Der ehemalige SPD-Spitzenpolitiker Peter Glotz ist gestern im Alter von 66 Jahren gestorben. Das bestätigte seine Frau heute der Nachrichtenagentur AFP. Glotz starb nach Informationen der „Bild“-Zeitung nach kurzer schwerer Krankheit in einem Züricher Krankenhaus.

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Er war lange Jahre ein streitbarer Sozialdemokrat und Vordenker und Visionär. Peter Glotz wurde am 6. März 1939 in Eger geboren. 1970 bis 1972 war Peter Glotz Abgeordneter des Landtags in Bayern und von 1972 bis 1977 und 1983 bis 1996 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Es folgten Ämter als parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Senator für Wissenschaft und Forschung in Berlin und Bundesgeschäftsführer der SPD.

1996 hat sich Peter Glotz von allen politischen Ämtern zurückgezogen und hat die Universität in Erfurt als deren Direktor und Kommunikationswissenschaftler aufgebaut. Danach setzte er seine wissenschaftliche Karriere am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen in der Schweiz bis 2003 fort.

In zahlreichen – auch von ihm als Gastgeber zuletzt gemeinsam mit Heiner Geißler moderierten – Fernsehtalkshows war er ein streitbarer Zeitgenosse, der immer den Blick über den tagespolitischen Tellerrand gewagt hat.

Peter Glotz ist Autor zahlreicher Bücher über Politik, Kommunikation und die Auswirkungen neuer Technologien auf die Gesellschaft.

Wir trauern um einen großen Mann und wichtigen Vordenker der Sozialdemokratie.


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4 Kommentare

  1. Oliver Zeisberger 26. August 2005 · 13:21 Uhr

    Soeben erhalte ich die Presseinformation mit der Würdigung von Peter Glotz durch Franz Müntefering – und kann mich nur anschliessen…

    Franz Müntefering zum Tode von Peter Glotz

    Der SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering würdigt den verstorbenen SPD-Politiker Professor Dr. Peter Glotz

    Die Deutsche Sozialdemokratie trauert um Peter Glotz, der gestern im Alter von 66 Jahren verstorben ist. Unser Mitgefühl gilt seiner Witwe und seinem kleinen Sohn.

    Peter Glotz war 44 Jahre Sozialdemokrat. Er war langjähriger Bundesgeschäftsführer bei Willy Brandt und Bundestagsabgeordneter.

    Das Lebenswerk von Peter Glotz ist beeindruckend: Er verband politische Leidenschaft mit Intellektualität. Er hat Wissenschaft in politische und gesellschaftliche Praxis übersetzt und umgekehrt. Er blieb dabei Politiker und verharrte nicht in der „reinen Lehre“. Zahlreiche öffentliche Debatten hat er angestoßen und ihnen eine Richtung gegeben. Als Herausgeber der Neuen Gesellschaft /Frankfurter Hefte hat er über Jahre für lebendige und fruchtbare Diskussionen gesorgt.

    Sein kritischer Geist und seine wache Aufmerksamkeit seiner Partei gegenüber werden uns sehr fehlen. Peter Glotz ist zu früh von uns gegangen, sein Andenken werden wir in Ehren halten.

  2. Benno 26. August 2005 · 14:45 Uhr

    Peter Glotz war wirklich ein brillanter Kopf. Er hat sich nie gescheut, auch mal anzuecken und unbequeme Wahrheiten auszusprechen – und gerade das hat ihn ausgezeichnet. Politiker von seinem Schlag gibt es leider viel zu selten. Ein echter Verlust!

  3. Sozialdemokrat für Oskar 27. August 2005 · 3:13 Uhr

    Mit tiefer Bestürzung und Trauer erfahre ich vom Tode eines engagierten Friedenspolitikers, der als einer der wenigen in der SPD die Kriegshetze und militärische Aktionen („peaceful bombing“) der Schröder-Fischer Clique verurteilte und für eine unbedingte friedliche Lösung von Konflikten eintrat.
    Aufrichtige Sozialdemokraten werden ihn deshalb in ehrenhafter Erinnerung behalten.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.