Heute organisieren wir ein großes Neumitgliedertreffen in Münster. Rund 300 frisch eingetretene Genossinnen und Genossen haben sich angemeldet.

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Wir wollen mit den Neumitgliedern darüber sprechen, welche ersten Erfahrungen sie in der SPD gemacht haben, warum sie eingetreten sind und welche Erwartungen sie haben. Das hilft uns, das Angebot für Neumitglieder in der Zukunft weiter zu verbessern. Um Politik geht es auch. Der Landsvorstand wird mit den Neumitgliedern über die Leitbilder der NRWSPD diskutieren. Mit dabei sind Jochen Dieckmann, Michael Groschek, Birgit Fischer, Britta Altenkamp, Karl Schultheis und Gabriele Frechen. Und wir werden auch etwas erzählen zum Mitmach-Center. Sozusagen exklusiv vorab (Das gibt es dann für alle Anfang nächster Woche).

Los geht es um 11.00 Uhr. Wir werden heute hier berichten und auch zeitnah Fotos in unseren Flickr-Account einstellen. Ich mache mich jetzt fertig und auf den Weg.
Bis später.

Neumitgliedertreffen. Wie war das damals bei mir, als ich in die SPD eingetreten bin? Das ist ziemlich genau 10 Jahre her – das klingt für mich länger als es mir vorkommt.
Politisch aktiv war ich vorher schon, in verschiedenen Initiativen, an der Uni in Bochum. Die PDS war (und ist) mir zu rückwärtsgewandt, da trieben sich mir viel zu viele alte DKPler rum. Die Grünen waren mir vor Ort viel zu sehr von sich überzeugt, da herrschte das Prinzip vor: „Wir haben die politische Weißheit mit Löffeln gefressen“. Alles andere, CDU, FDP, Splitterparteien kamen ohnehin nicht in Frage. Also, die SPD. Ich wollte 1996 mithelfen, dass die Ära-Kohl nicht noch länger dauert. Die 16 Jahre Kohl waren für mich schlimm, es herrschte Stagnation und bleierne Schwere im Land.

Johannes Rau fand ich immer gut. „Wir in NRW“, das war ein Identifikationsslogan. Das war Solidarität, soziale Gerechtigkeit. Und Rau sprach auch davon, dass Ökonomie und Ökologie miteinander verbunden werden müssten. Aber vor allem Kohl war jenseits meiner sonstigen politischen Überzeugungen ein wichtiger Grund in die SPD einzutreten. Ich bin dann in das nächste SPD-Büro gegangen und habe gesagt: „Guten Tag, ich möchte Mitglied werden“. Ein wenig überrascht war man schon, zumal ich damals auch noch etwas anders aussah (pink-schwarze Haare). Aber die Kollegin im SPD-Büro war sehr nett, gab mir den Aufnahmeantrag und informierte mich ein wenig über die Parteiarbeit vor Ort. Und schickte mich zu den Jusos. Und in den Ortsverein. Und da bin ich dann hingegangen. Und habe die mir erst mal alle angeschaut. Und die mich. Ganz ehrlich, wenn ich nicht so sehr gewollt hätte, ich wäre wieder gegangen. Zu verschieden war das, was ich im Kopf hatte und was ich dort antraf. Mich interessierten keine Hierarchien und viele kamen mir komisch vor. Die waren seit Ewigkeiten in der SPD, ihre ganze Familie, und die schienen auch nichts anderes zu machen als Parteiarbeit und nur Leute zu kennen, die Parteiarbeit machten. Bei einigen war das auch so. Und bei den Jusos gab es welche, die trugen Frisuren, wie ich sie in den 70er-, Anfang der 80er-Jahrer, erwartet hätte, aber nicht mehr Ende der 90er. Und dazu kam dann auch der „Partei-Sprech“: Ortsverein, Stadtverband, Unterbezirk, Landesverband, Bundespartei, UB-Ausschuss, LaKo, Delegiertenkonferenz, BuKo und und und… Wer sollte das verstehen, wer was warum wo macht und machen darf und kann. Und in Dorfkneipen bin ich vorher auch noch nie gegangen. Warum auch. Und alle haben sich geduzt. Auch das war komisch am Anfang. Aber ich habe mich nicht vom ersten Eindruck abschrecken lassen. Und bin wieder gekommen. Und habe mitgeredet. Und gemacht. Und organisiert. Und ich durfte. Und konnte. Und man hat mich auch nicht mehr komisch angeschaut. Sondern unterstützt. Und ich habe andere Leute kennen gelernt Und immer mehr Genossinnen und Genossen kennen gelernt. Und ich wurde gewählt. Und ich konnte mehr machen und organisieren. Und ich wurde ernst genommen. Auch von Älteren. Und ich habe mir blutige Nasen geholt. Weil ich mich nicht an Spielregeln gehalten habe, die nicht meine waren. Ich habe gelernt, was geht und was nicht. Ich habe gelernt, das Demokratie Konsens bedeutet. Auch wenn es einem manchmal nicht passt. Und ich habe viele gute Erfahrungen gemacht. Wie toll es ist, wenn man Sachen gemeinsam mit anderen plant, umsetzt und Erfolg hat. Wenn man Anträge auf Parteitagen vorträgt und dafür Mehrheiten bekommt. Wenn man Dinge wirklich verändern kann. Wie es ist, immer mehr tolle Leute kennen zulernen. Auch von den sog. großen Politikern, wie z.B. Franz Müntefering. Der einem zuhört. Und ernst nimmt.
Und deshalb – und noch wegen vieler anderen guten Erfahrungen – bin ich gerne in der SPD. Und habe meinen Entschluss in die SPD einzutreten nicht bereut.
Und wie ist es bei euch?

Zurück nach Münster.
Während wir gerade das Mitmach-Center der NRWSPD vorgestellt haben, ist ein anderer Blogger schon schneller gewesen: Jens, vom Pottblog, berichtet auch über das Neumitgliedertreffen.

Ich lade jetzt erst mal die ersten Foto runter (und dann auch hoch).
So. die ersten Fotos findet ihr bei Flickr
Und hier sozusagen das Fotoprotokoll:

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Ankunft in Münster

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Jeder bekommt ein eigens Namensschild

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Erste Gespräche und gegenseitiges Kennenlernen

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Michael Groschek begrüßt die rund 300 Neumitglieder

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Vorstellung des Mitmach-Center der NRWSPD

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Auch Mike Groschek wirbt für die Beteiligungsmöglichkeiten im Internet

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Der Juso-Vorsitzende Alexander Bercht erläutert die Jusoarbeit

Nach der Einführung geht es in die Arbeitsgruppen. Die Neumitglieder schildern ihre ersten Erfahrungen (die sich gar nicht so sehr von dem unterscheiden, was ich oben beschrieben habe…)

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Einsames Bloggen, während die anderen arbeiten.

Es ist zwischenzeitlich Sonntag geworden, das Mitgliedertreffen liegt hinter uns. Ich habe gerade die restlichen Fotos hochgeladen, ihr findet zur Zeit 231 Fotos unter http://www.flickr.com/photos/nrwspd/.

Ich fand die Veranstaltung sehr spannend, vor allem, dass viele Erfahrungen beim Erstkontakt mit der Partei sich doch ähnelten. Mich würden aber vor allem die Eindrücke von all denjenigen interessieren, die da waren. Also einfach unten die Kommentarfunktion nutzen und die Eindrücke schildern.
Ein schönes Wochenende an alle.


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7 Kommentare

  1. WebSozisBlog 25. März 2006 · 13:02 Uhr

    Neumitgliedertreffen der NRW-SPD in Münster

    Am heutigen Samstag findet in Münster das Neumitgliedertreffen der SPD in Nordrhein-Westfalen statt. Hier haben Neumitglieder die Chance die SPD kennenzulernen und sich und ihre Ideen einzubringen.

    Natürlich sind auch die Jungs von blog.n…

  2. RoterKanzler 26. März 2006 · 10:17 Uhr

    Na dann mach ich hier mal den Anfang. Ich war mit meinem Kollegen und Genossen auch dort, wir fanden die Veranstaltung insgesamt recht gut. Lediglich die erste Gruppenarbeit und die Foren hätten sehr viel mehr Zeit benötigt. Für beide Teile war definitiv zuwenig Zeit vorgesehen. Allerdings war dies die erste Veranstaltung in dieser Form und die Idee, Neumitglieder einzuladen, ist Klasse (sonst macht es ja keiner). Ich wünsche mir wirklich, dass die OV’s und Unterbezirke die Ergebnisse der Gruppenarbeit bekommen und daraus lernen. Also, super Veranstaltung, ich würde sie erneut besuchen und sie hat Lust auf mehr SPD gemacht.

  3. RoterKanzler 26. März 2006 · 10:22 Uhr

    Ich vergaß: Wir haben natürlich auch viele nette Leute getroffen und was sehr positiv war, ist die Anzahl der Teilnehmer. Die war ordentlich, schön das es so viele „Neu-Sozialdemokraten“ gibt.

  4. Michaela 26. März 2006 · 21:02 Uhr

    Ich fand das Neumitgliedertreffen sehr gelungen , obwohl ich mir für die Gesprächsgruppen und die Foren auch etwas mehr Zeit gewünscht hätte !!!
    Das Zusammenkommen mit den vielen andere „Frischlingen“ und der Erfahrungsaustausch hat mir doch einiges von meiner Unsicherheit genommen ! Der Tag hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und mich in dem Vorhaben bestärkt ein aktives Mitglied in der SPD zu werden !
    Vielen Dank für diesen tollen Tag … und die Kartoffelsuppe war auch lecker :-))) !!

  5. Jens 26. März 2006 · 21:57 Uhr

    Na dann Herzlich Willkommen in der SPD ;-)

    Ich denke das dieses Neumitgliedertreffen auch was zur Einbindung von neuen Mitgliedern beiträgt und ihren etwas Handwerkszeug bietet. Aber auch die SPD lernt etwas über die neuen Mitglieder, nämlich wo man ansetzen muss, um etwas zu verbessern. Denn ich denke, dass gerade in den Ortsverbänden ein frischer Wind mit neuen Ideen wehen muss ;-) Und das bringen gerade die neuen Mitglieder.

  6. Jens H 26. März 2006 · 22:41 Uhr

    Volltreffer! Besser hätte man es nicht machen können, der Tag verging wie im Fluge.Habe auch schon interessante Menschen kennengelernt, in einer interessanten Partei!

  7. Stefan 28. März 2006 · 6:32 Uhr

    Von Organisation und Ablauf bin ich begeistert. Das klappte fast wie am Schnürchen. Und man lernte andere Neu-Mitglieder kennen, denen es mit „ihrer“ SPD ähnlich erging. Kritik? Ja, auch. Manche der gehaltenen Reden brachten mich an die Einschlafgrenze und ich hätte mir mehr Inhalt gewünscht. Alles in allem war es jedoch keine verschwendete Zeit, zu diesem Treffen zu kommen.

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.