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Heute morgen versetzte uns die Nachrichtenlage in helles Entsetzen: Da meldeten doch die Agenturen Jakob Mierscheid, Urgestein der SPD-Bundestagsfraktion habe seinen Austritt aus der Partei und seinen Eintritt in die WASG bekannt gegeben. Konnte das denn sein? Der Genosse Mierscheid hatte wohl durchblicken lassen, dass er im Zuge des Prozedere um die Vertrauensfrage des Kanzlers ein wenig geknickt sei, aber es gab keine Anzeichen für einen solch drastischen Schritt. Vor allem gehörte Herr Mierscheid MdB nicht zu den Kritikern der Agenda 2010, weswegen wir alle erstaunt waren, er begründe seinen angeblichen Austritt mit der Empörung über die Arbeitsmarktreformen. War den Parteien links von der SPD jetzt doch ein erster nennenswerter Personalcoup gelungen?

Mit fahlen Gesichtern saßen wir herum und zermarterten uns das Hirn, was jetzt zu tun sei, bis uns dann die erlösende Nachricht erreichte: Alles nur eine Ente! Genosse Jakob erwägt nicht den Austritt aus der Partei! Vielmehr plant er, wie angekündigt, eine weitere Legislaturperiode als Abgeordneter der SPD.

Also noch einmal aufatmen. Mit ein wenig Abstand muss man wohl einräumen, dass der Genosse Mierscheid, ohne seine großen Verdienste um den Schutz der geringelten Haubentaube in Europa abwerten zu wollen, nicht zu den profiliertesten Vertretern der Sozialdemokratie gehört. Trotzdem kann man nicht bestreiten, dass er seit der Veröffentlichung des Mierscheid-Gesetz 1983 verdientermaßen einen festen Platz in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus einnimmt. Das er trotz seines Alters und seiner langen Jahre im politischen Geschäft das Gespür für neue Trends nicht verloren hat, zeigt sich daran, dass er einer der ersten Politiker war, der in einem eigenen Blog von seinem Alltag berichtete.

So herbe uns der Verlust eines derart erfahrenen Parteigenossen getroffen hätte, so froh sind wir natürlich jetzt, da wir wissen Jakob Maria bleibt uns noch erhalten.

Glück auf!

P.S.: Jakob M. Mierscheid reagierte empört auf diese Falschmeldung. Der Linkspartei müsse es dreckig gehen, wenn sie meine sich mit dem Mißbrauch seines Namens Aufmerksamkeit verschaffen zu müssen.


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6 Kommentare

  1. Mierscheid-Gesetz-Fan 12. Juli 2005 · 14:32 Uhr

    Mierscheid ausgetreten? Gerade jetzt, wo das von ihm entdeckte Mierscheid-Gesetz (http://www.wahlrecht.de/news/2005/15.htm ) der SPD rosige Ergebnisse verspricht? Niemals!

  2. Hans 12. Juli 2005 · 14:39 Uhr

    Ist Naziparolen-Stiegler jetzt vollends durchgeknallt? Naja, eine Partei, die keine Chancen mehr für sich sieht, schmeißt wohl als letztes Mittel mit braunem Dreck um sich. Paßt ja zum neuen Design.

  3. Simon 12. Juli 2005 · 14:54 Uhr

    @Hans:
    falsches Thema.

    Mierscheid wird niemals austreten.

  4. Nobbi 12. Juli 2005 · 23:41 Uhr

    In einem mir nicht unbekannten Forum habe ich heute nach Bekanntgabe dieser unsäglichen Meldung (ich bin erstmal vom Hocker gefallen vor Schreck) die Situation bereits einigermaßen beruhigen können, denn die Tagesschau-Profis schrieben:

    „Die besten Analytiker auch dieser Redaktion kamen zu einer Sondersitzung zusammen und tagten seither in Permanenz.“

    So ein Quatsch. Das Nest heißt doch Pirmasens, oder? Durch diesen investigativen Journalismus konnte ich die WebSozis beruhigen. Sonderlich interessiert hat es aber niemanden von den BanausInnen… ;-)

  5. pirmissima 28. September 2005 · 9:40 Uhr

    was kann denn bittschön pirmi nun dafür?

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.