Während des Wahlkampfes durfte man sich vom damaligen Zukunftsminister außer Dienst und jetzigem Ministerpräsidenten von NRW ja ständig anhören, wie toll Bayern ist. Alle viel schlauer, reicher und überhaupt alles viel besser da unten. Ich hab‘ mich damals schon gefragt, warum der Jürgen dann nicht zu unser aller Erleichterung mal Kind und Kegel einpackt und eine lange Reise macht, aber das nur am Rande.

In der unendlichen Posse um die Rechtschreibreform schlägt jetzt auf jeden Fall Rüttgers Bewunderung für Bayern und die Politik der dortigen Freistaatspartei voll durch. Als treuer Knappe lässt er uneingeschränkte Solidarität mit Edmund I. walten und lehnt die verbindliche Übernahme der reformierten Rechtschreibung ab(bspw. hier).

Nun kann man von der neuen deutschen Rechtschreibung halten was man will, aber die Kinder, für die diese Regeln jetzt im Schulalltag relevant sind haben sie gelernt, weshalb man sich zweifelsohne der Einschätzung von Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der GEW anschließen kann, die meint das Verhalten der Regierungen Rüttgers und Stoiber sei „Blödsinn“. Das dem NRW-Ministerpräsidenten einmal getroffene Abmachungen, in diesem Fall zwischen den Ländern, nicht viel bedeuten, konnte man ja während des Wahlkampfes schon beim Thema Steinkohle beobachten. Entsprechend groß ist nun allenthalbendie Verwunderung.

Bayern imitieren, statt NRW zu regieren? Wird das wohl das neue Motto der Landesregierung?


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6 Kommentare

  1. Klaus 18. Juli 2005 · 19:04 Uhr

    Wer hat eigentlich in den 90ern darauf gedrängt, dass wir die Rechtschreibung dringend vereinfachen müssten? War das nicht der damalige Zukunftsminister?

  2. Georg 18. Juli 2005 · 20:54 Uhr

    Es zeugt von großer Vernunft und Einsicht, daß die Einführung dieser,von Sprachbürokraten verpfuschte Änderung der Rechtschreibung aufgehalten wird. Weitere Landesregierungen sollten nun endlich zu der Einsicht gelangen, daß diese angebliche Reform nur durch weitreichende qualitative Verbesserungen, in Form von Rückkehr zur bewährten Schreibweise, von der Mehrheit der Bürger angenommen wird.

  3. Fredson 18. Juli 2005 · 22:02 Uhr

    qualitative Verbesserung in Form von Rückkehr zur bewährten Schreibweise – das ist schön ausgedrückt für alles beim Alten belassen. Ich hatte während meiner Schulzeit auch nie den Eindruck, die jetzt veraltete Schreibweise habe irgendwelche Mängel.

    Allerdings: ein sehr großer Teil der Schulkinder hat die alte Schreibweise schon nicht mehr gelernt. Wenn man bei den Fünftklässlern jetzt wieder anfängt, ihnen die alte Schreibweise beizubringen, dann befürchte ich man kann bis zum St.-Nimmerleinstag auf bessere PISA-Ergebnisse warten.

  4. Jens - politikinside 18. Juli 2005 · 23:01 Uhr

    Also ich bin geteilter Meinung zur Rechtschreibreform. Viele Änderungen begrüße ich, weil sie wirklich eine Vereinfachung bringen. Aber oft sind die Veränderungen unlogisch oder haben das Ganze erschwert, anstatt vereinfacht.

    Es sollte einige Korrekturen geben, aber die Reform muss in Kraft treten, vorallem für die Schüler die jetzt die neuen Regeln gelernt haben, wäre es ne Schweinerei, wenn sie wieder die alten pauken müssten.

    Und wer sich weigert die neuen Regeln anzuwenden, sollte halt die alten anwenden. Ich mische beide und bin damit gut gefahren, auch wenn es von den Regeln her falsch ist.

  5. Bernhard Eversberg 19. Juli 2005 · 7:59 Uhr

    Ist Schriftsprache nur ein Werkzeug oder auch ein Kulturgut?
    Beides verträgt keinen Pfusch! Auch wer sie nur als Werkzeug sieht, muß oder sollte erkennen, daß die mutwillig vom Zaun gebrochenen Änderungen noch eine bisher kaum diskutierte Konsequenz haben: Texte werden ohne Not verunreinigt. In Zeiten, wo immer mehr Menschen sich auf Computersysteme verlassen, ist das kontraproduktiv. Suchmaschinen, Übersetzungssysteme, Silbentrenn-Funktionen, alle Software ist betroffen, die mit Schrift umgeht.
    Das Englische steht inzwischen, trotz der Differenzenzwischen britischer und amerikanischer Variante, in seiner Konsistenz und Einheitlichkeit viel besser da als das Deutsche. Die Reformer haben einen Schlamassel verursacht.

  6. Bürger 19. Juli 2005 · 11:42 Uhr

    Vielleicht mal die wichtigen Passagen berücksichtigen?

    […] „Stoiber sagte in der „Bild am Sonntag“: „Wir wollen warten, bis der Rat für Rechtschreibung in den nächsten Monaten seine Empfehlungen für Korrekturen vorlegt.“ Diese wolle er dann übernehmen. Es mache keinen Sinn, die Reform jetzt einzuführen und im nächsten Jahr wieder Änderungen vorzunehmen. „Der Spiegel“ berichtete zudem, dass Bayern die bisher geltende Übergangsfrist, in der außer den neuen auch die alten Schreibweisen gültig waren, verlängern will.“ […]

    Die Rechtschreibreform ist die größte Schlamperei seit Langem, finde ich.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.