Erst streichen sie 75 Millionen Euro bei der Kindergartenfinanzierung und jetzt dieses. Die CDU-geführte Landesregierung in NRW hat diese Woche beschlossen, praktisch alle Schulbereiche zu reformieren. Nach eigener Aussage hat NRW-Ministerpräsidentenplatzhalter Jürgen Rüttgers damit vor, das „modernste Bildungswesen Deutschlands“ zu schaffen. Die Eckpunkte:

– Auflösung der Grundschulbezirke
– Elternwille soll bei der Wahl der Mittelstufenschule (Real-, Gesamt-, Hauptschule oder Gymnasium) nicht mehr maßgeblich sein; Lehrer haben das letzte Wort
– Schulleiter werden durch eine Schulkonferenz gewählt
– Abschaffung der Leistungskurse in den Oberstufen auf Gymnasien
– Abiturprüfung nach der 12. Klasse in fünf Fächern; dabei Pflichfächer Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache

Praktisch alle Punkte haben diese Woche große Kritik hervorgerufen. Besonders der zweite Punkt stellt für viele Eltern eine Bevormundung dar. Die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW) in Person ihres Vorsitzenden Udo Beckmann schoß dann heute auch Richtung Rüttgers:
„Unsere Meinung steht fest, bitte verwirren Sie uns nicht mit Tatsachen. Dieses Motto scheint die Landesregierung bisher über die Beratungen über das neue Schulgesetz geschrieben zu haben.“

Dass das Bildungssystem in NRW einer Reform bedarf, da sind wir uns seit PISA wohl einig, aber es wär doch schön, wenn das ohne mehr Bürokratie und Elternbevormundung ginge, oder?

Danke für den Tip an KfA, auch wenn ich lange nach dem Artikel fahnden musste. Danke!!


Du kannst die Kommentare zu diesen Artikel durch den Kommentar-Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

4 Kommentare

  1. Uwe Berger 28. Januar 2006 · 9:53 Uhr

    Guten Morgen,
    ich frage mich ernsthaft, warum jetzt so viel Wirbel über Dinge gemacht wird, die voraussehbar waren. Die Menschen in NRW und BRD haben nach einem Wechsel förmlich geschrien und als es dann wirklich so kam, freute ich mich auf den ersten, der begreift, wohin der Wechsel führt. Schwarz-Gelbe Politik hat schon immer mit einer sozialen Auslese sympathisiert und Entscheidungen unter einem sozial verträglichen Mäntelchen versteckt. Heute ist es die Schulpolitik, morgen die Gesundheitspolitik. Die wird sich zunehmend nämlich auch nur noch in einigen wenigen Gesundheitszentren abspielen, so wie das Vorbild DDR es vorgemacht hat. Wirklich gewehrt hat sich niemand gegen Ziele dieser Art, weil Aktive jeder Farbe lediglich damit beschäftigt waren, ihre eigenen Pöstchen und Ämter zu behalten oder neu zu erreichen. Inhalte waren da immer lästig. Heute sind die Dinge bereits auf dem Weg und es ist zu spät zu kritisieren, was die offensichtliche Mehrheit der Menschen ja wohl ganz klar wollte.
    Ich kann das beruhigt sagen, weil ich mich erst nach Jahren frustriert wieder zurückgezogen habe, weil meine politische und menschliche Auffassung eine grundlegend andere ist.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.