Bisher konnte ich immer mit gutem Gewissen über die Kinospots der SPD sagen: die sind witzig, originell und unterscheiden sich wohltuend von den altbackenen und mit Klischees arbeitenden Spots z.B. der CDU. Das ist nun leider vorbei, denn die SPD Frankfurt ist auf die Kuh gekommen. Zur Zeit läuft in den Frankfurter Kinos ein Werbespot der SPD, den ich von vielleicht noch so eben von der CDU oder auch noch der FDP erwartet hätte, aber nicht von der SPD.

Da ist eine 3D-animierte Kuh zu sehen, die versucht einen Stier für sich zu interessieren. Was macht sie also? Sie zieht sich schwarze Strapse an. Der Stier ist nicht interessiert. Auch der zweiter Versuch mit gelb-grünen Strapsen funktioniert nicht. Texteinblendung: „Versuch es doch mal mit Rot!“ Das macht die Kuh, wackelt in roten Strapsen mit dem Hinterteil und der Stier läuft brünftig auf sie zu. Text: „Jetzt SPD Frankfurt“. Ende.

frankfurt_kuh.jpg

Liebe Genossinnen und – vor allem – liebe Genossen aus Frankfurt: ist euch und eurer Werbeagentur wirklich nichts besseres eingefallen, als mit altbackenen und sexistischen Klischees für eine Partei zu werben, deren Hauptziele immer auch die Emanzipation der Frauen war und ist? (Nur so am Rande: am 8. März war Internationaler Frauentag.)

Natürlich kennen wir alle das Prinzip, „bad news are good news“. Das wurde in der Politik bisher aber eher von politischen Kleinparteien, Möllemännern, Lafontaines und sonstigen Irrläufern benutzt, wenn es ihnen sonst nicht gelungen war, mit politischen Inhalten auf sich Aufmerksam zu machen.

Bei der Oscarverleihung gibt es eine Kategorie „Die Goldene Himbeere“ für den schlechtesten Film und die schlechtesten Darsteller. Und es gibt noch viele andere Preise für solche Werke, die noch weniger schmeichelhafte Bezeichnungen haben. Die Preise würdet ihr mit eurem Kinospot spielend abräumen.

Also, liebe Genossen aus Frankfurt: das war nichts. So was von überhaupt gar nichts. Euer Spot ist mir so peinlich, wie noch nie eine Werbeaktion der SPD.
Sechs. Setzen.

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14 Kommentare

  1. Benno 10. März 2006 · 17:17 Uhr

    Au Backe, so kann man sich auch eine Wahlkampagne verhageln. Ich sehe schon Dutzende Frankfurter Rentner im Kino mit Ihren Stöcken fuchteln und über diesen „Sozi-Schwoingram“ schimpfen. Liebe Frankfurter SPD: Ihr habt gegen die CDU einer offenbar sehr populären Oberbürgermeisterin Petra Roth eh schon nicht die allerbesten Chancen — aber selbst die droht ihr euch jetzt noch zu ruinieren. Das Geld für diesen Spot hättet ihr euch besser mal für ein paar hübsche Großflächenplakate gespart.

  2. Walter 12. März 2006 · 16:26 Uhr

    Wenn man dieses „Filmchen“ so in Bausch und Bogen verdammt. Warum setzt man dann Downloadlinks darunter?

  3. Benno 12. März 2006 · 18:09 Uhr

    @Walter:

    Na, es wäre doch witzlos und unfair, wenn man einen im Internet abrufbaren Film kritisieren, aber nicht die entsprechende Quelle angeben würde. Schließlich soll sich jeder ja auch sein eigenes Bild von dem Film machen. Als Werbung für den Film war die Verlinkung jedenfalls wohl nicht gedacht.

  4. Jammalappe 13. März 2006 · 15:19 Uhr

    Ausziehen, Ausziehen !
    Gibts nach den berühmten Abnickerparteitagen der SPD dann auch brasilianische Tänzerinnen (wie unter Hartz bei den VW-Kollegen) zur Belohnung ?

    Wenns in der heutigen politischen Regressionsphase nicht so traurig wäre, könnte man über solche Entgleisungen ja noch lachen.
    Leider ist dies keine rein Frankfurter Erscheinung sondern porträtiert, so sehe ich es, die gesellschafts-, gedöhns- und sozialpolitischen Ansichten der immernoch aktuellen SPD-Führung doch sehr genau.
    Alle Frauen ausser Mama sind sowieso Scheiße, oder ?
    Vor allem dann wenn sie auch noch so dreist sind (wie bspw. Fr. Nahles, Fr. Wieczorek-Zeul) und Karriere machen oder in Zeiten der Eigenvorsorge für eine eigene Rente, Krankenversicherung, etc. sorgen wollen.
    Wer kann sich nicht an die frauenfeindlichen Hasstiraden des Seeheimer Kreises nach der Wahl von Andrea Nahles erinnern ?

    Deshalb:
    Weshalb regt sich hierüber noch jmd. auf ?
    Dieser Spot ist für den Wahlkampf zwar evtl. ein bisserl zu ehrlich. Aber authentisch isser auf jeden Fall.

  5. Jammalappe 13. März 2006 · 15:21 Uhr

    @Dirk

    Wenn Dir das nicht passt, solltest Du dir vielleicht eine andere politische Homebase suchen. Basta. ;o)

  6. TylerDurden 14. März 2006 · 18:41 Uhr

    Der Spot ist allerdings ziemlich erfolgreich, wie Heise berichtet:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/70807

  7. Benno 14. März 2006 · 21:35 Uhr

    @TylerDurden:

    Klar, in Frankfurt und darüber hinaus scheint der Spot ja auch schon ein vieldiskutiertes Wahlkampfthema geworden zu sein. Da bleibt es natürlich nicht aus, dass viele Leute neugierig werden und sich den Spot erstmal runterladen, um zu sehen, worum es dabei überhaupt geht. Das muss aber noch lange nicht heißen, dass die Leute den Spot letztendlich auch gut finden.

    Laut „Frankfurter Rundschau“ ( http://www.fr-aktuell.de/ressorts/frankfurt_und_hessen/frankfurt_und_hessen/?sid=4ff8f21d3a924d7fd5ba12845e3afdc9&cnt=825230 ) hat sich jedenfalls sogar die ASF, die SPD-Frauenorganisation, über den Spot beschwert. Und die Frankfurter SPD hat unter die Downloadlinks auf ihrer Website ( http://www.spd-frankfurt.de ) noch demonstrativ ein Zitat eines Psychoanalytikers gesetzt, um zu belegen, dass es noch Menschen gibt, die den Spot nicht für frauenfeindlich halten.

    Ich finde das alles ziemlich peinlich und bleibe bei meiner Einschätzung, dass dieses ganze Theater die Wahlchancen der Frankfurter SPD ganz bestimmt nicht steigern wird.

  8. Dirk (blog.nrwspd.de) 15. März 2006 · 9:57 Uhr

    das zitat des „psychoanalytikers“:
    „(…)“Bösartig“ findet der Psychoanalytiker Rolf Haubel den Comic-Strip nicht. Auch nicht frauenfeindlich. „Wenn man das für frauenfeindlich hält, wären 95% der Werbung frauenfeindlich“, erklärte der Professor, der das Sigmund Freud-Institut zusammen mit Marianne Leuzinger-Bohleber leitet. (…)“ (Frankfurter Rundschau vom 10.03.2006)

    ich würde mich nicht auf 95% versteigen wollen, aber in der tat: ein großteil der werbung reproduziert ein rückständiges frauenbild. meine meinung. und von wegen freud: da ließe sich sicherlich ein ausfürhrlicher diskurs über „freud und sein frauenbild“ führen…

  9. Tessa 16. März 2006 · 14:52 Uhr

    @ Nanni: das muss ich jetzt doch noch loswerden: findest du wirklich jede PR ist gute PR? Klar, im Wahlkampf geht es um Aufmerksamkeit, nur sollte die nicht das Image schädigen. Oder ist die SPD in Richtung Spaßpartei für dich auf dem richtigen Weg?

    Tessa

  10. Tina 19. März 2006 · 22:51 Uhr

    Frauenfeindlich? Also ich finde den Spot sehr gut gemacht. Das ist mal etwas erfrischend anderes als immer nur das „Herumgehacke“ und Werbeplakaten mit Bildern von Personen die ich sonst nirgendwo mal gesehen habe, der SPD scheint da echt noch etwas einzufallen. Den Spot finde ich auf jedenfall von der Idee wesentlich besser als Sonnenblumen (die Grünen) in der Fussgängerzone zu verteilen. Oder Schwarze Luftbalongs (CDU). Sicherlich kann man sich über den Spot aufregen aber gleich rumzuschreihen das er Frauenfeindlich ist finde ich extrem überzogen und ich denke mal ich bin da nicht die einzigste Frau.

  11. snail 20. März 2006 · 8:46 Uhr

    Ich verstehe die ganze Aufregung überhaupt nicht. Was bitte ist an Strapsen frauenfeindlich oder sexistisch? Oder geht’s gar um die Kuh?

  12. Benno 20. März 2006 · 10:43 Uhr

    Gut, dann lassen wir den frauenfeindlichen Aspekt mal ganz weg. Aber selbst dann noch finde ich den Spot ziemlich peinlich. Ich finde es einfach nicht OK, wenn sich meine Partei im Wahlkampf von zwei schubbernden Rindern repräsentieren lässt. Da darf es niemanden wundern, wenn dann andere (vor allem die politische Konkurrenz) ihren Spott über die Frankfurter SPD ausschütten. Und dabei sollte man doch gerade im Wahlkampf versuchen, sich nicht selber ein Bein zu stellen. Angesichts des öffentlichen Echos (wie gesagt, neben vielen anderen haben auch Vertreter der SPD diesen Spot kritisiert) kann man den Spot jedenfalls wohl kaum als Erfolg bezeichnen.

  13. MariLau 21. März 2006 · 11:18 Uhr

    Ich weiß garnicht, was sie haben? Das ist doch die geilste Kuh der Welt und ich [übrigens selber weiblich] fühl mich nicht durch diese Kuh als Subjekt herabgesetzt und unterstütze diese Werbekampange weiterhin, obwohl ich NPD Fan bin.
    Ich finde der Kultfaktor dieser Kuh ist unbezahlbar und regt dadurch Jugendliche an sich auch einmal für die Politik zu interessieren.
    Mfg

  14. Carsten Wawer 21. März 2006 · 16:27 Uhr

    @MariLau:

    1. Die geilste Kuh ist immer noch die hier: http://tinyurl.com/eeccg

    2. Wie wird man denn bitte zum „NPD-Fan“? Das hat irgendwie was von rechter Dreck meets Tokio Hotel…

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.