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Wenn der Kanzler in der Stadt ist, in der man wohnt, bleibt es natürlich nicht aus, dass man bei so einer Veranstaltung Leute trifft, die man kennt. So ging es mir natürlich auch. So traf ich im Pressegraben bei idealem Kanzlerwetter zwei Leute vom Campusradio für Münster „Radio Q“, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Die hatten ihre Mikrophone dabei und wollten natürlich über die Veranstaltung in Radio berichten. Überhaupt traf ich recht viele Leute. Es ist spannend, wie viel man plötzlich neu zu bereden hat, wenn man feststellt, dass man Anhänger (nicht unbedingt Mitglied) der gleichen Partei ist, oder sich zumindest für diese interessiert.

Zur Veranstaltung:

Schon frühzeitig lungerte ich wieder auf dem Gelände herum, um noch ein paar Fotos zu machen. Es ist immer wieder spannend, was alles so um eine solche Veranstaltung angeboten wird. Die Jusos boten „Klettern am sozialen Netz“ an. Die IGBCE war sowohl mit einem Oldtimer, als auch mit Infoständen vertreten und es gab sogar eine Dönerbude und den „Brezel-Fred“. Da wird echt für alles gesorgt.

Bilder vom „Herumlungern“:
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Ruhe vor dem Sturm?

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SOgar eine Dönerbude war da: Da kann man nicht meckern

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Der Kamerakran für Bilder aus der Luft

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Der IGBCE-Oldtimer

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Schließlich ging ich zum Presseeinlass und holte mir meine Einlasskarte. Der Sicherheitsmann, der mich abtasten sollte, nahm seinen Job meiner Ansicht nach etwas zu ernst. Nicht nur, dass der gute Mann für meine Begriffe ein bisschen zu genau an meinem Körper nach Waffen suchte, er ließ mich auch mit meiner Digitalkamera ein Bild vom Boden schießen, um zu beweisen, dass ich in ihr keine Waffe versteckt hatte. Na ja, der Kanzler war bei dem Mann jedenfalls in guten Händen. À propos Sicherheitsleute, ich finde es echt grandios, wie böse die gucken. Egal, ob die jetzt die persönlichen Leibwächter des Kanzlers sind, oder nur einen Baum bewachen, die schauen einen immer an, als hätte man irgendetwas ausgefressen.

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Der Presseeingang: Die nehmen ihren Job ein wenig zu ernst

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Weltexklusiv: Das Bild mit dem ich bewiesen habe, dass in meiner Kamera keine Waffe eingebaut ist

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Böse guckender Sicherheitsmann bewacht einen Baum

Die Veranstaltung selbst begann nach einer Anmoderation von DSF-Fußballguru Frank Buschmann mit der Band „Jazzkantine“, die einen leider sehr kurzen Auftritt absolvierten.

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Die Jazzkantine: Leider viel zu kurz

Dann kam Roland Kaiser, den ich im Pressegraben sogar mal ganz aus der Nähe sehen durfte. Mein Gott ist der Mann braun. Roland Kaiser hat es sich als Münsteraner dann auch nicht nehmen lassen, Gerhard Schröder auf der Bühne seine Unterstützung zuzusagen. Immerhin hat er wieder nicht gesungen.

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Roland Kaiser (Mitte) unterstützt Gerhard Schröder

Als nächstes kündigte Frank Buschmann den „Franz Müntefering von Frankreich“ an.
Jean-Marc Ayrault betrat die Bühne und versicherte mit einwandfreiem Deutsch, dass er Schröder für den richtigen Mann halte, Deutschland zu führen. Ich habe dann mal nach Ayrault recherchiert. Er ist quasi der Fraktionsvorsitzende der Sozialisten in der Nationalversammlung von Frankreich und gleichzeitig Bürgermeister von Nantes. Sein sehr gutes Deutsch erklärt sich übrigens aus der Tatsache, dass er Deutschlehrer ist. (Nur für diejenigen, die sich auf dem Domplatz genauso gefragt haben wie ich, was der „Franz Müntefering Frankreichs“ überhaupt macht)

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Jean-Marc Ayrault, Jochen Dieckmann, Gerhard Schröder

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Der Kanzler bei seinem EInzug auf dem Domplatz

Dann kam der Kanzler. Weil ich Fotos gemacht habe, kann ich diesmal nicht ganz genau sagen, was er alles gesagt hat. Im Groben war es die Rede, die ich in Dortmund bereits so ähnlich gehört hatte. Man kann nach den paar Tagen auch nicht erwarten, dass er etwas völlig anderes zu berichten hatte. Aber es waren doch so viele Dinge in der Rede anders, dass es selbst für mich nicht langweilig war.
Den meisten Applaus bekam er natürlich wieder bei dem Thema „Professor aus Heidelberg“, für den er auch wieder einen neuen Vergleich hatte. Kirchhof hätte sich darüber beschwert, dass Schröder in kritisiert. Trotzdem wolle er Finanzminister werden. Schröders Antwort: „Wenn einem in der Küche zu heiß ist, dann darf man doch nicht Koch werden.“
Fernduell gegen Kirchhof zumindest hier in Münster klar gewonnen.
Die 12.000 Leute auf dem Domplatz klatschten und johlten.

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„Wenn einem in der Küche zu heiß ist, dann darf man doch nicht Koch werden.“

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Die 12.000 auf dem Domplatz in Münster

Das ZDF sendete zwei Mal live von unserer Veranstaltung. Die haben eine Art Bundesligakonferenz mit politischen Veranstaltungen gemacht. Das erkannte man immer daran, dass an der Bühne ganz viele Lichter angingen, die das Publikum ausgeleuchtet haben. (Es hat auch Nachteile vorne im Pressegraben zu stehen, es war nämlich unfassbar warm.) Und an einer zweiten Sache konnte man erkennen, dass gerade live gesendet wurde. Die Leute vom ZDF, die die ganze Zeit einen ruhigen Tag verbracht hatten, wurden auf einmal unglaublich hektisch und der Moderator vom ZDF, der noch vor einer Minute ein kleines unscheinbares Männchen war, strahlte plötzlich Autorität aus. Das habe ich so auch noch nicht gesehen.

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Das ZDF

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Die Übertragungsfernseher des ZDF (Links:gerade eben; Rechts: Jetzt)

Einen habe ich noch vergessen. Unseren Münsteraner Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer. Der war mit drei andern Bundestagsabgeordneten und –kandidaten später auch auf der Bühne. Zunächst saß er in der ersten Reihe und ist ja, wann immer ich ihn sehe, unter besonderer Beobachtung. Mein „Strässer-Moment des Tages“war, als der Kanzler den Domplatz betrat. Strässer wirkte nämlich ein wenig nervös und richtete sich die Krawatte. Dann ging er aber mit dem Kanzler auf die Bühne und feierte gemeinsam mit uns den aktuellen und kommenden Bundeskanzler Gerhard Schröder.

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Christoph Strässer: Ganz der Profi

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Christoph Strässer: Schick machen für den Kanzler

Fazit der Veranstaltung:
Ich habe vor einiger Zeit, es war noch im Landtagswahlkampf, Angela Merkel in Münster erlebt. Deshalb weiß ich auch, wie gemein diese Stadt zu einem Politiker sein kann. Es gab diesmal praktisch keine Proteste. Das heißt, das ist nicht ganz richtig. Die ortsansässige Junge Union hatte ein paar Jungs mit Plakaten angeschleppt, die sich ziemlich nach vorne gedrängelt hatten. Aber es waren haufenweise Gewerkschafter der IGBCE unter anderem aus Ibbenbüren da, die sich einfach friedlich mit ihren wehenden Fahnen vor die Plakate gestellt haben, so dass man die gar nicht mehr gesehen hat. Ach ja, eine Trillerpfeife gab es auch noch. Hat zumindest eine Freundin von mir behauptet. „Aber die stand da ganz hinten auf dem Prinzipalmarkt, weil es so voll war.“

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Die Protestaktion der Jungen Union (Irgendwo hinter den IGBCE-Fahnen)

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Der Nachwuchs (gleich gibt es einen mit dem Ellenbogen)

Was ich heute gelernt habe:
Schön, dass der Kanzler einen Mal zu Hause besucht, dann muss ich nicht immer so weit fahren; als „seriöser Journalist“ darf man im Pressegraben nicht für den Kanzler klatschen (gibt ganz böse Blicke der anderen Journalisten); Fotografen kennen keine Gnade, auch nicht beim Nachwuchs (ein Fotograf schubste einen Schüler, der für seine Schule da war, recht unsanft bei Seite, als der Kanzler kam)

P.S.: Das es „nur“ 12.000 Besucher gewesen sein sollen, glaube ich keine Sekunde. Die Leute standen wirklich bis hinten zum Prinzipalmarkt. Und da ist eine Menge Platz. Hier noch zwei Bilder aus der Menge, die eine Freundin gemacht hat.
Das ganze Weblog von Der_Praktikant a. D. findet ihr unter derpraktikant.blogg.de

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10 Kommentare

  1. Jens 14. September 2005 · 23:08 Uhr

    Unter der verlinkten Adresse gibt es auch ein paar Bilder.

  2. Jens - politikinside.blogg.de 15. September 2005 · 0:35 Uhr

    Es gab 2 Typen von Sicherheitsleuten: Die ihre Aufgabe zu ernstnahmen und dann die halt normal waren. Ich bin natürlich an einen aus der ersten Gruppe geraten, der hat mich von oben bist unten abgetastet, lustig fand ich ja als er meine rechte Hosentasche abgetastet hatte, ohne zu wissen was in der Tasche ist, sagte er: Nen MP3-Player *g*

    Und der Mann hatte recht ;-) War mein kleiner USB-Stick, mit dem Kampagnensong drauf ;-D

    Was mich angenervt hat, war dass der mit meine kleine Flasche Wasser abgenommen hatte – Über 2 Stunden hatte ich nix zu trinken.

  3. Sozialdemokrat für Oskar 15. September 2005 · 12:31 Uhr

    @ Jens

    Du klagst: „Was mich angenervt hat, war dass der mit meine kleine Flasche Wasser abgenommen hatte – Über 2 Stunden hatte ich nix zu trinken.“

    Ach, Du armes Würstchen! Zwei ganze Stunden ohne einen Tropfen Alk müssen echt traumatisch für Dich gewesen sein :(

    Aber jetzt mal im Ernst:
    Hat Deine Flasche „Wasser“ etwa so ausgesehen?
    http://www.polizei.schleswig-holstein.de/wir/images/molotow.jpg

  4. Sozialdemokrat für Oskar 15. September 2005 · 12:33 Uhr

    @ Jens

    Du klagst: „Was mich angenervt hat, war dass der mit meine kleine Flasche Wasser abgenommen hatte – Über 2 Stunden hatte ich nix zu trinken.“

    Ach, Du armes Würstchen! Zwei ganze Stunden ohne einen Tropfen Alk müssen echt traumatisch für Dich gewesen sein :(

    Aber jetzt mal im Ernst:
    Hat Deine Flasche „Wasser“ etwa so ausgesehen?
    http://www.polizei.schleswig-holstein.de/wir/images/molotow.jpg

  5. Jens - politikinside.blogg.de 15. September 2005 · 14:16 Uhr

    *Dutzidutzi* Na hat der Troll-Kindergarten heute eher zugemacht?

  6. Jens - politikinside.blogg.de 15. September 2005 · 14:16 Uhr

    *Dutzidutzi* Na hat der Troll-Kindergarten heute eher zugemacht?

  7. Jens - politikinside.blogg.de 15. September 2005 · 14:18 Uhr

    Sorry für den Doppelpost! Gab ne Fehlermeldung!

  8. TylerDurden 15. September 2005 · 15:28 Uhr

    @ SfO
    Soso, da haben sie dem Troll doch tatsächlich heute in der Schule beigebracht, was ein Molotov-Cocktail ist. Geschichte der Sowjetunion ist glaube ich in der 8. Klasse dran.

    Das Internet ist voll. Geh weg!

  9. Sozialdemokrat für Oskar 15. September 2005 · 22:20 Uhr

    @ TylerDurden

    Du schreibst: „Geh weg!“

    Hiermit verurteile ich in aller Schärfe Dein Ansinnen, gegen mich zu diskriminieren.
    Laut Anti-Diskriminierungsgesetz (ADG), welches gemäß den Richtlinien der Europäischen Kommission Diskriminierungen u.a. aufgrund politischer Überzeugungen verbietet, habe ich das Recht, meine politische Überzeugung ohne Benachteiligung kundzutun.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.