Wegen seiner strikten Ablehnung einer deutschen Teilnahme am Irak-Krieg ist Schröder anscheinend dem Nobelpreiskomitee vorgeschlagen worden. Schröder hält sich selbst des Friedensnobelpreises für unwürdig. „Meine bescheidenen Beiträge zur Lösung internationaler Konflikte werden dem Preis nicht gerecht“, sagte der Kanzler am Dienstagabend vor einem Wahlkampfauftritt in Kassel. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wurde der Kanzler beim norwegischen Nobel-Institut neben 165 weiteren Menschen sowie 33 Organisationen vorgeschlagen.

Unverständlich ist für mich persönlich die Reaktion von FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt, der von „reinem Wahlkampf“ sprach. Das macht nämlich keinen Sinn, da der Vorschlag bereits vor dem 1. Februar in Oslo eingereicht wurde, als von der vorgezogenen Bundestagswahl im September noch keine Rede war. Nach den Regeln des Osloer Nobel-Komitees müssen bis Februar alle Bewerber-Vorschläge für das laufende Jahr vorliegen. Also Gerhardt, wenn man nicht genau recherchiert hat, einfach mal die Klappe halten!

Der Nobelpreisträger wird sowieso leider erst nach der Wahl bekannt gegeben.


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10 Kommentare

  1. neuwahlen.twoday.net 24. August 2005 · 8:31 Uhr

    Nobelpreis f

    Bundeskanzler a.D. klingt nicht gut. Da muss schon ein besserer Titel her, falls Gerhard Schr

  2. Axel 24. August 2005 · 12:57 Uhr

    Gerhard Schröder wäre dann der zweite sozialdemokratische Bundeskanzler, nach Willy Brandt (1971), der diese hohe Auszeichnung erhält.
    Das beweist mal wieder, das wir Sozialdemokraten für den Frieden in der Welt stehen und ihn auch dann verteidigen, wenn andere den Krieg nicht ausschließen und sich daran auch beteiligen würden. Wir stehen zum Frieden!
    Ich finde es toll, das unser Bundeskanzler für den Friedensnobelpreis nominiert wurde und ich würde mich noch viel mehr freuen, wenn er ihn auch bekommt.
    Schade, das das von Herrn Gerhard nicht gewürdigt wird.

  3. Sozialdemokrat für Oskar 24. August 2005 · 13:12 Uhr

    Wie verblendet, wie fanatisiert muß die heutige SPD Gefolgschaft sein, wenn sie den militaristischen Neo-Nationalismus der Schröder-Clique gutheißt und gar unterstützt.
    Denn die militärische Logik von vorgestern wird rehabilitiert und gefährdet die Zivilisation:

    Im folgenden sind christliche Einsprüche
    anlässlich des Wahlkampfbesuchs von Minister Peter Struck (SPD) in Düsseldorf am 23.8.2005 aufgeführt.

    Mit dieser Information möchte das ökumenische Friedensnetz darüber aufklären, daß die militärpolitischen Ansätze von Minister Peter Struck und der anderen führenden SPD-Politiker mit der Friedensethik der weltkirchlichen Ökumene NICHT vereinbar sind.

    Die öffentliche Diskussion und Mentalität wird derzeit medial gezielt gelenkt. Abweichende Meinungen kommen so gut wie nie aufs Podium. Veranstaltungen zu Themen der neuen Militärpolitik sind inzwischen nur ausgewählten Gästen zugänglich und finden meist unter großem Polizeiaufgebot statt. Deshalb würden wir, das ökumenische Friedensnetz, uns über eine aufmerksame Lektüre unseres alternativen Aufklärungsangebotes sehr freuen. Mit großer Besorgnis schauen wir als Christinnen und Christen auf:

    · die Militarisierung der neuen SPD-Politik,

    · die Rehabilitation des Militärischen unter dem Deckmantel von „Antiterrorkampf“ und „humanitären Interventionen“,

    · die Mißachtung unseres Grundgesetzes,

    · die Militarisierung der Europa-Politik,

    · die militärische „Transformation“ ziviler Konfliktlösungsstrategien,

    · die hemmungslose Bezugnahme der neuen Militärdoktrinen auf wirtschaftliche Interessen,

    · die atomwaffenfreundliche Politik der SPD-Regierungsmitglieder.

    Abkehr von der Friedenspolitik Willy Brandts

    In der Tradition Willy Brandts erklärte Günther Verheugen (SPD) noch am 6. November 1995: „Ich stelle für die SPD fest: Unsere Bundeswehr ist kein Interventionsinstrument. (…) Damit schließe ich ausdrücklich Erwägungen aus (…), Aufgabe der Bundeswehr könnte die Sicherung der Rohstoffversorgung und der Handelswege sein.“ Damit war eine klare Grenze zu CDU-Vorstellungen gezogen.

    Nur ein halbes Jahrzehnt später proklamierte der SPD-Minister für das Militärressort, Rudolf Scharping, am 21. Januar 2001 auf dem SPD-Programmforum „Sicherheit“: „In 25 Jahren ist das Gas in der Nordsee alle, aber in der Region um Afghanistan und im Kaukasus ist alles vorhanden. Und ob dort regionale Sicherheit entsteht, ist im Interesse aller, die in Zukunft aus der Region Energie beziehen wollen.“ 2002 wird sein Nachfolger, Minister Peter Struck (SPD), genau diese Region als Schauplatz für die „Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch“ proklamieren.

    Seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre ist vom streng völkerrechtlichen Internationalismus eines Willy Brandts wenig zu spüren. Die neuen Ziele erinnern eher an die kolonialistische, national ausgerichtete Ideologie des rechten SPD-Politikers Gustav Noske zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

    Die menschenfreundliche Argumentation beim Umbau der Bundeswehr in eine Angriffs-Armee kann man mit Kenntnis von Texten, die meist vor militärischem Publikum gesprochen werden, richtig deuten.

    Näheres hierzu:

    http://duesseldorfersozialforum.de/Berichte/Friedensaktionen4.htm

  4. politsurfer 24. August 2005 · 15:40 Uhr

    Ich hab hier ein passendes Bild gefunden:
    Schröder wird selbst mit Nobelpreis gloreich untergehen, Stoiber trotz der Flutwelle in Bayern ohne den Erfolg seines einstigen Gegenkandidatens ebenfalls vom Hochwasser verschluckt werden … und wer freut sich da?

    siehe http://neuwahlen.twoday.net/stories/921507/

  5. berlinnil 25. August 2005 · 1:25 Uhr

    Heute irgendwo zu den Gerüchten (wer streut die eigentlich?) gelesen, der Kanzler sei einer von rund 200 Nominierten für den Friedensnobelpreis:

    „Ein Literaturnobelpreisträger sollte wenigstens auch schon mal ein Buch geschrieben haben.“

    Im Ernst: wie groß muss die Selbstüberschätzung der deutschen Sozialdemokraten eigentlich sein, wenn man die Nicht-Beteiligung von deutschen Soldaten an dem Irakkrieg für nominierungs-, gar für friedensnobelpreiswürdig erachtet? Sind wir der Nabel der Welt? Ist im Irak alles Friede, Freunde, Eierkuchen?

  6. Oliver Zeisberger 25. August 2005 · 3:43 Uhr

    Berlinnil – erstmal informieren, dann motzen. Es geht nicht darum, ob die Sozialdemokraten Gerd Schröder für nobelpreistauglich halten. Jedenfalls spielt das für den Nobelpreis keine Rolle. Vorschlagen können nur bisherige Nobelpreisträger und das auch nur aus der jeweiligen Kategorie. Also kann es der Schröder-Unterstützer Grass auch nicht gewesen sein – der ist Literaturnobelpreisträger. Und damit wir gleich dem nächsten den Wind aus den Segeln nehmen. Es ist auch kein Wahlkampfgetöse, weil der Vorschlag schon Anfang Februar auf dem Tisch lag – lange, bevor mit einer Bundestagswahl im Herbst diesen Jahres überhaupt zu rechnen war.

  7. Der Chris 25. August 2005 · 12:00 Uhr

    @Oliver: Das stimmt nicht ganz, laut Wikipedia dürfen nicht nur bisherige Nobelpreisträger Kandidaten vorschlagen. Sondern: „neben den Mitgliedern der Kommission und früheren Preisträgern jedes Mitglied einer Regierung oder des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, sowie Professoren der Fachrichtungen Sozialwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Recht und Theologie und die Leiter von Friedensforschungsinstituten und ähnlichen Organisationen“. — Grüße!

  8. Sven Wallmann 25. August 2005 · 14:52 Uhr

    Warum wurde dieses Gerücht jetzt gestreut, wo Schröder laut Umfragen das Wasser bis zum Hals steht? Natürlich war die vorgezogene Neuwahl Anfang des Jahres noch nicht bekannt. Aber ein Nobelpreis knapp ein Jahr vor der regulären Wahl 2006 wäre doch nicht schlecht für Herrn Schröder und die SPD gewesen. Da die Wahl nun zu früh kommt, wird diese „Nominierung“ gestreut.
    Nach meiner Ansicht hat Willy Brandt den Friedensnobelpreis wirklich verdient. Bei Schröder sehe ich das nicht.

  9. berlinnil 25. August 2005 · 19:53 Uhr

    @Oliver Z., #1: Erst mal richtig lesen und nachdenken! Ich habe nicht von G. Grass gesprochen und das Zitat war eine Parabel. Hierbei handelt es sich um eine Begebenheit, deren Bedeutung der Leser durch Analogieschluss ermitteln muss. Das ist zugegeben nicht immer ganz einfach…

    Das Zeitungszitat könnte man auch so erklären: So wie ein Literaturnobelpreisträger ein Buch geschrieben haben sollte, sollte ein Friedensnobelpreisträger auch was mit Frieden zu tun haben. Falls Du immer noch an Grass denkst, einfach Literatur mit Physik oder Chemie austauschen. Funktioniert dann auch! Trust me!

    Im übrigen sind alle Bundestagsabgeordneten vorschlagsberechtigt und, wie man hört, auch sehr vorschlagsfreudig.

  10. berlinnil 25. August 2005 · 19:56 Uhr

    @Oliver Z., #2: Kein Wind, kein Segel? Aber wenigstens ein Eigentor!

    Wahlkampfgetöse ist durchaus plausibel: Vor dem 01.02.05 (Stichtag) hat K-.U. Benneter (vorschlagsberechtigt) G. Schröder in Oslo vorgeschlagen. Hintergedanke: Wenn’s klappt bekommt der Kanzler den Friedensnobelpreis im Dezember 2005 und kann dann im Wahljahr 2006 so richtig den Friedens-Kanzler machen.

    Dass das (terminlich) schief ging liegt ausnahmsweise mal nicht an Benneter.

    Aber so hast Du das mit dem Wahlkampfgetöse sicherlich nicht gemeint…

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.