In der Union gibt es im Moment erschreckenderweise die Tendenz, Helmut Kohl völlig unkritisch zum lebenden Denkmal zu erheben. Unlängst bekam er von Edmund Stoiber den Franz Josef Strauß-Preis überreicht, was nicht ohne geschichtliche Ironie ist, da gerade Strauß einer der größten Kritiker (manche sagen sogar Intimfeind) von Kohl war. Ede Stoiber sagte bei der Verleihung des Preises jedenfalls: „Helmut Kohl hat einen Platz in den Herzen der Deutschen“. Dass da einige Menschen wohl anderer Meinung sind, beweist die Süddeutsche Zeitung auf ihren Internetseiten. Die sind nämlich auf die Strasse gegangen und haben Passanten nach ihrer ganz subjektiven Meinung gefragt, ob Helmut Kohl einen Platz in ihren Herzen hat. Viel Spaß damit.


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4 Kommentare

  1. Jens - politikinside@blogg.de 3. Oktober 2005 · 1:04 Uhr

    Kohl bekommt wohl auch den Quadriga-Preis.

    Na prost Mahlzeit…

  2. Wilhelm Zimmermann 4. Oktober 2005 · 18:00 Uhr

    Das ist völliger Quatsch! Schröder wird als der Schlachter des Sozialstaates in den Herzen der deutschen Platz finden!

  3. Sozialdemokrat für Oskar 5. Oktober 2005 · 3:26 Uhr

    @ Jens

    Mit Deinem Kommentar „Merkel too“ gestehst Du, daß Schröder in der Tat als Schlächter unseres Sozialstaats in die deutsche Geschichte eingeht.
    Deine Erkenntnis kommt zwar ein bißchen spät, aber besser spät als gar nicht.

    @ Wilhelm

    Du nimmst mir die Worte aus dem Keyboard.
    Passend hierzu ein Exzerpt aus Kapitel I der Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft „POLITIK FÜR ALLE“ von Oskar Lafontaine:

    „Beobachtet man die öffentliche Debatte, dann stellt man fest, dass eine Seilschaft gegenseitigen Gebens und Nehmens den Ton in der deutschen Wirtschaftspolitik angibt. Und da die Mitglieder dieses Clubs durch höhere Gewinne, Einkommen und Vermögen von der Irrlehre der neoliberalen Umverteilung von unten nach oben profitieren, stören sie die massiven Kollateralschäden wie steigende Armut und höhere Arbeitslosigkeit nicht. Indem sie die Binnennachfrage strangulieren und die Konjunktur abwürgen, schaffen sie erst die Voraussetzungen dafür, einer immer stärker verunsicherten Bevölkerung ständig neue Sozialabbaupläne zu präsentieren. Die neoliberalen Ärzte sorgen zuerst für die Krankheit, um ihre falsche Arznei umso besser verkaufen zu können. Und damit der Absatz floriert und nicht zum Erliegen kommt, heißt ihr Lieblingssatz: „Nach der Reform ist vor der Reform.“ Auf die Rentenkürzung folgt die Lohnkürzung, die wiederum zu einer niedrigeren Rente führt. Auf die Kürzung des Arbeitslosengeldes die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe. Auf die Praxisgebühr die steigende Selbstbeteiligung der Kranken an der Finanzierung des Gesundheitswesens. Und so geht das seit vielen Jahren. Schon der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm hatte einst verkündet, er habe pro Jahr 50 Milliarden Euro bei den Sozialausgaben eingespart. Die entsprechende „Erfolgsbilanz“ der rot-grünen Koalition steht noch aus, aber ihre Matadore wissen:
    Kohl war viel zu zaghaft beim Abbau des Sozialstaates. Erst Rot-Grün hat den dadurch entstandenen Reformstau aufgelöst. Das Wort „Reformstau“ ist übrigens ein Paradebeispiel für die hochwirksamen Kampfbegriffe des Neoliberalismus, auf die ich noch zu sprechen komme. Sie werden von braven Abgeordneten unkritisch übernommen und bestimmen die Richtung der Politik.“

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