Der SPD-Chef und brandenburgische Ministerpräsident war gestern zum Thema „Ist Deutschland besser als sein Ruf?“ bei Sabine Christiansen und hat ein paar sehr interessante Dinge gesagt.

„Wenn man sich anguckt, daß ein großes Einzelhandelsunternehmen in Deutschland erhebliche Schwierigkeiten hat, das andere aber nicht, bei gleichen Verhältnissen. Wenn man sich anschaut, der eine Autokonzern hat Riesenprobleme, der andere aber nicht, dann liegt´s vielleicht nicht nur an den Verhältnissen, nicht nur an den Arbeitnehmern, sondern vielleicht mal auch am Management. ”


Für Platzeck tragen die Manager großer Unternehmen also wenigstens eine Teilschuld, falls es mal nicht so gut läuft.

Gute Worte hatte er für Gewerkschaften übrig:

„Lassen wir jetzt mal für die nächsten Jahre ein Bild von Deutschland weg, dass die Gewerkschaften Teil des Problems wären. Sie sind längst in Deutschland in ihrer Mehrheit Teil der Lösung des Problems geworden.”

Der britische Wirtschaftwissenschaftler David Marsh war auch eingeladen und schilderte aus der Sicht eines Briten, was er für das Problem der deutschen Wirtschaft hält.

„Ein gewisser Zweckpessimismus ist schon zu sehen. Und das ist teilweise natürlich ganz absichtlich herbeigeführt. Von den Arbeitgebern, um die Stimmung und die Löhne ein wenig zu drücken.”

Ich bin froh, dass diese Dinge auch mal ausgesprochen werden Es ist mir nämlich schon seit längerer Zeit schwer zu vermitteln, warum immer hohe Lohnkosten in Deutschland angeführt werden, wenn es darum geht, Managerfehler zu rechtfertigen.

via nervtoedter.de


Du kannst die Kommentare zu diesen Artikel durch den Kommentar-Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

13 Kommentare

  1. Dieter Heistermann 19. Dezember 2005 · 15:38 Uhr

    Da ist dem Thorsten eine gute Zusammenfassung der Beiträge von Matthias Platzeck gelungen. Leider hat sich ein Fehler eingeschlichen. Ein amerikanischer Wirtschaftswissenschaftlicher war nicht dabei. David Marsh ist Brite.

  2. Thorsten - blog.nrwspd.de 19. Dezember 2005 · 16:15 Uhr

    @ Dieter
    Zum Glück kann man solche Fehler ja im Internet im gegensatz zu einer gedrukten Tageszeitung leicht beheben. Danke für den Hinweis.

  3. Benno 19. Dezember 2005 · 17:13 Uhr

    Wirklich interessant — da bereue ich es ja schon (fast), gestern wie üblich Frau Christiansens Quasselbude gemieden zu haben. ;-) Anscheinend bringen ja wenigstens ihre Gäste gelegentlich mal ganz gute Beiträge, wenn schon nicht Frau Christiansen selber.

    Ich finde es besonders wohltuend, was David Marsh gesagt hat. Überhaupt würde ich mir wünschen, dass wir in Deutschland generell mehr auf das hören würden, wie Menschen im Ausland aus der Distanz die Lage in unserem Land einschätzen. Da relativiert sich doch manches. Der Blick über den eigenen Tellerrand ist ja ohnehin immer wichtig.

  4. bazinho 19. Dezember 2005 · 20:34 Uhr

    da ich mir diese Palavershows abgewöhnt habe, hab ich diese leider auch verpasst.
    Aber im neuen Jahr wieder anzufangen das zu schauen lohnt auch nicht. Dafür sind derartige Lichtblicke in solchen Runden zu selten.

    Aber diesmal waren ja auch die anderen Kandidaten die da neben Mathias Platzeck Platz genommen haben ganz passabel. Die Analysen von Hickel sind immer wieder erfrischend im sonstigen Einheitsbrei der Ökonomen (Auch am sonntag?). Kannegießer gehört zu den weniger überheblichen der Arbeitgeberfraktion und Marsh mein auch schon mal irgendwo gesehen und für interessant befunden zu haben, ist son Blick von außen ja fast immer.
    Das der Niebel auch da war geschenkt, wenigstens nicht Lafontaine oder Westerwelle.
    Wenn man sich die Gäste vor Auge führt, dann dürfte das echt eine der besten Christiansen-Sendungen der letzten Jahre gewesen sein.

  5. Maria Anna 24. Dezember 2005 · 12:52 Uhr

    Wenn ich lese, dass dem Individualverkehr (= Straßenbau) wieder die Vorfahrt gegeben werden soll vor dem Bahnverkehr, und die Atomkraftwerke wieder „in Mode“ kommen als sinnvolle Alternative zu z.B. Windernergie, kriege ich das kalte Grausen. Geht`s jetzt mit Volldampf ins letzte Jahrhundert zurück???

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.