Archiv: Februar 2006

Morgen findet unser Politischer Aschermittwoch statt. Von der Veranstaltung in Köln werden wir hier im Blog natürlich wieder berichten.
Hauptredner sind Jochen Dieckmann und Peer Steinbrück.
Wir werden uns bemühen, auch Auszüge der Reden in unserem Podcast zur Verfügung zu stellen.

[Update: Morgen ist heute schon gestern. Nur damit wir in der Choronologie noch richtig sind: Der Politische Aschermittwoch ist heute und wir waren auch da. Den Bericht dazu gibt’s aber erst morgen. Weil wir uns danach direkt zu einer Besprechnung zurückgezogen haben und jetzt „durch“ sind. In Schwerte wird wohl noch getagt. Verfolgt es in den Nachrichten und dann morgen hier im Blog.]


Vermutlich ist Edmund Stoiber gerade gar nicht wohl zumute. Morgen ist der politische Aschermittwoch und das heißt für den bayrischen Ministerpräsidenten, dass er einmal mehr den Alleinunterhalter geben muss, obwohl seine Talente doch eher in anderen Bereichen liegen.

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Dazu kommt, dass er sich mit seinem wankelmütigen Verhalten vor und nach den Bundestagswahlen nicht gerade beliebt gemacht hat. Um das ganze für Stoiber etwas einfacher zu gestalten, hat sich die CSU folgendes Motto einfallen lassen: „Mehr Stammtisch statt Popkonzert.“ Denn am Stammtisch und der damit verbundenen Rhetorik kennt er sich ja ganz gut aus (wir erinnern uns an die frustrierten Ostdeutschen). Und damit ihm auch keine unerwarteten Bösartigkeiten von Zuschauerplakaten irritieren können, werden diese von der CSU vorher eingesammelt und unbequeme Exemplare wahrscheinlich aussortiert (so was nennt man bei der CSU dann „Mach mit“-Aktion).


Ein Herrenmagazin hat die am besten gekleideten Männer der Republik geehrt und kommt beim WASG/PDS/Línkspartei-Frontrunner Oskar Lafontaine zu einem eindeutigen Urteil: Das Styling von Linkspartei-Fraktionschef Oskar Lafontaine sei „so verzweifelt elegant, dass es schmerzt“. Wenn es doch nur das Styling wäre, das schmerzt…


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Die Fusion von WASG und Linkspartei scheint eine schwierige Geburt zu werden. Nachdem sich der Berliner Landesverband der WASG entschieden hat, mit der Linkspartei bei der Abgeordnetenhauswahl im September zu konkurrieren, ist es vorbei mit der guten Stimmung. Grund für die Entscheidung war, dass die WASG eine starke Opposition und nicht wie die Linkspartei-PDS eine Regierungsbeteiligung bei der Wahl anstrebt. Nicht nur der Vorsitzende der Linkspartei Klaus Lederer erkennt in der inhaltlichen Differenz zwischen der WASG und seiner Partei, die „so groß wie zwischen Berlin und Wolkenkuckucksheim“ sei, ein offensichtliches Hindernis für die geplante Fusion. In der WASG werden nun nicht nur in Berlin wieder die Stimmen der Fusionskritiker laut. Abgesehen von Mecklenburg-Vorpommern, wo es schon lange Widerstand gegen die rot-rote Regierung gibt, formieren sich auch in NRW wieder die Fusionsgegner. Markus Schlegel, der schon vor der Bundstagswahl gegen die Fusion mit der Linkspartei mobil machte und als Antwort ein Parteiausschluss-Verfahren bekam, schreibt in seinem WASG blog, dass es angesichts der aktuellen Situation den PDS und WASG-Vorständen nicht gelungen sei, „die Mitglieder der WASG auf den Leim einer Fusion und eines so genannten „Eckpunktepapiers“ zu locken, das an Trost- und Ideenlosigkeit kaum zu überbieten ist.“ Nach dem Berliner Beschluss will er die Debatte über die politische „Zwangsehe“ mit der Veranstaltung „WASG pur“ wieder neu anstoßen.


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Schwäne über Rügen

Das war also eine Woche im Katastrophengebiet. In der Zwischenzeit werden in ganz Europa täglich neue Fälle gemeldet. Die ersten „Nutztierbestände“ sind „gekeult“ (Meine Güte, kann Sprache scheußlich sein.) Die Franzosen sorgen sich um Pasteten und Foit Gras, in Indien gibt es in der Parlamentskantine kein Geflügel mehr.

Und Rügen? Die Bundeswehr zieht ab, die meisten toten Vögel sind eingesammelt. Die Enten schwimmen immer noch im Wasser, und die Schwäne kümmern sich um die Aufzucht ihres Nachwuchses.


Ich hatte bereits einiges zum Besuch von Horst Seehofer auf Rügen geschrieben. Im „Rüganer Anzeiger“, dem lokalen Wochenblatt, finde ich heute weitere Details. Diese Fotos illustrieren sehr schön das Medienspektakel und was der Seehofer Horst so auf Rügen hat sehen können: nämlich Kameras. Und sonst nicht viel.

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Gerade habe ich einen interessanten Artikel bei der Deutschen Welle gelesen.
Darin wird der Direktor des Europäischen Journalismus-Observatoriums in Lugano (Schweiz), Stephan Russ-Mohl, mit der Aussage zitiert:

„Auch die seriösen Medien sind unter dem sehr starken Einfluss der Boulevard-Medien gezwungen, Dinge aufzuplustern, welche die Leute in Angst und Schrecken versetzen, obwohl dazu überhaupt kein Anlass besteht“.Die Bildsprache lege dabei oft das Gegenteil von dem nahe, was in den Artikeln stehe. Russ-Mohl: „Es wurden millionenfach Bilder von Menschen in Schutzanzügen gedruckt – und damit suggeriert, dass eine große Ansteckungsgefahr besteht.“

Dann will ich auch mal Bilder sprechen lassen:

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„Barbarie Entenbrust mit Waldhonig lackiert, Rotkohl und Schupfnudeln“. Gegessen auf Rügen. War sehr lecker.


Nun habe ich die ersten sehr erholsamen Tage auf Rügen hinter mir. Ich habe es bisher keinen Moment bereut hier zu sein. Es ist ruhig, friedlich und sehr leer.

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Panorama

Auf den täglichen Sparziergängen wird die Problematik der Vogelgrippe sehr deutlich. Es ist nämlich Vogelzug-Zeit. Tausende von Vögeln haben hier überwintert oder machen auf Rügen Rast. Egal wo man auch nur in die Nähe des Wassers kommt, überall sind Enten, Schwäne, Kraniche und und und (ich kenne mich da nicht so aus – bei den Vögeln).


Sie waren alle hier: Bundeskanzlerin Merkel, die hier ihren Wahlkreis hat, Landesagrarminister Till Backhaus und der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Horst Seehofer.

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Was sollen sie auch sonst machen? In sog. „Katastrophensituationen“ gibt es nur zwei Möglichkeiten: Nicht-Hingehen, dann kann das in der Öffentlichkeit ganz übel nach hinten los gehen (siehe Bush und New Orleans) oder eben hingehen. Schließlich tragen sie Verantwortung für die Menschen und die angeordneten Aktionen. Prinzipiell finde ich das richtig. Und wenn es ernst gemeint ist (wie bei Platzeck und der Oderflut) erkennen die Betroffenen das auch an. Aber auch ein Besuch kann nach hinten los gehen, wenn es mehr Medieninszenierung als sonst irgendwas ist. Und genau das ist auf Rügen Horts Seehofer passiert.
Der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.


Erstmal danke für eure Willkommensgrüße. Aber leider musste ich feststellen, dass ich mir den falschen Praktikumsplatz ausgesucht habe. Hätte ich noch ein wenig gewartet und mich bei der Düsseldorfer Staatskanzlei beworben, würde ich nun nicht auf einem normalen Bürostuhl, sondern auf einem 1000-Euro-Designerstuhl sitzen.

Rüttgers will laut Focus die Staatskanzlei für knapp 500 000 Euro umbauen und mit besagten Luxus-Möbelstücken ausstatten. Und das nachdem vergangene Woche in der Haushaltsdebatte zahlreiche Kürzungen auch in sozialen Bereichen wie der Jugendarbeit angekündigt wurden. Und wie war das nochmal mit der „Kultur des Verzichts“, die Rüttgers´ Finanzminister ausgerufen hat? Sehr glaubwürdig! Das finden auch andere blogger bei sternshortnews und 37sechsBlog. Dazu kommt, dass die SPD-Fraktion Zweifel hat, ob bei der Umbauplanung alles rechtmäßig zuging oder ob Partei- und Regierungsarbeit vermischt wurden.

Im Endeffekt bin ich dann doch froh, hier mein Praktikum zu machen. Da muss ich mir keine Sorgen machen, wo für mein Sitzgerät an anderer Stelle eingespart wurde.


Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.