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OK, jetzt mal ganz im Ernst. Was der Politiker oder die Politikerin sich in diesem Land so alles bieten lassen muss, um gewählt zu werden, das ist schon schlimm. Aber was so auf Fragen von Journalisten geantwortet wird, das verleitet mich hier dazu, mal die Band „Die Ärzte“ zu zitieren: „Das sind Dinge, von denen ich gar nichts wissen will.“ Die Bild-„Zeitung“ macht heute mit der Schlagzeile auf, dass die angehende Ministerpräsidentin von Baden-Württemberg, Ute Vogt, sich von einem Radiosender an einen Lügendetektor anschließen lassen musste und Fragen nach ihrem Sexualleben beantwortet hatte. Wir erfuhren, dass sie schon mal einen Orgasmus vorgetäuscht hat. Erfrischend ehrlich, aber will ich so etwas wissen? Aber auch die Kandidaten der kleinen Parteien lassen sich da nicht lange bitten:

Baden-Württembergs Grünen-Chef Winfried Kretschmann hatte am Dienstag das Volk über Hit-Radio Antenne 1 wissen lassen, dass er in seiner Studentenzeit mal 38 Halbe Bier zu sich genommen und danach noch Posaune in einer Kapelle gespielt habe. Und FDP-Justizminister Ulrich Goll bekannte, als Professor mal in eine Studentin verliebt gewesen zu sein.
Jetzt darf man gespannt sein, was der dröge Amtsinhaber Oettinger morgen zu erzählen hat. Der ist nämlich morgen dran. Ob der mal länger als bis 22 Uhr aufgeblieben ist? Oder seiner Lehrerin mal nicht gehorcht hat? Man weiß es nicht und man will es auch gar nicht wissen.
Also: Die Journalisten stellen seltsame Fragen und die Politiker antworten leider. Und das Tollste daran: Ich fühle mich jetzt irgendwie „schmutzig“, dass ich überhaupt darüber berichtet habe, aber ihr wißt ja: Die Chronistenpflicht.

Mehr Meinungen dazu gibt es hier, hier, hier.


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4 Kommentare

  1. Benno 23. März 2006 · 18:47 Uhr

    Was Oettinger morgen zu erzählen haben wird? — Dass er einmal die Kehrwoche hat ausfallen lassen und bis dato noch keinen Bausparvertrag angelegt hat. Das wird zumindest in Schwaben für einen derartigen Sturm der Entrüstung sorgen, dass sich Oettinger den Wahlsieg abschminken kann. ;-)

  2. Kai 24. März 2006 · 17:44 Uhr

    Fernab von der tollen BILD Zeitung gibt es dazu einen lesenswerten Kommentar in der TAZ von heute:

    http://www.taz.de/pt/2006/03/24/a0123.1/textdruck

    (Ich weiss aber nicht, ob der da nicht auch irgendwann ins Bezahlarchiv wandert)

  3. Emanzipationsminister 26. März 2006 · 1:02 Uhr

    Die kandidaten der übrigen Parteien hatten es deutlich gemütlicher als Frau Vogt, welcher als einzige unter die Bettdecke geguckt wurde und welche ja auch noch in widerlicher Weise als feuchter Traum durch die anderen Sendungen geisterte.

  4. Roter Kanzler 6. April 2006 · 9:20 Uhr

    Ich habe früher im Fahrradkeller meiner Schule mal verbotener Weise geraucht. Jetzt habe ich Angst das ich kein Münzenaugust im OV werden darf. Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht, sollten wir eine Selbsthilfegruppe aufmachen?

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.