001Schroeder_Dortmund_ich.jpg
Der_Praktikant a. D. in Dortmund

Besser kann man sich das gar nicht mehr wünschen. Binnen 72 Stunden kommt der Kanzler in gleich beide Städte, die ich Heimat nenne. Die eine, Dortmund, ist die Stadt in der ich geboren wurde, aufgewachsen bin und an der mein Herz hängt. Die andere, Münster, ist meine Wahlheimat, in der ich lebe und eine der schönsten Städte der Welt. (Gleichzeitig die lebenswerteste Stadt der Welt)
Ein Tourplan, als wäre er für mich gemacht. (OK, ich habe hier Bonn ausgelassen, aber da konnte ich leider nicht hin. Bonn ist aber bestimmt auch schön!)

Ihr seid es ja sicherlich bereits gewohnt, dass mir immer alles schief geht. Was immer das Schlimmste ist, was in einer Situation schief gehen kann. Mir geht es schief. Entweder hat mich irgendjemand vergessen, oder ich komme aus irgendwelchen Gründen zu spät, oder aber das Internet funktioniert nicht und ich kann nicht bloggen. Aber diesmal: Nichts! Alles lief glatt. Nicht eine Kleinigkeit ging schief. Ich hatte Strom, das Internet funktionierte, die Sonne schien und der Kanzler war pünktlich. Alles in allem ein perfekter Tag.

002Schroeder_Dortmund_Overview.jpg

Vor 8.500 Zuschauern verbrachten wir eine wundervolle Veranstaltung in der „Herzkammer der Sozialdemokratie“. Zu Beginn spielte Robin Grubert mit seiner „Band“, die aus einem Mann bestand. Es gehört jede Menge Schneid dazu, sich nur mit zwei Gitarren und zwei Mikrophonen bewaffnet vor eine Menschenmasse aus 8.500 Leuten zu setzen und ruhige Songs zu spielen. Aber die beiden machten das super. Deshalb meine Empfehlung die Internetseite www.robingrubert.de/

003Schroeder_Dortmund_Grubert.jpg
Robin Grubert und „Band

Als der Auftritt bereits zu Ende war und die beiden bereits ihre von der Menge geforderte Zugabe gespielt hatten, scheuchte sie ein Mann hinter der Bühne noch einmal zurück nach vorne. Sichtlich irritiert kamen die beiden zurück. „So, ab jetzt gehören wir wohl auch zu den Bands, die ihren Zuschauern Zugaben aufdrängen, aber die Leute hinter der Bühne brauchen wohl noch ein paar Minuten.“ Wunderbar.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt sprach uns eine Frau an, was wir denn mit dem Computer machen würden. Es stellte sich heraus, dass die Frau Claudia Werner hieß und Lehrerin an der Johann-Gutenberg Realschule in Dortmund war, was auch die Mädchen in ihrem Schlepptau erklärte. Für einen Medienkurs hatte die Lehrerin Nachwuchsreporterinnen ausgebildet, die jetzt wuselig bei der Arbeit waren. Als Leute mit „Connections“ zur veranstaltenden Partei besorgten wir ihr daraufhin ein paar Interviewpartner. So schaute unter anderem NRWSPD-Generalsekretär Michael Groschek vorbei. Wenn es dem Nachwuchs dient, helfen wir doch gerne. ;-)

004Schroeder_Dortmund_Nachwuchs.jpg

005Schroeder_Dortmund_Interview.jpg
Für den Nachwuchs immer ein offenes Ohr: NRWSPD-Generalsekretär Mike Groschek

006Schroeder_Dortmund_Nachwuchs.jpg
Der Nachwuchs mit Lehrerin Claudia Werner

006Schroeder_Dortmund_Nachwuchs02.jpg

Schließlich kam dann der große Augenblick, als Gerhard Schröder vom Rathaus her den Friedensplatz betrat. Bergleute standen für den Kanzler Spalier, der diese freundlich begrüßte. Von da an brachen alle Dämme. Gerhard nahm das, was man „ein Bad in der Menge“ nennt. Aber in dieser Art und Weise hatte ich das auch noch nicht erlebt. (Außer vielleicht im Fernsehen bei Boygroups)
Egal, was die Zeitungen immer über Politikverdrossenheit schreiben, was sich da auf dem Friedensplatz abgespielt hat, straft alle diese Artikel lügen. Dass der Kanzler da überhaupt lebend wieder herausgekommen ist, wundert mich noch immer. Und er hat es sichtlich genossen. Das war der Gerhard Schröder, den wir brauchen und mit dem wir die Wahl am 18. September gewinnen werden.

007Schroeder_Dortmund_Spalier.jpg
Bergleute stehen Spalier

Auf der Bühne angekommen, feierten ihn die 8.500 noch bevor er auch nur einen Ton gesagt hatte. Dortmunds Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer und NRWSPD Parteivorsitzender Jochen Dieckmann sprachen einige Grußworte und dann kam der Auftritt des Kanzlers.

008Schroeder_Dortmund_Mutistlinks.jpg

009Schroeder_Dortmund_Maedels.jpg

010Schroeder_Dortmund_Wiefelspuetz.jpg

011Schroeder_Dortmund_Langemeyer.jpg
Dortmunds Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer

Er sprach zunächst über Energiepolitik und über den Erhalt der Förderung von Kohle in Deutschland:
Schröder: „Das Setzen auf eine eigene sichere Energiequelle ist doch kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Und es wäre fahrlässig, in Zukunft darauf zu verzichten.“

Dann senkte er die Stimme, denn es war Zeit, über „diesen Professor aus Heidelberg da“ zu reden, womit selbstverständlich Merkels Schattenfinanzminister Kirchhof gemeint war.
Dieser habe geasagt, er wolle die Altervorsorge wie ein KFZ-Versicherung organisieren.
Schröder: „Menschen behandelt man nicht wie Sachen. Zieht den aus dem Verkehr. der mag ja vielleicht ein ganz guter Jurist sein, aber von der Lebenswirklichkeit hat der keine Ahnung.“
Das abschließende Thema war die Europäische Union.
Er wisse, dass „Ängste herrschen“, vor Lohndumping oder Verlagerung von Arbeitsplätzen. Aber:
Schröder: Europa ist ein Kontinent, der im letzten Jahrhundert zerissen wurde von Kriegen. Wir sind es unseren Kindern schuldig, dass wir die historische Chance nutzen, damit nie wieder Krieg auf diesem Kontinent herrscht.
(…)
Lohndumping wird es mit uns nicht geben. Dagegen werden wir kämpfen, wo immer wir es antreffen, aber die Chance zur Einigung Europas zu verpassen wäre dumm.“

012Schroeder_Dortmund_Rede.jpg
Der Kanzler: Minutenlang gefeiert

Mir persönlich wird noch eine besondere Stelle in der Rede in Erinnerung bleiben. Denn im Genesatz zu den USA sind wir „das Land, das es gelernt hat, Konflikte auf friedliche Art und Weise zu lösen“ und unsere Wirtschaftskraft für den Frieden zu nutzen. Die Frage ist halt nur, ob das unter Merkel auch so wäre, die George W. Bush blind in einen Krieg im Irak gefolgt wäre.
Dann bedankte sich Schröder für die Aufmerksamkeit und wurde von den 8.500 Gästen minutenlang gefeiert.

013Schroeder_Dortmund_Gruppenbild.jpg

Kurz danach saß das gesamte anwesende Onlineteam auf der Treppe des Rathauses und grübelte über das eben erlebte nach. Ulla Burchart kam zu uns, ihres Zeichens Mitglied des Bundestages für einen der beiden Dortmunder Wahlkreise und sprach ein paar Minuten mit uns. „Das ist der beste Kanzeler Schröder, den wir je hatten.“ Recht hat sie. Hoffentlich bleibt er es noch ein paar Jahre.

Was ich heute gelernt habe:
Man muss den Nachwuchs fördern, damit man irgendwann Praktikanten zum rumschubsen und Kaffee kochen hat (nicht, dass ich jemals rumgeschubst worden wäre, oder unfreiwillig Kaffee gekocht hätte); Ulla Burchart ist genauso nett, wie sie auf den Plakaten rüberkommt; man muss nur nett zu den Leuten vom Onlineteam sein, dann darf man auch den Generalsekretär interviewen

Das ganze Weblog von Der_Praktikant a. D. findet ihr unter derpraktikant.blogg.de


Du kannst die Kommentare zu diesen Artikel durch den Kommentar-Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

3 Kommentare

  1. Jens - politikinside.blogg.de 14. September 2005 · 0:58 Uhr

    Na irgendwann muss ja mal was perfekt laufen ;-) Dafür hatte ich irgendwie am Montag nen schlechten Tag erwischt: 1. Notebook schrott (hat den Geist aufgegeben) 2. Meinen Zug verpasst 3.) Die meisten Pics, die ich von Gerd gemacht habe in Münster sind für die Tonne 4.) Gestern abend wollte ich noch einen Artikel schreiben und online stellen, konnte es aber vergessen, weil mein DSL-Modem auch noch den Geist augegeben hat *arghhhh*

  2. Anneliese 16. September 2005 · 19:43 Uhr

    War erstmals auf einer „Blogseite, interessant, mal eine ganz andere berichterstattung. Du musst in Dortmund ganz in meiner Nähe gesessen haben. Übrigens die blonde Abgeordnete in roter Jacke war unsere Christel Humme MdB aus dem EN-Kreis. Also weiter so!!!!
    Wir kämpfen!!!!!!!

  3. Jens - politikinside@blogg.de 17. September 2005 · 23:38 Uhr

    @Anne Blogs können eine echte Alternative zur normalen Berichterstattung sein, auch wenn dies einige anders sehen. Aber gerade derzeit haben die Blogs einen echten Boom erlebt.

    Na dann drücken wir euer/unserer Christel mal die Daumen, damit sie ihren Wahlkreis auch wieder für unsere gute alte SPD erringen kann.

    Ich denke in NRW stehen die Chancen nicht schlecht, denn die Leute merken langsam dass Schwarz-Gelb in NRW die falsche Wahl war.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.