Irgendwer hat im vergangenen Wahlkampf zu Jürgen Rüttgers wohl mal gesagt: „Jürgen, im Anzug siehst du richtig klasse aus.“ Das hat Onkel Jürgen gefallen – und seit dem trägt er nichts anderes mehr. Auch als er im ZDF im März mal „3 Tage Leben“ in einer normalen Familie verbrachte. Dort durften wir ihn in Hemd und Sakko beim Geschirrspülen bewundern.

Jetzt ist er nicht mehr Kandidat sondern Ministerpräsident. Den Satz mit dem Anzug hat er aber immer noch nicht vergessen. Am Wochenende hat es in NRW geschneit. Mehr als sonst. So viel, dass tausende Menschen seit Tagen ohne Strom sind. Krise. Da muss ein Ministerpräsident hin. Nach Ochtrup. Wo es besonders schlimm ist. Und was trägt da unser Onkel Jürgen? Richtig. Einen Anzug. Mit Krawatte. Draußen im Schnee. Sonst nichts. Weil, ihm hat ja mal jemand gesagt… Das war fast so wie Bush in New Orleans. Mit den Bushs kann der Onkel Jürgen ja auch gut. Aber das ist ein anderes Thema.

Da steht der Onkel Jürgen also im Anzug im Schnee. Und gibt Interviews. Und sieht richtig – nein eben nicht klasse aus. So kann das nicht weitergehen mit ihm. Deshalb haben wir ein paar Tipps für den Onkel Jürgen. Wie man sich richtig anzieht, wenn man gerade nicht eine Regierungserklärung hält.

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Tipp 1: Pilotenjacke, Kälteschutzkleidung nach DIN EN 342, im George Bush-Style

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Tipp 2: Warnschutzjacke Parka, 100% Polyester, PU beschichtet, wasserdicht,
orange, Reflexband: 3M Scotchlite 8910 – Da übersieht dich niemand mehr!

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Tipp 3: Arbeitskittel 65% Polyester 35% Baumwolle verdeckte Druck-Knopfleiste, mit verstärkte Sicherheitstaschen, Industriewäsche geeignet, 1 Brusttasche, Revers-Kragen – Das kommt bei Hausmeistern gut an.

So, das waren unsere ersten Tipps. Lieber Onkel Jürgen, mach was aus dir, und lass beim nächsten Katastrophenbesuch einfach mal dem Anzug im Schrank hängen. Und Gummistiefel nicht vergessen!


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3 Kommentare

  1. stefan 29. November 2005 · 17:28 Uhr

    also, ich finde ihn in der Grauen jacke oben doch recht passabel…
    najoar – ansonsten – sfo, du findest das wieder scheisse, ich weiss…
    wir lenken von inneren problemen ab und auf politische gegner konnten wir schon immer gut dreschen

    also: ich warte

  2. Benno 29. November 2005 · 19:25 Uhr

    *lach*

    Ich sehe schon wieder in der NRW-CDU-Zentrale die Köpfe rauchen, weil sich da alle fragen, „Wieso haben wir bloß diese PR-Katastrophe auf Beinen zum Spitzenkandidaten/Ministerpräsidenten gemacht?“

    Mir ist übrigens gerade in dem verlinkten Blog-Eintrag zu Onkel Jürgens Auftritt bei „3 Tage Leben“ was ins Auge gestochen — Carsten hat damals geschrieben:

    „Aber bei der Wahl am 22.Mai sollten wir alle daran denken: Es geht nicht um 3 Tage sondern um fünf Jahre – und das ist ein verdammt langer Zeitraum, nur damit unsere „Pulheimer Rolle vom Dienst“ erkennt, daß er es eben nicht kann.“

    Da wird man doch ziemlich wehmütig, denn gerade derzeit zeigt sich ja mit der Rekordverschuldung, die die Landesregierung anstrebt, dass dieser Ministerpräsident es tatsächlich nicht kann — und dass er die Menschen in Nordrhein-Westfalen im Wahlkampf nach Strich und Faden belogen hat. Schade, dass damals nicht mehr Wähler auf Carsten gehört haben…

  3. bazinho 30. November 2005 · 10:47 Uhr

    Was einem an Rüttgers Auftritt vielmehr aufstoßen sollte und auch bei allen anderen Auftritten dieser Art ist, dass wir es für normal halten, dass Politiker in Krisenregionen rumspazieren und Allgemeinplätze zum besten geben, nur damit die Medien schöne Bilder haben.
    Nichts gegen Rüttgers, wenn der nicht higegangen wäre, dann hätte in der Bild oder sonst wo gestanden: „Rüttgers kein Herz? Während hunderttausende froren saß Rüttgers in der warmen Staatskanzlei.“
    Aber wäre es für die Menschen nicht besser gewesen Rüttgers hätte sich im Zeitalter moderner Informationsübertragung in der Staatskanzlei vor eine Kamera gestellt und hätte dort seine Luftblasen abgesondert, anstatt mit seinem Auftritt vor Ort Kräfte zu binden, die eigentlich gegen das Schnee Chaos vorzugehen sollten?
    Solch mediale Alibipolitik ist sicherlich zum Zwang geworden, dem sich ein einzelner Politiker nur bei Aufgabe aller Ambitionen entziehen kann. Und eine Abkehr davon wohl ein frommer Wunsch, denn wer will davon lassen, während der politische Konkurrent noch damit punktet.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.