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Ich hoffe, ihr habt Zeit mitgebracht, denn dies wird ein langer Eintrag. Es gibt nämlich viel zu erzählen. Vorgestern war ich auf dem großen Wahlparteitag der SPD im Estrel Convention Centre in Berlin. Grandiose Veranstaltung. Unser Bundeskanzler hat eine sehr kämpferische Rede gehalten, welche die 2.500 bis 3.000 Delegierten, Gäste und mich auf den Restwahlkampf bis zum 18. September eingestimmt hat.

Aber ich fange schon wieder hinten an. Der Tag begann um 5.30 mit dem nicht gerade entspannenden Klingeln meines Weckers. Um 6.09 Uhr ging der Zug von Münster nach Hamm, wo ich dann im InterCity auf die gesamte Delegiertenschaft aus NRW traf. Ich weiß nicht, wie es bei den anderen war, aber bei mir stellte sich sofort eine Art „Klassenfahrtsfeeling“ ein, das mich bis zum Ende des Tages nicht mehr verlassen sollte.
In Berlin angekommen, wurden wir mit drei Reisebussen zum Convention Centre gefahren. Dort brachen dann alle Dämme. Durch die strengen Sicherheitskontrollen (schließlich sprachen ja der 2. (Thierse) und der 3. (Schröder) Mann im Staat, außerdem waren ja noch Ministerpräsidenten und SPD-Parteigrößen da) kam es zu langen Schlangen vor dem Eingang.

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Felder voller Delegierter

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Klassenfahrtsfeeling

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Polizeiparade

Zum Glück lernte ich in der Schlange Nico Lumma von Blogg.de kennen, den ich durch das Internet schon kannte, aber noch nie im echten Leben kennengelernt hatte. So war die Wartezeit zwar lang aber informativ.

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Eingang zum Parteitag

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Lange Schlangen bei den Sicherheitskontrollen

Als ich schließlich endlich drin war und mich auch noch als „etablierter Blogger“ akkreditiert hatte, ging es darum auf der Pressetribüne einen Platz zu finden. Und hier muss ich die Bundes-SPD mal rügen. Die Herren und Damen von der schreibenden und fernsehproduzierenden Presse hatten feste Plätze mit Namensschildern zugewiesen bekommen. Wir Blogger hingegen sollten uns „irgendwo hinsetzen, wo Platz ist.“ Nur war da natürlich kein Platz mehr ohne Namensschild. Als Menschen, die sich vorgenommen haben, die Medien zu revolutionieren, haben wir Blogger da allerdings keine Probleme mit und haben uns dann tatsächlich einfach irgendwo hingesetzt, wo zwar Zettel mit Namen lagen, aber eben noch keine Journalisten saßen. Diese Handtuch-auf-die-Poolliege-legen-Mentalität ist ab jetzt Geschichte. Deshalb: Es tut mir Leid für Stefan S. vom Kölner Stadtanzeiger, aber du musstest dir wohl einen anderen Platz suchen. Ich hatte schließlich Leute zu informieren.

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Sorry Stefan S. vom Kölner Stadtanzeiger, das ist jetzt mein Platz

Die nächste Stunde habe ich dann damit verbracht, mein Internet zum Laufen zu kriegen. Deshalb hatte ich auch leider keine Zeit, die anderen Blogger näher kennen zu lernen, die auch noch da waren. Den Rest des Parteitages lief ich nämlich dieser Stunde hinterher und kam zu nichts mehr.

Na gut, das stimmt nicht ganz. Ich kam noch dazu, mich aufzuregen. Christian Hochhuth vom Team von wahlblog05.de hatte nämlich sein eigenes Fernsehteam von den „RTL2-News“ dabei. Sorry, aber wir Blogger sollten über das Interessante am Parteitag berichten und nicht selbst zur Nachricht werden. Eigentlich schade, denn der Junge machte zuerst einen ganz netten Eindruck. Nico Lumma brachte es in seinem Blog auf den Punkt:

Später sah ich Christian immer nur mit Kameramann im Schlepptau und fand es schon erstaunlich, was für ein Geltungsbedürfnis Leute haben müssen und wollte ihm schon zurufen: „ist ja okay, dass Du hier bloggst, musst ja nicht gleich Deinen eigenen Kameramann mitbringen“, hoffte aber insgeheim, dass wäre für ein interessantes Projekt, eine Doku oder so.
Später wurde mir offenbart, dass das für RTL2 Action News war…

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Der RTL2-Action-News-Blogger Christian

Zum Parteitag selbst will ich drei Dinge besonders herausgreifen, weil es sonst den Rahmen sprengen würde:
Oberster Höhepunkt war sicher die Rede von Gerhard Schröder. Man merkte, er will diese Wahl unbedingt noch gewinnen. Der Saal tobte, als er eine dpa-Meldung vorlas, in der es darum ging, dass sich der Schattenfinanzminister von Merkel von seiner eigenen Partei vorrechnen lassen musste, dass er sein eigenes Konzept falsch verstanden hatte. In der Meldung stand sinngemäß, dass Kirchhof vorgerechnet hatte, dass nach seinem Modell eine Sekretärin mit einem Jahresverdienst von 40.000 Euro (in welcher Traumwelt lebt der Kirchhof eigentlich?) 4.000 Euro Steuern zahlen muss. Seine CDU-Leute haben ihn dann berichtigt, dass sie nach dem Modell 6.750 Euro Steuern bezahlen müsste. Er hat den Fehlbetrag damit begründet, dass er eine Durchschnittssekretärin zu Grunde gelegt hatte. Diese hätte 1.3 Kinder(!) und wäre zu einem gewissen Prozentsatz verheiratet. Soviel zum Realitätsverständnis des Schattenfinanzministers.

Für mich persönlich war sehr wichtig, dass es Franz Müntefering nach seinem Schwächeanfall in Homburg wieder besser geht. Ich, der ich einst mein Parteibuch aus seinen Händen empfangen habe, hoffe, dass ich noch viele Jahre mit ihm als wichtigen Teil der SPD vor mir habe.

Ich will diese ersten beiden Höhepunkte nicht abwerten, aber unvergessen wird mir auch ein Dialog mit Oliver von der Agentur barracuda bleiben:

Er: „Und gleich kommt noch Roland Kaiser.“
Ich: „Du verarscht mich!“
Er: „Nein!“
Ich: „Du verarscht mich!“
Er: „NEIN! Gleich spricht Roland Kaiser.“
Ich: „Das heißt er singt nicht?“
Er: „Nein, er singt nicht.“
Ich: „Dann geht´s ja.“

Roland Kaiser habe ich dann tatsächlich verpasst, denn die Veranstaltung war angesetzt bis 16.00 Uhr, die Busse der Leute aus NRW zum Bahnhof fuhren jedoch schon um 15.50 Uhr. Das war einfach nicht anders zu planen.
Auf der Rückfahrt waren viele der Meinung, „der Gerd sollte immer wahlkämpfen.“
Müde, aber euphorisiert fiel ich dann sehr spät ins Bett. Um es mit Kerstin Griese zu sagen: Wir kämpfen!

Was ich heute gelernt habe:
Alle anderen Blogger tragen T-Shirts von ihren Blogs, ich habe nur ein Pappschild gehabt (das ich aber lieber eingepackt gelassen habe); Blogger müssen noch für Sitzplätze kämpfen; ich will nie ein „RTL2-Action-News-Blogger“ werden; Berlin ist an manchen Stellen wunderschön und an anderen ziemlich hässlich; es gibt sie wirklich, die Presseleute, die nach einer Rede mitstoppen, wie lange geklatscht wird (Unfassbar!)

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Na, wie lange wird geklatscht? Es waren 12(!!!) Minuten

P.S.: Warum bloggen eigentlich auf politischen Veranstaltungen nur Jungs. Mädels, es wird Zeit.

Das ganze Weblog von Der_Praktikant findet ihr hier.

Weitere Eindrücke aus Berlin:

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Plakat der Linkspartei in Berlin

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Schröder lässt sich feiern

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Das Fernsehteam des französischen Senders TV2

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Auch in den hinteren Reihen saß keiner mehr nach der Rede von Gerhard Schröder

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Der Friedenskanzler


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8 Kommentare

  1. Roter Baron 2. September 2005 · 22:10 Uhr

    Hey Du Schmierwurst ;-)
    Ein super Bericht! Klasse, dass ihr dabei gewesen seid! Habe es mir von Bekannten auch erzählen lassen – muss ja wirklich toll gewesen sein.
    Wollte übrigens mal Eure Arbeit ganz „doll“ loben :-)

    Beste Grüße
    RoterBaron http://www.keinschwarzesdeutschland.blog.de

  2. Sozialdemokrat für Oskar 2. September 2005 · 23:18 Uhr

    Von wegen Schröder sei „Friedenskanzler“. . .

    Wir von der Friedensbewegung nehmen entschieden Stellung gegen diesen selbsternannten „Friedenskanzler“, der in Wirklichkeit der erste Kriegskanzler seit Hitler ist.

    Daher rufen wir Aktivistinnen und Aktivisten aus der Friedenbewegung dazu auf, sich aktiv in den Wahlkampf einzumischen, um klarzumachen, daß Schröder alles andere als ein Friedenskanzler ist:

    Vor drei Jahren hat Rot-Grün die Wahl gewonnen, weil Schröder sich als „Friedenskanzler“ positionieren konnte. Rot-Grün hat aber die Kriegspolitik, die es mit der deutschen Unterstützung für die Bombardierung Serbiens und Afghanistans begonnen hat, fortgesetzt. Schwarz-Gelb ist glücklich über diese Vorarbeit. Die Gegner des Krieges brauchen im Bundestag laute Stimmen.

    Jede Stimme links von Rot-Grün-Schwarz-Gelb ist eine Stimme gegen Krieg. Wir rufen dazu auf, im Wahlkampf aktiv werden und links zu wählen. Wir arbeiten im Wahlkampf zusammen mit den Parteien und Personen, die Alternativen zur jetzigen Kriegspolitik anbieten.

    Liebe Leser und Leserinnen, bitte unterzeichnet auch den Friedensaufruf auf folgender Webseite:

    http://www.aktiv-gegen-krieg.de/

  3. Anna-Lena 3. September 2005 · 7:20 Uhr

    Willst uns wohl verarschen Oskar, was?
    Du bist doch einer von der CDUCSU, Du willst doch Krieg! Du Kämpfst gegen Schwule (hast Du selber gesagt) und andere soziale Einrichtungen.
    Kriegstreiber, Kriegstreiber!!!!

  4. Sozialdemokrat für Oskar 3. September 2005 · 12:14 Uhr

    [von Thorsten vom Onlineteam der NRWSPD gelöscht wegen wiederholten diskriminierenden Äußerungen gegenüber Homosexuellen]

  5. Thorsten - blog.nrwspd.de 3. September 2005 · 12:16 Uhr

    @ roter baron
    Selber Schmierwurst,
    danke, danke, danke,
    übrigens schön, dass du das Bild in deinem Blog gegen das mit Peer eingetauscht hast. Ist authentischer. Ansonsten macht sich dein Blog auch schon richtig gut. Übrigens: Laut Printausgabe SZ hat die SPD letzte Woche 6% aufgeholt. (SPD 34% +4; CDU 42% -2)
    Kein schwarzes Deutschland!!! Wir kämpfen!!

  6. Jens - politikinside@blogg.de 3. September 2005 · 13:16 Uhr

    @Oskar *Lolligeb*

    Eigentlich will ich dich net füttern (Don´t feed the troll), aber so kann man dein Geschmiere nicht stehenlassen.

    Das einzigste was abartig ist, ist deine Intolleranz gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen. Heteros knutschen auch auf der Straße rum und dann dürfen das Schwule auch.

    Schröder kann man als Friedenskanzler bezeichnen da er sich gegen eine direkte Beteiligung und gegen den Irak-Krieg ausgesprochen hat. Allerdings sehe ich z.B. die Überflugrechte von US-Jets während es Irak-Krieges für kritisch. Und dies wird durch die Entscheidung der Bundesrichter unterstrichen, die auch dies als Beteiligung sehen.

    Die EU-Verfassung wird nicht nur durch Deutschland bestimmt, sondern auch von den anderen Mitgliedsstaaten.

  7. Sozialdemokrat für Oskar 3. September 2005 · 15:33 Uhr

    @ Thorsten

    Jetzt laß doch mal die Kirche im Dorf, Junge:
    Ich habe lediglich berechtigte Kritik gegen anstößiges Verhalten von Homosexuellen in der Öffentlichkeit geübt. Wenn Du dies als „diskriminierend“ bezeichnest, dann tust Du mir leid. Und wenn Du schon glaubst, meine Meinung zensieren zu müssen, dann brauchst Du doch nicht nach dem tabula rasa Prinzip vorzugehen und den Rest meines Kommentars löschen.

    So, und nun zurück zum Thema, welches Anna-Lena ansprach:

    Werte Genossin, die von Dir erwähnten rot-grünen Kriegstreiber basteln hemmungslos an der Militarisierung Europas:

    Die Politik der SPD-Spitzen ist derzeit treibende Kraft für ein militarisiertes Europa. Wußtest Du, daß der – Gottlob erst einmal auf Eis gelegte – Entwurf zu einem europäischen Verfassungsvertrag:

    · eine Aufrüstungsverpflichtung für alle Mitgliedsstaaten enthält (Art. I-41,3) und damit die erste „Verfassung“ der gesamten Geschichte wäre, die eine fortschreitende Militarisierung festschreibt?

    · ein Amt für die Umsetzung der Aufrüstung vorsieht (Art. I-41,3), aber keine vergleichbare, vom Militär unabhängige Einrichtung & Budgets für intelligente zivile Konfliktbearbeitung und gewaltfreie Krisenprävention?

    · ein militärisches Kerneuropa vorsieht (III-312), wozu Deutschland gehören würde?

    · Kampfeinsätze der EU-Truppen ohne jede territoriale Begrenzung möglich macht und sogar sogenannte „Abrüstungskriege“ (II-309,1)?

    · Entscheidungen über Militärinterventionen bzw. Kriegsführung dem Ministerrat der EU überträgt (Art. I-41, 4+5)?

    · den Parlamenten Entscheidungsbefugnis und Kontrolle über Außenpolitik und Militäreinsätze entzieht – stattdessen nur ein vages Anfrage- und Info rmationsrecht der Europa-Parlaments nennt (Art. I-41,8 und II-304,2)?

    · nicht einmal eine Kontrolle der militärischen Außenpolitik des EU-Ministerrats durch den Europäischen Gerichtshof ermöglicht? (Art. III-376)

    · sich nirgends im Klartext zur völkerrechtlichen Ächtung des Angriffskrieges bekennt und stattdessen vieldeutig von einer „Weiterentwicklung des Völkerrechts“ spricht?

    Das alles wäre nach der so friedliebend klingenden Präambel nicht zu erwarten gewesen. Absurderweise wird oft mit der zerstörerischen Militärstärke-Politik der US-Administration argumentiert, der etwas entgegengesetzt werden müsse. Man denkt bei Alternativen nur noch an neue Militärpole, an einen Abklatsch gescheiterter Programme der Vergangenheit. Die „humanitäre Rhetorik“ ist stets eingebettet in das Militärressort und regionale Interessenspolitik.

    Wenn Du mehr über die Kriegsparteien SPD/Grüne erfahren möchtest, so kannst Du im folgenden Link Details in Erfahrung bringen:

    http://www.duesseldorfersozialforum.de/Berichte/Friedensaktionen4.htm

    Die Linkspartei setzt sich als einzige Partei für die Beendigung aller Kriegseinsätze der Bundeswehr ein, und fordert, daß alle Truppen aus dem Ausland zurück nach Deutschland geholt werden.

    Wer statt Krieg den Frieden will, wählt die Linkspartei!

  8. Anna-Lena 3. September 2005 · 19:16 Uhr

    @ Oskar:
    Doof abgeschrieben. Trotzdem nichts gelernt.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.