Ich hatte heute mal Zeit, ein paar Teile der Zeitung zu lesen, die ich sonst vielleicht doch eher nur überfliege. So aber fiel mir heute der „Das war 2005“-Teil der Süddeutschen Zeitung in die Hände, in dem ich folgendes als politisches Fazit las:

Es kommt also anders, als die meisten Politiker, Journalisten, Meinungsforscher und sonstigen Zeichensetzer und Zeichendeuter glauben: Monatelang wird eine schwarz-gelbe Koalition mit Angela Merkel als Kanzlerin und Guido Westerwelle als Vizekanzler avisiert, herbeigeredet und herbeigeschrieben – vergeblich. Die Verlierer des Jahres sind daher nicht die Sozialdemokraten, es sind auch nicht die aus der Regierung gestürzten Grünen: es sind, trotz des 9,8 Prozent-Ergebnisses bei der Bundestagswahl, die Freidemokraten: sie haben, mehr noch als die großen Parteien, die vorgezogene Neuwahl wie ein vorgezogenes Weihnachtsfest bejubelt. „Noch so ein Sieg, und ich bin verloren“; den Satz des alten Pyrrhus von Epirus kann sich am Ende des Jahres der FDP-Vorsitzende Westerwelle sagen.

Besser kann man den politischen Verlierer des Jahres wohl nicht benennen. 100 % agree. ;-)


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5 Kommentare

  1. Sozialdemokrat für Oskar 2. Januar 2006 · 4:09 Uhr

    @ Thorsten

    Du schreibst: „Ich hatte heute mal Zeit, ein paar Teile der Zeitung zu lesen, die ich sonst vielleicht doch eher nur überfliege.“

    Gibs doch zu: „Lesen“ tust Du nur die BILD-Zeitung, und das auch nur wegen der freizügig bekleideten Mädels ;-)

    Was jedoch die politischen Verlierer des Jahres betrifft, so handelt es sich bei ihnen zweifelsfrei um SPD und Grüne, die nach sieben Jahren katastrophaler Mißwirtschaft endlich abgewählt und somit abgestraft wurden.

    Auch wenn Du krampfhaft versuchst, die Elephanten-Runde als non plus ultra Show Deines verehrten Gerd in Erinnerung zu behalten, so sollte Dich das reale Votum der Wähler nicht darüber hinweg täuschen, daß Ihr Pseudo-Sozis die absoluten Loser seid. . .

  2. Konservativer für Angela 2. Januar 2006 · 6:38 Uhr

    Ich kann „Sozialdemokrat für Oskar“ nur zustimmen. Im Jahr 2005 hat die SPD nicht nur den Kanzlerposten verloren, auch den Präsidenten im Bundestag, dazu NRW. Die Republik ist – endlich – schwarz!

  3. Benno 2. Januar 2006 · 10:58 Uhr

    Frohes neues Jahr an alle.

    Dass die FDP einer der Verlierer des Jahres war, war auch absolut berechtigt. Wenn eine Partei gleich zweimal (2002 und 2005) so großspurig auftritt und schon vor der Wahl untereinander die Ministerposten verteilt, hat sie auch kein anderes Ergebnis verdient, als weitere vier Jahre in der Opposition kleben zu bleiben. Die FDP hat es offenbar bis heute nicht verwunden, dass sie in der bunten Parteienlandschaft der „Berliner Republik“ nicht mehr das ewige Waagscheißerle spielen kann und kein „gottgegebenes Anrecht“ mehr auf einen Platz an der Regierungsbank hat. Eine solche Realitätsverweigerung wird selten von den Wählern belohnt.

  4. bazinho 2. Januar 2006 · 14:33 Uhr

    Verloren haben nicht nur die FDPler selbst, sondern vorallem die dahinterstehenden Interessen, die in jahrelanger Lobbyarbeit auf einen radikalen Politikwechsel vorbereitet haben. Dem hat das Volk eine klare Absage erteilt.
    Auch wenn die FDP ein für ihre Verhältnisse gutes Ergebnis erreicht hat, das Ergebnis für die Union ist ein deutliches Signal, dass weder schwarz pur, schwarz-gelb noch die dahinter stehende Ideologie mehrheitlich erwünscht ist.
    Die Neoliberalen Ideologen, ihre Lobbygruppierungen, allen voran die INSM, und mithin der Teil der Journalie, der sich nur zugern für deren Zwecke einspannen ließ, sind die Verlierer des Jahres, auch wenn das noch niemanden zum Gewinner macht.

  5. Sozialdemokrat für Oskar 2. Januar 2006 · 19:58 Uhr

    @ Bazinho

    Du schreibst: „Verloren haben nicht nur die FDPler selbst, sondern vorallem die dahinterstehenden Interessen, die in jahrelanger Lobbyarbeit auf einen radikalen Politikwechsel vorbereitet haben. Dem hat das Volk eine klare Absage erteilt.“

    Dem kann ich nur zustimmen, wobei Du vergessen hast zu erwähnen, daß allen voran die SPD am radikalsten den Wechsel hin zu einer neoliberalen Politik betrieben hat. In seiner amtlichen Funktion als Kanzler initiierte just Schröder die Abschaffung der im unserer Verfassung verankerten sozialen Marktwirtschaft, um den extremistischen Marktfundamentalismus mit etlichen faschistoiden Elementen einzuführen und auszubauen.

    Weiterhin meinst Du: „Auch wenn die FDP ein für ihre Verhältnisse gutes Ergebnis erreicht hat, das Ergebnis für die Union ist ein deutliches Signal, dass weder schwarz pur, schwarz-gelb noch die dahinter stehende Ideologie mehrheitlich erwünscht ist.“

    Auch dem kann ich beipflichten, weshalb darüberhinaus die SPD wegen derselben asozialen Ideologie von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird.

    Und letztlich legst Du dar: „Die Neoliberalen Ideologen, ihre Lobbygruppierungen, allen voran die INSM, und mithin der Teil der Journalie, der sich nur zugern für deren Zwecke einspannen ließ, sind die Verlierer des Jahres, auch wenn das noch niemanden zum Gewinner macht.“

    Was den allumfassenden Einfluß der neoliberalen Ideologen und ihrer Lobby — wie etwa derjenigen der INSM — auf die SPD, Grüne, Union und FDP betrifft, so schließe ich mich Deiner Analyse an.

    Jedoch hast Du übersehen, daß es sehr wohl einen Gewinner des Jahres gibt, nämlich die Linkspartei.
    Als einzige Fraktion im Bundestag vertritt sie die sozialen Interessen der Erwerbstätigen, Arbeitssuchenden, Geringverdiender, Rentner, Kranken, Pflegebedürfigen und behinderten Mitmenschen in unserem Staat. Nicht von ungefähr erreichte das anti-neoliberale Bündnis aus WASG und Linkspartei bei der Bundestagswahl einen Stimmenanteil von 8,7%.

    http://www.arbeiterfotografie.com/sozialraub/bild-brot-des-monats.jpg

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