Die schwarz-gelbe Landesregierung kommt ja hier in der Regel (völlig zu Recht) nicht gut weg — und bei mir schon gar nicht. Aber ich finde, jetzt hat sich doch mal wenigstens ein Minister dieser Regierung einen Gummipunkt verdient: Wie SPIEGEL Online berichtet, hat Integrationsminister Armin Laschet (CDU) seiner eigenen Partei die Mitschuld dafür gegeben, dass es zu solchen Vorfällen mit ausländischen Jugendlichen wie aktuell an der Berliner Rütli-Schule kommen konnte. Gegenüber der „Berliner Zeitung“ räumte Laschet ein, die Union habe zu spät erkannt, „dass wir ein Einwanderungsland sind und eine Einwanderungspolitik brauchen“. — Holla, solche Worte hört man aus dem Munde eines CDU-Politikers wirklich nicht oft.

Aber es geht noch weiter: „Es sei viel Zeit verloren worden, ‚weil wir gedacht haben, dass spätestens in der dritten Generation die Integration automatisch da ist'“, wird Laschet bei SPIEGEL Online zitiert. Außerdem sprach sich der Minister gegen eine Abschiebung der besonders schwierigen Jugendlichen aus: „Kriminelle kann man abschieben, aber hier handelt es sich um sozial desorientierte Jugendliche. Sie sind an den Problemen am wenigsten Schuld.“

Hut ab vor einer so ehrlichen und unpopulistischen Bestandsaufnahme! Egal ob schwarz, ob rot, ob gelb oder grün: Solche Politiker mit der Fähigkeit zur Selbstkritik verdienen Respekt. Hoffen wir mal, dass Armin Laschet diese Erkenntnisse auch in seiner eigenen Regierungsarbeit verwertet.


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2 Kommentare

  1. Karin 4. April 2006 · 15:19 Uhr

    Dass Laschet das alles einsieht ist ja schön. Auch Kauder hat im ZDF am Sonntag ähnliches gesagt. Allerdings mit der Schulssfolgerung, dass dieser Zustand Deutschlands als „Einwanderungsland“ sich ändern müsse. Migration und Integration gehören also immer noch nicht zu den Lieblingsthemen der Union…

  2. Kai 4. April 2006 · 20:58 Uhr

    Bei aller berechtigten Kritik am politischen Gegner auf der schwarzen Seite, komme ich leider nicht umhin, festzustellen, dass wir selber auf sozialdemokratischer Seite wenig anzubieten haben. Es genügt nicht bei solchen Diskussionen ständig nur auf die rückständige CDU zu zeigen, wenn wir selber wenig zur Debatte beitragen. Momentan wird das Thema Integration in der öffentlichen Debatte mehr als deutlich von der CDU und ihren Köpfen bestimmt. Das sollte nachdenklich stimmen.

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