In einem offenem Brief hat Jean-Remy von Matt, der Kopf hinter der „Du bist Deutschland“-Kampagne, sich bei den Bloggern für seine vergangenen Äußerungen entschuldigt. Zumindest sieht dies oberflächlich so aus. Verknüpft mit der Entschuldigung findet sich offene Kritik an den Bloggern und an „Kleinbloggersheim“. Sorry, aber eine ehrlich Entschuldigung sieht anders aus, das sieht für mich eher nach Schadensbegrenzung aus, die ein PR-Mann geraten hat. Besonders wenn jemand die „virale Kraft“ des Bloggens preist, aht dieser jemand nicht verstanden, worum es beim Bloggen geht und zeigt, dass er noch in den alten Kategorien des Sender-Empfänger-Schemas denkt.

„Auch wenn die meiste Kritik an meinem Text konstruktiv und ernsthaft war, empfinde ich es als kommunikativen Hausfriedensbruch, dass eine interne Mail wie eine Sau durchs Dorf „Kleinbloggersheim“ getrieben wird.“


Im Gegensatz zu den Lesern mancher Zeitungen hat jeder Blogger jederzeit die Möglichkeit, etwas anderes zu schreiben. Und wenn viele Blogger ähnliches schreiben, dann sind halt viele ähnlicher Ansicht.

Ganz zu schweigen davon, dass seine „Klowand“-Aussage nichts, aber auch gar nichts mit der „Heuschrecken“-Kritik von Franz Müntefering zu tun hat.
Fazit: Entschuldigung angenommen, aber du hast nichts daraus gelernt, Jean-Remy. (Die Kampagne ist trotzdem super!)

Macht euch euer eigenes Bild. Die ganze E-Mail im Wortlaut:

23.01.2006

Liebe Blogger,

meine Mutter hat mir noch mehr beigebracht.

Zum Beispiel: Wer einen Fehler macht, sollte sich entschuldigen. Oder auch: Wer austeilt muss auch einstecken können.

Aber zunächst zu mir und meiner Entschuldigung:
Es ist mir sowohl klar, dass es das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gibt, als auch, wie wichtig dieses Recht ist. Es ist mir insbesondere klar, wie viel die Weblogs für die Verwirklichung dieses Rechts tun – vor allem in Ländern, wo Meinungsfreiheit nicht selbstverständlich ist.

Insofern tut es mir leid, dass ich dieses Recht unbedacht in Frage gestellt habe. Ich hatte mich halt aufgeregt! Und eine Mail an meine Mitarbeiter geschrieben, die durch die berechtigte oder unberechtigte Kritik an einer Kampagne, an der sie monatelang hart gearbeitet haben, verunsichert waren und Zuspruch verdient hatten.

Vielleicht klang auch etwas Neid auf Euch durch, da die Form von Meinungsäußerung, die ich als Werbetexter seit über 30 Jahren betreibe, alles andere als frei ist: Jedes Wort wird vor der Veröffentlichung lange abgewogen, mit Auftraggebern verhandelt und dann noch repräsentativ auf seine Wirkung getestet.

Aber! Auch wenn die meiste Kritik an meinem Text konstruktiv und ernsthaft war, empfinde ich es als kommunikativen Hausfriedensbruch, dass eine interne Mail wie eine Sau durchs Dorf „Kleinbloggersheim“ getrieben wird.

Sollte es neben der Freiheit, eine Meinung zu verbreiten, nicht auch die Freiheit geben, eine Meinung nicht verbreitet zu wissen? Gilt beim Artikel fünf des Grundgesetzes nur Absatz eins, der das Recht auf Meinungsfreiheit definiert, und nicht Absatz zwei, der dieses Recht einschränkt, wenn die persönliche Ehre verletzt wird?

Kennt die Blogosphäre etwa keine Privatsphäre?

Viele von Euch schreiben, ich hätte mit meiner Mail ein Eigentor geschossen. Okay, eins vielleicht. Aber wie viele Eigentore schießt ihr gerade, indem Ihr mein Schlagwort „Klowände des Internets“ teils empört, teils genüsslich aufgreift im Sinne eines Agenda Setting verbreitet? Bei Technorati.com war der Suchbegriff zeitweise auf Platz 3!

Die Klowand-Debatte erinnert mich übrigens an Münteferings Heuschrecken-Debatte: In beiden Fällen gab es Kritik, dass ein Sachverhalt mit einem plakativen Bild unzulässig verallgemeinert wurde.

Die Heuschrecken waren ein Symbol für das Abgrasen und Weiterziehen. Die Klowände sind ein Symbol für das Anpinkeln und Verpissen – für Meinungsäußerung im Schutz der Anonymität.

Natürlich haben viele Investoren ethisch einwandfreie Ziele. Und natürlich haben viele Weblogs einen ernsthaften Ansatz. So haben mich die meisten Eurer Beiträge sehr inspiriert und mir die virale Kraft dieser Medienform bewusst gemacht. Vergesst aber nicht, dass auch die Kommentare den Content eines Weblogs bestimmen. Und vor allem dort habe ich einiges gefunden, was meinem Vorurteil neuen Schub gab: Leute, das war teilweise unterste Klowand!

Aber wie sagte noch mal meine Mutter: Wer austeilt, muss auch einstecken können.

Euer Jean-Remy von Matt

Update 18:40
Das Satiremagazin titanic hat das Ganze auch aufgegriffen:

Beleidigte Leberwurst des Tages: Jean-Remy von Matt
Er steckt hinter der „Du bist Deutschland“-Kampagne, und er findet es nicht gut, daß keiner sie mag: Jean-Remy von Matt spricht in einer an die Öffentlichkeit gelangten Email von mangelnder Dankbarkeit und Miesepetrigkeit. Schließlich sei die Kampagne ein „riesiges Geschenk“. Er selbst sei dagegen „auch nach dem 50. Mal gucken … immer noch berührt bis ergriffen“. Ganz im Gegensatz zu Webloggern. „Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?“ fragt JR v. M. ganz zu recht, und wir bitten hiermit jeden Computerbesitzer, der dies liest: Schreibt JR v. M.: Wie dankbar ihr seid. Daß ihr ihn in Zukunft vor Veröffentlichung um seine Erlaubnis bittet. Und daß er dem Land noch viel, viel mehr Werbung schenken soll. Deutschland kann es brauchen!


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3 Kommentare

  1. bazinho 23. Januar 2006 · 20:22 Uhr

    Auch eine schönes Zitat aus seinem Entschuldigungsbrief ist die Bezeichnung der Blogs als Klowände „für Meinungsäußerung im Schutz der Anonymität“. Eigentlich gelten ja gerade Blogs als authentisch, ehrlich und fair, da persönlich.

    Auch wenn es Kommentatoren gibt, die dass nicht so ganz begreifen. Aber die sind ja auch nicht Teil der Blogosphäre sondern unbeliebte Gäste. Hätte er gleich differenziert, hätte er sich auch nicht entschuldigen brauchen.

  2. Sozialdemokrat für Oskar 25. Januar 2006 · 8:40 Uhr

    Kein Wunder, daß mir gleich beim ersten Mal speiübel wurde, als ich den Propaganda-Spot „Du bist Deutschland“ sah.
    Beim Surfen entdeckte ich denn auch die anschauliche Ursache für meinen Brechreiz:

    https://kf.x-berg.de/forum/attachment.php?attachmentid=281&sid=6deb645dafe828c39ff1689b8d903b61
    http://rgz.blogsome.com/images/_003.jpg

    Bei diesem Photo handelt es sich um KEINE Montage, sondern es entstammt unzweifelhaft aus diesem Buch:

    Ludwigshafen – ein Jahrhundert in Bildern
    unsere Stadt im 20. Jahrhundert
    Veröffentlichungen des Stadtarchivs
    Hrsg.: Stadtarchiv Ludwigshafen am Rhein
    Ludwigshafen am Rhein
    Stadtarchiv, 1999
    ISBN 3-924667-29-2

    Die Bildunterschrift lautet:
    „Um 1935: NS-Kundgebung auf dem Ludwigsplatz.“

    http://www.spreeblick.com/2005/11/22/one-more-time-du-bist-deutschland

    Hier nun einige Kommentare zur DbD-Kampagne, die meiner Meinung nach eine gelungene Verquickung aus deutschem Neo-Nationalismus und Neoliberalismus darstellt:

    Ohne den alten Reichsnationalismus, der die Weimarer Republik überlebt hat, hätten die Nazis mit ihrer Ideologie schon ziemlich in die Leere gegriffen. Doch selbst ohne dem was die Nazis dann noch daraus gemacht haben sehe ich den alten Nationalismus als eine sehr perverse schizophrene Sache.Es geht wohl nicht darum ob dieser Spruch vorher schonmal verwendet wurde oder ob ihn die Nazis “geklaut” haben, seine Verwendung in klar Nationalistischen Umfeld zeigt auch wohin die Reise gehen kann – wenn “die da oben” meinen sie müssten Probleme in der Gesellschaft mit Propagande anstatt durch echtes Handeln lösen (dieses Vorgehen ist gar nicht mal so weit weg von dem Bismarcks im Kaiserreich, ein schockierender Gedanke, den solches Handeln hat immer in die Katastrophe geführt).

    Es ist einfach bezeichnend, wie hier wie dort mit den GLEICHEN MITTELN gearbeitet wird. Durchhalteparolen bleiben Durchhalteparolen. Billig waren sie immer, ob NS, DDR, oder BRD. Deshalb entlarvt dieses Bild die DBD Kampagne als das was sie ist: billige Propaganda.
    “Du bist Deutschland” war auch schon plump und billig, noch bevor dieses Foto auftauchte. Und es wäre auch plump und billig, wenn es dieses Foto nie gegeben hätte.
    Dieses Foto ist einfach nur eine göttlich realsatierische, absolut voll ins Schwarze gehende, mit Anlauf in die Ärsche tretende Bestätigung all dessen, was auch schon vorher an der Kampagne zu Recht kritisiert wurde. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
    Herr Cords, auch wenn Sie es wieder und wieder wiederholen, die Kampagne ist zumindest von meiner Seite (und ich bin in guter Gesellschaft) nicht in der Kritik, weil ich ein Problem mit meinem Selbstbewußtsein und meiner nationalen Identität habe, sondern weil sie ein propagandistischer Versuch ist, die Menschen auf Vereinzelung und eine “neue soziale Markwirtschaft” einzustimmen.
    es geht heute wie damals ums gleiche: Aktivierung des “Volkskörpers” für das “Vaterland”. Da ändern auch die Worte von Cordes nichts dran, sie bestätigen das eher nur.Und man kann durchaus erwarten, dass etwa die Regiesseurin des “Du bist Dtl”-Filmclips schon eine Ahnung haben könnte, mit welcher Art Slogan sie hier Propaganda betreibt. Claudia Ruge hat u.a. 1999 den Film “Ich bin stolz ein Deutscher zu sein – Annäherung der Wissenschaft” gedreht und über das Thema “Moderne Vergangenheitsbewältigung totalitärer Systeme“ promoviert.Links siehe http://de.indymedia.org/2005/11/133518.shtml

    “Es wird den Menschen vorgaukelt, „Sieh zu wie du klarkommst und lass mich in Ruhe“ -Ideologie sei die einzig gangbare Alternative. Im Kern dieser Ideologie ist der Propaganda-Ruf nach Individualismus am lautesten, er besagt, dass man es allein schaffen kann, wenn man es nur will und unterschlägt dabei, dass es eigentlich heißt, dass du es allein schaffen musst.” aka Vereinzelung.
    “Wir sind nicht Opfer irgendwelcher Umstände, die wir nicht beeinflussen können.”
    Nee, ist klar, die Arbeitslosen haben sich alle selbst entlassen, weil sie gerne mehr Freizeit haben, oder was? Sorry, aber das ist nun wirklich lächerlich.
    “Von den Nazis als staatliches Programm in Angriff genommen, um die eigene “Rasse” “höherzuzüchten”, wird heute vor allem die sozialdarwinistische Selektion demokratisch neu organisiert: jeder sein eigener Staat. Es wird dem einzelnen überlassen – dem einzelnen Behinderten oder der zukünftigen Mutter eines möglicherweise Behinderten oder dem einzelnen “unheilbar” Kranken und dessen Verwandten – zu erkennen, daß es sich bei ihm selbst oder bei seinem Kind oder Verwandten um “unwertes Leben” handelt (und im Sinne des zu realisierenden Werts handelt es sich tatsächlich um unwertes Leben); der Druck, der dem einzelnen diese “Erkenntnis” vermittelt, geht nun nicht mehr wie früher unmittelbar vom Staat aus, die Vernichtung wird nicht autoritär durchgesetzt, sondern sollte nach Möglichkeit von jedem einzelnen Betroffenen bejaht werden: Hier ist nicht nur seine Opferbereitschaft für den Staat, sondern ebenso sein Selbstbewußtsein als Arbeitskraftbehälter und Warenvehikel gefragt. Eine Gesellschaft von potentiellen Selbstmördern, von Menschen, die stets zum Suizid bereit sind, sobald sich ihre mangelnde Fähigkeit, Wert zu bilden und zu realisieren, herausstellt: Das ist das neue Ideal, das die demokratische Rassenhygiene bereithält.

    Das ist doch diese Kampagne, deren Logo aussieht, wie ein dampfender Haufen Hundekot in schwarz-rot-goldenen Fehlfarben. Das es für solch ein überflüssiges Hantieren mit dummdeutsch-nationaler Symbolik immer historisch Vorbilder geben wird, liegt nahe. Im Original war der stinkende Haufen aber immerhin noch authentisch braun. Nur gut, dass kaum jemand diese patri-idiotische Begleitmusik zum sozialen Angriff ernst nimmt.

    Das Interessante an diesem Bild ist doch nur, dass es die strukturellen Zusammenhänge zwischen dieser Kampange und der Geschichte darstellt. Die Kampange “Du bist Deutschland” zeichnet sich doch gerade durch ein höchstmaß an Nationalismus aus. Nennt es meinetwegen Patriotismus. Die Aussage (vor allem, wenn man die Erläuterung der dahinter stehenden Personen liest) bleibt: Man versucht die Menschen für ein abstraktes Konstrukt ( die deutsche “Nation” ) zu aktivieren, sie dazu zu bewegen sich für dieses Konstrukt selbst auszubeuten. Man versucht die „alten“ Werte wieder zu aktivieren, die schon damals wunderbar funktioniert haben: „Deutschland muß leben, auch wenn wir sterben müssen“, wie es so treffend formuliert an einem Kriegsdenkmal in Hamburg steht.
    Die Idee des Nationalismus – das der Einzelne weniger Wert sei als die Nation bzw. das Vaterland – mag nicht der einzige Grund für das Blutvergießen und den Massenmord im 20. Jhd. gewesen sein, aber sie trägt sicherlich eine Hauptschuld. Lange Zeit schien die Idee der Nation in Deutschland diskreditiert und wurde als Legitimationsmodell vom Sozialstaat bzw. der EU abgelöst. Nun nach der Wiedervereinigung sprießt der Gedanken wieder auf fruchtbarem Boden. Hoffen wir, dass er nicht mit den Kadavern von morgen gedüngt ist…

    Die jetzige Erweckungskampagne stammt nicht von irgendwelchen Neonazis; doch das ändert nichts an ihrem totalitären Charakter: dem Versuch, uns eine neoliberalismuskonforme Ideologie aufzuzwingen; in diesem Fall: die Ideologie des sog. positiven Denkens. Man bedenke, daß auch die Propaganda nicht von den Nazis erfunden, sondern nur perfektioniert wurde. Die jetzige Social Campaign wie die Propaganda der Nazis entstammt demselben Nährboden. Und darüber hat Karl Kraus alles gewußt und alles geschrieben. – Hier ein Dialog, der illustriert, weshalb die Deutschlandkampagne eine Double-bind-Kampagne und damit (ob faschistisch oder nicht; darauf kommt’s nicht an) übelste Gehirnwäsche ist:

    Cordes schrieb: “So besetzen wir den Begriff „Deutschland“ neu und positiv.”
    Nein. Das würdet ihr zwar gerne, aber eine solche Kampagne zu fahren sollte man nicht mit der Wirkung derselben verwechseln. Ob man mit so einer Kampagne etwas “neu und positiv” besetzen kann bleibt den RezpientInnen vorbehalten.
    “Der Begriff „Deutschland“ darf nicht für die Vergangenheit reserviert sein.”
    Oioioi. Das ist genau die Form behutsamer Kritikschelte die mir sehr auf den Wecker geht. Zwischen den Zeieln gelesen wird hier ein Schlusstrich gefordert, und das ist falsch. Kritische Auseinandersetzung mit “Deutschland” ist alles andere als Ruerckwaertsgewandt. Aber genau dieser Zirkelschluss soll mit dieser Kampagne erreicht werden. Und deshalb laesst mich der weiter unten stehende Anspruch auf das “Antifaschischtische” der Kampagne mich fast kotzen.
    “Die Kampagne verurteilt aufs Schärfste Nationalsozialismus, Rassismus und neonazistisches Gedankengut. Wir begrüßen und unterstützen die Aufarbeitung der deutschen Geschichte und verstehen die Kampagne als antifaschistisch, weil wir auf die Leistung und Persönlichkeit jedes Einzelnen und die Zivilgesellschaft setzen.”
    Wuerg. Hemdsaermelige Pressemitteilungsdutzendware.
    “Im TV-Spot belegen wir mit Bildern wie dem am Holocaust-Denkmal oder der Geschwister-Scholl-Szene, dass wir für Werte wie Menschenwürde, Demokratie, Respekt vor der Persönlichkeit und Pluralismus eintreten und uns de deutschen Vergangenheit stellen – ohne uns der Zukunft zu verschließen.”
    Ach ja, schon wieder dieser unterschwellige Vorwurf, alles Abseits des gute-laune-deutsch seins waere rueckwaertsgewandt, und ihr gebt die Volksbefreier mit eurer Kampagne die mit dem alten Muff so richtig aufraeumt…
    Ja? So stellt ihr euch das vor? Dass man euch den Mist so durchgehen laesst?“Deutschland ist nur mit aufrichtigem Geschichtsbewusstsein und Weltoffenheit zukunftsfähig.”Was ist denn bitte ein “aufrichtiges Geschichtsbewusstsein”? Der Kontext dieses Satzes ist doch ebenso wie beim Rest der Rede klar: Schluss mit dem schlechten Gewissen, her mit dem neuen Nationalismus im humansitischen Gewand.
    Und das ist “antifaschistisch”? Mir kommt’s schon wieder hoch… entschuldigung *HUALP*
    “Uns ist von Beginn an bewusst gewesen, dass es entsprechende Kritik an der Kampagne geben kann, weil Selbstbewusstsein und nationale Identität in Deutschland noch immer schwierige Themen sind.”
    “Schwierige Themen” soll wohl bedeuten, dass ihr angetreten seid hier zu entlasten mit eurem feelgood-deutschsein?
    Witziger Weise belastet mich meine kritische Haltung zu meinem Heimatland kein Stueck. Aber auf euren schicken Neo-Nationalismus im Schafspelz scheiss ich.“Das war für uns kein Grund, aus Angst vor einer Diskussion auf eine Kampagne zu verzichten, die wir in der aktuellen Situation für sehr wichtig halten.”Laecherlich. Diese Kampagne war ja eben als Rollback eines kritischen Deutschlandbildes angelegt. Sich auf diese laecherliche Weise selbst zum Martyrer einer Ueberkritischen Deutscfhlandkritischen Kultur zu stilisieren zeigt hoechstens eines:
    Die Ranzigkeit und Perfiditaet der ganzen Deutschlandkampgane.
    So, und jetzt geh ich wirklich kotzen.

    Hier zeigt sich die Gemeinsamkeit zwischen diesen Foto, und den zugehörigen spruch und der gegenwärtigen Kampagne. Die Vermischung unternehmerischer Interessen mit Staatsideologie.
    Eine gegenseitige Durchdringung, gebunden an das Ziel Deutschland zu der “Nr.1″ zu machen. Dabei decken sich politische und ökonomische Ziele.
    Was dabei rauskommt ist die Parole, Wir müssen in der globalen Welt die Nummer eins in der Profitmaximierung sein. Dafür brauchen wir aber Arbeiter die ihr Leben diesen Ziel opfern, also willige Deutsche die diese Ziele akzeptieren. Die Politiker senken Steuern für die Unternehmen, die Unternehmer tragen dafür zum Machterhalt der Politischen Eliten bei. Damit diese verbindung funktioniert braucht es Bürger die diese stützen. Die Kampagne ist also die Konsequenz, den sie fordert implizit die Aufgabe von demokratischer Mitbestimmung. Man möge doch akzeptieren dass man Deutschland ist, OHNE die Mögllichkeit zu bestimmen was aus Deutschland wird. Die Ziele formulieren andere, der Bürger darf das aber nicht merken.Ohnmacht ist eben typisch deutsch.

    Aus einem Interview, das Herr Fritzenkötter ( Leiter der Kampagne beim Burda – Verlag ) vor ca einem Monat der “Jungen Freiheit” ( Neofaschisten ) gegeben hat:
    Fritzenkötter: Weil die jungen Leute heute mehr denn je stolz auf das sind, was wir in diesem Land erreicht haben. Ich finde es gut, daß Vaterlandsliebe im besten Sinne wieder eine gewisse Rolle spielt, gerade in Anbetracht von Herausforderungen wie Globalisierung oder europäischer Einigung.undFritzenkötter: Patriotismus gibt den Menschen ein Gefühl von Selbstvertrauen und Sicherheit. Auf dieser Grundlage können wir den Leuten die Ängste vor der Globalisierung und der europäischen Einigung nehmen.

    Hier sind absolute Medienprofis am Werk gewesen, die uns sonst Tütensuppen und Babywindeln verkaufen, jetzt möchten sie uns einen neuen Patriotismus verkaufen. Das Bild zeigt nur, daß es einen alten Patriotismus gab und gibt und daß es damals auch Propagandaprofis gab..Jetzt kommt die spannende Frage: warum wollen die uns einen neuen Patriotismus verkaufen ?
    Da sagen unsere treuherzigen Profis: aus altruistischen Motiven , also das schon mal nicht ! Was ist eigentlich Patriotismus ( oder eben früher Nationalismus )? Im Kern der Appell, Teil einer Gruppe zu sein, die nach bestimmten Kriterien abgegrenzt ist, und die Bereitschaft zugunsten dieser Gruppe egoistische Wünsche und Ansprüche hintanzustellen, also ein schlechtes Geschäft zu machen, aber sich dabei gut fühlen.
    In welcher politischen Situation befinden wir uns heute ? Es geht um tiefe Einschnitte bei den Ausgaben des Staates und da werden die Lobbygruppen bis zum äußersten um ihre Privilegien kämpfen, die Eliten werden damit drohen Deutschland zu verlassen, also wird am meisten ganz unten eingesammelt werden, da ist es doch tröstend, daß die dann sagen können, ach ist ja für eine gute Sache, ist ja für Deutschland !Und mit diesem Probelauf haben sich die Medien schon mal für diverse Image- und Lobbykampagnen profiliert, die wir demnächst zu erwarten haben. Und da stehen sie in einer Reihe mit den Propagandisten des III. Reiches, die haben ja auch nur ihren Job gemacht und dafür Geld bekommen.
    Es macht Freude, die Päpste des Neoliberalismus dabei zu beobachten, was für geile Ideen sie aufs Neue aushecken, um uns eine neue Weltordnung schmackhaft zu machen. Entwickelte die Springerpresse bisher nur relativ einfallslos ihre Hetze, gute, arbeitende Menschen von minderwertigen “Sozialschmarozern” (Bild) zu spalten, um die Angst und Devotheit vor der Wirtschaft bei jenen zu schüren, die noch Arbeit haben, gibt sich jetzt der Rundumschlag der Medienkonzerne mal von der “familiären” Seite und lullt uns mit netten Videospots ein. Ist ihr Ziel, uns mitzuteilen, dass man nur nicht übellaunig meckern sollte, wenn der Konzernchef mal wieder 20.000 Leute entlässt? Schliesslich ist doch jeder seines eigenen Glückes Schmied, oder wie hier schon mal zitiert: “Jedem das Seine”, denn wenn sich jeder nur Mühe gibt, stehen auch ihm die Pforten des Konsumhimmels weit offen (ausserdem droht ihm nicht die Beschimpfung als “Parasit” o.ä.). Umgekehrt kann man es auch so lesen: hast Du es aus sch..egalwelchen Gründen nicht geschafft, ein guter Teil von Deutschland zu sein und Deinen wirtschaftlichen Beitrag geleistet zu haben, so hast DU versagt. Als moralische Instanz wird nach altem Brauch die Nation beschworen. Nicht, weil wie hier oft vermutet, freche Nationalisten am Werk wären (diese Werbefuzzis und Wirtschaftsvertreter pfeifen ja selbst auf die Nation bsp.: Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland), sondern, weil in einer spätkapitalistischen Welt einfach keine anderen Indentifikationsfiguren gefunden werden konnten. Nur ist die Rechnung dieser Propagandakeule scheinbar nicht ganz aufgegangen. Denn sie können uns Fleischabfälle zum Fressen vorwerfen, aber unsere Köpfe gehören (zumindest gilt dies für einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung) immer noch uns!

    Liebe Freundinnen und Freunde,ich fand diese ganze Werbeaktion schon recht befremdlich. Hatte aber bisher nicht das Vergnügen, mit diesem Foto konfrontiert zu werden, obwohl ich diese ganze Anzeigenaktion vom Empfinden schon ein wenig in die rechte Ecke sortiert hätte.
    Am Wochenende hatte ich dann das Vergnügen, einen alten Leni Riefenstahl Film, mit Heinrich George in einer der Hauptrollen sehen zu dürfen. Der Filmtitel lautete: “Der Hitlerjunge Quex!”
    Was glaubt ihr wohl, was dort für ein Werbespruch verwendet wurde, um auf Nationalstolz und die guten Absichten der Nazis aufmerksam zu machen? Zitat eines NS-Bonzen zu Heinrich George: “Das ist mein und Dein Deutschland!” Diesen Spruch zitierte Heinrich George dann später auch noch einmal gegenüber einem seiner “Kommunistenfreunde”, um ihn zu überzeugen! Meine Frau und ich waren schwer betroffen, da uns sofort diese dubiose Kampagne einfiel. Eigentlich sollte man doch von Marketingexperten erwarten, dass sie sich mit der Nazipropaganda im Vorfeld einer solchen Aktion auseinandersetzen, oder?
    Ein Schuft, wer böses dabei denken möge!!!!

    In der aktuellen diskussion, die sich in erster linie mit einer neuen und meiner meinung nach gefährlichen neoliberalen bewegung auseinandersetzt, die den einfluss der politik aktiv schwächen möchte um der wirtschaft zu noch mehr macht zu verhelfen, spielt eben auch die dbd-kampagne eine rolle. bevor du einfach nur an das gute in denjenigen bei bertelsmann etc. glaubst, die diese kampagne mitinitiiiert haben, würde ich etwas recherche empfehlen, anfangen kann man gut in der wikipedia unter “neoliberalismus” oder auch “initiative neue soziale marktwirtschaft“, die zwar angeblich nichts mit dbd zu tun hat, aber einen ähnlichen grundton anschlägt. diese leute sind schon längst in den schulen unserer kinder, anschelina. und das sind sie nicht, weil sie so gute menschen sind.es geht, ich wiederhole mich, nicht um “was gutes tun” oder um “gute stimmung verbreiten”. es geht allein um macht, einfluss, geld.das logo der werbeagentur jung von matt ist ein trojanisches pferd.
    und so schreibt die agentur folgerichtig im menüpunkt “unser großes vorbild” auf ihrer website:
    Gute Ideen sind wie das Trojanische Pferd:
    Sie kommen attraktiv verpackt daher, so dass der Mensch sie gerne hereinlässt. Erst dann entlarven sie ihr wahres Ziel: Eroberung.
    Die Kampagne beruht auf der Ideologie, dass eine nationale Identität “natürlich” ist. Das ist eine gefährliche Ideologie. Ich sehe die Kampagne als Vorläufer einer neuen Art des Faschismus. Vieles deutet auf ihn hin, z.B. die Entdemokratisierung von Entscheidungsprozessen durch Einsetzung von Kommissionen (Hartz IV, Nationaler Ethikrat), Haussuchungen bei Internetredaktionen aufgrund fadenscheiniger Anlässe, Verfolgung von Graffitisprayern durch den BGS, Sammellager für Flüchtlinge, Gleichschaltung der Massenmedien bei Kriegseinsätzen, Bewachung öffentlicher Räume durch Privatfirmen, Privatisierung der Forensik, 1-Euro Zwangsarbeit, Einschränkung der Freizügigkeit von unter 25-jährigen Alg II-EmpfängerInnen …

    Weitere Parallelen zur Nazi-Zeit:
    Die Du-bist-Deutschland-Kampagnenparolen erinnern im Wortlaut an Goebbels geistige Mobilmachung Dazu Beispiele aus der Du-bist-Deutschland-Kampagne und einer Rede Joseph Goebbels vom 18.11.1934 zum ‘Reichspressetag des
    Reichsverbandes der Deutschen Presse.’(aus Goebbels Reden 1932-45,
    Hrg.: Helmut Heiber 1971/72 Droste-Verlag)
    Im Manifest der Du-bist-Deutschland-Kampagne steht zum Schluß:
    “Behandle Dein Land doch einfach wie einen guten Freund. Meckere nicht über ihn, sondern biete ihm Deine Hilfe an. Bringe die beste Leistung zu der Du fähig bist. …”
    Im Vergleich Propagandaminister Joseph Göbbels 1934. (s.o.):
    “Zukunftsträchtiges muß die Presse aufspüren, muß dafür ein offenes Ohr haben. Die Presse soll nicht kritikastern, sondern die Pressesoll anregen, mithelfen. Soll Ratschläge geben, soll der Regierung zur Seite treten und soll mit dem Volke reden in seiner Sprache ….”
    Auf den Seiten von du-bist-Deutschland.de steht in großen Lettern unter Initiativen/Übersicht:
    “Ganz Deutschland zieht an einem Strang”
    Bei Goebbels hieß es:
    “Presse ist heute nicht mehr der Feind, sondern die Presse ist der Mitarbeiter der Regierung. Presse und Regierung ziehen heute eigentlich an einem Strang. … Hier ist eine große Kameradschaft im Werden; …”
    Man übersetze ‘Kameradschaft’ mit ‘Freundschaft’ und landet wieder beim ersten Zitat der Du-bist Deutschland-Kampagne. Es lohnt sich die Rede Goebbels (und auch andere) mit Blick auf die
    heutige Medienkampagne zu lesen, also sie mit der Motivation, der Planung, Durchführung und den Appellen der Du-bist-Deutschland-Kampagne zu vergleichen. Goebbels wandte sich jedoch mit seiner Rede damals nur an die Presseleute, die
    Du-bist-Deutschland-Kampagne hat natürlich ein viel umfassenderes Zielpublikum. Und doch scheint es so, als hätten sich die Kampagnenmacher an Göbbels Ratschläge gehalten. Zunächst mal konstatiert Goebbels, ähnlich den Kampagnenmachern, die ihre Medienspektakel ja nicht unmotiviert vom Stapel lassen, eine
    Krise:
    Goebbels 1934 (s.o.): “Die akute Krise muß überwunden werden!
    Vor allem, weil diese akute geistige Krise sich mit einer akuten wirtschaftlichen Krise verband und nunmehr wirtschaftliche und geistige Krise im Bereich des deutschen Journalistenstandes eine
    gewisse Lähmung und Resignation hervorrief ….
    Ich habe damals vor dieser Resignation gewarnt, habe versucht dem deutschen Journalismus Mut zu geben, ….”
    Das wünschen sich wohl die Kampagnenmacher von ihren Adressaten:
    “An die Stelle einer klagenden Resignation ist nun die mutige Selbsthilfe getreten, und zwar aus der Überzeugung heraus, daß niemand der Presse helfen kann, es sein denn, sie hülfe sich selbst.”
    “Und hat damit auch ihre eigene Mission wieder erfüllt, – nämlich nicht, wenn Krisen kommen, dem Volk den Kopf noch schwerer zu machen, als er ohnehin schon ist, sondern in gefährlichen Situationen um so mehr die Pflicht zu empfinden, den Kopf aufzurichten und ihm
    Mut und Kraft und Selbstvertrauen zurückzugeben.” Zitate von J.Goebbels 1934.

    Ist letzteres nicht auch Ziel der heutigen Medienkampagne, die auch eine Pressekampagne ist? ” … sondern maßgebend ist darüber hinaus
    auch, ob die Massen Tag für Tag mit diesem Mut infiziert werden.”(Goebbels)

    Der Bundesbürger wird mit der Du-bist-Deutschland-Kampagne bis heute
    absehbar 16 mal konfrontiert werden. “Jeder Deutsche wird durchschnittlich 16 Mal angesprochen.” (telepolis)

    Noch mal Goebbels 1934:
    Da ist es Aufgabe der der geistigen Führer der Nation in der öffentlichen Meinung und in der Staatsführung, nun die Stimmung aufrechtzuerhalten und den Massen die Möglichkeit zu geben krisenhafte Momente zu überwinden und gerade in Krisen Disziplin zu bewahren:
    Und nicht: Um so größer die Krise um so größer die Kritik, – nicht diesen Stadtpunkt zu vertreten sondern umgekehrt zu handeln,
    nämlich: Je größer die Krise, desto größer die nationale Disziplin!”

    Die Du-bist-Deutschland-Kampagne scheint ja als echter Breitensport angelegt zu sein.
    Selbst die Taktik, sie sich Goebbels zu eigen gemacht hat, nämlich “zum Volk aus Volk zu sprechen” scheint auch die Taktik der
    Du-bist-Deutschlandkampagne zu sein:
    Neben Prominenten (geistige Führer?) kommen auch so genannte Leute aus dem Volk in ihr zu Wort.
    Wir sollen unser Land wie einen Freund behandeln.
    Goebbels schloss damals seine Rede:
    “Und deshalb glaube ich, daß ich vor Ihnen nicht besser schließen kann, als wenn ich auch an Sie noch einmal den Appell richte, aus treuen Herzen unserm Vaterland zu dienen, denn es hat ja keine anderen Freunde als uns. …
    Wir können uns deshalb auf die Welt nicht verlassen, wir können uns nur auf uns selbst verlassen. Und deshalb müssen wir tapfer und mutig sein und dürfen niemals müde werden.”
    Goebbels geistige Mobilmachung war von einem Aufsatz Ernst Jüngers inspiriert. Er hieß:
    “Die totale Mobilmachung.” Dieser Erweckungsessay vom Anfang der 30-iger Jahre endet mit dem Satz: “Die totale Mobilmachung ist eine Mobilmachung des Deutschen.”

    Grund und Ziel der umfangreichen Goebbels-Zitate oben waren nicht seine verbrecherischen Ansichten zu verbreiten oder gar die Medienmacher der Du-Bist Deutschland-Kampagne als Nationalsozialisten darzustellen. Es sollte lediglich auf mögliche Strukturähnlichkeiten
    von Göbbels Pressekonzeption (Gleichschaltung) und die Konzeption und Durchführung der Du-bist-Deutschland-Kampagne hingewiesen werden.

    Was mich ärgert ist das die Kampagnenmacher sich hinter sogenannte Experten verstecken und nur Schadensbegrenzeung betreiben, ganz dem Prinzip jedes Mittel heiligt den Zweck. Ich will gar nicht abstreiten, dass die Kampagnenmacher hinsichtlich der Ästhetik, Verwendung anstößiger Begriffe und soweiter und sofort super politacal correct verfahren sind. Allerdings scheinen Methoden totalitärer Staaten und und Geesellschaften auf die Macher der Kampagne irgend wie sexy zu wirken oder ihnen zumindest damit keine Probleme zu bereiten.Das doppeldeutige “Du” (Anspielung einerseits auf ein zu selbstentfesseltes Subjekt, dem Betrachter, und anderseits des Führer, siehe Foto oben) der Kampangne von 1935 veranlasst mich zun einer neuen Sicht, wie man die heutige Kampange verstehen kann:
    Das Du zielt natürlich wieder auf den zu entfesselnden Beobachter/Subjekt. Aber worauf zielt die Kampange von heute symmetrisch der von damals noch?Was schreiben die Kampagnenmacher hinsichtlich Parteilichkeit der Kampagne:
    “Die Kampagne ist überparteilich und politisch unabhängig. Das war für die teilnehmenden Medienunternehmen Voraussetzung für ihr Engagement.
    Unter diesem Gesichtspunkt wurde der ursprünglich für Juli geplante Kampagnenstart auf einen Zeitpunkt nach der Wahl verschoben. Die Bundesregierung und die Parteien sind weder inhaltlich an der Kampagne beteiligt noch unterstützen sie diese durch Geldmittel. Die Botschaft der Kampagne hat jedoch von beiden großen Volksparteien Zustimmung erfahren.
    http://www.du-bist-deutschland.de/opencms/opencms/FAQs/FQ000005.html

    Und damit haben wir den Salat: Gemeint sind also die beiden großen Volksparteien. Und die bilden die sogenannte “große Koalition”
    Man könnte schlussfolgernd fast sagen statt der Führer ist gemeint die große Koalition. Titel des Koalitionsvertrags lautet:
    “Gemeinsam für Deutschland – mit Mut und Menschlichkeit
    Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, 11.11.2005″
    Damit wäre der Zusammenhang der Mutmacher-Kampangne sozusagen hergestellt.

    Auf die Ähnlichkeit des Kampagnenmanifests mit der Sportpalastrede des Reichspropagandaministers habe ich bereits Ende September hingewiesen; wenig später auch auf das, was die Agentur JvM über trojanische Pferde zu sagen weiß. Zweifellos ist das richtig; denn tatsächlich gibt es keine klare Grenze zwischen Marketing und Propaganda. Deren Meister wiederum waren Hitler, Goebbels & Co. Weshalb also sollten unsere pfiffigen Werbefuzzis nicht heimlich bei den Größten ihres Fachs in die Schule gegangen sein? Auch in der Wissenschaft existiert ja keine Lücke zwischen 1933 und 1945.Merke: Zwischen Gegenwart und Vergangenheit existiert keine klare Grenze. Damit müssen wir alle leben, ob wir’s wollen oder nicht.

    Das Abscheuliche an der DBD-Kampagne ist aber:
    1. mit welcher (tatsächlichen oder nur vorgeblichen?) Ahnungslosigkeit all unsere aufgeklärten Medienvertreter & Promis sie unterstützt haben und trotz aller Kritik noch immer unterstützen,
    2. daß noch immer alle so tun, als wären alle Ähnlichkeiten mit der Nazipropaganda rein zufällig, ergo völlig harmloser Natur – was mich immer an die alte Mär von den sicheren sozialistischen AKWs erinnert. Wenn es aber so wäre, daß keinem die Ähnlichkeit mit der Goebbelspropaganda aufgefallen ist, dann hieße dies nur, daß all die illustren Werbeleute, Politiker & Promis während des Geschichtsunterrichts gepennt haben. Und die wollen uns erzählen, wir seien Deutschland, ihr Deutschland? Au weia.

    Ergänzung zur Entstehungsgeschichte
    Wer immer noch an das Gute und Unparteiliche in der DbD-Kampagne glauben möchte, sei auf diesen Zusammenhang hingewiesen. Die gleiche gesellschaftliche Gruppierung, welche u.a. das neoliberale “Reform”gebell des verlogenen “Deutschland packts an” verbrochen hat (und u.a. im Bürgerkonvent organisiert ist), steht auch hinter den neoliberal-nationalen Erweckungsrufen der DbD-Kampagne.In diesen Kreisen meint man (so auch aktuell Meinhard Miegel), dass das System der deutschen Demokratie keine Legitimität habe und, dass man vor einer “Epochenwende” stehe.
    Beschäftigt man sich mit dem Dunstkreis, aus dem dies stammt, so wird man dort z.B. schnell auf eine beachtliche Begeisterung für eine geistige Stütze der nationalsozialistischen Bewegung stoßen, Carl Schmitt!Tatsächlich.Es müffelt durchaus.

    Lässt die gleiche Wortwahl Schlüsse auf ideologische Überschneidungen zu. 1935, als dieses Bild aufgenommen wurde, wurde offiziell noch nicht von Krieg gesprochen. Es war aber eine Phase, in der hohe Arbeitslosenzahlen künstlich gedrückt wurden und die Arbeitslosen zum “freiwilligen” Arbeitsdienst verdonnert wurden. Ein demokratische Form eines solchen Arbeitsdienstes erleben wir gerade; nach dem, was einige Vordenker wie Roland Koch vorhaben, ist die jetzige Form der Entwürdigung von Langzeitarbeitslosen erst der Anfang. Natürlich wird niemand gefoltert (manche planen allenfalls, besonders undisziplinierten Langzeitarbeitslosen den Weg in den ersten Arbeitsmarkt mit elektronischen Fußfesseln zu erleichteren), man entzieht ihm lediglich die materielle Existenzgrundlage.
    Die Devise “Anpacken statt Nörgeln” stand damals hoch im Kurs, wenn auch natürlich das Nörgeln möglicherweise schlimme Folgen hatte.
    Heute wieder anders, nämlich mediendemokratisch: die Nörgler (Linke, Gewerkschaftler, manchmal Kirchenvertreter) werden vorwiegend medial ins Abseits gestellt.
    Der Satz “Du bist Deutschland” deligierte damals wie heute Verantwortung vom Staat an die Einzelnen zurück. Der Staat nicht als Organisation, sondern als Organismus – das ist die Leitmetapher, die hinter beiden Kampagnen steckt, und es ist die Grundmetapher jeder Gemeinschaftsideologie. In diesem Organismus werden nicht funktionierende “Organe” zum Störfaktor. Sich so zu ändern, dass sie nicht mehr stören, sondern im Einklang mit dem Organismus arbeiten, wird zur Verantwortung des Einzlenen, zu dem er mit einigem Druck, zunehmend auch materiellem, gezwungen wird. “Du bist Deutschland” sagt ihm: Du hast das Zeug dazu, Deinen Beitrag zu leisten. Tust Du es nicht, dann liegt das nicht an Deinen Möglichkeiten und Chancen, sondern an Deiner Einstellung. Nicht Politik, sondern “Geist”, keine störenden Reden von sozialen Unterschieden (von Klassen redet ja heute keiner mehr, und das ist auch gut so (kicher)), sondern Maul halten und anpacken. Der gewaltige Unterschied wiederum:
    Früher hieß es: “Maul halten und anpacken, sonst KZ”. In Wirklichkeit ist die Regierung zwar nicht für alles verantwortlich, aber sie ist fürs Regieren verantwortlich und dafür, dass die sozialen Strukturen ausgewogen sind.

    Am 23.10.2005, 23.00 Uhr, gab es in der ARD anlässlich der Frankfurter Buchmesse eine Spezialausgabe des Kulturmagazins „Titel Thesen Temperamente“.Vor den Messehallen nicht zu übersehen: Plakate der Kampagne „Du bist Deutschland“.Marcel Reich-Ranicki wurde von den Journalisten auf sein Engagement für die Kampagne angesprochen und antwortete wie folgt:
    „Ich habe da mitgemacht, weil ich wahrscheinlich nicht so genau wusste, worum es da eigentlich geht. Es war wohl ein Fehler.“
    Dann widmete er sich wieder dem Bücher-Signieren.Was soll der Zuschauer von einer Kampagne halten, von der sich Herr Reich-Ranicki derartig distanziert?

    Das Foto existiert zwischenzeitlich auch in den ersten US-Presseberichten. Die allgemeine Tendenz der Amerikaner neigt von “Was bilden sich die Deutschen da wieder mal ein?”,
    “Was kommt als Nächstes von den Deutschen?” bis hinueber zu “Deutschland beleidigt Einstein”. Selbst sogar der bloggende Prof. Eric Mueller von der UNC Law School regt sich furchtbar darueber auf, Zitat:
    “…One of the “Du bist Deutschand” faces is Albert Einstein’s. Yes — German Jew Albert Einstein. Sorry, Germany. You don’t get to use Albert Einstein for a German feel-good ad. You kicked Einstein out in the thirties. If he’d stuck around, he’d have been murdered. Or, if you want Einstein, Germany, I tell you what. I’ll make you a deal: you can be Einstein if you want, but then you also have to be Himmler or Goering or one of the others who wanted him dead…”
    vgl. http://www.isthatlegal.org/archives/2005/10/einstein_nein_e.htmlSocial

    Marketing setzt an, wo die Instrumentarien von Regierung, Gesetzgebung und Verwaltung an ihre Grenzen stossen. Hier in diesem Einzelfall mit dem “Social Marketing” per eines “Du bist Deutschland” geht der Schuss nicht nur national in die Hose, sondern er produziert zwischenzeitlich auch international Empoerung. Mehr Schaden als wie Nutzen. Ein Schaden, den sich gerade die deutsche Wirtschaft in der derzeitigen Situation gerade auch auf dem internationalen Sektor ueberhaupt nicht leisten kann.Schickt doch der Jung von Matt/next GmbH einfach mal eine Rechnung mit Titel “Aufwendungsersatz” fuer die zahlreichen “Ja, aber, so ist das nicht gemeint”-Rechtfertigungen. Was meint Ihr, was in den USA da los ist? Man sollte die Kampagne-Macher echt auf 1.2 Mio US-Dollar Schadenersatz verklagen.
    Ist es nicht eine interessante Beobachtung, dass zum Zwecke eines ganz ähnlichen Ziels, nämlich der Identitätsstiftung durch einen Slogan (werbedeutsch: Claim), die Propagandaausdenker der NSDAP vor 70 Jahren zu einem wortgleichen Ergebnis gekommen ist, wie die Werbekünstler der aktuellen Kampagne heute? Was nicht heißt, dass die DbD-Macher Nazis sind, das ist natürlich absurd. Auch ist das nicht der Hauptkritikpunkt an dieser Kampagne. Aber eine interessante Parallele ist das allemal, finde ich.
    Und über Wahrscheinlichkeitsrechnung sollten wir jetzt nicht reden, denn die Wahrscheinlichkeit, dass drei häufig gebrauchte Worte der deutschen Sprache in dieser Konstellation als Slogan (oder überhaupt) verwendet werden ist natürlich alles andere als hoch. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dies so jemals in meinem Leben gelesen oder gehört zu haben. Aber das nur ganz weit am Rande. Ansonsten wundere ich mich immer wieder, wie leichtgläubig offensichtlich intelligente Menschen mitunter durch die Welt gehen. Die Kampagne will – und ich füge unnötigerweise die drei Worte ‘meiner Meinung nach’ hinzu, da manche hier ihre Meinung gerne als absolute Wahrheit hinstellen – die Kampagne will also keineswegs nur Mut machen, sondern durchaus, und zwar mit einem ca. 30 Mio. € Budget sehr massiv, agitieren. Agitieren nämlich in Richtung eines Deutschlands, in dem jeder seines Glückes Schmied sein soll, auch wenn ihm das nötige Eisen fehlt. Zu einem Deutschland, in dem die Menschen optimistischer sein und weniger klagen sollen, was natürlich besonders an die Adresse derjenigen geht, die unter der aktuellen, neoliberalen Politik seit Jahren am meisten leiden und daher folglich am meisten Grund zur Klage haben: die sozial Schwachen. Die anderen machen dann ja auch optimistisch ihr Sprüchlein aufsagend bei der Kampagne mit.
    Die DbD-Kampagne entspricht dem, was JvM unter Werbung verstehen: und das ist – wie du auf ihrer Website nachlesen kannst – nichts anderes als Manipulation a.k.a. Propaganda. Die aber verträgt sich nicht mit einer funktionierenden Demokratie. Das hab ich mal in der Schule gelernt. Iss allerdings 35 Jahre her.
    Damals rief Willy: Mehr Demokratie wagen.
    Heute scheint die Devise von Bertelsmann, JvM, INSM & Co. zu lauten: Mehr Manipulation wagen. Dies wiederum entspricht den erklärten Zielen der NLP-Gurus, Positivdenker etc.pp. Und das ist bereits seit Jahrzehnten bekannt. Lies mal den ollen Bestseller Die geheimen Verführer von Vance Packard. Die amerikanischen Verhältnisse, die er kritisiert hat, haben wir inzwischen hier in Deutschland. Und darum geht’s.
    PS. Vgl. auch Adornos Minima Moralia sowie Karl R. Poppers Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

    Welcome United Kingdom:“Slogan for German feelgood campaign was used by Nazis ”http://news.independent.co.uk/europe/article329451.ece and if you are from Germany, then also welcome to the press of Australia:
    “…The future is yours, don’t despair, things might be in the dumps but this is the land of Beethoven, Einstein and all those giggling little garden gnomes…
    http://www.theage.com.au/news/business/you-are-the-miracle-of-germany-now-lighten-up/2005/10/23/1130005992567.html

    Was kann der körperlich Behinderte dafür, wenn er nicht arbeiten gehen kann? Was kann der geistig Behinderte dafür, das er so ist wie er ist?

    Was kann ein, sagen wir mal 53 Jähriger Arbeiter dafür, wenn ihm Grundlos gekündigt wird?

    Was kann der 34 Jährige dafür, wenn die Firma bei der er angestellt ist, nach Japan abwandert?

    Was können Studenten die aus normal verdienenen Haushalten stammen dafür, wenn sie zukünftig keine 500 Euro Studiengebühr aufbringen können und keiner Ihnen einen Kredit gibt?

    Was kann ein Kind mit einer Lernschwäche dafür, das es “nur” die Hauptschule schafft? Was kann es dann dafür, wenn es keinen Ausbildungsplatz bekommt?

    …und dann wird man auch noch verglichen mit namentlich hochrangigen Prominenten und Spitzensportlern! Von einem Mitverantwortlichen kommt dann auch noch das Argument:
    “Wir sind nicht Opfer irgendwelcher Umstände, die wir nicht beeinflussen können.”
    WIE MARKABER IST DAS DENN BITTE ???!!!
    Was hat man eigentlich den Herrschaften der Prominenz erzählt, damit diese bereitwillig mit machen?
    “Hey es gibt zu viele unnütze Geschöpfe da draußen und diesen sollte klar gemacht werden das sie selber schuld an ihrer Situation sind!” ?

    Ein “Du bist die Zukunft” wäre zwar genauso sarkastisch denen gegenüber die ihre Zukunft nicht selber in die Hand nehmen können, aber auf alle Fälle angemessener und verständlicher gewesen. Ein “Du bist Europa” hätte ich vielleicht grade auch noch so hingenommen. Aber bei “Du bist Deutschland” hört für mich jegliches Verständnis für derartigen propagandistischen Nationalstolz auf! Und von wegen “da steckt kein Nationalstolz und keine Propaganda drin”! Grade für eine Medienwerkstatt (von dessen Betreiber man eigentlich erwarten sollte das diese über einen hohen IQ verfügen, denn umsonst wird man doch nichts (wie die Herrschaften selber so schön sagen)), sollte klar sein das jeder Vergleich eines Einzelnen mit sich in Bezug auf ein einzelnes Land nichts anderes als nationalsozialistisches Gedankengut beinhaltet.

    Jedem dürfte weit aus klar sein was ein Satz mit Betreff “Du bist Deutschland” für einen Zynismus beinhaltet, da kann man den Slogan drehen und wenden wie man will, der Kontext bleibt gleich! Ausserdem, was soll das mit dem in nationalfarben getünchtem, dem “Barcelona 92″ Logo verblüffend ähneldem, Logo? Hätte doch genauso gut ein komplett neu erfundenes Logo sein können, oder hatte man dazu keine Zeit mehr weil man unbedingt sein Ding drehen wollte?! Die Kampagne ist und bleibt eine bodenlose unverschämte Hetze, die sowohl ethische als auch Menschen würdigende Grundprinzipien angreift.
    Der gesamte Grundkontex der Kampagne erinnert ganz stark an Eines:
    -Arbeit macht frei-

    (Source

    Was ist Eure Meinung?

  3. Pottblog 27. Januar 2006 · 5:21 Uhr

    Hat Jean-Remy von Matt mit den Klowänden des Internets doch recht?

    Diese These wirft jedenfalls blog age auf.
    Erst einmal den Hintergrund zu den “Klowänden” im Internet:
    Vor kurzem bezeichnete der bekannte Werber Jean-Remy von Matt die Blogs als “Klowände des Internets”. Warum? Weil in den …

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.