Trust_the_blogs.jpg

Nach dem Parteitag in Berlin gestern bin ich noch mit der gasamten NRW-Delegiertenschaft im Zug zurück nach NRW gefahren.Ich habe mit Leuten aus Köln gesprochen, aus Bonn, aus Hamm und weiß der Geier von wo sonst noch. Alle waren sich ziemlich einig: „Der Schröder sollte immer wahlkämpfen, da ist er einsame spitze.“ So, oder so ähnlich war eigentlich die Meinung im Zug. Dementsprechend euphorisisch und entspannt bin ich dann gestern auch nach einem 18-Stunden Arbeitstag ins Bett gesunken. Und so euphorisiert bin ich heute dann auch aufgewacht. Leider habe ich dann beim Kaffee den Fehler gemacht, eine der großen deutschen Tageszeitungen aufzuschlagen.
Seitdem Frage ich mich, ob manche Journalisten über eine etwas verzerrte Wahrnehmung verfügen. Zitat aus der Zeitung:

„Um es geradeheraus zu sagen: Der Berliner Wahlparteitag der SPD war über weite Strecken eine traurige Veranstaltung. (…) Ein fades Unterstützerwort reihte sich ans nächste. Kaum ein Funken Spannung lag über dem Saal, leere Mienen, matter Beifall und ein Kanzler dem phasenweise das Gesicht gefror prägten den Parteitag.“

Anscheinend gibt es Journalisten, die die gesamte Veranstaltung nur aus der Presselounge verfolgt haben, in der es nun wirklich sterbenslangweilig war. Ins Detail: Es gab drei (!) Unterstützergruppen, die sich vorgestellt haben. Diese waren so schnell wieder von der Bühne, dass ich mit dem Bloggen kaum nachkam. Und als bei der Initiative „Frauen für Schröder“ alle 104 Bundestags-Direktkandidatinnen der SPD auf die Bühne kamen, um dem Kanzler ihre Unterstützung zuzusichern gab es bereits in dieser frühen Phase des Parteitags stehende Ovationen für die frauenstärkste Partei der Republik.

Was den Kanzler angeht, dem angeblich das Gesicht gefror, habe ich den überhaupt noch nie so entspannt gesehen. Als er die DPA-Meldung von Kirchhof (Siehe Parteitagsberichterstattung) vorlas, tobte die Halle. Ganz abgesehen von dem zwölfminütigem Beifall für den Kanzler nach seiner Rede, bei dem immer wieder „Jetzt geht´s los“-Rufe aufgebrandet waren und die Leute mit den Füßen trampelten.

Gleiche Zeitung, anderer Artikel:

„Es gibt, als der Beifall für Schröder abgeebt ist, noch ein untrügliches Zeichen dafür, dass er den Wünschen der Delegierten Genüge getan hat. In Scharen verlassen sie den Saal, und das, obwohl jetzt der Parteivorsitzende zu reden beginnt.“

Nun, das ist jetzt simpel gesagt schlechte Recherche. Ein Blick in die Pressemappe, die jeder Pressemensch und Blogger bekommen haben sollte, hätte genügt, um rauszufinden, dass für die Rede des Kanzlers 35 Minuten angesetzt waren. Dieser hatte jedoch fast 1,5 Stunden geredet. Nach seiner Rede war eine halbstündige Pause eingeplant gewesen, die nun wegen der langen Redezeit spontan ausfiel. Dennoch ist ein Loch von zwei Minuten da gewesen, was die Delegierten und Gäste wohl für die angekündigte Pause gehalten haben und zum Essen aufgebrochen sind. Und ja, ich gebe es zu. Sie sind in Scharen zum Essen aufgebrochen. So musste unser Parteivorsitzender seine Rede leider vor halbleeren Rängen beginnen, die sich aber recht fix wieder mit kauenden Delegierten und Gästen füllten.

So, da ich mir meine gute Stimmung nicht weiter kaputt machen lassen will, werde ich heute mal einen zeitungsfreien Tag einlegen und mich freuen, in der großartigsten Partei der Welt zu sein.
Glaubt nicht immer alles, was ihr lest! Trust the Blogs!!!


Du kannst die Kommentare zu diesen Artikel durch den Kommentar-Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

12 Kommentare

  1. Sozialdemokrat für Oskar 1. September 2005 · 10:47 Uhr

    @ Thorsten

    Du schreibst: „Um es geradeheraus zu sagen: Der Berliner Wahlparteitag der SPD war über weite Strecken eine traurige Veranstaltung. (…) Ein fades Unterstützerwort reihte sich ans nächste. Kaum ein Funken Spannung lag über dem Saal, leere Mienen, matter Beifall und ein Kanzler dem phasenweise das Gesicht gefror prägten den Parteitag.“

    Dasselbe habe ich gestern schon prophezeit mit dem Ausdruck „DDR-Style-mäßige Politshow“.
    ;-)

  2. Nobbi 1. September 2005 · 11:09 Uhr

    Kindergarten schon wieder aus?

  3. Piranhase 1. September 2005 · 13:07 Uhr

    Oh, Oskar heute voll witzig!

  4. Bildungsfeind 1. September 2005 · 13:24 Uhr

    Hey Oskar!
    Die wollen usn hier nicht! Lass uns wo anders die Leute ärgern – die haben keinen Humor

  5. Jens - politikinside@blogg.de 1. September 2005 · 14:28 Uhr

    Schnuller@Oskar und Bildungsfeind

    Schon merkwürdig, die müssen echt auf einen anderen Parteitag gewesen sein. Andere Medienvertreter haben den Parteitag anders gesehen.

  6. Ra 1. September 2005 · 14:38 Uhr

    @Jens
    Wer denn?

  7. Sozialdemokrat für Oskar 1. September 2005 · 17:15 Uhr

    Wenn wir schon beim Thema Kindergarten und Schnuller sind, sollte man sich folgenden Schnappschuß zu Gemüte führen, in dem Gerds Reifegrad voll zur Geltung kommt ;-)

    http://www.rp-online.de/layout/showbilder/5432-184558_DEU_BB_VOLKSFEST_SCHROEDER_XFIN1024130a77f000d.jpg

  8. stefan 1. September 2005 · 17:54 Uhr

    hm, bis jetzt hieß es dont feed the troll SFO…
    jetzt schon dont feet the trolls…

    und.. öhm @ bildungsfeind…
    wenn du genauso verquerte meinungen hast wie sfo.. byebye! (mich würds nicht stören)

  9. Diego 1. September 2005 · 20:36 Uhr

    Die Presseleute haben doch absolut recht!

  10. Bildungsfeind 3. September 2005 · 7:25 Uhr

    Ihr werdet schon noch sehen, was ihr davon habt!!!!
    Ich lasse mich hier erstmal nicht blicken, das ist ja echt doof hier!!!
    Kindergarten aber wirklich! Ich hab schon was gefunden, wo die Leute mir zuhören!!!
    CDU gewinnt!
    und Tschüß!!!

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.