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„Wenn man einen Film gegen einen der reichsten und mächtigsten Männer Europas macht, läuft man Gefahr, damit nicht im Kino zu landen, sondern vor Gericht. Besonders, wenn es sich dabei um den amtierenden Ministerpräsidenten Italiens handelt.“ (Filminfo zu Bye Bye Berlusconi)

In diesen Sätzen liegt viel Wahres und dennoch hat sich ein junges Filmteam entschlossen, sich mit dem Film „Bye Bye Berlusconi“ in die italienischen Parlamentswahlen, die am 9. April stattfinden, einzuschalten.
Die Idee mit einem Kinofilm in das politische Geschehen einzugreifen ist nicht neu. 2004 probierte Michael Moore bereits mit seinem Dokumentarfilm „Fahrenheit 9/11“ den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zu ungunsten von George W. Bush zu beeinflussen. (Leider) erfolglos, wie wir wissen.
Lucia Chiarla, Jan Henrik Stahlberg (Regie& Drehbuch) und Martin Lehwald (Produzent) starten nun einen neuen Versuch. Diesmal ist, wie der Titel unschwer ahnen lässt Silvio Berlusconi die Zielscheibe.

Lucia Chiarla, die das Drehbuch geschrieben hat, will mit dem Film vor allem eines erreichen. Sie will die aktuelle Situation in Italien, die ihrer Meinung nach durch Gleichgültigkeit gekennzeichnet ist, verändern: „denn sie ermöglicht es Berlusconi erst, korrupt zu sein, Gesetze zu seinen Gunsten zu ändern, politische und mediale Macht immer weiter zu konzentrieren und jedes Mal ungeschoren davon zu kommen.“ Diese Problematik greift der Film auf. Die Story ist einfach, aber hat Wirkung: der italienische Ministerpräsident wird entführt und vor Gericht gestellt. Die Anklagen (die juristisch und realitätsnah aufgearbeitet wurden) reichen von Bestechung bis hin zu illegaler Parteienfinanzierung. „Ziel der Entführung war es, Berlusconi endlich einen fairen und unabhängigen Prozess zu machen, in dem er nicht – wie im wahren Leben – nach Lust und Laune die Gesetze ändern konnte“ erklärt Regisseur Jan Henrik Stahlberg.
Da das Thema gerade vor der Wahl natürlich besondere Brisanz besitzt, wurden einige Szenen bereits herausgeschnitten und die Story nochmal verändert. Der Film musste klar als Satire definiert werden. Und so entstand der Film-im-Film über ein Drehteam, das einen Film (eine Satire) über die unglaubliche Entführung des Silvio Berlusconi drehen will. In der Endfassung wird der Name Berlusconi dann kein einziges mal mehr genannt und Italien nach Entenhausen transformiert. Dort herrscht „Micky Laus“, Besitzer eines Melonen-Imperiums. Doch trotz diverser Transformationen verliert der Film natürlich nur wenig an Aussagekraft für die Realität.

Aufmerksamkeit für den Berlusconi-Film haben die Filmemacher schon durch mehrer Aktionen mit ihrem Berlusconi-Double erlangt. Maurizio Antonini, eigentlich Schuhverkäufer in Rom, sieht Silvio Berlusconi zum verwechseln ähnlich und sorgte nicht nur beim Weltwirtschaftsforum in Davos für Aufsehen, als er sich im Namen Berlusconis für die Polizeigewalt rund um den G8-Gipfel in Genua entschuldigte, sondern auch als er bei der King Kong Premiere den Ministerpräsidenten „vertrat“. In beiden Fällen fielen Veranstalter und Medien auf ihn rein und letztere mussten ihre Berichterstattung am nächsten Tag korrigieren.
„Bye Bye Berlusconi“ wird diesen Donnerstag (30.3.) in Deutschland anlaufen. In Italien wird er zunächst nicht zu sehen sein, was vielleicht schon reicht, um ihn dort zum Politikum zu machen. Wenn ihr wissen wollt, wie der Prozess ausgeht und welches Strafmaß „Micky Laus“ erwartet, müsst ihr hier hin gehen:

Düsseldorf : Metropol
Köln: Filmpalast
Aachen: Apollo
Bielefeld: Lichtwerk
Bonn: Woki (So., 2. April: Podiumsdiskussion „Ist ein deutscher Berlusconismus möglich?“ in Anwesenheit des Regisseurs)
Münster: Cineplex (Mi., 5 April: Podiumsdiskussion „Ist ein Deutscher Berlusconismus möglich?“ in Anwesenheit des Regisseurs)


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2 Kommentare

  1. Roter Kanzler 30. März 2006 · 19:06 Uhr

    Leute, lest mal den Artikel „Das System Berlusconi“ des aktuellen Stern, Nr. 14. Das hat jetzt nicht unbedingt etwas mit dem Film zutun, wohl aber mit dem Thema. Das muss man zweimal lesen um es zu glauben. Da wird einem ja Übel und so was in Europa.

  2. fabio 15. Februar 2010 · 15:01 Uhr

    nun schaeme ich mich fuer Berluschini… Aber enteuscht bin ich von Angela und die neue koalition … die Berluschini folgen……

Alles was zwischendurch passiert. Wir schreiben’s auf.