Als ob sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in den letzten Monaten nicht schon genug Feinde gemacht hat, fordert er jetzt dem Focus Sozialabbau. Wörtlich sagte er: „Wenn die Kosten unseres Sozialmodells die individuelle und gesamtwirtschaftliche Leistungsfähigkeit übersteigen, stellt der Sozialstaat sein eigenes Fundament in Frage.“ Was nichts anderes heißt, als dass die Sozialmodelle zu teuer sind und diese Kosten deshalb verringert werden müssen. Er argumentierte weiter, dass es wichtiger sei, die Chancen auf Arbeit zu verbessern, der Schutz des Arbeitsplatzes ist zweitrangig.

Da der Bundesgerichtshof kurz vor Weihnachten entschieden hat, dass der Mannesmann-Prozess neu aufgerollt werden muss, sollte Ackermann in den nächsten Tagen und Wochen besseres vorhaben, als so ein Zeug zu quatschen.

via shortnews.stern.de


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8 Kommentare

  1. Neoliberaler 10. Januar 2006 · 21:10 Uhr

    Ackermann hat Recht: Wir können uns keinen Sozialstaat länger leisten, da nicht mehr finanzierbar. Nicht allein Sozialabbau, sondern die vollständige Abschaffung der sozialen Sicherungssysteme ist das Gebot der Vernunft und der Stunde. Denn die Kassen sind leer, das ist nunmal Fakt.

    Ex-Kanzler Schröder hat aus diesem Grunde die entscheidenden Weichenstellungen für die Überlebensfähigkeit des Standorts Deutschlands gestellt (Hartz IV, Agenda 2010 etc.).
    Vergessen wir nicht, daß wir im globalen Wettbewerb stehen und uns insbesondere innerhalb der EU als konkurrenzfähig erweisen müssen. Ansonsten wandern nämlich Arbeitgeber und Wohlhabende aus Deutschland in Länder ab, die ihnen vorteilhaftere Rahmenbedingungen bieten.
    Dies würde die Arbeitslosenzahlen immer höher steigen lassen, was nicht vertretbar wäre.

  2. Neoliberaler 11. Januar 2006 · 5:09 Uhr

    Ergänzend möchte ich noch auf eine weitere Forderung Ackermanns eingehen, die ebenso wichtig ist wie die Abschaffung der Lohnnebenkosten und somit der Sozialkassen, deren Existenz zu
    Mißbrauch, Abzocke und Selbstbedienung führen (sh. hierzu den gleichnamigen „Report vom Arbeitsmarkt“ des früheren Bundesministers Clement).
    Im übrigen bedeutet „sozial“ etwas ganz anderes, als dies von ungebildeten Schichten der Bevölkerung gemeinhin verstanden wird:
    http://www.insm.de/Datenpool/Sozial_ist…/Sozial_ist/Sozialist_-_Statements.html;jsessionid=627482EFDC112E3C6B59203F3D4C99D2
    Besonders hervorzuheben ist das Faktum, daß „sozial ist was Arbeit schafft“, denn alles, was die Entstehung neuer Jobs erleichtert, bedeutet für viele Millionen arbeitslose Menschen mehr Hoffnung auf einen Arbeitsplatz und ein sinnerfülltes Leben. Jede neue Stelle nützt aber auch der Gesellschaft, weil so neuer Wohlstand geschaffen wird.

    „Er [Ackermann] argumentierte weiter, dass es wichtiger sei, die Chancen auf Arbeit zu verbessern, der Schutz des Arbeitsplatzes ist zweitrangig.“

    Ackermanns These wird u.a. durch den renommierten Wirtschaftsexperten Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Werner Sinn untermauert, aus dessen Vortrag „Ist Deutschland noch zu retten?“ ich einige vordringliche Prioritäten herausstellen möchte:

    „Äußerliche Faktoren, wie die Globalisierung oder die Öffnung der Grenzen habe die
    Niedriglohn-Konkurrenz erhöht.
    […]
    Aber Sinn wies auch auf hausgemachte Probleme hin, die den Wachstumsmotor in Deutschland bremsen. Vor allem die viel zu hohen Lohnkosten führen dazu, dass zwar deutsche Firmen wettbewerbsfähig bleiben, indem sie einen Großteil ihrer Produktion in Ausland verlagern, aber die Menschen in Deutschland ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren. ’60 Prozent aller Firmen mit weniger als 5000 Mitarbeitern haben Standorte außerhalb der EU gegründet‘, so der Ökonom.

    Bedenklich sei vor allem, dass die Arbeitslosigkeit der gering Qualifizierten überdurchschnittlich zunehme. Der Sozialstaat, so Sinn, sei eine Konkurrenz zur Wirtschaft. Diesen Trend gelte es zu stoppen: ‚Wir dürfen nicht mehr so viel Geld dafür ausgeben, dass man nichts tut.‘

    Mit Öffnungsklauseln für Flächentarife und weniger Kündigungsschutz müsse der Arbeitsmarkt wieder ‚flott gemacht‘ werden, fordert Sinn.“

    http://www.csu-landtag.de/12870.html

    Fazit:

    Eine Absenkung der Lohnkosten auf osteuropäisches Niveau — oder besser, auf indisches/chinesisches Niveau – ist unerläßlich, um den Standort Deutschland in unseren Zeiten der Globalisierung und des daraus resultierenden knallharten Wettbewerbs für deutsche Unternehmer wieder attraktiv zu machen.
    Desweiteren stellen Gewerkschaften einen erheblichen Störfaktor dar, der beseitigt werden muß, um dem freien Spiel der Marktmechanismen Raum zu schaffen. Gewerkschaften verkörpern einen Anachronismus und sind daher als obsolet zu betrachten.
    Ein Blick auf die wirtschaftlichen Erfolgsmodelle Indien und China, welche die höchsten Wachstumsraten der Welt aufweisen, zeigt auf, daß marktgerechte Löhne und Arbeitsbedingungen — ohne die hemmenden Einflüsse von Staat und Gewerkschaften — zu Vollbeschäftigung führen und damit zum Wohlstand aller Bevölkerungsschichten beitragen. Daß viele deutsche Gastarbeiter bereits in Indien in Lohn und Brot stehen, ist daher nicht verwunderlich:
    http://www2.onwirtschaft.t-online.de/dyn/c/57/48/20/5748202.html

    Die jetzige Koalitionsregierung ist daher gefordert, umgehend die notwendigen Reformen durchzuführen, um einer drohenden Abwanderung nicht nur der restlichen Unternehmen, sondern auch von hoch- und niedrigqualifizierten Arbeitskräften ins Ausland zuvorzukommen.
    Ansonsten wären die Folgen — gelinde ausgedrückt — katastrophal für Deutschland. . .

  3. maltebecker 11. Januar 2006 · 23:36 Uhr

    Ich hoffe das war von Neoliberaler ironisch gemeint. Ich halte nichts von einer Absenkung der Lohnkosten auf ostasiatisches Niveau. Denn damit wird vielleicht die Existenz einzelner
    gesichert, das eigentliche Ziel- Wohlstandsicherung für alle- wird jedoch verfehlt. Im Übrigen beobachten wir in China doch auch völlige Entrechtung der Masse der Arbeiter und katastrophale
    Folgen für Natur und Umwelt. China lebt auf Kosten seiner natürlichen Ressourcen. Es erreicht seine niedriegen Arbeitskosten auch durch mangelhaften Arbeiterschutz- die Folge sind z.B. Grubenunglücke mit Todesfolge und wieder weitreichenden Umweltschäden. Nur wer(Ackermann?) gerne in Zukunft Heere von Tagelöhnern die
    in völliger Armut auf der Straße leben dem ist mit solchen Vorschlägen gedient. Diese Stuation wurde Ende des 19.Jahrhunderts glücklicherweise überwunden. Der Staat hat die Pflicht dafür zu sorgen dass das so bleibt.

  4. Neoliberaler 12. Januar 2006 · 6:53 Uhr

    @ Maltebecker

    Du denkst: „Ich hoffe das war von Neoliberaler ironisch gemeint.“

    Leider muß ich Dich enttäuschen, denn unsere Nation befindet sich in einer dramatischen Lage, in der jedwede Ironie fehl am Platze ist.
    Deutschlands Existenz und damit seine Zukunft ist ernsthaft gefährdet, weshalb es grundlegender und tiefgreifender Maßnahmen bedarf, um die drohende Gefahr des Zusammenbruchs unserer Wirtschaft abzuwenden. Wir leben in einer Zeit, die von Rekord-Arbeitslosigkeit und massenhaften Unternehmens-Pleiten geprägt ist. Betriebe aller Größenordnungen verlagern ihren Produktionsstandort ins Ausland, da sie dort die notwendigen Rahmenbedingungen vorfinden, um Gewinne erwirtschaften zu können.

    Du meinst: „Ich halte nichts von einer Absenkung der Lohnkosten auf ostasiatisches Niveau. Denn damit wird vielleicht die Existenz einzelner
    gesichert, das eigentliche Ziel- Wohlstandsicherung für alle- wird jedoch verfehlt.“

    Fakt ist: Die bequemen Zeiten, in denen sich die Deutschen in der sozialen Hängematte des Wohlfahrtsstaats der letzten 50 Jahre ausruhen konnten, gehören endgültig der Vergangenheit an.
    Wir leben nun in einer globalisierten Welt mit offenen Grenzen und freiem Kapitalverkehr, und dieser Realität müssen wir uns alle stellen. Der Bevölkerung in unserem Land bleibt nichts anderes übrig als den Gürtel enger zu schnallen, wenn sie ihren Wohlstand nicht durch ausländische Konkurrenz verlieren will. Dies bedeutet, daß die Absenkung der Löhne auf ostasiatisches Niveau unumgänglich ist, damit der Standort Deutschland wieder für Arbeitgeber attraktiv wird.

    Als Beispiel sei der bekannte Hersteller von Sanitär-Ausstattungen Grohe genannt, der unlängst bis auf eine Ausnahme sämtliche Produktionsstätten aus Deutschland ins Ausland verlagerte, u.a. nach China und Thailand.
    Warum sollte Grohe einem deutschen Arbeiter 28 Euro Stundenlohn zahlen, wenn für die gleiche Leistung eines thailändischen Arbeiters zwei Euro Lohnkosten anfallen? Das wäre doch betriebswirtschaflicher Irrsinn. . .

  5. bazinho 12. Januar 2006 · 11:10 Uhr

    @maltebecker
    natürlich ist das nicht ernst gemeint. Das ist irgendein Troll der Aufmerksamkeit will und sich das Gewand eines vorgeblich Neoliberalen über gestreift hat. Nur so besemmelt wir der jetzt die Gläubigen dieser Ideologie darstellt, sind die auch nicht.

  6. Sozialdemokrat für Oskar 16. Januar 2006 · 2:32 Uhr

    @ Bazinho

    Als Mitglied der SPD, die sich seit nunmehr sieben Jahren dem Neoliberalismus verschrieben hat, zählst Du doch selbst zu den Gläubigen dieser faschistoiden Ideologie. Nicht von ungefähr strotzen Deine Postings von fanatischer Verehrung Schröders und seiner Komplizen, die allesamt als Schlächter des Sozialstaats in die Geschichtsbücher eingehen werden.
    Insofern hast Du in dem Kommentator „Neoliberaler“ einen idealen Busenfreund gefunden, mit dem Du Dich nun ausgiebig über Eure asozialen politischen Ansichten austauschen kannst. . .

  7. Sozialdemokrat für Oskar 20. Januar 2006 · 2:21 Uhr

    @ Thorsten

    Dein Posting ist symptomatisch für die seit 1999 herrschende Arglistigkeit, Scheinheiligkeit, Doppelzüngigkeit und Heuchelei in Deiner
    „sozial“demokratischen Partei:

    Nirgendwo im von Dir verlinkten Focus-Artikel ist die angebliche Aussage Ackermanns zu lesen, er fordere Sozialabbau in Deutschland, wie Du in der Überschrift schreibst.

    Wörtlich heißt es in Focus:

    „Sozialmarktreformen gefordert

    Ackermann mahnte zudem weitere Sozial- und Arbeitsmarktreformen an. „Wenn die Kosten unseres Sozialmodells die individuelle und gesamtwirtschaftliche Leistungsfähigkeit übersteigen, stellt der Sozialstaat sein eigenes Fundament in Frage.“

    Nirgendwo steht geschrieben:

    SozialABBAU, sondern es ist ausschließlich von weiteren SozialmarktREFORMEN die Rede.

    Daß beide Ausdrücke austauschbar und damit gleichbedeutend sind, ist jedoch das Resultat von sieben Jahren rot-grüner Politik, die nun in der neuen rot-schwarzen Koalition munter weitergeführt wird.

    Wer, außer der WASG/Linkspartei, predigt denn seit 1999 unentwegt: „Reformen müssen sein.“?

    Prominenteste Beispiele:

    „Schröder: Die Reformen müssen weitergehen.“

    „Müntefering: Unsere Politik ist richtig.
    Bereits am Sonntag hatte der designierte Parteivorsitzende und SPD-Fraktionschef Franz Müntefering betont, die SPD werde ihre Bundespolitik nicht ändern.
    „Die Politik, die wir begonnen haben, ist richtig“, so Müntefering in Berlin.

    http://archiv.spd.de/servlet/PB/menu/1011220/1033903.html

    Wenn nun Ackermann weitere Sozialreformen anmahnt, so ist dies nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, daß er und seine Amigos als Angehörige der „oberen Zehntausend“ davon weiterhin profitieren. (Stichwort: Umverteilung von unten nach oben)

    Auf die Fortsetzung der Sozialreformen — sogar radikaler als bisher — dürfen sich Ackermann & Co. zweifellos freuen, denn vor ein paar Tagen kündigte SPD-Parteichef Platzeck die Abkehr von „sozialnostalgischen“ Vorstellungen an.

    In einem Beitrag für die „WELT am Sonntag“ hatte Platzeck für eine „bewegungsfreudige, auf geklärte und weltoffene“ Politik der linken Mitte geworben:

    „Solch eine zeitgemäße Politik hält nicht sozialnostalgisch an uneinlösbar gewordenen Sicherheitsversprechen von vorgestern fest.“

    Und SPD-Vize Kurt Beck ergänzte, es gehe der Partei „nicht mehr in erster Linie um Verteilungsgerechtigkeit.“

    Im Klartext heißt also die „zeitgemäße“ Politik der SPD:
    Den Sozialstaat nicht lediglich abbauen, sondern ganz abschaffen, denn er ist „uneinlösbar geworden“ und: Tschüß „Verteilungsgerechtigkeit“!.

    Glaubt Ihr WebSozis ernsthaft, Ihr könntet jemals noch eine Wahl gewinnen?

  8. Sozialdemokrat für Oskar 20. Januar 2006 · 2:26 Uhr

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.