Eltern sollen zukünftig nicht mehr die letzte Entscheidung haben, auf welche Schule ihr Kind geht. So zumindest plant es die CDU-Landesregierung in NRW. Laut einer Vorlage zu einem neuen Gesetz sollen, wenn sich Lehrer und Eltern uneinig sind, ab Gesetzeseinführung Lehrer das letzte Wort haben, auf welche Schule Kinder nach der Grundschule gehen. Spiegel Online dazu:

Diese Regelung soll freilich nur dann greifen, wenn die Lehrer ein Kind für nicht gut genug befinden. Soll im Umkehrfall aber etwa die intelligente Tochter einer türkischen Putzfrau auf die Hauptschule geschickt werden, obwohl ihre Noten locker fürs Gymnasium reichen, dürfen die Eltern dies weiterhin nach eigenem Ermessen bestimmen.

Rüttgers verspricht sich davon eine AUfwertung der Hauptschulen. Also über den Gesetzentwurf sollte man bei der CDU in NRW doch noch ein paar Nächte schlafen.


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21 Kommentare

  1. Benno 15. Dezember 2005 · 19:52 Uhr

    So, wie es die Landesregierung plant, ist das neue Schulgesetz auch tatsächlich Kappes. Eine solche Bevormundung der Eltern wäre ein klarer Rückschritt.

    Nicht ganz falsch ist es aber, wenn man dafür sorgen möchte, dass die Kinder auch auf die ihren Fähigkeiten am ehesten entsprechende Schule gehen. Ein Lehrer meines Gymnasiums hat mir mal (das war bereits nach meinem Abi) sein Leid geklagt, dass die Klassen an der Schule immer größer würden, er angesichts eines stetig sinkenden Lernniveaus mit seinem Stoff nicht mehr durchkomme und es sogar in der Oberstufe noch erschreckend viele gäbe, die von ihren Fähigkeiten her eigentlich auf der Realschule besser aufgehoben gewesen wären.

    Insofern halte ich generell strengere Aufnahmekriterien für die verschiedenen weiterführenden Schulformen für sinnvoll. Auch die Aufnahmetests, die die Landesregierung vorschlägt, sind so falsch nicht. Nur dürfen deren Ergebnisse dann halt nicht mehr zur Diskussion stehen — das heißt, das Ergebnis allein zählt (am besten unter Hinzunahme der bisherigen Grundschulnoten, denn in so einer Prüfung kann einem ja auch mal ein Ausrutscher unterlaufen), und nicht, wie die Lehrer oder die Eltern es interpretieren bzw. wer von beiden sich letztendlich über die Meinung des anderen hinwegsetzt. Ich meine: Kann es so falsch sein, die Aufnahmebedingungen für weitergehende Schulen ebenfalls zu verschärfen, wenn man ja auch an den Universitäten alles andere als zum Nulltarif angenommen wird?

    Alternativ finde ich aber auch die Idee, die Kinder einfach länger gemeinsam zu unterrichten und erst wesentlich später eine Aufteilung auf weiterführende Schulen vorzunehmen, nicht schlecht.

    Wie immer man es auch macht: Es ist einfach wichtig, dass die Schüler wieder mehr ihren Fähigkeiten entsprechend unterrichtet werden und die individuelle Förderung verbessert wird. Es darf z.B. einfach nicht mehr sein, dass (wie in meiner Stufe geschehen) auch nur ein einziger Schüler sogar in der Jahrgangsstufe 13 noch nicht fehlerfrei lesen kann.

  2. Benno 15. Dezember 2005 · 20:17 Uhr

    Sorry, in Bezug auf die Aufnahmetests habe ich mich missverständlich ausgedrückt: Ich bin gegen das Modell der Landesregierung, einen solchen Test in Form eines Probeunterrichts (der ja eh wieder nur darauf hinausliefe, dass die Lehrer ihr subjektives Urteil fällen könnten) durchzuführen. Vielmehr bin ich für einen Aufnahmetest in Form einer richtigen (schriftlichen) Prüfung mit eindeutigen, gewissermaßen „numerischen“ und vor allem objektiven Ergebnissen.

  3. bazinho 15. Dezember 2005 · 22:01 Uhr

    Das typische Placebo Politik nach Rüttgers Art. An das echte Problem traut er sich nicht ran, denn das würde bedeuten zuzugeben, dass das selektive Schulsystem in seiner heutigen Form an seiner Zielsetzung jeden nach Potential angemessen zu bilden weit vorbeigeht. Aber auf die Selektion lassen die Schwarzen nichts kommen.

    Deshalb müssen es die Eltern sein, die an den ca 15.000 Schulwechslern von oben nach unten und den hundertausenden die überfordert werden, schuld sind.
    Jetzt soll eine Empfehlung verbindlich werden, von der man spätestens seit der Iglu-Studie weis, dass sie nicht das Papier wert sind auf dem sie geschrieben sind. Nicht der Leistungsstand des Kindes sondern der soziale Hintergrund der Eltern bestimmt den Inhalt der Empfehlung.

    Hier liegt das Problem. Nicht darin, dass ein paar Eltern sich mal gegen die Empfehlung entscheiden. Es werden einfach fast jedem Ober- und oberen Mittelschichtenkind unabhängig vom Leistungsvermögen die Gymnasialempfehlung ausgestellt. Und von denen packen es dann einige nicht.

    Zeitgleich liegen unzählige Talente in Haupt- und REalschulen brach, weil das Modell nur ein Abwärts bei schlechten, aber kaum ein Aufwärts bei guten Leistungen zuläßt.

  4. Bazblog 15. Dezember 2005 · 22:02 Uhr

    Rüttgers will soziale Selektion betonieren!

    Das „modernste Schulsystem Deutschlands“ will Rüttgers nach eigenem bekunden erschaffen. Was er darunter versteht, hat mit moderner Schule nichts zu tun. Er und seine Schulministerin Barbara Sommer ve…

  5. Bazblog 15. Dezember 2005 · 22:03 Uhr

    Rüttgers will soziale Selektion betonieren!

    Das „modernste Schulsystem Deutschlands“ will Rüttgers nach eigenem bekunden erschaffen. Was er darunter versteht, hat mit moderner Schule nichts zu tun. Er und seine Schulministerin Barbara Sommer ve…

  6. Jens - politikinside@blogg.de 16. Dezember 2005 · 23:51 Uhr

    Ich halte es für notwendig, dass das Empfehlungsverfahren für die weiterführenden Schulen auf eine neue Basis gestellt werden. Die schwarz-gelbe Landesregierung hat nicht ganz unrecht mit ihrer Kritik, in vielen Fällen entscheiden sich die Eltern gegen die Empfehlung der Lehrer und schicken ihr Kind z.B. an das Gymnasium, weil sie wollen dass ihr Kind nach 10 Jahren das Abitur macht. Viele Kindern scheitern bereits in den ersten Schuljahren an den Gymnasien und müssen die Schule wechseln.

    Allerdings halte ich die Pläne dennoch falsch. Die Erfahrungen zeigen, dass die Lehrer mit ihren Empfehlungen oft auch daneben liegen. Seit der IGLU-Studie ist klar, dass die Lehrerempfehlungen nicht mal das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Anstatt Lehrerempfehlungen verbindlich zu machen, sollten an den Grundschulen kurz vor Ende der Grundschulausbildung der Schüler „Zulassungstest“ durchgeführt werden, die sich an den späteren Lehrplänen der weiterführenden Schulen orientieren. Damit wäre eine objektivere Bewertung der Schüler möglich, die rein auf den Wissensstand der Schüler beruht und weniger auf die, in meinen Augen, subjektive Betrachtung durch den Klassenlehrer.

  7. Sozialdemokrat für Oskar 17. Dezember 2005 · 3:34 Uhr

    @ Benno

    Nach vier Jahrzehnten roter Bildungspolitik in NRW ist es kein Wunder, wenn kein Einziger an Deiner Schule lesen kann — bei uns in Bayern kommt so etwas nicht vor.

    @ Bazinho

    War es für Dich als Kind der Unterschicht schwierig, den Hauptschulabschluß zu erreichen?

    @ Jens

    Welche Thematik beinhaltet denn die von Dir erwähnte IGLU-Studie?

  8. Jens - politikinside@blogg.de 17. Dezember 2005 · 13:02 Uhr

    @Sozi

    Du brauchst hier nicht wieder beleidigend zu werden, denn auf dieser Ebene möchte ich mich nicht mit dir „unterhalten“.

    Das kommt auch in Bayern vor. Auch wenn Bayern in der PISA-Studie vor anderen Bundesländern steht, sagt das nicht wirklich über die Qualität des dortigen Schulsystems aus. Denn so berauschend ist es auch nicht und die bayerischen Schulen haben nicht so einen hohen Ausländeranteil wie in anderen Bundesländern.

  9. bazinho 17. Dezember 2005 · 14:50 Uhr

    @asozialer TfO

    Nun offensichtlich ist es mit den bayrischen Lesefähigkeiten nicht weit her. Zumindest sind Ihre Lesefähigkeiten äußerst beschränkt. Benno schreibt nämlich nicht, dass kein Einziger an seiner Schule lesen kann.
    Setzen Sie sich doch mal in Ruhe hin und knobbeln noch ein bischen an dem Satz herum. Früher oder später wird es auch Ihnen aufgehen, was der Satz von Benno beinhaltet. Kleiner Tipp: Einer Ihrer mehreren Fehler liegt in der zeitlichen Einordnung.

    Und wenn Sie schon einmal am Grübeln sind, dann sollten Sie auch gleich mal über eine Änderung Ihres Synonyms nachdenken. Ich kenne zwar nicht die CSU Blättchen aus denen Sie Ihr Wissen über die Sozialdemokratie beziehen. Aber um Sie aufzuklären: Die Selektion von Bildungschancen nach sozialer Herkunft, welche Sie, so lassen Sie in Ihrem gehässigten Ton durchscheinen, unterstützen, ist mit den Werten der Sozialdemokratie nicht vereinbar.

    Aber dennoch Danke für Ihren Kommentar offenbart er doch, wie wenig ernst zu nehmen Sie sind.

  10. Sozialdemokrat für Oskar 17. Dezember 2005 · 15:33 Uhr

    @ Jens

    Wie kommst Du denn darauf, ich hätte Dich beleidigt?
    Nur weil ich Dich nach der IGLU-Studie fragte?

    Was Bayern betrifft, so konstatierst Du korrekterweise, daß es im Ländervergleich der Pisa-Bildungsstudie an der Spitze steht.
    Nicht von ungefähr kommt dieser Ruhm — wie sonst läßt sich beispielsweise erklären, warum ein Genosse aus dem tiefen Süden der Republik die WebSozis im Nordrheinischen und Westfälischen über die einfachsten Zusammenhänge zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufklären muß?

    Was mich zudem nachdenklich stimmt, gar ein wenig mit Sorge erfüllt, ist Deine impliziert ausländerfeindliche Attitüde, wenn Du schreibst:
    „Denn so berauschend ist es auch nicht und die bayerischen Schulen haben nicht so einen hohen Ausländeranteil wie in anderen Bundesländern.“
    Eine solche Äußerung, werter Jens, kannst Du vielleicht auf dem Blog der NPD von Dir geben, aber bitte nicht hier. . .

  11. Karin 17. Dezember 2005 · 18:36 Uhr

    @alle außer sfo:
    Warum lasst Ihr Euch jede Diskussion von diesem Menschen kaputt machen? Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist eine Sache, aber wenn es nur auf Kosten aller anderen geht, sollte man mal die Reißleine ziehen.

    Mit solidarischen Grüßen

  12. Sozialdemokrat für Oskar 17. Dezember 2005 · 19:14 Uhr

    @ Karin

    Dein Kommentar ist alles andere als solidarisch. Menschen wegen ihrer unpopulären Meinung auszugrenzen, ist nicht nur faschistoid — wenn nicht faschistisch — sondern ein Verstoß gegen unsere Verfassung, die das Recht auf freie Meinungsäußerung beinhaltet.

    Im übrigen legst Du ein aggressives Verhalten an den Tag, indem Du mit Deinem hetzerischen Aufruf einfach so in die laufende Diskussion reinplatzst, ohne je zuvor substantiell an einer solchen teilgenommen zu haben. Seit mindestens einem halben Jahr bin ich Stamm-Kommentator in diesem Blog, und meine Pappenheimer kenne ich zur Genüge, aber was Du hier bietest, ist dreister als dreist. . .

  13. Jens - politikinside@blogg.de 17. Dezember 2005 · 20:52 Uhr

    @Sozi Dreh hier nicht einen das Wort im Mund um, denn das war nix ausländerfeindliches oder sonst was! Es ist Fakt, dass in bayerischen Klassen weniger Kindern von ausländischen Mitbürgern zu finden sind, als in den anderen Bundesländern. Hier kommen Sprachprobleme und der soziale Status zum tragen und die Bayern sind nicht gerade bekannt für ihre Integrationsbemühungen.

    Und das mit „beleidigend“ sein bezog sich auf deine Äußerung hinsichtlich Benno.

  14. oliver zeisberger 18. Dezember 2005 · 0:53 Uhr

    Können wir zurück zum Ausgangsbeitrag?

    Ich erinnere mich, im Wahlkampf in NRW hatte die CDU für die Schulpolitik vorgeschlagen, die Schulbezirke auflösen zu wollen. Damit sollten die Eltern ihre Kinder auch an einer anderen Schule anmelden können, als an der wohnortnahen. Das wurde im Vorfeld der Wahl diskutiert.

    Allerdings erinnere ich mich nicht daran, vor der Wahl etwas dazu gehört zu haben, dass das letzte Wort zur Wahl der weiterführenden Schulform in die Hand der Lehrer gelegt werden sollte.

    Kann sich jemand von Euch daran erinnern, ob das dies schon vor der Wahl von der CDU vorgeschlagen war? Ich habe es nochmal im Wahlprogramm gerade nachlesen wollen, aber da war nichts.

    Welcher politisch gewolltes Ziel ist mit der Massnahme verbunden? Was soll damit eigentlich erreicht werden? Weiss von Euch dazu jemand etwas substanzielles?

    Thorsten, lässt sich dazu was sagen oder in Erfahrung zu bringen? Und all ihr anderen Mitdiskutanten: Jetzt nicht das platte CDU-Bashing bitte, dass bringt uns in der Diskussion hier ja nicht viel weiter…

  15. Sozialdemokrat für Oskar 18. Dezember 2005 · 3:52 Uhr

    @ Jens

    Ich habe Dir doch nicht das Wort im Mund umgedreht, sondern Deinen Satz zitiert, in dem Du die bei uns lebenden Ausländerkinder in eine negative Assoziationsrelation mit Kindern deutscher Staatsangehörigkeit setzst.
    Vielleicht hast Du meinen hierfür verwendeten Terminus „impliziert ausländerfeindliche Attitüde“ misinterpretiert. Ich denke nämlich nicht, daß Du eine offensiv ausländerfeindliche Einstellung hegst, allerdings scheint mit Deiner Formulierung ein gewisses Denkmuster hervorzutreten, welches abträglich nicht nur für die laufende Diskussion, sondern generell in einem SPD-Blog fehl am Platze wäre.
    ­„Ausländischer Mitbürger“ stellt übrigens ein Oxymoron dar, denn entweder ist man Ausländer oder aber deutscher Staatsbürger — es sei denn, es handelt sich bei dem Betreffenden um einen Staatenlosen.

    Desweiteren muß ich Deiner Behauptung entschieden widersprechen, welche da lautet:
    „Die Bayern sind nicht gerade bekannt für ihre Integrationsbemühungen.“
    Vielmehr ist es Faktum, daß die Bayern ein Mischvolk sind, das sich seit knapp 2000 (zweitausend!) Jahren quasi als Inkarnation von Multikulti konstituiert. Es entstand nämlich aus im Lande verbliebenen Römern, der keltischen Urbevölkerung (Bojern) und zugewanderten Germanen (Langobarden, Thüringern, Alemannen und Rudiern). Um das Jahr 568 n. Chr. wanderten aus Baias (= Böhmen) Germanen (Bajuwarier) ein, und diese — obwohl in der Minderheit — gaben der Bevölkerung ihren Namen.

  16. bazinho 18. Dezember 2005 · 10:54 Uhr

    @Oliver

    Die Aktion dürfte zu dem Maßnahmenbündel rettet das dreigliedrige Schulsystem gegen die raue Wirklichkeit gehören. Man könnte dieses Bündel auch, verteidigt die Pfründe der bildungselitären Oberschicht gegen Bildungsaufsteiger, nennen.
    So soll es nach Willen von Schwarz-Gelb etwa die Ganztagsschule nur an Grund- und Hauptschulen geben. Das ist Ausdruck des ideologischen Kulturkampfs der Union. Einerseits werden so Kinder aus Elternhäusern mit niedrigen Einkommen systematisch benachteiligt, da oft kein Elternteil zur Förderung zuhause bleiben kann, und andererseits ist dies ein Tribut an den typischen CDU-Wähler dessen Familien- und Rollenverständnis noch durch das Heimchen am Herd geprägt ist.

    Auch der Kampf gegen Verbundsschulen gehört dazu. Da die Schülerzahl in den nächsten Jahren dramatisch abnehmen wird, wäre es eigentlich naheliegend, dass man, wenn man allen Schülern ein Angebot machen will und nicht auf eine Gemeinschaftsschule setzt, in dünnbesiedelten, weiträumigen Regionen die Lehrer Schulform übergreifend unterrichten lässt. Aber die Union hat Angst, eine gemeinsame Verwaltung könne die Abgrenzung zwischen den Schulformen abschwächen, die ideologischen Berührungsängste in der Bevölkerung senken und im schlimmsten Fall zu einem vorurteilsfreien Blick auf die Bildungspolitik führen.

    Die Verbindlichkeit von Schulempfehlungen hat neben der Betonierung der sozialen Verhältnisse noch einen weiteren Nebeneffekt. Die Hauptschule wird vor dem Ausbluten gerettet. Da die Hauptschule von den Eltern als das erkannt wird, was sie im System auch ist, nämlich eine Restschule, eine Bildungssackgasse, führen die Eltern eine Abstimmung mit den Füßen durch. Seit Jahren gehen die Anmeldezahlen konstant zurück. Laut Spiegel drohen bei anhaltender Abwanderung bald zahlreiche Hauptschulschließungen in NRW. Die Folge ist logisch: Mit zweigliedrigen Schulsystem ließe sich das Amenmärchen von der Förderung nach Bedürfnissen im gegliederten System nicht aufrecht erhalten.

    Zu dieser Erkenntnis reicht aber bereits ein Blick in die IGLU-Studie aus. Denn die stellt fest, dass fast der Hälfte der Schüler willkürlich in eine der Schulformen empfohlen wird und außerdem noch zahlreiche als solche klar definierbare Fehlurteile passieren. Aber sie stellt auch fest, dass die Lehrerurteile die beste Möglichkeit sind um die Eignung eines Kindes einzuschätzen, besser als irgendwelche Tests oder Assessment-Center. Wenn aber die beste Variante die Eignung zu messen und Kinder zu selektieren derart hohe Fehlerraten hat, dann sollte sich eigentlich die Frage stellen, ob man das mit der Selektion nicht besser lassen sollte.

    Aber wie urteilten die ILGU Forscher über das gegliederte Schulsystem:
    „Eine mehr als 120-jährige Bildungstradition, bei der insbesondere die Eliten und Entscheidungsträger in ihrer bildungsbiografischen Reproduktion begünstigt sind, hat eine hohe Beharrungskraft.“

  17. Sozialdemokrat für Oskar 18. Dezember 2005 · 11:42 Uhr

    @ Bazinho

    Als glühender Verehrer des „Genossen der Bosse“ müßtest Du eigentlich hocherfreut sein über „die hohe Beharrungskraft einer mehr als 120-jährigen Bildungstradition, bei der insbesondere die Eliten und Entscheidungsträger in ihrer bildungsbiografischen Reproduktion begünstigt sind.“
    War es doch kein Geringerer als Schröder, welcher in seinem elitären Wahn (Stichwort Elite-Universitäten) der CDU die Steilvorlage für ihre reaktionäre Bildungspolitik lieferte. . .

  18. oliver zeisberger 18. Dezember 2005 · 15:27 Uhr

    bazinho hat sich ja nun dazu geäussert, was er meint, WARUM die CDU den Lehrern das letzte Wort bei der Auswahl der richtigen weiterführenden Schulform geben will.

    Dabei ist mir aber die Anzahl an Allgemeinplätzen, die wir in der Bildungsdebatte seit Jahren hören, etwas zu hoch – und das, obwohl ich nicht der Ansicht bin, dass Argumente, die es schon lange gibt, wegen ihres Alters nicht mehr zählen.

    Irgendwie nehme ich in dem Beitrag aber viele Begrifflichkeiten war, die mir zu „klassisches“ CDU-Bashing sind – und hatte extra in meiner Frage darum gebeten, mit Hintergrundinfos die Fragestellung erstmal möglichst sachlich zu erörtern. Meine Meinung möchte ich mir gerne eigenständig bilden ;-)

    Thorsten, gibt’s zu der Fragestellung „Lehrer entscheiden Schulformauswahl“ was von der Landtagsfraktion? Womit rechnet die CDU, wozu diese Veränderung führt? Was gibt die CDU vor, damit erreichen zu wollen? Immerhin: Den Eltern wird eine Einflußmöglichkeit genommen – mir fällt schwer abzusschätzen, ob das richtig oder falsch ist.

    Denn erst wenn ich das verfolgte Ziel dieser Massnahme verstehe, kann ich beurteilen, ob das Ziel erreicht wurde und welche sonstigen Effekte eintreten oder eingetreten sind. Ich möchte die Landesregierung nicht anhand von Umfrageergebnissen oder so bewerten, sondern anhand dessen, was sie als Ziel ausgibt, und was dann erreicht wurde. Und an der Stelle mag ich sie dann auch nicht schonen.

    Um das ganze noch was grösser zu ziehen: Wer von der blog-redaktion macht sich mal daran, dass Sofortprogramm der CDU auf Umsetzungsfortschritt hin durchzugehen? Die ersten 178 Tage Schwarz-Gelb in NRW sind rum…

  19. Jens - politikinside-Team 18. Dezember 2005 · 22:26 Uhr

    Ich stelle mir selbst die Frage, worin die CDU eine Verbesserung sieht. Nur weil mehr Schüler die Hauptschulen besuchen, sehe ich darin keine Stärkung dieser. Eine Stärkung von Hauptschulen wären mehr Lehrer und bessere Förderung von benachteiligten Schülern.

    Ich persönlich halte sowohl von dem starken Einfluss der Eltern auf die Schulwahl als auch von den Vorhaben der schwarz-gelben Landesregierung nicht. Ich sehe in „Eignungstests“ die beste Grundlage für eine Empfehlung, als eine subjektive Bewertung durch den Lehrer.

  20. bazinho 19. Dezember 2005 · 13:52 Uhr

    @Oliver

    Sorry ich versteh irgendwie nicht wo du hin willst. Du fragtest nach den politschen Zielen die die Union mit der Maßnahme verfolgt.

    Was die Union vorgibt damit erreichen zu wollen kannst du im Link auf das sich dieser Post beruft nachlesen.

    Die Vorurteilsfreiheit ist nach Erkenntnissen der philosophischen Wissenschaft theoretisch denkbar, praktisch jedoch nicht möglich. Daher ist die Erwartung objektiver Aussagen bereits in wissenschaftlichen Arbeiten nur bedingt gegeben.

    Ich versuch jetzt nochmal die Hintergrund Infos zusammenzufassen, allerdings mit dem Hinweis, dass ich durch die subjektive auswahl der als relevant zu erachtenden kriterien keine objektivität gewährleisten kann.
    Als da wären:

    – dreigliedriges Schulsystem
    – zehntausende falschsortierte Schüler
    – davon müssen ca. 15.000 pro Jahr die Schule nach unten wechseln.
    – die Anmeldezahlen für Hauptschulen gehen konstant zurück
    – Grund dafür: 1. weniger Schüler insgesamt, 2. die Hauptschule hat ein sehr negatives Image als Restschule mit einem Abschluss der auf dem Arbeitsmarkt wenig bis gar nichts wert ist.
    – Die Schulempfehlungen sind zu großen Teilen Murks, da sie stärker nach sozialen als schulichen Kriterien selektieren.
    – Eltern Entscheidungen gegen diese sind zum Teil auch falsch.
    – Die Union will das dreigliederige Schulsystem stärken, steht so in deren Programm
    – Grund: Schüler haben verschiedene Talente (da gibt es genau drei Ebenen ;) ) und deshalb bedarf man unterschiedlicher Schulen um diese zu entwickeln.
    – Da auch der Union die Iglu-Studie bekannt ist, ist davon auszugehen, dass sie mit der Selektion nach sozialem Status einverstanden ist. Denn an dem Entstehungsprozess der Empfehlungen wird nichts geändert.
    – In deren Augen sorgt die Maßnahme dafür, dass die Kinder wieder bedarfsgerecht gefördert werden.
    – Antrieb sind die negativen Folgen für das Kind bei einer überforderung durch falsche schulwahl (siehe Rüttgers zitate im Link).
    – Sowie immer wieder der Hinweis darauf, dass bei Mischung der verschiedenen Talente die starken Schüler in ihrer Entwicklung von den Schwachen gebremst werden. (siehe programm der cdu, steht da wo die auch das Konzept der Gemeinschaftsschule polemisch zum Einheitsbrei vereinfachen)
    – Durch die dann wieder „bedarfsgerechte“ Unterrichtung sollen die Leistungen steigen und die NRW-Schüler bei den nächsten Tests wie Pisa etc. besser abschneiden. (steht so in der Rede von Recker die auf der CDU HP als PDF zufinden ist.)

    Ich hoffe das hilft dir besser deine Meinung zu bilden;)

  21. Sozialdemokrat für Oskar 19. Dezember 2005 · 18:11 Uhr

    @ Oli

    Wenn Bazinho Dir schreibt: „Sorry ich versteh irgendwie nicht wo du hin willst.“ dann muß man in seinem Fall schon mal ein Auge zudrücken, zumal er mit Mühe und Not seinen Hauptschulabschluß erlangt haben dürfte. Angesichts dessen ist es bewundernswert, mit welchem Eifer er versucht, irgendetwas Substantielles in unsere Diskussion miteinzubringen.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.