Einige Politiker – gemeint sind die Merkels, Kauders, Söders und Unions-Oberstratege – scheinen gar nicht mehr mitzubekommen, wie Technologie sich in der Wirtschaft und im Zusammenleben einer Gesellschaft tatsächlich ausbreitet. Sie nutzen zwar einen großen Teil der Technologie – manchmal etwas unbeholfen – und einen Teil des vermeintlich modernen Marketings, das es uns häufig schon auf den Geist geht. Seltsam nur, dass die politischen Konzepte und Kommunikationsmodelle, denen sei folgen, meist aus einer Zeit stammen, die weit vor den jüngsten technologischen Wenden liegen.

Wenn es dann um Wahlen geht, versuchen alle schnell, Werkzeuge zu kopieren, die sie in der Wirtschaft sehen: TV-Spots und Werbebroschüren, Großevents mit Stargästen und Konfetti.

Ich erinnere mich noch gut an den CDU-Event zum NRW-Wahlkampfauftakt in Oberhausen, bei dem die Halle mit bunten Verfolgerscheinwerfern, Nebel und Bühnenbild mehr an das Studio von „Deutschland sucht den Superstar“ erinnerte, als an eine Veranstaltung, wo ein Gespräch von Jürgen Rüttgers mit den Bürgern Nordrhein-Westfalens über die Zukunft des Landes beginnen sollte. Das war bei uns und den Auftritten mit Peer Steinbrück anders.

Ja, der ganze aufgefahrende CDU-Showrummel hat erst einmal beeindruckt.

Aber was kommt jetzt danach? Hat sich schon mal jemand angesehen, wie modern der neue Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sich im Internet auf den Seiten des Landes präsentiert?

Bisher Fehlanzeige: Die Webseite der NRW-Staatskanzlei gibt es nicht mehr. Die Reden, die MP Rüttgers hält? Im Netz nicht zu finden. Fotos von Veranstaltungen des Ministerpräsidenten im Gespräch mit Bürgern? Fehlanzeige. Nur Portraitfotos von Staatsektretären und Ministern. Und die sehen aus, wie Portraitfotos nach Jahren öffentlicher Verwaltung häufig aussehen – altbacken. Ist die CDU-Marketing-Maschine nach der Wahl einfach stehen geblieben? Oder schickt sich das nach dem Regierungswechsel in NRW nicht mehr, so viel Marketing-Brimborium zu machen, wie vor der Wahl? Jürgen Rüttgers, der gefeierte Star ist verschwunden. Ähnlich wie Alexander Klavs von „Deutschland sucht den Superstar.“

Interessant bleibt – und das lässt nichts gutes hoffen -, dass auf Bundesebene einfach nur der NRW-Wahlkampf der CDU neu abgespult wird. Keine neuen Ideen, keine neuen Risiken. Ich warte nur auf die blaue „Deutschland sucht den Superstar“-Bühne auf der Angela Merkel durchs Land gondelt und allen Leuten sagt, das sie nicht lügen mag.

Zurück zu den Marketing-Werkzeugen: Mir scheint, als habe die CDU in ihrem Internetwahlkampf und in ihrer Wahlkampfstrategie generell zwar geklärt, welche Werkzeuge sie einsetzen will, aber was der Einsatz des jeweiligen Werkzeugs eigentlich langfristig bedeutet ist ungeklärt. Dass diese Art des Auftritts in Zukunft zu einer stärkeren Beteiligung der Bürger an der Politik beiträgt, halte ich für zweifelhaft.

Vor lauter Marketing-Schnaranana und von findigen Agenturen durchchoeographierten Internet-Präsentationen im Adenauer-Haus merken die Unionisten gar nicht mehr, dass die Bürger eigentlich nur ein Gespräch führen wollen. Ein ganz simples Gespräch – darüber, wie es vielleicht weiter geht in diesem Land – mit Bildung, mit Arbeit, mit der Wirtschaft. Und darüber, was man als interessierter Bürger dafür eigentlich tun kann und was von mir erwartet wird.


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7 Kommentare

  1. Sandra 3. August 2005 · 18:31 Uhr

    1. Frage ich mich gerade was Alexander Klaws in diesem Zusammenhang zu suchen hat. Ist mir ehrlich gesagt nicht ganz klar. Aber schön, wenn er so wichtig ist, dass man auch in einem Artikel über die CDU nicht ohne ihn auskommt.

    2.Wenn man schon über ihn was schreibt, sollte man wenigstens wissen, wie sein Nachname richtig geschrieben wird. Er wird Klaws geschrieben.

    3. Sollte man sich erstmal informieren bevor man eine Person einfach so in den Artikel mit einbezieht, denn es sieht doch immer schlecht aus, wenn auf einer Internetseite einer Partei falsche Infomationen stehen, wie in dem Fall die Falschaussage über Alexander Klaws.

  2. oliver zeisberger 3. August 2005 · 20:30 Uhr

    Sandra – mir geht es gar nicht um diese eine Person Alexander Klaws. Und du hast völlig recht – ich hätte mir vorher die Schreibweise genauer ansehen sollen. Von einem Schreibfehler beim Nachnamen zu einer „Falschaussage“ über Alexander Klaws bleibt es aber ein echt weiter Weg! Nix für ungut.

    Mir ging es aber eigentlich nur um das Sinnbild: Das nämlich in der Politik die Kontinuität fehlt – das Leitbild, dem gefolgt wird. 10 Minuten Ruhm und 4 Monate Wahlkampfzauber greifen da ein wenig ineinander. Die wesentlichen Fragen der Gesellschaft lassen sich eben nicht auf Großflächenplakaten, in 30 Sekunden Werbespots oder in Showeinlagen bei Wahlkampf-Auftaktveranstaltungen erörtern. Dafür brauch man schon mal zwei oder drei Minuten länger ;-)

  3. Astrid 3. August 2005 · 21:30 Uhr

    Als erstes frag ich mich, was Alexander mit der CDU zu tun hat… *WundeR* meines Wissens nach, nichts!

    Zudem wird Klaws, wie schon von Sandra angemerkt mit W geschrieben…

    Und Alex ist nicht verschwunden… doch, im Studio um sein drittes Album aufzunehmen!! Ganz ohne Dieter Bohlen! Nur mal um aufzuklären, dass er nicht verschwunden ist…

    Und Politik mit der Musikbranche zu vergleichen… okay.. hat zwar nix mit einander zu tun.. (abgesehen vllt von der Gerd show…)aber wenn sie das so sehen….

  4. Sandra 3. August 2005 · 21:40 Uhr

    Das habe ich schon verstanden um was er dir ging. Und ich sehe das inhaltlich, insbesondere auf die CDU bezogen, genauso wie du. Allerdings passt der Vergleich zu Alexander Klaws trotzdem nicht in diesem Zusammenhang. Denn anders als deine Aussage das vermitteln will, dauert sein Ruhm und sein Starsein länger als 10 Minuten. Kann sein, dass du es vielleicht nicht wahrnimmst,weil die Presse da ihren Beitrag leistet, denn Menschen die an einer Castingshow teilnehmen, sich in der Musikbranche bewegen und es wagen nur mit der Musik glänzen zu wollen und nicht mit anderen Geschichten ,werden von der Presse einfach nicht so wahrgenommen wie Leute, die ihr Privatleben öffentlich ausbreiten. Alexander Klaws hat den Weg gewählt durch seine musikalische Leistung zu glänzen (im Moment nimmt er übrigens gerade das 3.Album auf), insofern gibt es doch eine Parallele zwischen deinem Anliegen und Alexander Klaws, allerdings anders als du es in deinem Text dargestellt hast.

  5. tc stahl 3. August 2005 · 23:30 Uhr

    Wie differenziert das Verhältnis mancher CDU/CSU-Politiker zum Internet ist, sieht man auch an zwei weiteren Beispielen:

    Zunächst wäre da Frau Dorothee Mantel (CSU), die sich zunächst beim Wahlblog 05 verpflichtete, später lieber zu den Kollegen vom Wahlblog wechselte. Auch dort ging sie offenbar weg, ihre Spur verliert sich in den Weiten des Internets. Weitere Infos dazu: http://www.tc-stahl.de/viewtopic.php?t=12

    Auch Frau Reiche (CDU) weiß nicht wirklich etwas mit den Regeln des Internets anzufangen: Ihr Weblog stellt sie ohne Kommentar- und Trackbackfunktion ins Netz. Da scheut sich wohl jemand vor des Bürgers Meinung. Auch hier weitere Infos: http://www.tc-stahl.de/viewtopic.php?t=32

  6. Klaus 4. August 2005 · 8:38 Uhr

    Ja, der CDU-NRW-Superstar hat sich rar gemacht. Liegt das jetzt an der Urlaubszeit oder daran, das er, wie vor der Wahl, nichts zu sagen hat. Selbst auf der Startseite des Landes sieht man ihn nicht. Noch nicht mal ein Grußwort von ihm. Na ja, war auch nicht anders zu erwarten.

  7. Timo 4. August 2005 · 11:33 Uhr

    Die Union hat es bei dieser Wahl doch einfach: Nur keine eigenen Fehler machen – siehe Angela M. klappt das nicht immer – und die jetzige Regierung schlecht reden – und das klappt inbesondere im Internet verzüglich. Was die Bürger wollen oder nicht – das entscheiden Sie selber. Und wenn die Union die jetzige Regierung weiter basht, wählen die Bürger die Union. Nicht weil sie die besseren Rezepte oder Personen haben – nein, nur weil sie der jetzigen Regierung überflüssig ist. Die SPD kann ihrerseits nur ihre Arbeit verteidigen und ins positive Licht rücken. Ob sie das schaffen wird – äußerst fraglich.

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