (was ich eher als selbstverständlich empfinde, es aber bei Politikern leider nicht ist..ja aus allen Parteien), dann sagst du damit, dass den anderen SPD-Größen diese „menschliche Größe“ fehlt?
    Und in Bezug auf einzelne Bewerber um den Bundestag: Nun ja, da lohnt sich eine Debatte ja gar nicht mit dir. Was hat Peer doch so schön gesagt: Es geht nicht darum, was in der Vergangenheit war, sondern darum, dass er die Zukunft gestalten will ;) Wenn das für die SPD gilt, dann sollte das auch für die CDU und andere Parteien gelten… Also erstmal nachlesen, was die SPD-Granden so alles vom Stapel gelassen haben, bevor man auf die CDU losgeht.

  7. Benno 14. Juni 2005 · 23:28 Uhr

    @Student aus NRW:

    Du hast mich offenkundig nicht verstanden – mit „menschlicher Größe“ meinte ich nicht Peer Steinbrücks Verzicht auf die Bundestagskandidatur (obwohl der sicherlich auch darunter fiele), sondern die faire Haltung einiger Unionsanhänger, die sich mir gegenüber lobend über die Aufrichtigkeit von Steinbrücks Entscheidung geäußert haben. Und eben diese faire Haltung scheint von dir zu viel verlangt zu sein.

  8. Benno 14. Juni 2005 · 23:37 Uhr

    @Student aus NRW:

    P.S.: Man kann über Peer Steinbrück auch nur dann hier etwas ins Blog setzen, wenn es in Bezug auf seine Person eine neue Nachricht gibt. Und es ist nun mal so, dass da seit der Wahl nicht mehr viel über die Medien gekommen ist und Steinbrück – wenn man das so sagen kann – ziemlich zurückgezogen hat. Das halte ich im Übrigen aber auch für eine Selbstverständlichkeit nach so einer Wahlniederlage, zumal wenn die ganze Berichterstattung sowieso von der Bundestagsneuwahl überlagert ist. Jedenfalls: Dafür, dass Peer Steinbrück in den letzten Wochen so wenig von sich hat hören lassen, können die Autoren hier im Blog ja auch nichts.

  9. Student aus NRW 15. Juni 2005 · 0:26 Uhr

    Das mit dem „nicht verstehen“ kann ich nur zurückgeben ;) Die Artikel zu Peer standen seit Tagen hier im Blog und keiner hat etwas dazu geschrieben. Ich schlussfolgere: Keine Reaktion => Wenig bis gar kein Interesse

    Wenn das falsch ist, dann kläre mich dummen Nicht-SPDler doch auf. Denn mit einer anderen Meinung ausgestattet muss man sich hier ja einiges anhören ;)

  10. Benno 15. Juni 2005 · 1:20 Uhr

    @Student:

    Ich weiß ja nicht, was du für einen Kalender hast – aber deine Rechnung „seit Tagen standen die Artikel hier unkommentiert im Blog“ kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Die Artikel waren schließlich noch nicht einmal 24 Stunden alt, bis die Kommentare losgingen. Und es soll tatsächlich Leute geben, die hier nicht unentwegt im Blog herumhängen.

    So oder so kann ich es immer noch nicht nachvollziehen, dass du dich so sehr daran hochziehst, wenn ein Ministerpräsident nach seiner Wahlniederlage an Aufmerksamkeit verliert – zumal, wenn er sich entschließt, künftig ins Glied zurückzutreten und nur noch einfacher Abgeordneter zu sein. Das ist ganz natürlich und schon gar nicht ein Zeichen mangelnder Wertschätzung. Ich bin jedenfalls nach wie vor ein großer Peer-Fan – für mich ist und bleibt er einer der fähigsten und insbesondere ehrlichsten deutschen Politiker. Und meine Wertschätzung lässt sich nun wirklich nicht an so profanen Dingen wie der Häufigkeit meiner Blog-Kommentare messen.

  11. Lilli Marleen 15. Juni 2005 · 20:31 Uhr

    Schade, ich hätte mich über Peer als Kandidaten hier in Köln auch gefreut, aber ich halte es für einen guten Zug, dass er in D’dorf bleibt. M.E. sollte er den Laden da richtig in Schwung bringen und halten und nach einer Periode Opposition wieder als Kandidat bei den nächsten Wahlen antreten.

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