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Gestern waren wir vom Online-Team in Amsterdam auf einer Veranstaltung, die man wohl gut und gerne als Fortbildung abbuchen kann. Die Amsterdam-Maaststricht-Summer-University hatte eingeladen und wir (und zugegebenermaßen auch noch ein paar andere) waren gekommen, um etwas über Internetwahlkampf zu lernen. Joe Trippi, der ehemalige Wahlkampfmanager von Howard Dean war nach Amsterdam gekommen, um uns über die Neuerungen des vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampfes zu erzählen und wie diese Neuerungen helfen werden, die Welt zu verändern.

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Carsten und Der_Praktikant vom Online-Team

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Dirk und Oliver vom Online-Team

Doch zunächst mussten wir überhaupt erst einmal nach Amsterdam kommen. Denn es gab da ein klitzekleines Problem. Was ist das dümmste, was man vergessen kann, wenn man ins Ausland reisen will? Richtig, circa 20 Kilometer vor der Deutsch-Holländischen Grenze fiel mir auf, dass mein Personalausweis sicher verstaut zu Hause in der Innentasche meiner Jacke steckte, die ich nicht mitgenommen hatte, weil es so warm war. Aber ich habe das Ganze vor den anderen Geheim gehalten, um sie nicht zu beunruhigen und weil ich noch nie an der holländischen Grenze kontrolliert worden bin. Jedenfalls nicht auf dem Weg nach Holland, sondern nur auf den Weg zurück nach Deutschland. Kurz vor der Grenze habe ich den anderen Jungs vom Online-Team dann mal nahe gelegt, dass sie doch mal im Bord-Bistro einen Kaffee zu sich nehmen und mich ruhig mit dem Gepäck alleine lassen könnten. An der Grenze kam es dann, wie es kommen musste: Die Grenzbeamten stiegen zur Passkontrolle ein. Das Tolle war, das direkt in der Reihe neben mir eine Holländerin saß, die auch ihren Pass vergessen hatte. Gegenseitig machten wir uns Mut. „Ich habe gehört, dass kostet fünfzig Euro.“, „Ich glaube, die lassen sie gar nicht einreisen und schicken sie wieder nach Hause.“ Ich hatte schon überlegt, wie man wohl Asyl beantragt oder ob die mich wohl zur deutschen Botschaft schleppen werden, als der Grenzbeamte sich neben mir aufbaute. Er fragte zuerst die Holländerin nach ihrem Pass. Vergessen? Macht nix. Gut, dachte ich, dann wird das ja wohl nicht so schwer sein. Dann fragte er mich nach meinem Pass. „Vergessen? Warum? Was wollen sie in Holland? Wann verlassen sie Holland wieder?“ etc. Fünf Minuten später hatte er dann wohl doch keine Lust mehr, sich den Stress anzutun und ließ mich mit der Aufforderung, dass ich doch das nächste Mal dran denken soll, stehen.
Und das, ohne mich dem Terroristentest zu unterziehen.
Der geht folgendermaßen:
Grenzbeamter: „Are you a terrorrist?“
Ich: „No.“
Grenzbeamter „Are you sure?“
Ich: „Yes!“
Die richtigen Antworten sind also Nein und Ja (in der Reihenfolge). Hat eine Freundin von mir mal angeblich nach einem Flug in die USA erlebt. (Urban Legend?)

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Der Bahnhof in Amsterdam

Dann sind wir in Amsterdam angekommen. Im Hotel musste man dann seine Personalausweisnummer auf dem Eincheckformular angeben. Konnte ich natürlich nicht. Das sagte ich der freundlichen Rezeptionistin. Ob ich denn keinen Führerschein dabei hätte. Hatte ich auch nicht. Oder einen anderen Ausweis. Hatte ich ebenfalls nicht. Was sollte ich denn jetzt machen?
„Rennen sie doch drei Mal um den Block.“
Schön, auch mal in einem anderen Land auf den Arm genommen zu werde. (Die anderen Jungs vom Online-Team hatten damit übrigens ihren Running-Gag für diese Reise)

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Das „European Centre for Art and Science“ (Der Veranstaltungsort)

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Das zugehörige und grandiose Treppenhaus

Schließlich machten wir uns auf, um Joe Trippi zu sehen. Für diejenigen unter euch, die Joe nicht kennen sollten. Er hat im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf für den ehemaligen Gouverneur von Vermont, Howard Dean, gearbeitet und einige Neuerungen im Internetwahlkampf (Weblogs, das Benutzen von meetup.com) eingeführt. Damit hat er dann aus 432 Unterstützern und 98.000 Dollar, 652.000 Unterstützer und über 50 Millionen Dollar gemacht. Und das Ganze mit Spenden über das Internet, die alle nicht größer als 100 Dollar waren. Howard Dean hat es zwar nicht geschafft Präsidentschaftskandidat zu werden, aber seine und Trippis Methoden haben den Wahlkampf wohl für immer verändert. Seitdem wird Joe Trippi von Wahlkämpfern auf der ganzen Welt umworben. Er beriet beispielsweise Tony Blair bei der vergangenen Großbritannienwahl. Und wir waren in Amsterdam, damit wir ihm seine Ideen klauen konnten.

Er sprach von den unglaublichen Möglichkeiten, die einem das Internet bietet. Davon, dass es nie so leicht war, Gleichgesinnte für eine gemeinsame Sache zu finden. Davon, dass die Revolution nicht über das Fernsehen stattfinden wird. Darüber, dass die Internetkampagne nicht wegen sondern trotz Howard Dean funktioniert hat. Und darüber, dass das Ganze eigentlich nur möglich war, weil er und Howard Dean mit dem Rücken zur Wand gestanden haben. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, solltet ihr sein Buch „The Revolution Will Not Be Televised“ lesen. Er kann das viel besser erklären, als ich es hier vermag. Nach dem Vortrag und der anschließenden Fragestunde waren wir jedenfalls wieder richtig für kommende Wahlkämpfe motiviert.

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Oliver vom Online-Team mit dem heißbegehrten Wahlkampfmanager beim Bier

Und das Beste sollte noch kommen. Draußen vor dem Haus, wo die Veranstaltung stattgefunden hatte, gab es eine Bar. Dort hatten wir uns noch eingefunden, um über den Vortrag zu reden. Irgendwann kam dann der Leiter der Sommerakademie, Jaques, (Ich hoffe, er schreibt sich so) mit Joe Trippi raus und beide setzten sich zu uns an den Tisch. Jaques blieb allerdings nicht lange, da er noch einen Termin hatte. Da saßen wir nun mit einem Mann, für den Wahlkampfmanager rund um den Globus Unmengen an Geld bezahlen würden, um mit ihm über Wahlkampf zu reden und redeten über mit ihm über Wahlkampf. Leider hat Joe mir verboten („Don´t blog this“) über viele Dinge zu reden. Was ich aber ausdrücklich schreiben darf, ist, dass er mal in Heidelberg gewohnt hat, weil sein Stiefvater für die NASA an dem Supercomputer Cray gearbeitet hat. Außerdem hat er in Aschaffenburg eine Freundin gehabt. („She was hot.“) Diese Info findet ihr laut Joe Trippi nirgendwo sonst. Nur hier. Den Rest werdet ihr über die nächste Zeit verteilt auf den Internetseiten der NRWSPD sehen können.

Was ich heute gelernt habe:
Holländer machen aus allem einen Tisch (siehe Bild); Im Zug nach Holland sagt der Zugbegleiter zielgruppenbezogen „Kaffee oder Tee?“ zu den deutschen Fahrgästen und „Sandwich or Beer?“ zu den englischen Fahrgästen; wir müssen ganz dringend eine Kamera haben, die auch bei schlechten Lichtverhältnissen gute Bilder macht (oder ich mache nur noch Handybilder);

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Holländer machen aus allem einen Tisch

Das ganze Blog von Der_Praktikant findet ihr hier.


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11 Kommentare

  1. Jens - politikinside-Team 16. Juli 2005 · 13:44 Uhr

    *looooooooooool*@Tische

    Ich sag ja kiffen schadet dem Gehirn ;-)

    Aber nun zum Thema: Ich denke, dass das Netz eine neue Art von Wahlkampfplattform sein kann, allerdings wird das Netz niemals den Wahlkampf im RL (Straßenwahlkampf, TV/Radio-Printwahlkampf) ersetzen. Es ist quasi eine Ergänzung zu den bisherigen Plattformen.

  2. Jens 16. Juli 2005 · 14:35 Uhr

    Ach mit Perso-Problemen sind die eigentlich immer ganz gut drauf wenn man freundlich ist.

  3. André 16. Juli 2005 · 18:16 Uhr

    Dafür hat die SPD noch Geld? *kopfschüttel*

  4. Thorsten 16. Juli 2005 · 18:47 Uhr

    @ André
    Hab mich schon gefragt, wann irgendwer auf diese grandiose Idee kommt, uns Geldverschwendung vorzuwerfen. Wir haben alles selbst bezahlt. (bzw. ich habe mich einladen lassen; by the way: Danke schön!)
    Wenn du aber unbedingt was zum Kopfschütteln brauchst:
    http://www.rockhard.de
    oder
    http://www.finntroll.net/
    oder
    http://www.nrwcdu.de
    Viel Spaß damit.

  5. oliver zeisberger 16. Juli 2005 · 20:16 Uhr

    Aber echt! Da berichtet man über ein Treffen mit einem Menschen, der in den letzten zwei Jahren dafür mit verantwortlich war, richtungsweisende Innovationen im Bereich von Politik, Gesellschaft und Kommunikation in die Welt zu setzen, zahlt für dieses Treffen aus privater Geldbörse 29 EURO Sparpreis Bahnfahrt pro Richtung, 88 EURO fürs Hotelzimmer, 6,50 EURO Ticket für die Veranstaltung und 3,60 EURO für zwei Becks für einen netten Abend danach (eins für mich und eins für Joe) berichtet hier auch noch davon – vielleicht hätten wir es eher für uns behalten sollen, was wir dort gemacht haben – und da hast du nix besseres zu fragen, als ob wir Geld verschwendet haben?

    Vielleicht hat Thorsten zu wenig über die Inhalte des Vortrages und unseres Gespräches mit Joe verraten.

    Haste dich mal damit auseinandergesetzt, was bei Howard Dean in den USA im Wahlkampf im Netz so passiert ist? Warum das Interesse an Wahlkämpfen in den USA plötzlich wieder steigt und warum? Warum im Wahlkampf in den USA mehr Intenet-Videos gesehen wurden, als TV-Spots? Wieso kleine Spender mit unter 100 Dollar Beträgen massenhaft ihre Kandidaten unterstützt haben – gegen die Interessen von Großspendern und damit erstmals einen demokratischen Kandidaten gegen einen republikanischen mit ungefähr gleich viel Wahlkampfbudget ausgestattet haben? Oder damit, wie sich Wahlkämpfe aufgrund des Internets verändern? Warum die Burger-Kette Wendy’s in den letzten zwei Monaten unglaubliche Umsatzeinbussen wegen des Internets hatte? Warum Budweiser den Namen einer Biermarke von der amerikanischen Bevölkerung über das Interner finden lassen sollte? Was das alles mit politischer Kommunikation zu tun hat? Warum sich weltweit die Bürgerinnen und Bürger eines Landes über das Internet Macht wieder zurückerobern und sich nicht länger einflussreichen Verbandsvertretern oder Wirtschaftsinteressen unterwerfen? Was die orangene Revolution in Kiew mit dem Netz zu tun hat? Warum und wie wir erleben werden, dass zum Beispiel bei der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA über 250 Millionen Nichtamerikaner von ausserhalb der USA auf den Wahlausgang dort Einfluss nehmen werden? Warum viele Jugendliche und Junggebliebene inzwischen mit weissen, gelben oder andersfarbigen Silikonbänder um die Handgelänke mit Texten wie „Live Stong“ oder „Make poverty history“ herumlaufen, die sie über das Internet bestellt haben und vielfach damit auch noch einen guten Zweck untersützten? Was das mit der Bekämpfung von Hunger in Afrika zu tun hat oder mit einer Stiftung, die sich um Herzkranke kümmert? Warum sich politische Kommunikation in den nächsten Jahren grundlegend auch in Deutschland ändern wird – und wir grade nur die Spitze des Eisbergs davon sehen?

    Ja, dass waren die Themen über die wir uns auch unterhalten haben. Das war spannend und anregend. Meine knapp 100 EURO dafür habe ich richtig angelegt.

    Über deinen Kommentar kann man sich echt nur wundern. „Deutscher“ – um mal ein billiges Klischee zu bedienen – gehts echt nicht.

  6. Karl-Heinz 16. Juli 2005 · 21:48 Uhr

    Hello, good job this BLOG ohne „verbotene“ Inhalte. Und gute Darstellung!
    Aber wieso gabs an der holl. Grenze eine Passkontrolle, ich dachte in EUROLAND ist die Freizügigkeit eingetreten?
    Gruss an das ganze Online Team, weiter so.
    Karl-Heinz
    Wer ist der Praktikant?

  7. Jens - Der PI-Praktikant ;-) 16. Juli 2005 · 22:08 Uhr

    @Karl-Heinz Thorsten ist der NRWSPD-Praktikant a.D.

  8. Sozialdemokrat für Oskar 17. Juli 2005 · 2:02 Uhr

    @ Olli

    Die Frage Andres ist durchaus berechtigt, denn wir steuerzahlenden Bürger haben keine Lust, Euch nen Trip nach Holland zu finanzieren, womöglich noch ne Visite im Coffee Shop und Schaufensterpuppen poppen im Rotlichtviertel.

    Nee, meine Lieben: So nicht!

    Und was um Himmels willen hat ein Howard Dean mit der SPD zu tun? Hast Du etwa vor, für Gerd mit der Dean-Masche zu bloggen? Kannste gleich wieder vergessen, denn Howard ist bekanntlich Ketchup King Kerry unterlegen — mit Big Money als backer. Hingegen hatte Dean lediglich ein paar arme Schlucker hinter sich, die glaubten, mit ihren paar Cents via Paypal seine Nominierung kaufen zu können.

  9. Jens - politikinside-Team 17. Juli 2005 · 3:06 Uhr

    @Sozi Also zwar bekommen die Parteien auch Steuergelder für ihre Arbeit, aber wozu gibt es denn auch die Mitgliedsbeiträge. Und wie Olli schon geschrieben hat, haben die Online-Team-Leute das selbst bezahlt.

    Naja und euer Oskar lässt sich ja gerne von der Bild bezahlen, obwohl er nix mehr für die macht…

  10. oliver zeisberger 17. Juli 2005 · 3:29 Uhr

    Jens, lass den Sozi für O doch einfach in Ruhe. Der hat nur sehr wenig Ahnung wovon er redet und will dafür unsere Aufmerksamkeit. Ich mag auf den Quatsch nicht mehr eingehen – provozieren tut er mich auch nicht mehr. Es ist ein Troll und Trolls wird man nur los, wenn man Sie links oder rechts liegen lässt. Sie wollen nur provozieren – und wenn man auf ihre Kommentare Entgegnungen schreibt, bekommen sie diese Aufmerksamkeit. Einfach ignorieren.

    Also bitte: Keine „Gegen“-Kommentare mehr zu Sozi für O. Und wenn er wieder andere Namen verwendet für seine Kommentare, dann dort am besten auch nicht.

    Tipp: Wir freuen uns über Kommentare zu den ursprünglichen Beiträgen die wir schreiben. Kommentare zu Kommentaren von anderen Kommentaren von Kommentatoren, die hier nicht ein einziges Mal nen sinvollen Beitrag abgeliefert haben, lohnen sich nicht, und bringen unsere Diskussion ja nicht voran. Also Jens und ihr anderen: Verschwendet Eure Diskussionsenergie nicht an Trolls und lasst uns lieber ein sinnvolles und anregendes Gespräch hier im Netz führen.

  11. Jens - politikinside 17. Juli 2005 · 4:08 Uhr

    Hast ja recht, lohnt sich wirklich nicht auf solche Eintrage einzusteigen und darauf zu antworten :-) Allerdings schreibst du, dass du ihn ignorierst, aber schreibst trotzdem jedesmal irgendwas mit Troll ;-)

    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Sozi der Matthias W. ist, der irgendwie auf fast jeden Weblog auftaucht, um dort „Werbung für die Linkspartei“ zu machen ;-) Auch wenns nicht ganz zum Thema passt *g*

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.